SBWL Kurs III – Wirtschaftstraining

Umgesetztes Projekt

Ziele

Nicht nur in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, sondern auch bei jeder Beratungs- und Führungstätigkeit ist es hilfreich, Informationen zielgruppenorientiert vermitteln zu können. Im fachdidaktischen Methodenseminar (Kurs III) der SBWL Wirtschaftstraining werden die dafür nötigen Kompetenzen entwickelt.

 

Das zentrale Ziel dieser Lehrveranstaltung besteht daher darin, eine betriebliche Weiterbildungsmaßnahme von der Seminaridee bis zur Nachbereitung des Seminars praxisnah, aber doch im geschützten Umfeld einer universitären Lehrveranstaltung durchzuführen. Dafür ist fachwissenschaftliche Kompetenz ebenso erforderlich wie didaktische Qualität (z.B. für die Gestaltung eines Seminars zur Thematik nachhaltiges Management).

 

Die Anwendungsorientierung dieses Kurses dokumentiert sich vor allem in der Realisierungsphase, die im Seminardesign eine Schlüsselrolle einnimmt, indem Studierende in Gruppen ihre erarbeiteten Seminarkonzeptionen real umsetzen. Die hochschuldidaktische Vorgabe einer systematischen Reflexion wird unter anderem dadurch optimiert, dass die Seminardurchführung in einem Seminarraum stattfindet, der mit mehreren Kameras ausgestattet ist und ergänzend über einen Beobachtungsraum verfügt, der eine optimale Evaluation durch die LV-Leiterin ermöglicht ohne, dass ihre physische Präsenz die Studierenden beeinflusst. Daraus ergibt sich das zentrale Motiv für diese Lehrveranstaltung, nämlich Studierenden durch eine systematische Verknüpfung von Seminarvorbereitung, -realisierung und -evaluation eine theoriegeleitete Praxistauglichkeit zu ermöglichen, wobei durch die oben beschriebene technische Ausstattung ein besonders praxisrelevantes Setting möglich ist.

 

Im Detail können die Ziele wie folgt zusammengefasst werden:

Die Studierenden sollen nach dem Seminar in der Lage sein…

 

... ein teilnehmer/innen/orientiertes Seminar zu planen und durchzuführen;

… adäquate Methoden für das eigene Seminar auszuwählen und umzusetzen;

… dieses Seminar zu reflektieren und eigene Stärken und Schwächen zu analysieren;

Da Studierende nicht nur ihre eigenen Seminarkonzepte vorstellen, sondern ebenso jene ihrer Kolleg/inn/en im Vorfeld durch kritisches Feedback analysieren müssen,

... erwerben sie auch die Kompetenz, Feedback zu geben;

... andere Seminarkonzepte kritisch zu analysieren und

... im Sinne einer konstruktiven Kritik Verbesserungsvorschläge zu formulieren.

 

Dadurch ergibt sich metaphorisch gesprochen ein 360 Grad ‚Kompetenz-Radar‘ von der Seminarkonzeption über deren Realisierung bis zur Reflexion und der Entwicklung von Alternativvorschlägen.

 

Der inhaltliche Focus für die Weiterbildungsseminare der Studierenden liegt auf den Themenbereichen Gender/Diversity und Sustainablility.

 

Zur Realisierung der Zielvorstellung einer theoriebasierten Anwendungsorientierung wurde bewusst der Cognitive Apprenticeship-Ansatz gewählt, weil dieser sehr stringent den Weg von Noviz/inn/en in Richtung Expert/inn/en aufzeigt. Für die didaktische Aufbereitung (Einstieg, Strukturierung der Inhalte, Entwicklung passender Anwendungsbeispiele, etc.) des Kurses III aber auch der Seminare der Studierenden wurde das Wiener Verständlichkeitsmodell gewählt, das am Institut für WIPÄD in Wien bereits vor Jahrzehnten konzipiert und in den letzten Jahren systematisch weiterentwickelt wurde. Es hat sich in der Ausbildung von Tausenden von WIPÄD-Studierenden bewährt und verfügt demnach über eine ‚robuste Alltagstauglichkeit‘.

