Up in the Cloud: Case Studies in globalen virtuellen Teams (Internationalisation@Home)

Umgesetztes Projekt

Ziele

Interkulturelle Kompetenzen werden oft in Lehrveranstaltungen vermittelt, welche von Theorieinputs geprägt sind. Die vorliegende Einreichung beschreibt ein innovatives Lehrkonzept, welches Studierenden die Möglichkeit bietet Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit und interkulturellen Kommunikation aus erster Hand zu sammeln.

 

Des weiteren stellt dieses Lehrkonzept eine optimale Ergänzung für alle beteiligten Hochschulen von Internationalisation@Home Projekten dar.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Interkulturelle Kompetenzen werden oft in Lehrveranstaltungen vermittelt, welche von Theorieinputs geprägt sind. Die vorliegende Einreichung beschreibt ein innovatives Konzept, welches Studierenden die Möglichkeit bietet Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit und interkulturellen Kommunikation aus erster Hand zu sammeln.

 

Das Lehrprojekt ist eine Zusammenarbeit von drei Hochschulen aus Österreich und Argentinien, um das Lernerlebnis in ihren International Management Kursen zu verbessern und verfolgt die Philosophie des Internationalisation@Home Ansatzes. Die rund 90 Studierenden wurden virtuellen, internationalen Teams von 7-8 Mitgliedern zugeteilt, die über einen Zeitraum von 1,5 Monaten gemeinsam an einer Case Study mit Bezug zu Internationalem Management gearbeitet haben. Jede Case Study enthielt Literaturempfehlungen, sowie Fragen, welche es zu bearbeiten galt. Die Art und Weise, sowie Frequenz der virtuellen Zusammenarbeit wurde den Gruppen selbst überlassen. Die Case Study Präsentationen fanden im Rahmen einer virtuellen Konferenz statt, welche mit einer kurzen Keynote zum Thema Cultural Intelligence eröffnet wurde. In weiterer Folge fanden die Gruppenpräsentationen in drei Sub-Tracks statt.

 

Durch das innovative, virtuelle Design ist es gelungen, Aspekte der interkulturellen und virtuellen Zusammenarbeit erlebbar zu machen und dadurch den Lerneffekt zu steigern.

 

Kurzzusammenfassung (engl.)

Intercultural competences are often taught in courses that are characterized by theoretical in-puts. This submission describes an innovative concept that gives students the opportunity to gain first-hand experience in international cooperation and intercultural communication, put-ting theory into practice.

 

The project is a collaboration of three universities in Austria and Argentina to enhance the learning experience in their International Management courses, following Internationalisation@Home approach. In the first round in the winter semester 2018/2019, 90 students from Austria and Argentina took part in the project. The participating students were assigned virtual, international teams of 7-8 members who worked together on a case study over a period of 1.5 months. Each case study contained literature recommendations, as well as questions, which had to be worked on. The means and frequency of the virtual collaboration was left to the groups themselves. The case study presentations then took place in a virtual conference, which was opened with a short keynote on Cultural Intelligence. Subsequently, the group presentations took place in three sub-tracks. For many students, this was their first experience of working on case studies based on real problems, and this in addition to working in international, virtual teams.

 

The innovative, virtual design has made it possible to experience aspects of intercultural and virtual collaboration.

Nähere Beschreibung

Das Lehrprojekt ist eine Kooperation von drei Hochschulen in Österreich und Argentinien, um das Lernerlebnis in ihren International Management Kursen zu verbessern. Die Studiengänge bzw. Lehrangebote richten sich an unterschiedliche Studierendengruppen aus unterschiedlichen Studienbereichen, sowie Berufstätige, Vollzeit und Incoming Studierende. Dies hat, zusätzlich zu der Zeitverschiebung zwischen Argentinien und Österreich, weitere Implikationen auf die Verfügbarkeit der einzelnen Studierenden für virtuelle Gruppentreffen. Um die Konzipierung und Planung dieses Projekts bestmöglich zu gewährleisten wurden die Ziele, Profile und erforderlichen Kompetenzen der drei Programmen bzw. Lehrveranstaltungen in Wien, Villach und Buenos Aires verglichen und aufeinander abgestimmt. Dabei war es besonders wichtig abzusichern, dass die Ziele des Projekts mit den Kompetenzprofilen der einzelnen Lehrveranstaltungen übereinstimmten. Alle teilnehmenden Studierenden wurden virtuellen, internationalen Teams von 7-8 Mitgliedern zugeteilt, die über einen Zeitraum von 1,5 Monaten gemeinsam an Case Studies zu Themen des International Managements gearbeitet haben. Jede Case Study enthielt Literaturempfehlungen, sowie Fragen, welche es zu bearbeiten galt. Die Art und Weise, sowie Frequenz der virtuellen Zusammenarbeit wurde den Gruppen selbst überlassen mit dem Ziel die Selbstorganisation zu fördern. Die Case Study Präsentationen fanden dann im Rahmen einer virtuellen Konferenz statt. Für viele Studierende war dies die erste Arbeit an Case Studies, welche auf realen Problemen basieren und dies zusätzlich in internationalen, virtuellen Teams.

