Trinationale Bildungswoche - Bildungs-Räume in der Bodensee-Region wahrnehmen und gestalten

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Rektor*innenkonferenz der IBH (Internationale Bodensee-Hochschule) beschloss 2018 die Einrichtung von Trinationalen Lehrveranstaltungsangeboten. Es sollten Studierende und Lehrende der Hochschulen St. Gallen (CH), Weingarten (D) und Feldkirch (A) in gemeinsamen Lehrveranstaltungen die Stärken und spezifischen Herausforderungen der Partnerländer im Grundschulbereich beleuchten, analysieren und innovative Lösungsstrategien entwickeln.

Die PH Vorarlberg übernahm für das Sommersemester 2019 die inhaltliche und organisatorische Leitungs- und Koordinationsfunktion der Trinationalen Lehrveranstaltungsangebote.

Es wurden jeweils eine länderübergreifende Lehrveranstaltung aus dem Bereich Musikerziehung und aus dem Bereich der Bildungswissenschaften entwickelt.

Im April 2019 wurde das Projekt in einer geblockten einwöchigen Studienwoche praktisch durchgeführt.

Kurzzusammenfassung

Als Maria Fölling-Albers 1989 ihr Buch „Veränderte Kindheit – Veränderte Grundschule“ veröffentlichte, war die Geschwindigkeit, mit der sich die Entwicklungen vollziehen würden, noch nicht absehbar. Dreißig Jahre später erfordert die sich immer schneller und grundlegender verändernde Lebenswelt unserer Kinder (Stichworte Digitalisierung, Globalisierung usw.) unausweichlich eine Neugestaltung und Weiterentwicklung der pädagogischen und schularchitektonischen Konzepte. Die Schule muss auf diese gesellschaftlichen Herausforderungen pädagogische Antworten finden, die tragfähig und nachhaltig sind.

 

Vor diesem Hintergrund kreierten die projektleitende PH Vorarlberg (A), die PH St. Gallen (CH) und die PH Weingarten (D) eine Trinationale Bildungswoche mit den Schwerpunkten „Musik“ und „Bildungswissenschaften“.

 

Im Sinne der Prämisse „Gemeinsam sind wir mehr“ wurde mit den teilnehmenden Studierenden der drei Partner-Institutionen einerseits ein abendfüllendes Chorkonzert erarbeitet und andererseits eine Analyse und Dokumentation von Best-Practice-Beispielen bzgl. des Zusammenspiels innovativer Lernarrangements und nachhaltiger Schularchitektur im Bodenseeraum initiiert.

 

Das Trinationale Projekt wird nach dem sehr erfolgreichen Start im Jahr 2019 in den kommenden Jahren weitergeführt und ausgebaut.

Summary

Trinational seminar week – a closer look at educational architecture in the Lake Constance region

 

The environment our children grow up in is changing more and more quickly and fundamentally. Experts are largely in agreement that this inescapably requires a rethinking and development of educational concepts and schoolbuilding architecture.

 

With this in mind, PH Vorarlberg (A) has conducted a trinational seminar week in cooperation with PH St. Gallen (CH) and PH Weingarten (D), focussing on the fields of Music and Educational Sciences.

 

The seminar has produced a choir concert and – at the same time - initiated an analysis and documentation of Best Practice examples regarding the interaction of innovative learning arrangements and sustainable schoolbuilding architecture in the Lake Constance region.

 

This successful trinational project will be continued and developed in the years to come.

Nähere Beschreibung

Trinationale Bildungswoche - Bildungs-Räume in der Bodensee-Region wahrnehmen und gestalten

 

Im Rahmen einer internationalen Kooperation der Pädagogischen Hochschulen Vorarlberg (A), St. Gallen (CH) und Weingarten (D) startete im Sommersemester 2019 ein auf Dauer angelegtes Trinationales Bildungsprojekt. In einer konstruktiven und von gegenseitiger Wertschätzung getragenen Zusammenarbeit mit den Schweizer und deutschen Kolleg*innen und unter der Leitung der PH Vorarlberg entwickelten die Partnerinstitutionen eine musikalische und eine bildungswissenschaftliche Lehrveranstaltung, deren Schwerpunkte auf nachhaltige grenzüberschreitende Kooperationen abzielten.

