Masterplan Kompetenzorientierung – Konsequente und systematische Förderung der Kompetenz- und Lernergebnisorientierung

Umgesetztes Projekt

Ziele

Mit einem aufeinander abgestimmten Bündel an Maßnahmen wird an der Universität Salzburg seit 2013 die Kompetenz- und Lernergebnisorientierung sowohl auf curricularer Ebene als auch auf Ebene der einzelnen Lehrveranstaltungen gefördert.

 

Die damit verbundene Zielsetzung ist es, den vor allem im Kontext des Europäischen Hochschulraumes (Bologna) massiv geforderten und auch von den internen Expert/inn/en als sinnvoll erachteten Paradigmenwechsel von einer lehrenden- und inhaltszentrierten hin zu einer studierenden- und ergebnisorientierten Lehre möglichst zu fördern und umzusetzen.

 

Die ab 2014 gesetzt Maßnahmen basieren auf einer langjährigen Tradition der – an der Universität Salzburg so genannten – Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre mit zahlreichen schon zuvor umgesetzten Maßnahmen.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Mit einem ineinandergreifenden Maßnahmenbündel wird an der Universität Salzburg seit 2013 kontinuierlich und systematisch die Verankerung und Umsetzung kompetenz- und lernergebnisorientierter Studien sowie einer ebensolchen Lehre gefördert:

- eine 2014 durchgeführte Befragung von Lehrenden bzgl. ihrer Ansprüche an die Qualitätsentwicklung;

- 2014 vom Senat beschlossene, verpflichtend anzuwendende Rahmencurricula: Darin ist insb. die Angabe von Qualifikationsprofilen, von Kompetenzen sowie von Modulbeschreibungen (inkl. intendierter Lernergebnisse) verankert.

- ein abgestimmtes Qualitätshandbuch für Curricularkommissionen;

- Anpassungen des Qualitätshandbuches für Lehrende;

- Anpassung der Qualitätsstandards für Studium und Lehre;

- Herausgabe der „12 Tipps für eine kompetenzorientierte Lehre“ sowie der „12 Tipps zur attraktiven Gestaltung von Masterstudien“;

- wiederholte Behandlung beim Tag der Lehre;

- Anpassung der Ausschreibung des Preises für hervorragende Lehre;

- Kompetenz- und Lernergebnisorientierung als integrales Thema des internen hochschuldidaktischen Lehrgangs HSD+;

- verpflichtende Angabe von Lernergebnissen in Lehrveranstaltungsbeschreibungen;

Geschlossen wird der Regelkreis durch …

- entsprechende Erweiterung der Lehrveranstaltungsevaluation (Ziel: Auseinandersetzung mit dem Thema durch die Lehrenden)

- umfangreiche Thematisierung in der Studienabschlussbefragung und Absolvent/inn/enbefragung (Ziel: Auseinandersetzung mit dem Thema in den Fachbereichen).

Kurzzusammenfassung (engl.)

Since 2013 the University of Salzburg has been continuously and systematically promoting the establishment and implementation of a skills-oriented and outcome-based paradigm for study programmes and teaching. For this purpose the following interconnecting measures were implemented:

- 2014 a survey among teachers regarding their demands on quality development;

- framework curricula adopted by the senate in 2014, mandatory for use: These include in particular the specification of qualification profiles, intended skills and module descriptions (including intended learning outcomes).

- a respective quality handbook for curriculum commissions;

- adaptation of the quality manual for teachers;

- adaptation of the quality standards for studies and teaching;

- publication of "12 Tips for Competence-Oriented Teaching" and "12 Tips for Attractive Master's Programmes";

- repeated issue on the Day of Teaching;

- adaptation of the criteria of the award for outstanding teaching;

- skills- and outcome-orientation as an integral topic of the internal didactic programme HSD+;

- compulsory outcome-oriented description of all courses;

The quality loop is closed by ...

- an appropriate extension of the course evaluation (goal: reflection on the topic by teachers).

- with respective items, both in the graduation survey and the graduate survey (goal: discussion of the topic in the departments).

