Ljubljana for Poetry Lovers (LV: Topics in Literary Translation; W 2016, S 2018, S 2019)

Umgesetztes Projekt

Ziele

Fachliches Ziel von Ljubljana for Poetry Lovers war, professionsrelevant erfahrbar zu machen, was die Faszination literarischen Übersetzens ausmacht, welche Heraus-forderungen sich stellen und welche Lösungswege beschritten werden können.

 

Hinzu trat das strategische Ziel der erlebten Transzendierung nationaler Konzepte in Wissenschaft und Kultur – der gelebte Austausch über tradierte Grenzen hinweg sollte gestärkt werden.

 

In vielfältigen Ausprägungen interkultureller und interinstitutioneller Kooperation sollte dazu zeitgenössische slowenische Lyrik ins Englische und ins Deutsche übertragen und zur Publikationsreife gebracht werden.

Kurzzusammenfassung

Die Anglistik-Institute der Universitäten Ljubljana und Klagenfurt führten von 2016 bis 2019 das Projekt Ljubljana for Poetry Lovers zu literarischem Übersetzen durch, das in vielfältiger Weise internationale, inter-institutionelle und interkulturelle Kooperation vorsah und in eine gemeinsame Publikation mit dem Fremdenverkehrsbüro der Stadt Ljubljana mündete.

 

Studierende der Uni Ljubljana erstellten hierbei englische Übersetzungen zeitgenössischer slowenischer Lyrik, welche Klagenfurter Studierende während eines zweitägigen Workshops in direktem Kontakt mit ihren slowenischen Kolleg_innen weiter ins Deutsche übertrugen. An ausgesuchten Plätzen von Ljubljana mit Bezug zu den Texten oder Autor_innen wurden die Gedichte zuletzt dreisprachig vorgetragen, ergänzt um biographische Angaben zu den Autor_innen. Diese Literatouren (sic) wurden vom Fremdenverkehrsbüro in sein Führungsprogramm übernommen und als dreisprachige Lyrikbände in Druckversionen veröffentlicht.

 

Die qualitative Analyse der Studierendenberichte mittels Critical Incident Technique dokumentiert den Erfolg des gewählten Zugangs der Community of Practice, der eine fruchtbare Kooperation über eine historisch nicht unbelastete Grenze hinweg ermöglichte, ebenso wie auch den Brückenschlag von Universität zu Tourismuswirtschaft.

Summary

Ljubljana for Poetry Lovers is a project that the University of Klagenfurt and the University of Ljubljana carried out between 2016 and 2019, showcasing international, inter-institutional and intercultural co-operation.

 

The project involved Ljubljana students translating contemporary poetry from Slovene into English and Klagenfurt students then translating the poems from English into German, in direct collaboration with their Slovene counterparts. It culminated in shared tours of multilingual poetry readings in relevant locations around Ljubljana. A volume detailing the literary tours, comprising poems in all three languages and biographical data on the authors was published by the Ljubljana Board of Tourism. The project thus combined in a novel manner indirect literary translation and intercultural communication.

 

Using narrative analysis and the Critical Incident Technique, the project evaluation shows how the task of collaborative indirect literary translation succeeded in forming a temporary Community of Practice, which in turn enabled co-operation between academic theory (translation studies and linguistics) and language practice. Co-operation also crossed the political border between Slovenia and a region – Carinthia – with which it shares a history of cohesion and conflict. Finally, when the Ljubljana Board of Tourism integrated the project into its regular programme, a mutually beneficial co-operation between academia and the world of business was established.

Nähere Beschreibung

1 Entstehung

Entstanden ist das Projekt aus einer Begegnung auf einer Konferenz, bei der vorgestellt wurde, wie in der Sprachausbildung an der Anglistik der Uni Klagenfurt authentische Settings durch Projekte und extramurales Arbeiten angestrebt werden.

 

2 Ziele

Vereinbart wurde daraufhin die Kooperation zwischen Ljubljana und Klagenfurt mit den vorrangigen Zielen,

• das Verhältnis zwischen Autor*innen und Übersetzer*innen durch das Projektdesign nachvollziehbar zu machen,

• die Genugtuung erfahrbar zu machen, die sich aus der intensiven Auseinandersetzung mit Lyrik im Rahmen des Übersetzens ergibt,

• das Englische als Arbeitssprache natürlich zu motivieren und

• die affektiv-kulturelle Distanz zu verringern, die zwischen den beiden nahe beieinanderliegenden Städten vielfach noch beobachtbar ist.

 

3 Ablauf

 

Phase I

Ljubljana: Studierende wählen Gedichte aus, die einen Bezug zu einem Ort in der Stadt aufweisen (durch Leben der Autor*innen, Denkmäler, Topoi der Texte usw.) und übersetzen diese in Kleingruppen ins Englische, angeleitet durch Dr. Kavalir und Kolleg*innen.

