Seite an Seite

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Kammermusikreihe „Seite an Seite“, die von Univ. Prof. Joseph Breinl im Wintersemester 2016 an der Kunstuniversität Graz etabliert wurde, rückt das gemeinsame Musizieren ausgewählter exzellenter Studierender mit international renommierten Lehrenden der Kunstuniversität Graz in den künstlerischen und pädagogischen Fokus. Die Studierenden werden als gleichwertige Partner während der Probenarbeit und auf dem Konzertpodium im Sinn einer praxisorientierten Erschließung der Künste gefördert.

 

 

Kurzzusammenfassung (dt.)

Mit der Konzertreihe „Seite an Seite“ wird an der Kunstuniversität Graz ein Format präsentiert, das ganz bewusst das Zusammenspiel von Lehrenden und Studierenden der Universität in den Vordergrund stellt. Die teilnehmenden Lehrenden sind ausschließlich international bekannte MusikerInnenpersönlichkeiten, die regelmäßig auf großen internationalen Bühnen konzertieren. Die künstlerische Arbeit „Seite an Seite“ mit diesen namhaften MusikerInnen ist für die Studierenden der Kunstuniversität Graz Anreiz und Auszeichnung zugleich.

 

Diese institutsübergreifende Konzertreihe mit Schwerpunkt auf ebenbürtigem Musizieren auf der Bühne ist ein Novum an der Kunstuniversität Graz und findet eine begeisterte Aufnahme bei Studierenden, Lehrenden und Publikum gleichermaßen.

 

 

 

Kurzzusammenfassung (engl.)

With the concert series "Seite an Seite - Side by Side", a format will be presented at the University of Music and Performing Arts Graz that consciously emphasises the interaction between teachers and students of the university. The participating teachers are exclusively internationally renowned musical personalities who perform regularly on major international stages. The artistic work "Side by Side" with these well-known musicians is both an incentive and honour for the students of the University of Music and Performing Arts Graz.

 

This cross-institutional concert series focuses on the music-making of teachers and students who are thereby on a par on stage, which is a novelty at the University and finds an enthusiastic reception among students, teachers and the audience alike.

 

Nähere Beschreibung

PROGRAMMATISCHER AUFBAU

 

Der programmatische Aufbau der Kammermusikreihe umfasst zwei Kammermusikwerke pro Abend und vereint moderne bzw. zeitgenössische Kompositionen mit etabliertem Repertoire der Romantik. Diese Verbindung zwischen Tradition und Moderne entspricht dem Leitbild der Kunstuniversität Graz.

 

Grundsätzlich werden keine Einzelsätze, sondern die gesamte Komposition aufgeführt. Das Werk vor der Konzertpause ist ein Kammermusikwerk der klassischen oder zeitgenössischen Moderne, das in der Regel nicht dem geläufigen Konzertrepertoire entspricht und deshalb ausführlich im Rahmen einer Werkeinführung besprochen wird. Die MusikerInnen sitzen während dieser Werkbesprechung auf der Bühne und spielen ausgewählte Ausschnitte des Werkes live. Neben diesen Musikbeispielen werden die MusikerInnen im Rahmen der Veranstaltungen zu Einstudierung und persönlichen Erfahrungen befragt. Im Anschluss daran wird das gesamte Stück aufgeführt.

 

Nach der Pause folgt ein bekanntes Werk der Klassik bzw. Romantik (Dauer ca. 40 bis 45 Minuten), das dem Publikum nur durch eine kurze Anmoderation vorgestellt wird.

 

Grundsätzlich werden zwei personell voneinander unabhängige Kammermusikensembles mit der Gestaltung der Konzerte beauftragt, wobei die Anzahl der Lehrenden die Anzahl der Studierenden pro Ensemble keinesfalls überschreiten darf.