Nähere Beschreibung

Kompetenzorientierung ist ein zentrales Anliegen der Bologna-Reform und wird als ein zentrales Entwicklungsfeld zukünftiger Qualitätsentwicklung in der Lehre angesehen (vgl. das Fachgutachten zur Kompetenzorientierung der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz von Schaper, 2012). Sie bedeutet, dass nicht nur auf Wissen und Wissenserwerb geachtet wird, sondern auch auf die Förderung der erfolgreichen Anwendung des Wissens. Kompetenzen betreffen wissensbasierte Fertigkeiten in einem Fach aber auch fachübergreifende Fähigkeiten wie z.B. Methodenkompetenz, Sozialkompetenz oder Selbstkompetenz (vgl. z.B. Paetz et al., 2011). Kompetenzorientierungen wirken sich mul-tipel im Lehr-Lern-Geschehen aus. Sie fördern die differenzierte Beschreibung von (hie-rarchisierten) Lernzielen in Lehrveranstaltungen oder die Explizitmachung von Zensie-rungsmodellen und wirken sich deshalb zentral bei der Qualität der Leistungsbewertung aus (vgl. z.B. Walzik, 2012). Damit wird auch die instruktionale Kohärenz (Passung von Zielen, Inhalten, Methoden und Prüfungen; Contructive Alignment, vgl. Biggs & Tang, 2007) und die Leistungsinflation (geringe Korrelation von Beurteilungen und tatsächlicher Leistung) verbessert (vgl. Hunt, 2008). Im Kontext der Bologna-Reformen hat Kompetenzorientierung vor allem in Hinblick auf die Arbeitsmarktfähigkeit von Absolvent/inn/en (Employability) an Bedeutung zugenommen.

 

An der Universität Salzburg wird daher seit 2013 kontinuierlich und systematisch die Verankerung von Kompetenz- und Lernergebnisorientierung in Studium und Lehre gefördert. Der hierbei verwendete Kompetenzbegriff ist ein pragmatischer: Nach Weinert (2002, S. 27f) bezeichnen Kompetenzen „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“. Kompetenzen betreffen komplexe Fähigkeiten und beobachtbares (Wissen und) Können in realen Situationen. Sie können standardisiert (d.h. mit Aufgaben) auf unterschiedlichen Levels gemessen werden und sind über Lehr-/Lernprozesse förderbar (Shavelson, 2010). Diese Verwendungsweise des Begriffs entspricht auch jener im europäischen ECTS Leitfaden (Europäische Kommission, 2015).

 

Im Sinne der Akzeptanz einer so starken und expliziten Ausrichtung an Kompetenz- und Lernergebnisorientierung wurde intern wiederholt betont, dass diese keinesfalls etwas komplett Neues ist, das bisherige Grundsätze außer Kraft setzen würde. Insb. muss sie nicht in Konkurrenz zu einer traditionellen „Wissensorientierung“ stehen. Auch setzt Kompetenz- und Lernergebnisorientierung keinesfalls bisher vermittelte Prinzipien erfolgreichen Lehrens außer Kraft. Vielmehr akzentuiert es diese und ist ein „Katalysator“ zu deren Anwendung und Umsetzung.

 

Konkret wurden hierfür die folgenden, vielfach ineinandergreifenden (im Qualitätsregelkreises weitgehend geschlossenen) Maßnahmen umgesetzt:

 

- Zunächst wurden in einer Lehrendenbefragung die Ansprüche an die Qualitätsentwicklung in der Lehre und damit die grundsätzliche Akzeptanz für Maßnahmen der Qualitätsentwicklung erhoben.

 

- In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des Rektorats und des Senats wurde 2013/14 ein neues Rahmencurriculum für die Bachelor- und Masterstudien erarbeitet. Dieses sieht die einheitliche Angabe von Qualifikationsprofilen, zu erlangenden Kompetenzen (Learning Outcomes) sowie einheitliche Modulbeschreibungen mit Angabe der intendierten Lernergebnisse vor. Dieses Rahmencurriculum ist seit Frühjahr 2014 verpflichtend für alle neuen und überarbeiteten Curricula anzuwenden. Binnen zwei Jahren mussten alle Bachelor- und Mastercurricula auf das neue Rahmencurriculum umgestellt werden.

