Zertifikatskurs „Teaching Competence Plus: Professionalisierung universitärer Lehrkompetenz“ und Lehrprojekte der Teilnehmenden

Umgesetztes Projekt

Ziele

1. Entwicklung individueller Lehrkompetenz von erfahrenen Lehrenden

Aus der Perspektive der Teilnehmenden (TN) bedeutet der Zertifikatskurs (ZK) eine attraktive Möglichkeit, ihre Lehre auch als erfahrene Lehrende (weiter) zu professionalisieren.

• Viele beschrieben, über die Jahre hinweg bewährte Routinen in ihrer Lehre entwickelt zu haben. Nach einiger Lehrerfahrung suchten sie eine gewisse Herausforderung und wünschten sich „frischen Wind“, wie es einige ausdrückten. Der ZK bot für sie einen Reflexionsanlass und Gelegenheit zum Austausch mit Kolleg/inn/en und Expert/inn/en im Bereich Lehren und Lernen.

• Einige TN erklärten ihre Motivation zur Teilnahme dadurch, dass sie eine Kluft zwischen ihrem eigenen Qualitätsanspruch und ihrer tatsächlichen Lehre wahrnahmen. In jedem anderen Bereich (insb. in der Forschung) fühlten sie sich besser ausgebildet, wohingegen ihr Lehreinstieg in der Vergangenheit oftmals autodidaktisch passierte – ohne viel Unterstützung von Expert/inn/en oder Kolleg/inn/en erfahren zu haben.

• Viele TN befinden sich in einer Phase ihres Karrierewegs, die (trotz aller bestehenden Lehrerfahrung) mit für sie neuartigen lehrbezogenen Aufgaben verbunden ist. Einige leiteten beispielsweise erstmalig (nicht-prüfungsimmanente) Vorlesungen. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden (Durchgang 2) übernahm Funktionen als Studienprogrammleiter/innen (d.h. Studiendekan/inn/en). Dadurch hatten sie für Lehre über die LV-Ebene hinausgehend Verantwortung und sahen sich mit der Herausforderung konfrontiert, sich als Funktionsträger/innen im Bereich Lehre zu professionalisieren. Den Umstand, dass sie ihre im ZK erworbenen Erkenntnisse und Fähigkeiten in ihre Fachbereiche bzw. SPL-Teams hineintragen konnten, beschrieben einige als motivierenden Faktor.

 

2. Institutionelle Lehrentwicklung

Aus institutioneller (lehrstrategischer, personalentwicklerischer) Perspektive liegt der Fokus auf einem erhofften Schneeballeffekt:

• Der ZK trägt als hochschuldidaktische Qualifizierungsmaßnahme dazu bei, die Lehrqualität und damit die (Aus-)Bildung der Studierenden zu verbessern. Teilnehmende und Absolvent/inn/en des ZK wirken dabei in ihre Fakultäten und Zentren hinein und geben als Multiplikator/inn/en wichtige Impulse für Lehrinnovation.

• Die Einführung des ZK steht in einer Reihe von Maßnahmen, die darauf abzielen, gute und engagierte Lehre und Lehrende sichtbar zu machen. Das Ziel ist, sie als inspirierende Vorbilder bekannt zu machen.

 

3. Karriererelevanz in kritischer Karrierephase

• Viele Teilnehmende befinden sich im Zuge ihres Habilitationsverfahrens in einer kritischen Karrierephase, in der sie ein formaler Nachweis von hochschuldidaktischer Weiterbildung unterstützt. Viele bereiten sich auf internationale Berufungsverfahren vor und sind sich der Karriererelevanz des Zertifikats sehr bewusst.

• Vor Einführung des ZK wurde diese Möglichkeit der Zertifizierung aktiv von mehreren Personen des wissenschaftlichen Personals eingefordert. Teilweise waren Postdocs oder Personen mit Laufbahnstellen bereits von ihren früheren Universitäten außerhalb Österreichs damit vertraut.