 

Die Alltagstauglichkeit bezieht sich nicht nur auf das zugrundeliegende theoretische Konzept, sondern auch auf die Konzeption der Lehrveranstaltung selbst, die einen Versuch darstellt, im Rahmen einer ‚normalen‘ Lehrveranstaltung eine hohe Qualität der didaktischen Umsetzung einer kompetenz- und studierendenbezogenen Lehre zu erreichen.

 

Die internationale Ausrichtung zeigt sich neben der Tatsache, dass das Kurskonzept den Prinzipien des Bologna Prozesses folgt, in der Berücksichtigung internationaler Literatur zu betrieblicher Weiterbildung und im Besonderen bei der Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Themen des Kurses, z.B. dem nachhaltigen Management. Gerade bei der inhaltlichen Auseinandersetzung wird auf eine kritische Perspektive, also auf einen Blick über den Tellerrand, Wert gelegt.

 

Das fachdidaktische Methodenseminar wurde von Frau Dr. Pachlinger in Teamteaching mit folgenden Kolleg/inn/en durchgeführt:

 

2008 Dr. Magret Wagner-Pichler (1 Kurs)

2008 – 2011 Dr. Johanna Rechberger (12 Kurse)

2012 Mag. Jasmine Göschl (2 Kurse)

2013 Mag. Doris Buchmaier (1 Kurs)

2013 – 2017 Dr. Stefan Grohs-Müller (5 Kurse) abwechselnd mit Dr. Andrea Raso (3 Kurse)

Seit WS 2017-18 nur eine LV-Leiterin: Dr. Ilse Pachlinger

Kurzzusammenfassung

Das fachdidaktische Methodenseminar (Kurs III) ist Teil der Spezialisierung Wirtschaftstraining im Rahmen der Bachelorausbildung an der WU Wien. Diese Spezialisierung zielt darauf ab, Studierende für berufliche Handlungsfelder in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung zu qualifizieren und wird pro Semester von 50 Studierenden besucht.

 

Das zentrale Ziel des Kurses III besteht darin, eine betriebliche Weiterbildungsmaßnahme von der Seminaridee bis zur Nachbereitung des Seminars praxisnah, aber doch im geschützten Umfeld einer universitären Lehrveranstaltung durchzuführen. Das zentrale Ergebnis ist ein in Gruppen gestaltetes 90-minütiges Seminar in Anlehnung an die vor allem in den USA üblichen Brown Bag-Seminare.

 

Obwohl die Anwendungsorientierung im Mittelpunkt steht, gilt es diese theoriebasiert umzusetzen. Die curriculare Struktur orientiert sich daher am lerntheoretischen, konstruktivistischen Cognitive Apprenticeship-Ansatz sowie am Wiener Verständlichkeitsmodell. Die stringente Verknüpfung von Theorie und Anwendungsorientierung löst die Zielvorstellung der Kompetenzorientierung optimal ein, weil es im Kern bei Kompetenz darum geht, nicht nur Wissen zu erwerben, sondern dieses in variablen Situationen anzuwenden.

 

Ein Schwerpunkt wird auf die variantenreiche, kompetenzorientierte Gestaltung der Leistungserhebung gelegt. Das Leistungsportfolio umfasst Bausteine wie eine Open Book-Prüfung, die gruppenautonome Beurteilung des Arbeitsprozesses, ein Community Journal, usw.

Summary

The didactic methodology seminar (course III) is part of the specialization in business education within the Bachelor's program at WU Vienna. This specialization is aimed to qualify students for occupational fields of action in in-house trainings and professional development and is attended by 50 students per semester.

 

The main goal of the course III is to organize an in-house training activity from the idea until the follow-up in a realistic situation, however in the protected environment of an university course. The principal outcome is a group-made 90-minute seminar in the style of Brown Bag seminars which are common especially in the USA.

 

Although the focus is on application orientation, it is important to implement this theory-based approach. The curricular structure is therefore based on the learning-theoretical, constructivist cognitive apprenticeship approach as well as on the Vienna intelligibility model. The stringent combination of theory and application orientation fulfils optimally the goal of competence orientation, because competence means not just acquiring knowledge, but applying it in different situations.