 

Klagenfurt: Studierende entwickeln theoretische und praktische Kompetenzen im literarischen Übersetzen und sind an Exkursionsvorbereitung beteiligt (Sponsoring, Fahrgemeinschaften, Arbeitsunterlagen)

 

Phase II

Exkursion, Teil I

In Ljubljana treffen beide Gruppen aufeinander. KLU-Studierende werden randomisiert den Kleingruppen aus LJU zugeteilt und ziehen nach kurzer Einführung in die Stadt. Die Bezugsorte der Gedichte werden aufgesucht, Gedichte und Biographien erstmals vorgestellt.

Im Anschluss arbeiten die KLU Studierenden an den Übersetzungen ins Deutsche, zuweilen, spontan, auch in dialektale Fassungen oder in andere Erstsprachen der Studierenden. Begleitung durch Dr. Chudoba.

Im abendlichen Plenum aller werden Beobachtungen, Fragestellungen und Lösungswege besprochen. Die Kleingruppen werden angehalten zu Überlegungen betreffend die Inszenierung der Gedichte und deren Übersetzungen am Folgetag. Danach freie Abendgestaltung für Studierende, während Lehrende eine Endredaktion vornehmen und Broschüren anfertigen und in Gruppenstärke ausdrucken.

 

Exkursion, Teil II

Am Folgetag geht die Gruppe geschlossen die Orte mit lyrischem Bezug ab (Literatour) und trägt dort halböffentlich die Gedichte vor. Als Abschluss wird die slowenische Hymne in slowenischer und deutscher Fassung in vertauschten Rollen gelesen (KLU auf Slowenisch, LJU auf Deutsch).

 

Phase III

Ljubljana und Klagenfurt, jeweils eigenständig: Berichtverfassung durch Studierende, Aufbereitung des Bildmaterials, allenfalls Nachbereitung der Übersetzungen

 

 

4 Abschluss und Einsatz

 

Diese Struktur wurde in drei Iterationen (Nov 16, April 18 und Mai 19) durchgeführt. Das erstellte Material (18 Dichter*innen) wurde in Kooperation mit dem Institut für Slowenistik der Uni Ljubljana und dem Tourismusamt der Stadt Ljubljana ergänzt und als Broschüre (Auswahl von 10 Dichter*innen) herausgegeben, die nun im Rahmen von mehrsprachigen Führungen eingesetzt wird.

(Ljubljana Tourism, www.vistiljubljana.com)

 

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Die nachfolgende Beschreibung in englischer Sprache wurde einem Artikel von Kavalir/Chudoba entnommen, der sich vorrangig mit interkulturellen und translationsdidaktischen Aspekten auseinandersetzt und sich dzt. (Feb 2020) in peer review zur Publikation befindet.

Für weitere Details und Ergebnisse wird auf diesen Artikel verwiesen (voraussichtl. Erscheinungsjahr 2020)

 

 

The Ljubljana for Poetry Lovers project ran between autumn 2016 and spring 2019 as a joint initiative by the English Departments at the University of Klagenfurt and the University of Ljubljana. Every academic year it brought together students from two different second-year BA modules whose orientations are reflected in the chosen approach. At the University of Klagenfurt, the course involved was Topics in Literary Translation with the obvious aim of applying principles and techniques of translating to literary texts and a particular focus on discussing theory against the backdrop of concrete challenges in translation. In Ljubljana, the participants attended a course entitled Language in Use II, which in addition to advanced language skills in English specifically listed as its learning objectives intercultural communication and the promotion of tolerance.

While the overall numbers of student participants from the universities are balanced over the three iterations of the project, the course uptake depended on the year and does not in any way reflect student satisfaction with the project, which was overwhelmingly high throughout the duration of the project. The Ljubljana cohort included 49 students with Slovenian as their mother tongue and 2 international students who were Bosnian native speakers but proficient in Slovenian. In Klagenfurt, the groups included a total of 9 international students with 6 different mother tongues.

 

In every iteration, University of Ljubljana students worked in groups of 2–4 and chose a poem by a Slovenian author. Except for the second year of the project, when the class chose love as the overarching theme, the only constraint was that there had to be some link to the city (for instance, the poet lived or studied in Ljubljana). Overall, 19 poems by 18 different authors were selected by the students. After an introduction to literary translation, the students worked on the interpretation and identification of stylistic devices, eventually providing individual English translations and then agreeing on a single translation for each poem in the process of group work with further peer and teacher feedback and revision.