 

- Begleitend wurde von der Arbeitsgruppe Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre ein Handbuch für Curricularkommissionen erarbeitet und veröffentlicht. Dieses bietet Hintergrunderläuterungen und praktische Tipps zur Umsetzung von Kompetenz- und Lernergebnisorientierung. Ein besonderer Aspekt ist dabei die Empfehlung der Verwendung von fachspezifischen Kompetenzmodellen, die insb. einen gestuften Kompetenzaufbau fördern können.

 

- Entsprechend wurden auch das Qualitätshandbuch für Lehrende und die Qualitätsstandards für Studium und Lehre ergänzt.

 

- Als Orientierungshilfe für die Lehrenden Erarbeitung und Herausgabe der „12 Tipps für eine kompetenzorientierte Lehre“ sowie der „12 Tipps zur attraktiven Gestaltung von Masterstudien“ (letztere enthalten ebenfalls zahlreiche Aspekte der Kompetenzorientierung)

 

- Der Tag der Lehre der Universität Salzburg wurde wiederholt verschiedenen Aspekten der Kompetenz- und Lernergebnisorientierung gewidmet; insgesamt und im Rahmen einzelner Programmpunkte. Thematisiert wurden sowohl die kompetenzorientierte Gestaltung von Curricula und das kompetenzorientierte Lehren und Prüfen. www.uni-salzburg.at/tag-der-lehre

 

- Auch die Kriterien des internen Preises für hervorragende Lehre wurden entsprechend angepasst. Hier wird insb. auf das Prinzip „Constructive Alignment“ (Biggs & Tang, 2007) abgezielt. www.uni-salzburg.at/qe-eval/lv-preis

 

- Kompetenzorientieres Lehren und Prüfen ist Standardthema im Rahmen des Uni-internen Lehrgangs „Hochschuldidaktik+“ (interne hochschuldidaktische Fortbildung für insb. Doktorand/inn/en und Postdocs).

 

- Im online-Lehrveranstaltungsverzeichnis ist seither für alle Lehrveranstaltungen verpflichtend das Feld „Ziel (erwartete Lernergebnisse und erworbene Kompetenzen)“ auszufüllen.

 

Im Sinne eines geschlossenen Regelkreises werden die mit Studium und Lehre erzielten Wirkungen in drei Fragebögen erhoben und an die je Verantwortlichen rückgemeldet:

 

- Um insb. die Auseinandersetzung der einzelnen Lehrenden (und in Folge der Fachbereichsleitungen und Curricularkommissionen) mit diesen Themen zu fördern enthält der standardisierte Fragebogen zur Lehrveranstaltungsevaluierung seit dem Studienjahr 2016/17 fünf zusätzliche Fragen rund um die Kompetenz- und Lernergebnisorientierung. Hierbei geht es nicht nur um die Erhebung und Ergebnisrückmeldung als solcher, vielmehr wird auch der Appellcharakter gesehen, den eine Thematisierung am standardisierten Fragebogen mit sich bringt. www.uni-salzburg.at/qe-eval/boegen

 

- Um die Auseinandersetzung der Verantwortlichen in den Fächern mit den hier relevanten Themen anzuregen enthalten sowohl die (unmittelbar am Ende des Studiums stattfindende) Studienabschlussbefragung als auch die (drei bis sechs Jahre nach dem Studienabschluss stattfindende) Absolvent/inn/enbefragung zahlreiche dbzgl. Fragen; sowohl in Hinblick auf das Erreichen von Kompetenzen und intendierten Lernergebnissen als auch in Hinblick auf didaktische Aspekte (im Hintergrund das Modell des Constructive Alignment). Die Ergebnisse dieser Befragungen werden den Fachbereichsleitungen und Curricularkommissionen jährlich übermittelt und sind auch Gegenstand der geplanten formalen Evaluierung ausgewählter Studienangebote (Vorhaben in der Leistungsvereinbarung 2019-2021).