 

A focus is placed on the varied, competence-oriented design of the performance survey. The portfolio includes building blocks such as an open book exam, the group-autonomous assessment of the work process, a community journal, etc.

Nähere Beschreibung

1. Die pädagogisch-didaktische Grundlagen

 

Der Ablauf des fachdidaktischen Methodenseminars ist auf die im Syllabus definierten Lernergebnisse ausgerichtet. Die Grundstruktur des LV-Konzepts wird mit den Studierenden in der ersten LV-Einheit besprochen. Genaue Beschreibungen der einzelnen Aufgaben stehen den Studierenden online zur Verfügung.

Die LV ist entlang des Cognitive Apprenticeship-Ansatzes (CAA) von Collins, Brown und Newman aufgebaut. Dabei handelt es sich um einen lerntheoretisch begründeten Ansatz, der der konstruktivistischen Didaktik zuzuordnen ist. Er basiert auf dem Experten-Novizen Paradigma, das am Beginn des Lernprozesses das Erfahrungswissen und die Inputs der Expert/inn/en (LV-Leiterinnen) in den Mittelpunkt stellt und schrittweise die Verantwortung für die Lernergebnisse und den Lernprozess den Studierenden überträgt. Daraus ergeben sich die Phasen Modeling (Nutzung des Expertenwissens), Scaffolding (strukturierte Unterstützung des Lernprozesses), Fading (schrittweises Zurücktreten im Lernprozess) und Coaching (Unterstützung der Lernenden bei der Realisierung der Expertenrolle). Der CAA-Ansatz ermöglicht durch den schrittweisen Rückzug der LV-Leiterin einen kontinuierlichen, sinnvoll unterstützten Aufbau von Kompetenzen.

 

1.1 MODELING

Beim Modeling geht es nicht um die Reproduktion eines Modells, vielmehr werden von den Lehrenden Muster durch geeignetes Lehrmaterial, Best Practice-Beispiele, Aufzeigen von Lösungswegen usw. entwickelt, die die Studierenden neugierig machen sollen, die eine kognitive Herausforderung darstellen und eine emotional positive Einstellung zum Problem/Stoff herstellen. Hilfreich ist in dieser Phase ein regelmäßiger Wechsel auf die Metaebene, um die Studierenden an den Überlegungen der LV-Leiterin teilhaben zu lassen.

Das Modeling beginnt in der LV schon im Kurs I und wird in den ersten Einheiten des Kurses III fortgesetzt. In dieser Phase werden zentrale didaktische und pädagogische Theorien sowie der Aufbau eines Seminars methodisch abwechslungsreich (z.B Onlinetools wie Mentimeter, Legetechniken) unter Einbeziehung der Erfahrung der Studierenden erarbeitet, wiederholt und diskutiert, um heterogene Eingangsvoraussetzungen auszugleichen.

 

1.2 SCAFFOLDING

In dieser Phase übernehmen die Studierenden, abhängig von ihren Eingangsvoraussetzungen, schrittweise Aufgaben und üben diese.

In der SBWL Wirtschaftstraining bedeutet dies, dass die Studierenden bereits im Kurs I damit beginnen, einzelne Seminarbausteine zu erstellen und darauf aufbauend im Kurs III die Struktur und Tools des eigenen Seminars entwickeln.

 

1.3 FADING

Das Fading baut auf das Scaffolding auf, indem sich die Lehrenden schrittweise zurückziehen und eine veränderte, eher moderierende Rolle einnehmen.

Das bedeutet für den vorliegenden Kurs, dass die LV-Leiterin den Lernprozess noch strukturiert und begleitet, aber dass jetzt das Tun der Studierenden, z.B. das Üben und Erstellen von Seminarmethoden, im Mittelpunkt steht. Die Studierenden erhalten natürlich kontinuierlich Feedback zur Umsetzung ihrer Übungsschritte.

 

1.4 COACHING

In dieser abschließenden Phase sollen die Studierenden ihre Aufgaben möglichst eigenständig entwickeln. Die LV-Leiter/innen nehmen eine beobachtende Rolle ein, um festzustellen, wann die Studierenden Unterstützung brauchen.