• Um dem Anliegen einer formalen Qualifizierung nachzukommen und ein international kompetitives hochschuldidaktisches Zertifikat anzubieten, durchlief der ZK im Entstehungsprozess den formalen Weg der Zulassung als Weiterbildungsangebot der Universität Wien. Der Sichtungsausschuss des Senats genehmigte den Antrag im Jahr 2016; nach positiver Evaluierung des ersten Durchgangs wurde er schließlich stetig gestellt. Durch diesen formalen Charakter des Angebots ist der ZK mit ECTS-Credits versehen.

 

Viele Teilnehmende sehen den ZK daher als langfristige Investition in ihre berufliche Zukunft – sowohl im Hinblick auf ihre Lehrqualität, als auch aus karrieretechnischen Überlegungen.

 

4. Vernetzung, kollegiale Beratung und Austausch unter Lehrenden

• In der Wahrnehmung vieler Teilnehmenden existiert in ihren Fachbereichen nur begrenzt Bereitschaft, sich über Lehre auszutauschen. Die Vernetzung im ZK (im Sinne einer Community of Practice) erlaubt Begegnungen zwischen Lehrenden über Fachbereiche hinweg, die einander ohne das Programm nicht kennengelernt hätten.

• Dies ermöglicht einen verstärkten interdisziplinären Dialog über Lehre. Die TN erfahren von Lehrgestaltung an anderen Fakultäten, was sie wiederum darin unterstützt, mögliche eigene Handlungsalternativen zu erkennen und festgefahrene, „traditionelle“ Zugänge in der eigenen fachlich geprägten Lehr-/Lernkultur in Frage stellen zu können.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Der Zertifikatskurs ist eine Qualifizierungsmaßnahme für erfahrene Lehrende an der Universität, die ihre Lehrkompetenz erweitern und sich mit Kolleg/inn/en aus anderen Fachbereichen austauschen möchten. Als Mitglieder einer entstehenden Community of Practice können sie in Zukunft in ihre Fakultäten hineinwirken und/oder den Abschluss des Kurses im Falle einer Bewerbung nutzen.

Ausgangspunkt für das Kursdesign ist die Annahme, dass die Fähigkeit zu autonomer professioneller Weiterentwicklung auf dem systematischen Studium der eigenen Arbeit, der Arbeit anderer, wiss. Auseinandersetzung in einer Praxisgemeinschaft und Forschung im Hörsaal beruht.

Der Kurs gliedert sich in 2 zeitlich verschränkte Module: Modul A verpflichtet sich dem Ansatz der Aktionsforschung und leitet die Lehrenden dazu an, ihre eigene Praxis vor dem Hintergrund ihrer pädagogischen Wertvorstellungen zu erforschen, um sie besser zu verstehen und zu verändern. Die TN formulieren für eine LV, die sie während der Laufzeit des Kurses abhalten, ein Entwicklungsinteresse, diskutieren Maßnahmen, die zur Verwirklichung ihrer Ziele geeignet sind, führen sie durch und evaluieren sie. Modul B bietet hochschuldidaktische Wissensbestände, die in die Lehrprojekte einfließen.

Der Kurs orientiert sich an den Prinzipien reflektiver Rationalität, Wertbezug und professionelle Gemeinschaft. Letztere unterstützt als kritische Instanz die individuellen Vorhaben und unterstützt die Vergemeinschaftung der Forschungserkenntnisse.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The certificate course is a qualification measure for experienced university teachers who wish to expand their teaching skills and exchange ideas with colleagues from other disciplines. As members of an emerging community of practice, they may impact teaching practices in their respective faculties and centers and / or use their formal certificate when applying for jobs in academia.

 

At the core of the course design is the assumption that the ability to autonomous professional development is based on the systematic study of one’s own work, the work of others, scholarly debate in a professional community and research in the lecture hall.

 

The course is divided into two simultaneous modules: Module A commits itself to action research and encourages university teachers to explore their own practice in the light of their pedagogical values, in order to better understand and change their teaching. The participants identify an interest of development for a chosen course that they will teach during the certificate course. They discuss, execute and evaluate measures that are suitable for the realization of their objectives. Module B offers knowledge of teaching and learning in Higher Education. This knowledge informs participants’ teaching projects in Module A.

 

The certificate course is based on the principles of reflective rationality, values and professional community. The latter, as a critical entity, supports the individual projects and communitises research findings.