 

Nach Jahren der Diskussion, Sensibilisierung und Förderung von Kompetenz- und Lernergebnisorientierung hat sich hierfür bei vielen, vor allem jüngeren Lehrenden ein Bewusstsein entwickelt, sie ist damit auch in der Lehrpraxis angekommen. Inwieweit die intendierten Lernergebnisse von den Studierenden bzw. von den Absolvent/inn/en erreicht werden, ist von den Verantwortlichen in den Fächern zu entscheiden. Hierfür können die Ergebnisse der genannten Befragungen herangezogen werden (und selbstverständlich das Abschneiden der Studierenden in den Prüfungen). Zukünftig werden zusätzlich die Entwicklungsmöglichkeiten der Absolvent/inn/en am Arbeitsmarkt analysiert werden können. Hierzu ist die Universität Salzburg an einem Projekt im Verbund mehrerer Universitäten beteiligt (Projekt Absolvent/inn/entracking, kurz ATRACK).

 

Aus der bisherigen Lehrveranstaltungsevaluation und insb. aus der darin enthaltenen regelmäßigen Workload-Erhebung wissen wir, dass die Rückmeldung über das Lehrverhalten bei Lehrenden zu Veränderungen führen kann. So nähert sich der von den Studierenden berichtete Workload einer Lehrveranstaltung bei wiederholter Erhebung dem in der Lehrplanung festgelegten Sollwert. Um weitere systematische Aussagen über die Umsetzung der Kompetenz- und Lernergebnisorientierung in der Hochschuldidaktik treffen zu können ist – im Sinne eines weiteren Schließens des Regelkreises – eine regelmäßige Befragung der Lehrenden begleitend zur Lehrveranstaltungsevaluation geplant. Dabei werden standardisiert die verwenden Lehrmethoden und Prüfungsverfahren erhoben werden. Neben den bereits genannten Maßnahmen (insb. Personalentwicklungsangebote, Leitfäden etc.) wird Lehrenden auch über diesen Weg noch einmal die Relevanz des Themas nähergebracht werden. Dabei wird auch auf weitere Entwicklungsstufen der Kompetenz- und Lernergebnisorientierung hingewiesen werden können, wie etwa eine stärkere kompetenzorientierte Abstimmung von Modulen (gestufter Kompetenzaufbau), die Abhaltung von Modulprüfungen (Kompetenzüberprüfung) oder Angebote an Studierende für individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und damit eine verstärkte Selbststeuerung und Anwendungsorientierung.

 

 

Literatur:

Biggs, J. & Tang, C. (2007). Teaching for quality learning at university: What the student does. Maidenhead: Open University Press.

Europäische Kommission. (2015). ECTS Leitfaden. Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union. ec.europa.eu/education/ects/users-guide/docs/ects-users-guide_de.pdf

Hunt, L. H. (2008). Grade inflation: Academic standards in higher education. New York: State University of New York Press.

Paetz, N.-V. et al. (2011). Kompetenz in der Hochschuldidaktik. Ergebnisse einer Delphi-Studie über die Zukunft der Hochschullehre. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Schaper, N. (2012). Fachgutachten zur Kompetenzorientierung in Studium und Lehre. Bonn: Hochschulrektorenkonferenz.

Shavelson, R. J. (2010). On the measurement of competency. Empirical Research in Vocational Education and Training, 2, 41-63.

Walzik, S. (2012). Kompetenzorientiert prüfen. Leistungsbewertung an der Hochschule in Theorie und Praxis. Opladen: Budrich.

Weinert, F. (2002). Vergleichende Leistungsmessung in Schulen – eine umstrittene Selbstverständlichkeit. In F. Weinert (Hrsg.), Leistungsmessungen in Schulen (2. Aufl., S. 17-31). Weinheim, Basel: Beltz.

 


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.