Finales Modul der bildungswissenschaftlichen Grundlagen mit erweitertem Praktikum

Würdigung der Jury

Wohlverdient steht dieses Projekt, das von Mag.a Dr.in Regina Steiner und Kolleg/innen realisiert wird und an Komplexität seines Gleichen sucht, auf der Short List der hervorstechenden Projekte des Ars Docendi-Preises im Bereich „Kooperative Lehr- und Arbeitsformen“. Das in Kooperation geplante und durchgeführte Modul erstreckt sich über zwei Semester, verbindet die Auseinandersetzung mit vertiefenden Studieninhalten und ermöglicht dabei eine interessengeleitete Schwerpunktsetzung der Studierenden sowie die Verknüpfung mit der Praxis im Rahmen eines integrierten Praktikums. Die Besonderheit liegt hier in der didaktischen Gestaltung der dazugehörigen Lehrveranstaltungen, die sich durch kollaborativ geplante und durchgeführte Elemente, eine flexible thematische Ausrichtung je nach Durchgang sowie die regelmäßige Reflexion unter den Lehrenden auszeichnet. Es ist beachtlich und sicher nicht alltäglich, inwiefern die hier beteiligten elf Lehrenden miteinander in Abstimmung gehen und ihre Perspektiven sowie ihr Engagement bündeln, um den Charakter des Moduls zu sichern. Dass das Modul inzwischen zum dritten Mal in dieser Konstellation realisiert wurde, spricht für den Erfolg des Konzeptes und verdeutlicht seinen Wert für die beteiligten Studierenden und Lehrenden. Projekte wie dieses verdeutlichen darüber hinaus, welchen Mehrwert ein stabiles und miteinander vertrautes Kollegium haben kann. Schließlich – und in erster Linie – wird hier jedoch sichtbar, dass die Ausrichtung eines finalen Moduls an Themen der späteren Berufspraxis nicht nur für die Studierenden eine Bereicherung ist, sondern auch für die beteiligten Lehrenden. Es ermöglicht und fördert den Kontakt zwischen der Expertise von Fachlehrenden einerseits und Praxispartner*innen andererseits und trägt so zur Qualität der Ausbildung zukünftiger Absolvent*innen bei. Ohne Zweifel kann das hier entwickelte Konzept als Leuchtturmprojekt bezeichnet werden.

Dr.in Angelika Thielsch
Georg-August-Universität Göttingen

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Umgesetztes Projekt

Ziele

Auf Lehrerinnen und Lehrer kommen im Beruf komplexe Aufgaben zu, die sich nicht im Abhalten von Unterricht hinter der eigenen Klassentür erschöpfen. Teamarbeit mit Kolleg/innen, die eigene Schule weiterentwickeln, Zusammenarbeit mit unterstützenden Organisationen, wie Schulsozialdiensten, Kooperation mit Eltern, die Unterstützung von Schüler*innen mit besonderen Bedürfnissen, vielfältige Verwaltungsaufgaben, aber auch Organisieren von Exkursionen und außerschulischen Aktivitäten oder gesamtschulischen Veranstaltungen, Einreichen bei Schulwettbewerben u.v.a.m. Darüber hinaus werden Lehrpersonen als Personen der Öffentlichkeit wahrgenommen. Sie sollten kompetent auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen argumentieren können und in aktuellen Diskussionen sowohl bezüglich schulischer als auch außerschulischer Thematiken Stellung beziehen können. Im Kompetenzmodell für Studierende der PH OÖ werden in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen Kompetenzen dargestellt, die darauf fokussieren, zukünftige Lehrer*innen auf eine Schule der Zukunft vorzubereiten, die Heterogenität und Inklusion, Gestaltungsverantwortung und Interdependenz, Zielvision und Zukunftsungewissheit in eine gelingende kulturelle Form von schulisch gestalteter Bildung bringen muss (vgl. www.european-agency.org 4.11.2019).

 

Ziele

Um Studierende auf die Komplexität des Lehrberufes hin zu orientieren, liegen dem Modul u.a. folgende Ziele/Aufgaben zugrunde:

Die Studierenden

• kooperieren mit außerschulischen Einrichtungen und Personen.

• versuchen organisationale Bedingungen und Strukturen zu verstehen, um in diesen Feldern handlungsfähig zu sein.

• planen Projekte mit Kooperationspartnern führen sie durch und evaluieren sie gemeinsam.