Nähere Beschreibung

Der Zertifikatskurs (ZK) ist eine Qualifizierungsmaßnahme für erfahrene Universitätslehrende, die ihre Lehrkompetenz erweitern und sich mit Kolleg/inn/en aus anderen Fachbereichen austauschen möchten. Als Mitglieder einer entstehenden Community of Practice können sie in Zukunft in ihre Fakultätenhineinwirken und/oder den Abschluss des Kurses im Falle einer Bewerbung nutzen.

 

1. Qualifikationsprofil und Lehr-/Lernziele:

Absolvent/inn/en des ZK sind in der Lage, Lehre im Sinn eines Qualitätsregelkreises laufend weiterzuentwickeln und sich als Lehrpersönlichkeit zu professionalisieren. Sie sind befähigt, studierendenzentrierte und forschungsgeleitete Lehre zu konzipieren und durchzuführen. Sie kennen Möglichkeiten, Lehre mit Medien zu unterstützen. Absolvent/inn/en können den Studienzielen entsprechende Lehr-/Lernmethoden anwenden, diese den Erfordernissen der Studierenden anpassen und (für ihre Fachkultur und die Studienziele adäquate) Prüfungsformate entwickeln.

 

2. Modularer Aufbau und Zusammenwirken der Bestandteile des ZK:

Ausgangspunkt für das Kursdesign ist die Annahme, dass die Fähigkeit zu autonomer professioneller Weiterentwicklung auf dem systematischen Studium der eigenen Arbeit, der Arbeit anderer, wissenschaftlicher Auseinandersetzung in einer Praxisgemeinschaft und Forschung im Hörsaal beruht.

Der ZK gründet auf dem Zusammenwirken zweier zeitlich verschränkter Module: dem individuellen Lehrprojekt (Modul A,10 ECTS) und einem Workshopangebot mit Wahl- und Vertiefungsmöglichkeiten (ModulB, 5ECTS), durch das hochschuldidaktische Wissensbestände in die Lehrprojekte einfließen.

Modul A verpflichtet sich dem Ansatz der Aktionsforschung und leitet die Lehrenden an, ihre eigene Praxis vor dem Hintergrund ihrer pädagogischen Wertvorstellungen zu erforschen, um sie besser zu verstehen und zu verändern. Die Teilnehmenden (TN) formulieren für eine LV, die sie während der Laufzeit des ZK abhalten, ein Entwicklungsinteresse, diskutieren Maßnahmen, die zur Verwirklichung ihrer Ziele geeignet sind, führen sie durch und evaluieren sie. Die Betreuung der Lehrprojekte umfasst mehrere Bestandteile: Einzelcoaching in einer frühen Phase der Projekte, kollegiales Feedback im Zuge von Lehrbesuchen, Gruppenfeedback auf einen Entwurf des abschließenden Prozessportfolios etc.

Kollegiale Lehrbesuche & Mentoring: Jede/r TN empfing mindestens zwei Lehrbesuche im Laufe eines Studienjahres, wobei Besuche von den Modulverantwortlichen, anderen TN, Mentor/inn/en und/oder weiteren Lehrpersonen, die die TN selbst vorschlagen, durchgeführt werden. Die meisten waren auch in der anderen Rolle als Besucher/innen in LV von Kolleg/inn/en, wodurch die Transformation von unausgesprochenem „Wissen-in-der-Handlung“ zur analysierbaren und mitteilbaren „Reflexion-über-die-Handlung“ weiterbefördert wurde (Donald A. Schön). Für Information zur konkreten Anleitung der Lehrbesuche im ZK: siehe Link.

Die schriftliche Abschlussarbeit stellt das Prozessportfolio dar. Es bezieht sich auf das individuelle Lehr-/Lernprojekt, dessen Umsetzung und Reflexion. Zur formativen Leistungsüberprüfung stellen die TN dieses Portfolio im Rahmen einer Projektpräsentation vor.

Modul B bietet eine breite Auswahl an Workshops (Workshopprogramm inkl. Kursbeschreibungen siehe Link), durch die sich TN Wissen zur Realisierung ihrer Lehrprojekte aneignen. Ergänzt werden die Workshops durch den Infopool besser lehren (siehe Link), der den TN ebenfalls als didaktische Informationsressource zur Verfügung steht.