At this point a weekend was set for a group visit from Klagenfurt. Every time the students arrived on Friday morning and were assigned a particular poem and group of Ljubljana students to work with. The local students were then responsible for introducing the poem and discussing the content and the author by taking their Klagenfurt counterparts to the relevant places in Ljubljana. As the city centre is small and walkable, that would have included all the major points of interest; the mixed groups also had lunch together at a place of students’ choosing.

In the afternoon, Klagenfurt students had a translation workshop where they translated the poems into German (or their mother tongues in the case of exchange and international students). A plenary session was scheduled in the early evening where the theoretical notions of indirect literary translation were discussed using the students’ own examples, followed by a short revision session and submission, after which a brochure was edited and printed by the project leaders. During this time, the students were free to socialise.

The next day, always a Saturday, the students met in the morning for a literary tour of Ljubljana where each poet was introduced in a predetermined public location and their poem was performed in several languages. The project concluded with the reading of the Slovenian anthem, which calls for peace among nations, with explicit reference to neighbours, in a symbolic central location.

 

With the Tourism Board of Ljubljana incorporating the tours into its programme and publishing the poems and biographical stubs in printed form, an additional co-operation partner was found, expanding the range of partners into the world of business.

 

As to student satisfaction, the following excerpts from students’ reports may be considered representative. One focuses on cultural and social aspects of the project, as almost all student reports highlight the group spirit experienced through work on a particular piece of poetry in mixed Klagenfurt-Ljubljana groups, for example:

 

[T]he assistance of the authors of the intermediary translation, the Slovene students, was essential in producing a German version of the poem that is as faithful to the original meaning as possible […] Without hesitation, we can honestly say that working with the Slovene colleagues was an amazing experience and one of the best parts of the excursion. The nicest thing was when we realized that, after the translation was finished, we still had things to talk about and enjoyed being together. This gave us the impression that our group harmonized beyond the professional level. Sitting together on the side of the river and drinking hot chocolate was like a reunion with old friends.

Anisa, Deborah, Lilian & Samuel, KLU 2016–2017

 

The other concentrates on the aesthetic value of the work that was carried out:

The Grand Tour and the performances were delightful and entertaining. It was an absolutely great way to really bring the poetry to life and give it a special meaning. The actual act of performing forces the translator (us) to get close and ‘personal’ to the text. It becomes real and no longer is just a poem or assignment we had to do. Seeing places and views that could have inspired our poems along with the thought that our author was here during a different time was a beautifully unifying experience.

Christina, Tamara & Tamara, KLU 2017–2018

 

Finally, the impact in terms of professional perspectives is stated in the excerpt below:

The poem is very open to interpretation and having the Klagenfurt students turning to us to explain what was meant was an interesting experience […] This was the first time I was met with literary translation in my studies and even though I dabbled in translation before, it inspired me to start translating more. Now, when I have free time, I translate lyrics of Slovene songs into English and I find the process of searching for the right words to use to keep or enhance the rhythm, rhyme and meaning of a song an extremely enjoyable process. So much so that I can’t wait for next year when we’ll have a course on translation.

Pino, LJU 2018–2019

Mehrwert

Intensivierung des Engagements der Studierenden, die sich die LV-Inhalte nicht nur als Arbeitswissen sondern auch als Bildungswissen aneignen.
Erweiterung des Lehrangebots um Hard und Soft Skills (Intermediäres Übersetzen bzw. kooperatives Arbeiten in internationalen Teams).
Berücksichtigung der Internationalisierungsstrategie der AAU: Slowenien als Orbit des Entwicklungsplans bzw. der Leistungsvereinbarung

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept wurde in drei Jahrgängen durchgeführt. Eine direkte Fortführung ist nicht beabsichtigt, da Monika Kavalir eine andere Stelle angetreten hat und keine passende LV mehr leitet. Allerdings wurden Elemente des Konzepts bereits in andere Projekte und Lehrveranstaltungen übernommen.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Nebst positiven LV-Feedbackergebnissen, studentischen Exkursionsberichten und häufigen direkten Äußerungen ist der Umstand bezeichnend, dass Studierende, motiviert durch kollegiale Berichte, auch ohne curriculare Verpflichtung diese LV belegt haben.

Aufwand

Zeitlicher Mehraufwand durch Vorbereitung, Exkursionsleitung und Reisetätigkeit. Der finanzielle Aufwand wurde durch kostenbewusste Planung geringgehalten (Fahrgemeinschaften, Jugendherbergen) und weitgehend durch Unterstützung durch die Fakultät und durch die ÖH gedeckt.
Der Mehraufwand wird durch den Mehrertrag an Lehrerfolg weit aufgewogen.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor Anglistik, 3. od. 4. Semester; LA-Studium, 2. Abschnitt, jeweils in der LV Literary Translation, nach der VO Introduction to Translation

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.