• übernehmen im Rahmen ihres Projektes Verantwortung für ihr eigenes Handeln

• nutzen theoretisches Wissen als Reflexionsrahmen, um ihr eigenes Handeln zu reflektieren.

• nutzen Lehrende wie Studierende als „Community of practice“ und bringen sich selbst entsprechend ein

 

Das abschließende Modul der Bildungswissenschaftlichen Grundlagen befasst sich daher mit aktuellen Herausforderungen an Bildung und Erziehung und bietet die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Themen der Diversität und Inklusion, wie Behinderung, Begabungs- und Begabtenförderung, Gender, Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit, Diversität bezüglich ethnischer/kultureller Herkunft und Interreligiosität sowie gesellschaftspolitischen Herausforderungen wie Umgang mit neuen Medien, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Globalem Lernen, Demokratiepädagogik und Bildung für zivilgesellschaftliches Engagement.

 

Ziel ist weiters, dass nicht nur die Studierenden und die Lehrenden (aufgrund der gemeinsamen Planung von Projekten zu aktuellen Themen mit externen Partnern) sondern insbesondere auch die Praxispartner (Schulen, NGOs, wie z.B. Südwind, dem Unabhängigen Landesfreiwilligenzentrum der Stadt Linz, u. a.) von der gemeinsam erarbeiteten Expertise profitieren.

Kurzzusammenfassung

Das abschließende Modul (9EC) der Bildungswissenschaftlichen Grundlagen in der Ausbildung von Primarschulpädagog*innen an der PH OÖ befasst sich mit aktuellen Herausforderungen an Bildung und Erziehung und ermöglicht sowohl eine Zusammenschau, wie auch eine Vertiefung in einen Einzelbereich. Die Lehrveranstaltung besteht aus einer UV in Form einer Ringvorlesung mit vertiefenden Diskussionen und einem Übungsteil in einer zu wählenden Teilthematik. Damit verbunden ist ein Praxisteil in einer schulischen oder außerschulischen Organisation, der vor dem Hintergrund der theoretischen Grundlagen reflektiert wird. Es geht darum vielfältige Lern-und Erfahrungsmöglichkeiten abseits der üblichen Praxis zu schaffen und zudem eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis zu ermöglichen. Die Studierendengruppen werden von Lehrendentandems der PH OÖ betreut und unterstützt.

Das Lehrveranstaltungsmodul soll eine Auseinandersetzung mit Aufgaben und Tätigkeitsbereichen von professionellen Lehrpersonen jenseits von reiner Unterrichtstätigkeit in der eigenen Klasse ermöglichen und eine Reflexion des Lehrberufes im Kontext von Gesellschaft und (außer)schulischen Rahmenbedingungen anstoßen. Sowohl die Methodik der Lehrveranstaltung, wie auch die Prüfungsanforderungen sind vielfältig und unterstützen selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Lernen.

Summary

The final module (9EC) of the Educational Sciences in the primary school teacher education at the University of Education - Upper Austria deals with current challenges in education and allows both a synopsis and a specialisation in an individual area. The course consists of a UV in the form of a lecture series with in-depth discussions and a lecture part in a chosen sub-theme. Connected to this is a practical part in a school or extracurricular organization, which is reflected against the background of the theoretical principles. The aim is to create diverse learning and experiential opportunities away from the usual practice and also to enable a close interlocking of theory and practice. The student groups are supervised and supported by a tandem of teachers from the PH OÖ.

The study module is supposed to enable an understanding of professional teachers’ tasks and areas of activity beyond pure teaching in their own classroom and to initiate reflections on the teaching profession in the context of society and (extra)school conditions. Both teaching/learning methods and assessment requirements are provided in innovative and diverse formats.

Nähere Beschreibung

Das abschließende Modul der „Bildungswissenschaftlichen Grundlagen“ (9 EC) soll allen Lehramtsstudierenden für die Primarstufe Anregung bieten sich mit Herausforderungen auf allgemeiner gesellschaftlicher und sozialpolitischer Ebene sowie deren Auswirkungen auf das Schulsystem und den konkreten aktuellen Anforderungen an Lehrpersonen auseinander zu setzen. So werden einführend einzelne Themenbereiche sowie deren gegenseitige Bedingtheit und Zusammenhang dargestellt. Anschließend vertiefen sich die Studierenden sowohl theoretisch, wie auch praktisch in einen selbstgewählten Themenbereich. Sie werden dabei von interdisziplinären Teams von Lehrenden unterstützt. Die möglichen Themenbereiche sind:

• Fokus Begabung

• Fokus Behinderung

• Fokus sprachliche und kulturelle Vielfalt

• Fokus Soziokulturelle Differenz

• Fokus Demokratiepädagogik

• Medien und Digitalisierung

• Bildung für nachhaltige Entwicklung

• Globales Lernen

 

1 Aufbau des Moduls

Vorab werden den Studierenden zwei umfangreiche Dokumente mit (1) Begründung der Lehrveranstaltung mit gewünschten „learning outcomes“ und genauem organisatorischem Ablauf und (2) die Prüfungsanforderungen für beide Semester zugeschickt.

 

1.1 Vorlesungsteil

Die einführende Lehrveranstaltung (UV) im 5. Semester wird einerseits als Ringvorlesung zu den acht Themenbereichen des Moduls, z.T. als Vorträge, z.T. als aktivierende Vorlesung (Backen einer „Pizza lokale“ mit theoretischen Inputs zum Thema Globales Lernen passend zu den einzelnen Zutaten der Pizza) und z.T. als Vorlesungsaufzeichnungen auf einer Moodle Plattform angeboten. Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion aller Lehrenden mit dem Ziel, die Verknüpfung und gegenseitige Abhängigkeit aller Themenbereiche auf zu zeigen.

Die Themen werden anschließend in einer Form des flipped classroom mit den einzelnen Lehrenden in kleineren Gruppen vertieft und diskutiert. Wissen, das durch die Vorlesungen und vertiefende Literatur angeeignet wurde, wird in drei mehrstündigen Diskussionsterminen zu jeweils drei Themenbereichen erweitert bzw. vertieft. Dabei wechseln die Studierenden jeweils nach einer Stunde zu einer*einem anderen Lehrenden.

Den Abschluss des Vorlesungsteils bilden am Ende des Semesters Tischdiskussionen in Kleingruppen mit je einem*einer Lehrenden (der Hörsaal ist wie bei einem „world cafe“ mit Tischen und Stühlen rundherum bestückt). Nach 45 Minuten wechseln die Studierenden die Tische zu ihrem jeweils ausgewählten zweiten Thema. Die Einteilung zur Auswahl der zwei Themen pro Studierender*Studierendem erfolgt vorab per Abstimmung über die Moodle Plattform. Als Vorbereitung zu den Diskussionen setzen sich die Studierenden mit den Texten, die je Themengebiet auf der Moodle Plattform zu finden sind, auseinander und formulieren je zwei Fragestellungen, über die sie mit ihren Kolleg*innen und den Lehrenden diskutieren möchten.

 

1.2 Übungsteil

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wählen die Studierenden eine von vier möglichen Übungen, die jeweils 2 Themenbereiche umfassen, mit denen sie sich im 5. und 6. Semester intensiver auseinandersetzen wollen. Dazu findet dann auch das Praktikum statt (im 5. Semester 3 EC, im 6. Semester 1 EC). Als Entscheidungshilfe wird anschließend an die Podiumsdiskussion ein Marktplatz angeboten, wo die Lehrenden der einzelnen Übungsgruppen ihre Inhalte und mögliche Umsetzungen in der Praxis präsentieren.

Die vier Übungsgruppen, für die sich je eine Studierendengruppe der Tagesform und eine Gruppe der berufstätig Studierenden anmelden kann, sind: (1) Behinderung und Begabung, (2) Medienpädagogik, Politische Bildung, (3) Bildung für nachhaltige Entwicklung, Globales Lernen und (4) Soziokulturelles Lernen. Die Termine der Übung dienen dazu, die Inhalte der gewählten LV Themen weiter zu vertiefen und mit den Praxisprojekten in Verbindung zu bringen.

Als Abschluss am Ende des 6. Semesters erstellt jede*r Teilnehmer*in sowohl individuell, wie auch im Team eine schriftliche Reflexion zu den Erfahrungen im Praxisprojekt und den Erfahrungen mit der Arbeit im Team. Dies gibt auch Hinweise für die Evaluation der Lehrveranstaltung.