 

3. Lehr-/Lernkonzept des ZK:

Der ZK orientiert sich an den Prinzipien reflektiver Rationalität, Wertbezug und professionelle Gemeinschaft: Wissen über Lehrhandlungen wird durch reflektive Rationalität mitteilbar, begründbar und veränderbar. Der Wertbezug bezieht sich darauf, dass alle Lehrhandlungen als Interpretationen pädagogischer Werte betrachtet werden. Die TN verstehen sich zunehmend als Mitglieder einer professionellen Gemeinschaft, die als kritische Instanz die individuellen Vorhaben unterstützt und die Erkenntnisse der Forschung vergemeinschaftet.

Workshops als flexibles und interaktives Format ermöglichen starke Praxisnähe und Orientierung an den Themen und Erfahrungen der TN. Die Methoden Gruppenarbeiten, moderierte Diskussion und kollegialer Austausch zwischen den TN stehen im Mittelpunkt. Die dem Lehr-/Lernkonzept zugrundeliegenden Arbeitsformen sind interaktiv und induktiv; sie zielen darauf ab, dass sich die TN als Mitglieder einer Community of Practice wahrnehmen, deren Ziel der Aufbau von Expertise im Bereich Lehre und die kontinuierliche Verbesserung der eigenen Lehre ist.

Die didaktische Gestaltung soll Vorbildcharakter für die eigene Lehre der TN haben. In Workshops erfahren sie Lehr-/Lernmethoden aus „Studierendenperspektive“. Durch diese kontextuelle Situierung von hochschuldidaktischem Wissen können sie diese Erfahrungen dann in der eigenen Lehre nutzen.

 

4. Evaluierung und Weiterentwicklung:

Der ZK wurde unter Einbeziehung der Besonderen Einheit für Qualitätssicherung evaluiert. Die Auswertung zeigt, dass das Programm von den 17 TN generell sehr gut angenommen wurde. Ausnahmslos alle Befragten (100%) würden das Angebot weiterempfehlen. Gesamt gesehen erachten die TN den ZK für sehr gut (Mittelwert: 1,3), wobei die Beurteilung anhand einer 5-stufigen Skala (1=sehr gut, 5=sehr schlecht) erfolgte. Eine einzige Person (Dropoutquote: 6%) konnte aus zeitlichen Gründen den ZK nicht abschließen, betonte jedoch, dass sie viel durch ihre Teilnahme profitierte.

Als besonders positiv wurde der Nutzen der kollegialen Lehrbesuche für die Weiterentwicklung ihrer Lehre hervorgehoben (Mittelwert:1,1). Diese ausgesprochen positive Einschätzung spiegelte sich auch in den offenen Antworten und Feedbackgesprächen mit den TN wider. Die Kommunikation und Betreuung durch die Kursverantwortlichen wurde als sehr hilfreich empfunden (Mittelwert:1,4).

 

5. Lehrprojekte:

In ihren Lehrprojekten konkretisierten die TN ein Entwicklungsinteresse für eine bestimmte LV, die sie während der Laufzeit des ZK anbieten. Gemeinsam hatten die erwartungsgemäß diversen Entwicklungsinteressen den Fokus auf die Dialogizität universitärer Lehre: Jedes Projekt stellte eine explizite Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden, zwischen Lehren und Lernen her.

Konkret setzten sich die Projekte Ziele wie die Stärkung der Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit der Studierenden, die Beseitigung potenzieller Exklusionsmechanismen oder die Aktivierung der Studierenden in der Vorbereitung und während der LV. Die für die Zielerreichung gesetzten Maßnahmen speisten sich aus den Workshops, sowie den Reflexionsgesprächen in der Gruppe, im Plenum und im Einzelcoaching. Sie reichten von einer Vielfalt aktivierender Maßnahmen (z.B. Einsatz von online basierten responsiven Verfahren) bis zur völligen Umstellung des LV-Designs (z.B. Elemente von Flipped Classroom, erfahrungsbasiertes Arbeiten). Dem Anspruch der Aktionsforschung gemäß beruhten sie auf der Annahme, dass reflektierte Praktiker/innen selbst ein angemessenes Wissen erzeugen können, um die Praxis weiter zu entwickeln.