 

Die Konzertreihe umfasst nach der ursprünglichen Konzeption zwei Konzerte pro Jahr bzw. ein Konzert pro Semester. Das Eröffnungskonzert dieser Reihe fand im Wintersemester 2016 statt. Der Eintrittspreis für die Veranstaltung beträgt jeweils € 10.-. Für Studierende der Kunstuniversität Graz ist der Eintritt frei. Der Erlös kommt in vollem Umfang und ausschließlich dem Fonds für finanziell hilfsbedürftige Studierende der Kunstuniversität Graz zugute.

 

 

 

ERSCHLIESSUNG DER KÜNSTE

 

Das gemeinsame Musizieren auf der Bühne und die Einstudierung der Kammermusikwerke in gemeinsamer Probenarbeit überwinden die aus dem universitären Lehrbetrieb gewohnten Hierarchien. Die Studierenden werden ermutigt, in den Proben als gleichwertige musikalische Partner mit ihren Ideen und Anregungen zu einer gemeinsamen Interpretation beizutragen und künstlerische Verantwortung im Sinne einer gelebten und reflektierten musikalischen Praxis zu übernehmen. Diese künstlerische Emanzipation zu temporär gleichberechtigten musikalischen PartnerInnen ist eine Herausforderung und ein bedeutender Schritt in ein späteres erfolgreiches Berufsleben.

 

Darüber hinaus profitieren die Studierenden von der musikalischen Zusammenarbeit mit den Lehrenden nicht nur in künstlerischer und technischer Hinsicht. Gespräche und Diskussionen in der gemeinsamen Probenarbeit regen sie auch zur intellektuellen Reflexion an. Dieses Heranführen der Studierenden an den Bereich der Erschließung der Künste entspricht in idealer Weise einer kunstgeleiteten Lehre, welche zu aktiver Partizipation aufruft und zu eigenständiger Gestaltung auffordert.

 

Während des Konzertes erleben die Studierenden die spätere Berufssituation unter professionellen Bedingungen und gestalten zusammen mit den Lehrenden die gemeinsam erarbeiteten Werke.

 

 

 

NETZWERKGEDANKE/LEBENSLAUF

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt des gemeinsamen Musizierens bzw. des gleichwertigen „Erfahrbar-Machens“ ist der Aufbau persönlicher Kontakte zwischen Lehrenden und Studierenden, die im normalen Lehrbetrieb nicht möglich gewesen wären. Aufgrund der heterogenen Besetzung der Kammermusikensembles kommt es zu Begegnungen mit Studierenden und Lehrenden anderer Institute und Studienfächer. Für die künstlerische Entwicklung der Studierenden ist das Projekt „Seite an Seite“ daher auch deswegen von herausragender Bedeutung, weil ihnen durch die kollegiale Probenarbeit und die gemeinsamen Konzerte der Aufbau eines professionellen Netzwerkes ermöglicht wird, auf das sie später bei wichtigen künstlerischen und organisatorischen Fragen zurückgreifen können.

 

Hinzu kommt, dass die gemeinsame Konzerttätigkeit mit international renommierten KünstlerInnen die Biographien der Studierenden zusätzlich aufwertet und so das Interesse von Agenturen oder Konzertveranstaltern auf sich zieht.

 

 

 

MUSIKVERMITTLUNG

 

Die Werkeinführung und Moderation der Konzerte erfolgen durch Ulla Pilz (Lehrende für Musikvermittlung an der Kunstuniversität Graz und Ö1-Musikredakteurin) in Zusammenarbeit mit einer oder einem Studierenden. Auch hier wird also der Gedanke einer Zusammenarbeit „Seite an Seite“ von Lehrenden und Studierenden weitergesponnen. Wie bei den InstrumentalistInnen wird auch im Bereich der Musikvermittlung Wert darauf gelegt, im Rahmen dieser Kooperation die spätere Berufssituation sowohl in der Vorbereitung als auch im Konzert selbst zu simulieren. Den Studierenden wird die Möglichkeit geboten, gemeinsam mit Ulla Pilz eine Konzerteinführung und -moderation durch Werkanalyse, Hintergrundrecherche, Moderationstraining etc. optimal vorzubereiten und von ihrer professionellen Bühnenerfahrung zu profitieren.