 

1.3. Praktikum

Das Praktikum findet als „erweitertes Praktikum“ statt. Es geht darum vielfältige Lern-und Erfahrungsmöglichkeiten abseits der üblichen Praxis zu schaffen sowie eine enge Verbindung von Theorie und Praxis zu ermöglichen. Als Praktikumsplätze kommen schulische Einrichtungen (Nachmittagsbetreuung, schulübergreifende Projekte, Organisation im Rahmen von Schulnetzwerken etc.), Kindergärten oder außerschulischen Einrichtungen (Nightingale, Klimabündnis etc.) in Frage. Einerseits sind Fragestellungen aus den Schulen, bzw. außerschulischen Einrichtungen für die gemeinsame Arbeit leitend, sodass für diese Institutionen ein Mehrwert entsteht, andererseits ist das Interesse der Studierendengruppen die Grundlage für die Auswahl der Thematiken bezüglich des Praktikums. Gruppen von 3 – 5 Studierenden sind für jeweils einen Praktikumsplatz verantwortlich und werden in ihrer Projektarbeit von je zwei Lehrenden und den Mitstudierenden unterstützt. Pro Woche wird ein Vormittag als Präsenztermin an der PH angeboten. Hier finden Coachings mit den einzelnen Kleingruppen, die ein gemeinsames (Unterrichts)Projekt zu einem ausgewählten Thema planen, statt, wo die Lehrenden sowohl bezüglich didaktisch/methodischer Fragen beraten, aber auch Fragen diskutieren, ob z. B. die geplanten Unterrichtsequenzen je nach Themengebiet den relevanten Kriterien entsprechen (etwa einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, einer inklusiven Schule etc.). Die Präsenztermine finden z. T. an den Praxisplätzen statt, wo die geplanten Sequenzen mit den Projektpartner*innen abgesprochen und ausprobiert werden.

 

Die Arbeit an den Praxisplätzen ist sehr divers:

• Zum Themenbereich „Behinderung“ arbeiten die Studierenden in unterschiedlichen Klassen der Primar- bzw. der Sekundarstufe 1. Mit den Klassenlehrer*innen wird auf Grundlage eines Kooperationsvertrages vereinbart, welches „Produkt“ sie für ihre Klasse durch das Praktikum erwarten. Im Regelfall handelt es sich um ein didaktisches Projekt, bei dem versucht wird, im Unterricht die Heterogenität der Lernenden zu berücksichtigen. Schulentwicklungsprojekte und Projekte im Rahmen der pädagogischen Diagnostik werden ebenfalls „gewünscht“, wenn auch in einem deutlich geringeren Ausmaß als didaktische Projekte.

• Für die Themenbereiche Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen besteht u. a. eine Zusammenarbeit mit Südwind und mit dem Klimabündnis. Dort sollen z. B. bestehende Unterrichtsmaterialien oder Schulworkshops (entsprechend des Interessenschwerpunktes der Studierenden) weiterentwickelt oder auch neu erstellt und erprobt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Kooperation mit Schulen, um ein (außer)schulisches Projekt ev. in Zusammenarbeit mit der Gemeinde, mit Firmen, mit außerschulischen Organisationen o. ä. zu organisieren und mit den Kindern durchzuführen. So wurde eine Schule auf dem Weg zum ÖKOLOG-Netzwerk begleitet, ein Kindergarten in Bezug auf Gartengestaltung unterstützt oder zusammen mit Wissenschaftler*innen im Rahmen eines Forschungsprojekts Unterrichtsmaterialien zum Thema Magerwiese erstellt und erprobt.

• Das Praktikum zu den Themen „Fokus sprachliche und kulturelle Vielfalt“ und „Fokus Soziokulturelle Differenz“ findet im Rahmen des internationalen Projekts „Nightingale“ statt. Ziel ist, acht- bis zwölfjährige Schülerinnen und Schüler in ihrem Selbstvertrauen zu stärken und in neue Formen der Freizeitgestaltung einzuführen. Die Studierenden verbringen als Mentor*innen einmal in der Woche zwei bis drei Stunden mit dem Kind, gehen in Beziehung mit ihm und (ent-)führen es in neue, noch unbekannte Welten, z. B. Kultureinrichtungen, gemeinsames Spielen oder Kochen, Kurzausflüge… In der begleitenden Übung werden die Erfahrungen aus dem Praktikum besprochen, inhaltlich angereichert und Handlungsoptionen für die schulische Praxis abgeleitet. Der Fokus liegt auf Kenntnissen im Erleben und im Umgang mit soziokultureller, sprachlicher, kultureller und religiös-weltanschaulicher Vielfalt. Das Eigene und die darin verborgenen Selbstverständlichkeiten wie auch das Andere und die in den Begegnungen liegenden Spannungsfelder sind leitend für ein vertieftes Verstehen.