 

Wichtig in dieser Phase ist, dass die Studierenden dazu angehalten werden:

- ihre Arbeitsschritte immer wieder zu beschreiben, damit sie sich bewusst werden, was sie tun

- schriftliche Reflexionen zur Sicherung der kognitiven Lernfortschritte zu erstellen

- ihr Wissen auch auf andere Themen bzw. Bereiche zu übertragen

 

Im Kurs III können die Studierenden in dieser Phase Feedback auf unterschiedliche Weise und von unterschiedlichen Quellen einholen:

- eigenen Arbeitsgruppe

- von zugeteilter Peergruppe

- von LV-Leiterin (steht einmal pro Woche zur Verfügung)

 

Auf der Lernplattform Learn@wu der WU können die Studierendengruppen im Rahmen der Gruppenarbeit in eigenen Online-Bereichen arbeiten.

 

 

2 Lernergebnisorientierte Prüfungsmethoden

 

Grundsätzlich ist zwischen Leistungsfeststellung, die den Lernprozess unterstützen und verbessern soll und Leistungsbeurteilung, an die Berechtigungen, Diagnosen und Prognosen geknüpft sind, zu unterscheiden. Für kompetenzorientiertes Prüfen ist in hohem Maße Leistungsfeststellung notwendig, die den Studierenden immer wieder Rückmeldung über die Qualität der Verarbeitung des Gelernten gibt.

Um die Entwicklung von Kompetenzen in den beschriebenen Phasen des Lernprozesses bestmöglich zu unterstützen, wurden im Laufe der Zeit die folgenden Maßnahmen entwickelt, die auch dazu beitragen die Motivation der Studierenden bis zum eigenen Seminar aufrecht zu erhalten.

 

2.1 Dokumentation der Entwicklung der fachlichen Kompetenz

Die fachliche Kompetenz ist nach wie vor ein zentraler Aspekt in der Auswahl und Beurteilung von Trainer/inne/n. Um eine solide fachliche Basis zu gewährleisten, werden die Studierenden aufgefordert, die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema ihres Seminars (für LV-Leiterin nachvollziehbar) zu dokumentieren. Das kreative Potential besteht in der Form der Dokumentation, die von den Studierenden frei gewählt werden kann, wie z.B. schriftliche Reflexionen, Lecturecasts, mündliche Reflexionen (per Video), die Umsetzung des Stoffes in Minifallstudien und Übungsaufgaben. Alle Formen sollen natürlich die zentralen Aspekte einer Reflexion beinhalten.

Mit der freien Wahl der Darstellung soll vermieden werden, dass Sprachkompetenz abgeprüft wird, wo es um eine inhaltliche Auseinandersetzung geht. Zusätzlich erhöhen Wahlmöglichkeiten die Motivation. Die Einführung dieser Aufgabe hat die inhaltliche Qualität der Übungsseminare signifikant verbessert. Die Freigabe der Form der Auseinandersetzung hat die Akzeptanz der Aufgabe erhöht.

Die Studierenden können Ausarbeitungen auch abwählen: Die zu absolvierenden Aufgaben sind in ein Kerncurriculum, d.h. einen Pflichtteil, den die Studierenden auf jeden Fall absolvieren müssen (Open-Book-Prüfung + Seminar) und zusätzliche Aufgaben eingeteilt. Mit der Erledigung der Pflichtaufgaben können die Studierenden den Kurs positiv abschließen. Alle anderen Aufgaben sind freiwillig und verbessern die Note.

Über die Wahlmöglichkeit von Inputs und Übungen, die das unterschiedliche Vorwissen der Studierenden ausgleichen sollen, wird versucht die Studierenden auch in die Konzeption der LV einzubeziehen. Diese zusätzlichen Inputs/Übungen beziehen sich auf Themen wie der Einsatz von Körpersprache oder Stimme in Seminaren, die Gestaltung und den Umgang mit Seminarmedien, usw.

 

2.2 Open-Book-Prüfung zur Sicherung einer praxisorientierten, fachlichen Kompetenz

Um sicherzustellen, dass sich alle Studierenden mit dem didaktischen Konzept auseinandersetzen, wird eine Open-Book-Prüfung über die didaktische Vorbereitung von Seminaren durchgeführt. Wie sie das auch in der späteren Praxis tun können und werden, dürfen die Studierenden zur Bearbeitung von kurzen Fallvignetten (siehe Link) ihre gesamten Hardcopy- und Onlineunterlagen benutzen und auch im Internet recherchieren. Da jede/r Studierende eine andere Fallvignette erhält, ist Abschreiben keine Option.

