Zielgruppenorientiertes Unterrichten

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Montanuniversität Leoben hat ihr Bildungsangebot entlang des Wertschöpfungskreislaufes "vom Rohstoff - zum Werkstoff - zum Reststoff - und wieder zum Rohstoff" in den vergangenen Jahren wesentlich erweitert, beispielhaft sei die vor etwa 5 Jahren erfolgte Einrichtung der Studienrichtung "Recyclingtechnik" zu nennen. Die Vorgabe des Rektorates damals war, dass das Lehrveranstaltungsangebot der neuen Studienrichtung überwiegend aus bestehenden Lehrveranstaltungen bereits etablierter Studienrichtungen zusammengesetzt werden soll. Über Monate wurde intensiv an der Erstellung der Curricula gearbeitet, das Ergebnis erfüllte die involvierte Kollegenschaft aus der Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes, der Metallurgie, der Kunststofftechnik und des Rohstoffingenieurwesens mit Stolz und Freude.

 

Es war uns klar, dass bei der Umsetzung einige Herausforderungen zu überwinden wären. Für meinen Lehrstuhl, den Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung, ergab sich etwa die Herausforderung, in einem Teil der Lehrveranstaltungen nicht mehr ausschließlich Studierende des Bachelorstudiums "Rohstoffingenieurwesens" bzw. des Masterstudiums

"Rohstoffverarbeitung", sondern auch jene der Bachelor- und Masterstudien "Recyclingtechnik" betreuen zu dürfen.

 

Nicht nur die nahezu Verdoppelung der Studierendenzahlen in den betroffenen Lehrveranstaltungen bedeutete eine deutliche Umstellung. Insbesondere gestaltete sich die Vermittlung der Lehrinhalte herausfordernd, weil die Studierenden beider Studienrichtungen - abgesehen von den Grundlagenfächern - auf unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen ausbauen. So haben die Studierenden des Rohstoffingenieurwesens bereits sämtliche Lehrveranstaltungen aus Mineralogie und Geologie gehört, wohingegen die Studierenden der Recyclingtechnik dahingehend über kein Vorwissen verfügen. Umgekehrt besitzen die Studierenden der Recyclingtechnik bereits vertiefte Erkenntnisse über die Charakterisierung von Reststoffen aus unterschiedlichsten industriellen Betrieben, die wiederum den Studierenden des Rohstoffingenieurwesens gänzlich fehlen.

 

Übergeordnetes Ziel der Umstellung der Lehrinhalte bzw. der Lehrveranstaltungsgestaltung war, den Studierenden aus beiden Studienrichtungen ein interessantes und nutzbringendes Wissen und taugliche Werkzeuge zur Bewältigung der herausfordernden Aufgaben in den beiden Industriesektoren zu vermitteln.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Die Einrichtung neuer Studienrichtungen an der Montanuniversität Leoben erfolgte in jüngster Vergangenheit teilweise unter der Vorgabe der bestmöglichen Nutzung des bereits etablierten Lehrveranstaltungsangebotes. Während dieses Postulat für die Grundlagenfächer kein großes Problem darstellt, stehen insbesondere die anwendungsorientierten Fächer vor der Herausforderung, Studierende aus unterschiedlichen Studienrichtungen und damit unterschiedlichem fachlichen Vorwissen eine qualitativ hochwertige Lehre anbieten zu wollen.

 

Für den Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung ergab sich beispielsweise ab der Einrichtung der Studienrichtung "Recyclingtechnik" die Herausforderung, einige der Lehrveranstaltungen strukturell bzw. inhaltlich derart umzugestalten, dass sowohl Studierende der Bachelorstudien "Rohstoffingenieurwesen" und "Recyclingtechnik" als auch jene der Masterstudien "Rohstoffverarbeitung" und "Recyclingtechnik" ein interessantes, nutzbringendes und abwechslungsreiches Wissensangebot erhalten.

 

Anhand der jeweils im 6. Semester situierten Vorlesung aus "Aufbereitungsverfahren und -anlagen" (2 Semesterwochen-stunden, 3 ECTS-Punkte) werden die notwendigen Änderungen beispielhaft erläutert.