• Der Projektcharakter steht bei der Arbeit der Studierenden, die sich mit einem Thema aus dem Bereich Politische Bildung und Medienpädagogik auseinander setzen, im Vordergrund. Dabei wird die Auswahl der Projektpartner*innen anhand deren Mehrwert betreffend des von den Studierenden gewählten Inhalts getroffen. Anschließend werden Kooperationsverträge (schriftlich oder mündlich) erstellt, welche das Projekt konkretisieren. Beispiele für solche Kooperationen sind Unterrichtsmaterialien, die sich mit dem Thema Cybermobbing auseinandersetzen, das Erstellen von digitalen Medien mit Kindergruppen einer Volksschule (welche am Kinderkongress an der JKU von den Kindern einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden), das Analysieren und Erstellen von Werbefilmen zum Thema Kinderrechte in Schulklassen u. v. m.

 

Damit wird dem Bedürfnis der Studierenden nach praktischen Erfahrungen Rechnung getragen, wobei das „Theorie-Praxis-Verhältnis“ von den jeweiligen Lehrenden reflexiv in den Diskurs genommen werden kann. „Nebeneffekte“, die in „traditionellen Praktika in der Lehrerausbildung“ (vgl. bspw. Hascher 2012, Fraefel 2011, Hedtke 2000) auftreten, können minimiert werden.

Am Ende des 5. Semesters findet ein moderierter Austausch zwischen den Praktikumsgruppen der unterschiedlichen Übungsthemen statt. Am Ende des 6. Semesters präsentieren alle Praktikumsgruppen den anderen Studierenden des Moduls ihre Arbeit im Rahmen einer Postersession.

 

2 Evaluation

Das gesamte Modul wurde von einem interdisziplinären Team von 11 Lehrenden geplant, bereits drei Mal durchgeführt und weiterentwickelt.

Nach der ersten Durchführung der Lehrveranstaltung erfolgte eine umfangreiche Evaluation: Diskussion mit Vertreter*innen der ÖH, danach eine moderierte Rückmeldeveranstaltung mit allen Lehrenden und Studierenden. (Die Ergebnisse von Diskussionen in Kleingruppen wurden auf Plakaten festgehalten und im großen Hörsaal vorgestellt und diskutiert.) Weiters fand eine externe Klausur mit allen 11 Lehrenden und der Institutsleiterin statt. Die Ergebnisse der Evaluation flossen in die Neugestaltung für kommende Semester ein.

In den einzelnen Übungs-/Praktikumsgruppen ermöglicht die intensive Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Lehrenden in den gemeinsamen Projektplanungen einen regen Austausch zwischen allen Beteiligten. Daher kann auf Schwierigkeiten sowohl organisatorischer wie inhaltlicher Art spontan im Laufe der Lehrveranstaltung reagiert werden. Schriftliche und mündliche Reflexionen am Ende des Moduls geben Impulse für ständige Weiterentwicklung.

Im Laufe der Lehrveranstaltung gibt es Austausch- und Reflexionstermine zwischen den Lehrenden des Moduls, um ggf. Abstimmungen und Adaptionen vornehmen zu können.

Zudem erfolgt eine regelmäßige Evaluierung durch das Qualitätsmanagement der PH OÖ.

 

3 Prüfungskultur

Für die Beurteilung der UV werden zu Ende des 5. Semesters zu zwei weiteren selbst gewählten Themenbereichen (neben den bereits für die Übungen ausgewählten Themengebieten) Kleingruppendiskussionen durchgeführt. Hier werden Texte diskutiert, die die Studierenden zuvor selbstständig durchgearbeitet haben. Prüfungsrelevant sind die dazu erstellten reflective papers, die die Diskussionen mit relevanter Literatur verknüpfen. Ein dritter Text wird zum Thema der gewählten Übung erstellt.

 

Die Beurteilung des Praktikums im 5. Semester (mit Erfolg/ohne Erfolg abgeschlossen) erfolgt auf der Grundlage eines durch Fragen strukturierten, kriteriengeleiteten Portfolios mit einem Abschlussgespräch mit je einem*einer Lehrenden (vgl. Portfoliokritierien als ein Produkt des Forschungsprojektes ProBeLe: Plaimauer et al. 2019).