Ein wichtiger Zusatzeffekt dieser Art der Prüfung ist, dass die Studierenden nach der Prüfungsvorbereitung gut strukturierte Unterlagen besitzen und auch in der Lage sind, benötigte Informationen in ihren Unterlagen rasch zu finden.

 

2.3 Übungsseminare ohne LV-Leiterin zur Festigung der Handlungskompetenz

Der Höhepunkt der LV für die Studierenden ist die Durchführung des 90-minütigen eigenen Seminars in 3er oder 4er Gruppen. Die Studierenden können das Thema des Übungsseminars innerhalb der Rahmenthemen Gender/Diversity und Nachhaltigkeit selbst wählen. Damit wird auch sichergestellt, dass sie für diese gesellschaftspolitisch so wichtigen Themen sensibilisiert werden, wenn sie sich einerseits in der Vorbereitung intensiv mit dem eigenen Thema beschäftigen und auf der anderen Seite als Teilnehmer/innen bei 6 – 7 anderen Seminaren zu diesen Themenbereichen fungieren.

Die Gruppen sind für die Vorbereitung, inkl. Gestaltung des Raums und der Technik sowie die Durchführung allein verantwortlich. Als Teilnehmer/innen fungieren ihre Kolleg/inn/en, die dafür häufig Rollenanweisungen erhalten. Die LV-Leiterin sitzt im Nebenraum des Traininglabs und beobachtet durch eine einseitig durchsichtige Glasscheibe. Dadurch nimmt sie keinerlei Einfluss auf das Seminar und vollzieht damit den letzten Schritt in die Coaching Phase des Cognitive Apprenticeship-Ansatzes. Seit die Möglichkeit der Nutzung des Traininglabs am WU-Campus besteht, haben sich die Übungsseminare und das Gefühl der Studierenden, wirklich als Trainer/innen zu agieren, erheblich verändert. Die Ausstattung dieses Forschungsraums erlaubt auch, das Training mit mehreren Kameras zu filmen. Im vergangenen Semester wurde erstmals der Einsatz einer 360 Grad Kamera erprobt. Diese macht die Videoreflexion zu einem besonderen Erlebnis, da damit das Verhalten aller anwesenden Personen nachvollzogen werden kann.

 

2.4 Autonome Gruppenbeurteilung als Abbildung des Arbeitsprozesses

Die Beurteilung des Übungsseminars erfolgt durch die LV-Leiterin anhand eines Beurteilungsbogens, der mit den Studierenden im Vorfeld besprochen wird.

Die Verteilung der Punkte auf die Studierenden erfolgt folgendermaßen: die erreichten Punkte werden mit der Anzahl der Gruppenmitglieder multipliziert. Die Studierendengruppe hat dann die Möglichkeit die Punkte innerhalb der Gruppe zu verteilen. Wird ein Seminar z.B. mit 36 von 40 Punkten beurteilt, dann erhält eine Dreiergruppe 108 Punkte, die die Gruppe autonom auf die Gruppenmitglieder verteilen kann, wobei jede/r Studierende maximal 40 Punkte erhalten darf. So hat die Gruppe die Möglichkeit, den Arbeitsprozess, der für die LV-Leiterin nicht sichtbar ist, in der Punkteverteilung abzubilden. Das Ergebnis wird der LV-Leiterin dann per E-Mail kommuniziert.

Gerade für zukünftige Trainer/innen ist es wichtig, unterschiedliche Formen der Leistungsfeststellung und -beurteilung theoretisch kennen zu lernen und auch selbst zu erleben.

 

2.5 Videoreflexion als Mittel zum individuellen Kompetenzerwerb

Die Studierenden sind aufgefordert, vor der Durchführung ihres Seminars einen Beobachtungswunsch abzugeben (worauf soll die Person, die mich beobachtet speziell achten?). Sie erhalten dann von der beobachtenden Person mit dem Feedback eine Aufgabenstellung (z.B. Analysieren Sie Ihren Kontakt mit den Teilnehmer/inne/n, wie viele Min. haben Sie ihnen den Rücken zugedreht …), die sie im Zuge der Videoreflexion schriftlich bearbeiten müssen.