 

Für eine Übersicht der Lehrprojekte aller TN: siehe Link.

 

Es folgt eine Darstellung der Lehrprojekte von 3 Absolvent/inn/en, um beispielhaft auszuführen, in welche Richtungen sich die lehrbezogene Beschäftigung der TN bewegt hat.

 

6. Lehrprojekt von Gerald Moers:

Die VU Hieratisch I steht am Beginn des Masterstudienprogramms Ägyptologie. Die Studierenden sind mit dem hochgradig ikonischen monumentalhieroglyphischen Schriftsystem vertraut. Die für das Lehrprojekt ausgewählte LV hat demgegenüber das Ziel, Lesefähigkeit von zeitgleichen handschriftlichen, mit Binse und Tinte auf Papyrus oder Tonscherben geschriebenen Texten zu vermitteln. Diese von Händen produzierten Zeichenformen weichen teils so eklatant von Monumentalhieroglyphen ab, dass der Erwerb von Lesekompetenz ungleich mühsamer ist, weil es sich von den bereits eingeübten monumentalen Formen als mentale Vorbilder wieder zu lösen gilt. Dies resultierte bisher in einem überschaubaren Lernerfolg der Studierenden sowie der deutlichen Unzufriedenheit von Lehrenden und Studierenden.

Zu vermuten stand, dass die beschriebenen Probleme mit der Unnatürlichkeit der ägyptologischen Stoffvermittlung – bisher: passives Auswendiglernen dekontextualisierter Einzelzeichen – verbunden sind und dass Lernerfolg und Studierendenzufriedenheit durch eine Umstellung auf aktionsbasierte Lehre erhöht werden können. Konkret interagierten die Studierenden nun mit Originalmaterialien wie Papyrus, Binse und Tinte in natürlicher Weise mit dem Lernstoff, indem sie das Lesen der Zeichen durch das Schreiben der ägyptischen Schreibschrift im Textverbund erlernten, unter anderem im Rahmen einer eigenen Kopie einer Papyrusseite. Ferner wurde die Stoffmenge gestrafft und klarer auf Gegenstände exemplarischer Relevanz abgestellt.

Die in verschiedenen Quizformaten im Vergleich zum alten LV-Format sichtbar höhere Lesekompetenz zeigt, dass die Involvierung des Körpergedächtnisses die Memorierbarkeit der Zeichen erhöht. Das Feedback der Studierenden bestätigte zudem den Eindruck einer verbesserten Lernatmosphäre, verwies auf einen bisher nicht beschriebenen Spaßfaktor der LV und enthielt Vorschläge zu ihrer weiteren Optimierung.

 

7. Lehrprojekt von Anke Charton:

Die StEOP-Einführung in die Theater-, Film- und Medienwissenschaft wird jedes Jahr von ca. 800 Studierenden besucht, die aus sehr verschiedenen Kontexten heraus bei uns ein Studium beginnen (frisch maturiert, mit mehrjähriger Praxiserfahrung, berufsbegleitend, international, mit einseitigen Fachinteressen etc).

Ausgangsmotivation des Lehrprojekts war, für eine so große und heterogene Gruppe einen Studieneinstieg zu gestalten, durch den sich Studierende willkommen geheißen fühlen und gut im Fach ankommen. Hierbei standen Überlegungen zu Bildungsprivilegien und Bildungsgerechtigkeit, unterschiedlichen Lernbegabungen und kulturübergreifendem Code of Conduct im Vordergrund.

Die gesetzten Interventionen waren kleinere, aber gehäufte Veränderungen in der Lehrgestaltung, die auf das Schaffen einer gemeinsamen Arbeitssphäre hin angelegt war. Dazu gehörten Details wie 1) Diversität in Ansprache, gewählten Beispielen und Vermittlungsformen, 2) das Offenlegen impliziten Universitäts- und Lernwissens durch Überblicksfolien, Beispielklausurfragen und Möglichkeiten zur Selbstüberprüfung (z.B. Quiz, e-Umfragen, Saaldiskussion), 3) das Vermitteln einer aktiven Studierhaltung (Aufbrechen des Vorlesungsformats, Flipped Classroom, Kleingruppenarbeit), 4) Praxisvernetzung (regelmäßige Einbindung von Theaterschaffenden) und 5) Internationalität (jeweils 15-minütige Sitzungswiederholung auf Englisch am Beginn jeder Einheit; Möglichkeit, die Abschlussprüfung in einer Fremdsprache abzufassen).