 

Die Prüfungsanforderung für das Praktikum des 6. Semesters ist einerseits ein Reflexionsgespräch mit Vertreter*innen der jeweiligen Partnerinstitution und einer Person des Lehrendenteams. Weiters erstellt jede Studierendengruppe ein Poster zur Präsentation ihres Projekts für alle Studierenden am Ende des 6. Semesters. Auch die Studierenden des 4. Semesters sind zu dieser Veranstaltung eingeladen, um Fragen an die Projektgruppen zu stellen und sich für das Modul, das sie im kommenden Semester ebenfalls absolvieren werden, im Vorfeld zu informieren.

 

Als Produkt der Übung im 6. Semester erstellt jede Kleingruppe eine gemeinsame Seminararbeit über die Erfahrungen im Praxisprojekt vor dem Theorie-Hintergrund des Übungsthemas, die anhand eines vorab kommunizierten Kriterienkatalogs nach der fünfteiligen Notenskala beurteilt wird.

Mehrwert

1. Die Aufgaben von Lehrpersonen werden einerseits deutlich komplexer und gleichzeitig auch diffuser. Die eigene schulbiografische Erfahrung verstellt einmal mehr den kritischen Blick auf sich verändernde Strukturen, Rollen und Funktionen. Das Modul trägt dazu bei, Strukturen von Einrichtungen und auch Lebensbedingungen von Kindern besser zu verstehen, um in Relation dazu ein eigenes Rollenverständnis zu entwickeln und Aufgaben zu übernehmen.
2. Verglichen mit anderen Praxisfeldern, die in der Ausbildung von Pädagog*innen vorgesehen sind, können Studierende gemeinsam mit den Projektpartner*innen ihre Projektaufgaben selbst bestimmen und in einer „Community of practice“ weiterentwickeln.
3. Studierende erkennen, dass individuelle Lebensbedingungen Bildungsbiografien beeinflussen und dass Strukturen positive oder negative Effekte auf qualitätsvolles pädagogisches Handeln haben. Sie üben sich darin, die Bedingungen anzuerkennen, aber gleichzeitig auch ihre (Projekt)Ziele (im Sinne des Modules) voranzutreiben.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Modul ist als Pflichtlehrveranstaltung für alle Primarschullehramtsstudierende im 5 und 6. Semester im Curriculum festgelegt, wird in dieser Form in den kommenden Jahren weiterbestehen und auf der Grundlage regelmäßiger Evaluation weiterentwickelt werden.

Einzelne Formate (interdisziplinäre Ausrichtung, Prüfungskultur etc.) können in andere Lehrveranstaltungen übernommen werden.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Die umfangreiche Evaluierung des ersten Durchgangs führte zu Veränderungen v. a. der Organisation: Den Wünschen der Studierenden nach einer stärker in die Tiefe gehenden Bearbeitung der Ringvorlesungsthemen, einen Großteil der Vorlesungen zu streamen, einem früheren Beginn und bis in den Sommer ausgedehnten Kooperation mit den Praxisstellen, einem leicht veränderten Prüfungsmodus für die UV und einigem mehr wurde entsprochen. Der Großteil der Rückmeldungen war jedoch positiv: Es sei gut, Einblick in die verschiedenen Themen zu bekommen, aber sich dann bei den Tischdiskussionen selbst nach Interesse einige Themen auswählen zu können, sie hätten sehr vielfältige Erfahrungen gemacht: mit Kindern, aber auch bezüglich Teamarbeit und beim Kontakt mit den Praxisstellen. Die persönliche Resilienz sei gestiegen, man sei an die eigenen Grenzen gestoßen und darüber hinausgegangen (Aussagen von Plakaten aus der Evaluationsveranstaltung).

 

Aussagen aus der Schlussevaluation 2019 der Übungsgruppe „Fokus Behinderung“:

„Durch das Projekt habe ich erstmals Erfahrung in einer Schule außerhalb des Klassenraums sammeln könne. Wir durften an einem Projekt arbeiten, dass nicht nur eine Klasse betrifft, sondern die gesamte Schule bereichern sollte. Ein Schulentwicklungsprojekt zur Implementierung einer Sprache für alle Kinder. Der Gebärdensprache. (…) Zusätzlich lernten wir Studierenden im Team miteinander zu arbeiten, hierbei war eine Verteilung der jeweiligen Aufgaben und klare Kommunikation erforderlich. Wir lernten mit unterschiedlichen Projektpartner zu kooperieren“ (MH).