 

Musik verbindet und bereichert

Im Bereich Musikerziehung beschlossen die Teilnehmer*innen als ersten Kooperationsschritt die Ansetzung einer Chorwoche als bestgeeignete Form der internationalen Zusammenarbeit. Als Ziel wurde die gemeinsame Gestaltung eines Konzertes am Ende der Bildungswoche festgelegt. Das musikalische Programm wurde in gemeinsamen Treffen unter Bedachtsame einer möglichst großen musikalischen "Breite" zusammengestellt. Wichtig war dabei, den Studierenden einen Querschnitt durch die vokale Musikliteratur zu bieten. Die gemeinsamen Proben und abendlichen Open-Space-Angebote ermöglichten den Teilnehmer*innen - über das rein Musikalische hinaus - einen regen Austausch über ausbildungsrelevante und schulpädagogisch aktuelle Fragestellungen der einzelnen Länder.

Zum beeindruckenden Abschlusskonzert konnten mehr als 80 Besucher*innen aus den beteiligten Regionen begrüßt werden.

 

Die Reaktionen auf die Trinationale Chorwoche waren sehr positiv. Alle Beteiligten äußerten sich einstimmig dahingehend, dass diese Veranstaltung ein wunderbarer erster Schritt für den weiteren Ausbau gemeinsamer musikalischer Aktivitäten bilde.

 

Länderübergreifend – nachhaltig – inspirierend

In der Lehrveranstaltung „Bildungs-Räume in der Bodensee-Region – Inspirierendes Zusammenspiel von Pädagogik und Architektur in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ setzten sich Studierende der PH Vorarlberg, der PH Weingarten und der PH St. Gallen gemeinsam eine Woche lang intensiv mit Bildungs-Räumen in der Bodenseeregion auseinander.

 

Wie muss nachhaltig-innovativer Schulbau im Zusammenspiel mit zeitgemäßen pädagogischen Konzepten gestaltet werden? Welche Partizipationsformen und -prozesse von Beteiligten sind wichtig und sinnvoll? – Diesen und anderen Fragen bzgl. der Wechselwirkung zwischen nachhaltigem Lernen und nachhaltiger Raumgestaltung gingen die Studierenden in explizit ländergemischten Teams nach.

 

Im Rahmen der Themenwoche besuchten die Teilnehmer*innen Best-Practice-Schulen in den drei Ländern und analysierten diese nach vorher im Unterricht festgelegten Kriterien. Vor Ort lernten die Studierenden innovative pädagogische Konzepte und Bildungs-Räume kennen und eruierten im fachlichen Austausch mit handelnden Akteur*innen - Kindern, Lehrpersonen, Schulleitungen, Architekt*innen und politischen Entscheidungsträger*innen -, welche zugrundeliegenden Faktoren eine zukunftsorientierte Funktionalität von Bildungsräumen gewährleisten.

 

Darüber hinaus gewannen die Studierenden tiefgehende und wertvolle Einblicke in die unterschiedlichen Bildungssysteme und konnten die jeweiligen Stärken, Herausforderungen und spezifischen Bildungsaspekte in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich herausarbeiten.

 

Ein zentrales Ziel des Trinationalen Projekts bestand darin, die Studierenden dahingehend zu ermutigen, sich bei den in allen drei teilnehmenden Ländern zwingend anstehenden Umgestaltungen der Unterrichtskonzepte und Schulräume aktiv und konstruktiv im Sinne einer selbstbewussten Partizipation in politische und pädagogische Entscheidungsprozesse einzubringen.

 

Zusammen sind wir mehr

Als besonders fruchtbar erwiesen sich die von den Lehrenden initiierten handlungsorientierten Lernarrangements in länderübergreifenden Arbeitsteams, die zur intensiv genutzten Kommunikationsplattform für didaktische und bildungspolitische Fragestellungen wurden. Das Ergebnis der Trinationalen Gruppenarbeiten waren ein außerordentlich niveauvolles und erfolgreiches Chorkonzert, Berichte im Fernsehen (ORF) und in überregionalen Printmedien, acht Pecha Kuchas sowie ein Dokumentationsfilm, der auf den Homepages der teilnehmenden Institutionen eine sehr positive Aufnahme fand.

Mehrwert

Der Mehrwert ergibt sich dadurch, dass die Studierenden

• ihren Bildungshorizont im Sinne der geographischen, historischen und demographischen

Gegebenheiten und Herausforderungen erweitern.

• die unterschiedlichen Bildungssysteme der teilnehmenden Länder in ihrer historischen und

sozial-politischen Dimension kennenlernen.

• die Möglichkeit einer differenzierten, unmittelbaren Sicht auf die unterschiedlichen

Bildungssysteme gewinnen und außerdem eröffnen sich ihnen neue Perspektiven und

Handlungsvisionen für ihre berufliche Zukunft.