 

Die Werkeinführung und die Moderation umfassen neben der Entstehungsgeschichte der Komposition auch Biographie und Umfeld der KomponistInnen, gesellschaftliche und politische Strömungen, zeitgeschichtliche Hintergründe oder Einflüsse anderer Kunstgattungen.?

 

Durch die mit live gespielten Musikbeispielen mitgestaltete Werkeinführung und die persönlichen Fragen der ModeratorInnen werden auch die MusikerInnen angehalten, sich nicht nur künstlerisch-praktisch, sondern auch intellektuell reflektierend mit der Komposition auseinanderzusetzen. Für die InstrumentalistInnen eröffnet sich an dieser Schnittstelle durch den kunstvermittlerischen Ansatz und die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Kompetenzen die Möglichkeit neuer Werkzugänge. Für das Publikum bieten sich einerseits Werkstatteinblicke in die Zusammenarbeit und die spezifischen Interpretationsansätze der Musizierenden und andererseits die Möglichkeit zu einer vertieften Wahrnehmung der gespielten Werke.

 

 

 

VERANWORTLICHKEIT und AUSBLICK

 

Wurden die Konzerte der Kammermusikreihe „Seite an Seite“ bisher ausschließlich von Univ. Prof. Joseph Breinl programmiert und organisiert, so wird dieses einzigartige künstlerische Projekt angesichts des großen Erfolges ab dem Wintersemester 2019/20 auf eine breitere Basis gestellt werden. Ein vom Rektorat berufener künstlerischer Beirat, dem neben dem Gründer Joseph Breinl sowohl Lehrende aus den Instrumentalfächern sowie aus dem Bereich der Musikvermittlung angehören, wird Studierende und Lehrende der jeweiligen Institute empfehlen und soll dieses Projekt noch intensiver in den einzelnen Instituten verankern. Die Konzerte der Reihe „Seite an Seite“ finden zudem Eingang in das Abonnement-Programm der Kunstuniversität Graz.

 

 

 

GESCHÄFTSFÜHRENDER VIZEREKTOR EIKE STRAUB ZU „SEITE AN SEITE“

 

Es ist eine der Kernfragen, die jede Kunstuniversität beschäftigt: wie werden die Studierenden – über die unabdingbare Notwendigkeit der exzellenten Beherrschung ihres Instrumentes und ihres Repertoires hinaus – bestmöglich auf die Berufswelt vorbereitet.

 

Das von der Kunstuniversität Graz neu entwickelte Konzertformat „Seite an Seite“ ermöglicht gemeinsames Lehren und Lernen von Studierenden und ProfessorInnen nicht nur im Unterrichtsraum, sondern auf auch der Bühne. In der besonderen Konzertsituation verändern sich die Rollen, Praxis und Reflexion werden zum großen Gemeinsamen, das Hierarchien verschwimmen lässt.

 

Nachhaltig wirken solche Auftritte für die Entwicklung der Studierenden hin zu selbstständigen KünstlerInnenpersönlichkeiten oft als Initialzündung und nicht zuletzt auch in ihren Lebensläufen als Türöffner für zukünftige Engagements. Einmalig ist auch die Chance, dass Lehrende ihr Netzwerk für die Studierenden öffnen und sich daraus wichtige Kontakte für die eigene künstlerische Laufbahn ergeben können.

 

 

Positionierung des Lehrangebots

Aufgrund künstlerisch divergierender Anforderungen sind Anzahl der Studierenden und Positionierung des Lehrangebotes nicht genau zu spezifizieren, der Schwerpunkt liegt allerdings bei Studierenden im Master-Studium.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.