„Dieses Projekt gab mir die Möglichkeit an der Qualität des Lernortes Schule mitzuwirken und diese weiterzuentwickeln. Ich habe erkannt, wie wichtig die Kooperation zwischen uns Studentinnen, der Direktorin, unserer Betreuungspädagogin und der Praxisklasse ist“ (JM).

„Durch den Status als gleichwertige Kooperationspartner war es eine große Freude das eigene Projekt zu planen und durchzuführen sowie im Anschluss die Ergebnisse zu evaluieren und die Lernerfolge sichtbar zu machen“ (JH).

„Bei diesem Projekt war auch schön für mich zu sehen, welches ertragreiche Ergebnis herauskommen kann, wenn unterschiedliche Menschen gut zusammenarbeiten“ (BP).

 

Zusammenfassungen aus der Schussreflexion 2018 im Projekt Nightingale

Die Seminare waren hilfreich und interessant, die Organisation mit den Schulen lief gut; tolle Vorbereitung im Vorfeld und die Supervision war sehr hilfreich. Erkenntnisse für die schulische Praxis seien u. a. gewesen: Wie man mit schüchternen Kindern umgeht; die Bedeutung einer Regelmäßigkeit für ein Kind zu erkennen; ein Kind so annehmen, wie es ist; Kindern genügend Zeit zu geben; der Umgang mit anderen Kulturen; dass Elternarbeit schwierig sein kann bezüglich Terminfindung, Verlässlichkeit und aufgrund einer andere Kultur.

Für sich persönlich nahmen Studierende mit: Organisationskompetenz, Flexibilität, „Nein“-sagen zu lernen, das Übernehmen von Verantwortung, andere Sprachen kennen zu lernen. Weitere Aussagen: das Nähe – Distanzverhalten kann eine Herausforderung sein; eine realistische Erwartungshaltung beugt Enttäuschungen vor; man muss zu 100% vom Projekt überzeugt sein, um wirklich mit Herzblut dabei sein zu können.

 

Lernergebnisse in Zusammenhang mit dem Praxisprojekt (aus den Reflexionsbögen in der Übungsgruppe Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen - 2019):

„Man lernt, dass nicht alle „schönen“ Ideen leicht ausführbar sind und man vor allem praktisch bleiben soll. Dabei ist das Zeitmanagement im Unterricht auch wichtig. Die Erfahrungen der Teamarbeit werden später im Berufsleben natürlich von Vorteil sein. Manchmal ist eine Teamarbeit einfach, manchmal steckt es wo fest. Die Frage ist, wie man damit umgeht“ (MH).

„Ich konnte zum ersten Mal in einer Praxis komplett frei und nach meinen/unseren Vorstellungen planen. Das war am Anfang zwar ein wenig überfordern, dann aber sehr erfüllend. Ich konnte das Teamteaching weiter trainieren und habe viele Ideen und Unterrichtsmethoden von meinen Kollegen gelernt oder gemeinsam mit ihnen ausprobiert. Außerdem haben wir auch theaterpädagogische Methoden eingebaut, was super geklappt hat“ (DD).

„Ich habe gelernt in einem großen Team zu arbeiten. Wie man die Arbeit so aufteilt, dass alle gleich viel zu erledigen haben. Ich habe gelernt es zu akzeptieren, wenn meine Ideen umgeändert werden und auch, wie man andere Ideen umändert, und zwar so, dass es in der Unterrichtseinheit umgesetzt werden kann. Ich habe gelernt organisierter zu sein und Prioritäten zu setzen“ (ND).

„Ich habe gelernt, ein Thema in einen größeren und globalen Kontext zu bringen, Verknüpfungen zu ziehen und ein Thema nicht in einer Stunde abzuarbeiten, sondern es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten“ (FA).

Aufwand

Die Abstimmung zwischen den Lehrenden des Moduls ist wesentlich, aber aufwändig und braucht Zeit, ebenso die intensive Betreuung der Studierenden, die vielfältigen Prüfungsformate und die umfangreichen Evaluierungen im Modul. Die Modulleitung erfordert zusätzlichen Verwaltungs- und Zeitaufwand.
Durch das Projekt wurden keine zusätzlichen Kosten verursacht.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium Primarschulpädagogik im 5. und 6. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 in der Kategorie Kooperative Lehr- und Arbeitsformen nominiert.