Kurzzusammenfassung (engl.)

Recently, establishing new studies at Montanuniversität Leoben sometimes required utilisation of yet existent courses at its best. While fulfilling this demand is rather trivial for the basic subjects, the application-oriented courses are challenged with offering high-grade teaching to students from different study programs and therefore varying previous knowledge.

 

One such example at the Chair of Mineral Processing was the establishment of the new study program "Recycling". This required redesigning some courses in terms of structure and/or content for an interesting, beneficial, and diversified knowledge offering to the students of the bachelor programs "Mineral Resources Engineering" and "Recycling" as well as of the master programs "Raw Materials Engineering" and "Recycling".

 

The necessary modifications are exemplified with the course "Processes and Plants in the Minerals Industry" (2 contact hours per week, 3 ECTS-points), which is scheduled in the sixth term in both bachelor programs.

Nähere Beschreibung

Die Vorlesung aus "Aufbereitungsverfahren und -anlagen" (2 Semesterwochenstunden, 3 ECTS-Punkte) ist im 6. Semester situiert und baut inhaltlich auf der im 5. Semester abgehaltenen Vorlesung aus "Grundzüge der Aufbereitung" (2 Semesterwochenstunden, 3 ECTS-Punkte) auf. Während sich letztgenannte schwerpunktmäßig mit den aufbereitungstechnischen Grundprozessen und der dafür zur Verfügung stehenden Maschinentechnik beschäftigt, beginnt erstgenannte damit, diese Einzelprozesse miteinander zu verschalten und zu Aufbereitungsverfahren weiterzuentwickeln.

 

Die bisherige grobe Gliederung der Lehrveranstaltung gestaltete sich wie folgt:

 

Schaltungen (2 WS), Verfahrensentwurf & Aufbereitungsstammbaum mit Beispielen, (2 WS), Anlagengestaltung, Bauweisen & -arten (2 WS), Aufbereitungstechnisches Rechnen: Bilanzierung (2 WS), Teilungskurve (2 WS), Mineralbestands- & Verwachsungsanalyse (2 WS), Fördertechnik: Trüben (2 WS), Schüttgüter (2 WS), Einführung in die Primärrohstoffaufbereitung (Schwerpunkt Österreich): Erze (2 WS), Industrieminerale (2 WS), Kohlen (2 WS), Salze (2 WS), Baurohstoffe (2 WS), Sicherheitstechnik (2 WS) und Umweltaspekte (2 WS), Prüfung (s und m) am Ende des Semesters bzw. am Anfang der Ferien (auf Wunsch)

 

Folgende Änderungen wurden vorgenommen:

 

+ Jene Lehrveranstaltungen, die sich mit Schaltungen und dem Entwurf von Aufbereitungsstammbäumen beschäftigen, wurden durch Beispiele aus der Sekundärrohstoffaufbereitung ergänzt bzw. ersetzt.

+ Beim Aufbereitungstechnischen Rechnung wurde, soweit möglich, vom Begriff "Mineral" Abstand genommen und der übergeordnete Begriff "Phase" verwendet. Sämtliche Rechenbeispiele wurden dahingehend adaptiert und durch neue Beispiele aus dem Sekundärrohstoffbereich ergänzt bzw. ersetzt.

+ Die Einführung in die Primärrohstoffaufbereitung wurde gekürzt und durch Beispiele aus der Sekundärrohstoffbereich ergänzt bzw. ersetzt. Als Alternative wird derzeit über eine parallele Abhaltung dieses Vorlesungsteiles nachgedacht.

Positionierung des Lehrangebots

Es handelt sich beim gewählten Projekt um eine Lehrveranstaltung aus den beiden Bachelorprogrammen "Rohstoffingenieurwesen" und "Recyclingtechnik". Anhand der jeweils im 6. Semester angebotenen Vorlesung aus "Aufbereitungsverfahren und -anlagen" (2 Semesterwochenstunden, 3 ECTS-Punkte) wird gezeigt, wie der Herausforderung begegnet wurde, Studierende aus unterschiedlichen Studienrichtungen und damit unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen zu unterrichten.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.