Die Evaluationen zeigen, dass 1) eine verbindliche und motivierende Lernumgebung über kleine, zielgerichtete Interventionen gestaltet werden kann, 2) eine solche Lernumgebung, die der Heterogenität von Studierenden Rechnung trägt, zur Studienqualität und Identifikation mit einem Studienprogramm erheblich beitragen kann und 3) sich sogar in einer stressbesetzen Großveranstaltung wie der StEOP eine Willkommensatmosphäre schaffen lässt.

 

8. Lehrprojekt von Kerstin Hummer:

Das Lehrprojekt umfasste das Praktikum „Wechselwirkung Licht und Materie” (Masterstudium Unterrichtsfach Physik) und die Vorlesung „Scientific Computing“ (Bachelorstudium Physik, 4. Semester). Das Entwicklungsinteresse bestand darin,

• aktivierende Lehrmethoden zu entwickeln, die Studierende zur Beteiligung motivieren.

• den Umgang mit der curricular bedingten, großen Dichte an Lehrinhalten zu professionalisieren (Themenauswahl & didaktische Reduktion, Präsentationsmethode und -tempo).

• die Verständlichkeit, Sprache und Blickkontakt mit dem Auditorium zu verbessern.

Das PR wurde verbessert, indem eine richtige Einschätzung des Aktivitätsniveaus der Studierenden (rezeptiv statt anwendend/forschend) zu einer adäquaten Definition der Lernziele führte und die erforderlichen Vorkenntnisse für das computergestützte Bearbeiten von materialwissenschaftlichen Fragestellungen in Einführungsvorlesungen mit Übungen erarbeitet wurden. Im Praktikum gelang ein leichterer Einstieg in das forschungsorientierte Arbeiten, indem Studierende zuerst einfache Aufgaben mit Anleitung anhand von Online-Tutorials lösten.

In der VO war das Hauptziel, die aktive Mitarbeit der Studierenden zu erhöhen. Dafür wurden die VO-Einheiten, vor allem aber die 1. Stunde nach dem Konzept „Constructive Alignment“ neugestaltet, um die Studierenden zur regelmäßigen Teilnahme zu motivieren. Die aktive Mitarbeit konnte durch verschiedene didaktische Elemente (Quiz, Murmelgruppen, Fazitkarten) erhöht werden. Das professionelle Feedback mit Fokus auf das Entwicklungsinteresse bei den kollegialen Lehrbesuchen bestätigte die Qualität der Lehre und beinhaltet sehr konkrete Vorschläge zur weiteren Verbesseerung.

Positionierung des Lehrangebots

Der eingereichte Zertifikatskurs ist ein postgraduales Angebot (zweisemestrig, berufsbegleitend) im Umfang von 15 ECTS-Credits. Er wird an der Universität Wien in Kooperation zwischen dem Center for Teaching and Learning (CTL), dem Zentrum für LehrerInnenbildung (ZLB) sowie dem Postgraduate Center (PGC) durchgeführt. Der Zertifikatskurs richtet sich an erfahrene Universitätslehrende ab der Postdoc-Phase. Aufnahmevoraussetzungen sind (1) abgeschlossenes Doktorat, (2) mehrjährige universitäre Lehrerfahrung, (3) Lehrtätigkeit an der Universität Wien während des gesamten Zertifikatskurses sowie (4) Nominierung durch die zuständige Fakultät. Zielgruppe sind (assoziierte, außerordentliche) Professor/inn/en, Assistenzprofessor/inn/en, Personen mit Qualifizierungsvereinbarungen, Senior Lecturers und Universitätsassistent/inn/en mit Doktorat. Die im Zertifikatskurs erarbeiteten Lehrprojekte der Teilnehmenden umfassen Lehrveranstaltungen in Bachelor-, Master- und Diplomstudienprogrammen.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.