Es wird großes Augenmerk daraufgelegt, den individuellen Kompetenzerwerb trotz Gruppenarbeit zu fördern. Mit Hilfe der umfassenden Videoaufnahmen, der persönlichen Reflexionsaufgabe und des allgemeinen mündlichen Feedbacks von den Kolleg/inn/en und der LV-Leiterin reflektieren die Studierenden ihr Seminar daher in Einzelarbeit. Wichtig ist, dass nicht nur Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet, sondern auch die eigenen Stärken identifiziert werden.

 

2.6 Peergruppen Unterstützung zur Festigung der fachlichen und sozialen Kompetenz

In der Woche nach dem eigenen Seminar übernimmt jede Gruppe die Funktion einer Peergroup. Diese hat im Vorfeld des Seminars der von ihrer betreuten Gruppe die Aufgabe, das Konzept zu analysieren und wenn notwendig Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Während des Seminars hat die Peergroup spezielle Beobachtungsaufträge. Nach dem Seminar wird von ihr das Community Journal (siehe unten) weitergeführt.

Als Peergroup können die Studierenden die Erkenntnisse aus dem eigenen Seminar auf andere Themen übertragen und damit ihre Kompetenzen, dem Cognitive Apprenticeship-Ansatz entsprechend, festigen/vertiefen.

 

2.7 Community Journal zur Unterstützung der Handlungskompetenz

Die Peergroup stellt am Ende jeder Seminareinheit die wichtigsten Aspekte des Feedbacks auf einem WIKI auf der Lernplattform learn@wu zur Verfügung. Damit wird der gemeinsame Lernfortschritt der Gesamtgruppe dokumentiert. Die im Seminarverlauf später drankommenden Seminargruppen besitzen dadurch eine ‚Checklist‘ mit den schon besprochenen Fehlern.

 

2.8 Lernspaziergang zur Sicherung der fachlichen und sozialen Kompetenz

Um die Ziele der Coachingphase noch einmal zu betonen und eine interessante Wiederholung der wichtigsten Lerninhalte zu gewährleisten, wird in der letzten Einheit ein Lernspaziergang veranstaltet. Dabei absolvieren die Studierenden in gemütlicher Atmosphäre mit einem Getränk in der Hand eine Reihe von Stationen, an denen alle zentralen Inhalte, die im Laufe des Semesters erarbeitet wurden, dokumentiert sind. Fragen und kleine Aufgaben sollen den Diskussionsprozess anregen. Im Rahmen des Lernspaziergangs geben die Studierenden auch Feedback an die LV-Leiterin (z.B. in Form von Fischnetz, Sternenfeedback, Evaluationsbogen), das in den folgenden Semestern wieder in die LV-Gestaltung einfließt.

Positionierung des Lehrangebots

An der WU Wien wählen die Studierenden im zweiten Studienabschnitt des Bachelorstudiums Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zwei von 30 Spezialisierungen. Das fachdidaktische Methodenseminar (Kurs III) ist Teil der Spezialisierung Wirtschaftstraining und Bildungsmanagement, deren Ziel die Qualifikation für unterschiedliche Handlungsfelder im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist. Kurs III findet wöchentlich statt, was einerseits den Vorteil mit sich bringt, dass sich die Studierenden jede Woche mit einem Thema intensiv auseinandersetzen können. Auf der anderen Seite steht die LV-Leiterin, die für die gesamte Spezialisierung verantwortlich ist, den Studierenden regelmäßig für organisatorische und inhaltliche Fragen begleitend zur Verfügung. Der zweistündige Kurs umfasst 4 ECTS. Die Konzeption des Kurses sieht eine Präsenzzeit von 24 Stunden sowie einen zusätzlichen Aufwand von ca. 55 Stunden vor.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 in der Kategorie Lernergebnisorientierte Prüfungskultur und deren Verankerung in der Lehrveranstaltung nominiert.