• die Bildungslandschaften der teilnehmenden Länder in der Bodenseeregion (von der Stadtschule

zur alpinen Kleinschule) kennenlernen.

• erfahren, wie Architektur und räumliche Gestaltung das Lernen und die Lernmöglichkeiten beeinflussen.

• sich mit Zusammenhängen zwischen Schulraum und Schul-/Lernkonzept auseinandersetzen.

• die wechselseitigen Wirkungszusammenhänge zwischen Lernen und Architektur vor dem Hintergrund

der nationalen Bildungssysteme wahrnehmen.

• sich neue Perspektiven für die Wirkung von Raum auf die Motivation von Lernenden eröffnen.

• visionäre Raumgestaltung als "Motivationsmotor" für zukünftige Lerngestaltung erleben.

• Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Lösungsansätzen der drei Länder bezüglich pädagogischer Herausforderungen wahrnehmen und einordnen können.

• überregionale „Schranken“ überwinden und grenzüberschreitende Zusammenarbeit als fachliche und menschliche Bereicherung erfahren.

 

Der Mehrwert für die Lehrenden ergibt sich dadurch, dass

• die Lehrenden der teilnehmenden Institutionen Möglichkeiten der zusätzlichen Vernetzung im Rahmen einer nachhaltigen Zusammenarbeit finden.

• die Bodenseeregion als Wissens- und Bildungsraum mit Leben gefüllt wird.

• die Multiperspektivität dazu führt, die „tägliche Selbstverständlichkeit" des eigenen Schulsystems zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.

• die Lehrenden die Potentiale der internationalen Bodenseeregion als impulsgebende und bereichernde Chancen wahrnehmen.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Die Grundidee, länderübergreifende Lehrveranstaltungen einzurichten, ist relativ einfach übertragbar. Österreich als kleines Land kann in jedem Bundesland „über die Grenze“ blicken.

 

Die Themenbereiche „Musik“ und „Bildungswissenschaften“ bieten beispielsweise viele Möglichkeiten der kooperativen und differenzierten Ausgestaltung von Lehrinhalten.

 

Die Studierenden als zukünftige politische Entscheidungsträger*innen bzw. Partizipations-Partner*innen für eine visionäre Gestaltung von pädagogischen und architektonischen Schul-Räumen zu gewinnen, ist ein zukunftsweisendes und nachhaltig wirkendes Unterfangen. In den kommenden Jahren stehen viele Schulgebäude-Renovierungen und -Neubauten in Österreich und den angrenzenden Ländern an. Hier pädagogische innovative Projekte zu initiieren, die ihren Niederschlag auch in einer sie begünstigenden bzw. unterstützenden modernen architektonischen Gestaltung finden, ist ein ebenso spannende wie lohnende Aufgabe.

 

Das Trinationale Studium wird auch in den kommenden Jahren mit den Projektpartner-Hochschulen weitergeführt. Die IBH-Rektoren*innenkonferenz plant aufgrund des großen Erfolgs der Auftaktlehrveranstaltungen eine Erweiterung des Angebots.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Die Lehrveranstaltungen wurden unmittelbar im Anschluss an die Durchführung über die Abteilung für Qualitätssicherung der PH Vorarlberg evaluiert.

Die Ergebnisse waren außerordentlich positiv.

Aufwand

Die Kosten für die ganze Woche wurden durch eine nachhaltige Planung (Öffis, zentrale Unterbringung usw.) möglichst niedrig gehalten. Die Durchführung der Lehrveranstaltungen wurde mit einem Kostenbeitrag zwischen € 50,-- und € 150,-- für die Studierenden seitens der Hochschulen unterstützt. Der Selbstbehalt für jede/jeden Studierende/Studierenden betrug ca. € 150,--.

Positionierung des Lehrangebots

Das Lehrangebot ist in den Curricula der teilnehmenden Hochschulen als Pflicht- bzw. als Wahlveranstaltung verankert worden. Die Einbettung in das Bachelorstudium für Primarstufenlehrer*innen wurde von jeder Hochschule nach deren studienspezifischen Voraussetzungen vorgenommen. Großes Augenmerk wurde dabei auf eine möglichst optimale Passung des neuen Studienangebots in die bestehenden Studienpläne gelegt. Situiert wurden die Trinationalen Lehrveranstaltungen im 8. Studiensemester, damit war die erforderliche theoretische Fundierung seitens der Studierenden gewährleistet.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.