 

Ziele der globalen, virtuellen Kooperation

• Verbesserung des Wissens und Verständnisses für kulturelle Unterschiede, insbesondere der Rolle der eigenen kulturellen Einflüsse und Annahmen der Studierenden und wie diese Teamarbeiten beeinflussen können

• Entwicklung einer globalen Perspektive („the big picture“), indem Einblicke in Verantwortlichkeiten, Strukturen und Herausforderungen in globalen virtuellen Teams gewonnen wer-den

• Entwicklung von Strategien zur Berücksichtigung kultureller Unterschiede, um in globalen und auch virtuellen Teams erfolgreich zu sein

• Entwicklung zur Eigenständigkeit durch selbstgesteuertes Lernen

• Strategien für den Wissenstransfer in (virtuellen, globalen) Teams

• Erwerb von neuen digitalen Kompetenzen für Arbeitsplätze, die zeit- und ortsunabhängig sind

• Kennenlernen und Anwenden verschiedener digitaler Tools zur Kommunikation und Kollaboration

 

Didaktisches Konzept

Bei dem hier beschriebenen Projekt handelt es sich um ein innovatives didaktisches Lehrkonzept, welches persönliche, fachübergreifende und digitale Kompetenzen und Qualifikationen fördert. Das Lehrkonzept berücksichtigt unterschiedliches Vorwissen und Biographien und bringt Studierende aus verschiedenen kulturellen Hintergründen und Bildungssystemen zusammen. Das Lehrprojekt stellt eine optimale Ergänzung für Internationalisation@Home Initiativen dar. Die Lernmethode ist stark Studierendenzentriert ausgerichtet und orientiert sich da-bei an dem Ansatz des „Challenge based learning“, welches sich aus den Ansätzen des Experiential Learning bzw. Problem based learning entwickelt hat. Studierendenzentriertes Lernen sollte „aktiv, sozial, kollaborativ und authentisch“ sein. Das Konzept kombiniert interkulturelle Kommunikation und internationale Managementpraxis in einer digitalen Arbeitsumgebung und hat dadurch eine klare internationale und digitale Ausrichtung (siehe DigCompEdu Kompetenzenrahmen). Die Verwendung von digitalen Medien ist ein Kernelement dieses Lehrkonzetes und unterstützt neue, reale Lernkontexte zu schaffen, die die Studierenden in praktische Aktivitäten und Problemlösungen einbeziehen.

Ziel dieses Projekts ist es, dass Studierenden durch die gemeinsame virtuelle Analyse, Diskussion und Präsentation von Fallstudien vor Herausforderungen gestellt werden. Die Studierenden erarbeiten dabei selbst, in Abstimmung mit ihren Kolleg/innen, aber auch im ständigen Dialog und Austausch mit den Lehrenden, Problemlösungsstrategien in Bezug auf die Case Studies. Dadurch wird einerseits die Problemlösungskompetenz entwickelt, aber auch die Fähigkeit komplexe Herausforderungen gemeinsam in einem internationalen Team zu bewältigen. Die Case Studies wurden basierend auf den Kriterien Relevanz und Praxisnähe ausgewählt, sowie wurde darauf geachtet, dass diese auch die geographische Vielfalt und die Diversität der Mit-wirkenden reflektieren.

Durch das innovative Design ist es gelungen, Aspekte der interkulturellen und virtuellen Zusammenarbeit erlebbar zu machen. Den Studierenden wurde zudem der konzeptionelle Hintergrund des Lernprozesses und die zugrundeliegende didaktische Struktur transparent vermittelt, um eine gemeinsame Gestaltung und Weiterentwicklung des Prozesses zu ermöglichen.

 

Lehrprojektinhalte & Kompetenzentwicklung

Das Lehrprojekt greift unterschiedliche Formen des Online- und Offline-Lernens auf und kreiert damit für die Studierenden eine Lernumgebung, welche der Realität in der Praxis sehr nah ist. Die Heterogenität der Studierendengruppen selbst unterstützte ebenso ein verstärktes Voneinander- und Miteinander-Lernen und machte für die Studierenden die Thematik der interkulturellen und globalen Zusammenarbeit erlebbar. Das Konzept des Lehrpojektes wurde auf drei Hauptsäulen aufgebaut: Interkulturelle Kommunikation; Virtuelle Interkulturelle Kooperation; und Digitales Arbeiten.

 

Säule 1: Interkulturelle Kommunikation

In der heutigen Arbeitswelt ist die Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen erfolgreich kommunizieren zu können, von entscheidender Bedeutung. Interkulturelle Kommunikation als Fach ist oft sehr theoretisch aufgebaut. Studierende lernen verschiedene interaktionelle Modelle, haben aber nur begrenzt Möglichkeiten, diese erlernten Theorien in der Praxis auszutesten. Als Teil unseres didaktischen Konzepts wurde von den Lehrenden vorab vereinbart, in welche Modelle die Studierenden eingeführt werden sollten, damit sie diese auf ihre Diskussionen zu den verschiedenen Fällen anwenden können.

Die Case Studies bauen auf betriebswirtschaftlichem Wissen auf, das heißt nur durch Kombination, der von ihnen in verschiedenen vorangegangenen Lehrveranstaltungen erworbenen Fach- und Sozialkompetenzen konnten die Case Studies gelöst werden. Die Notwendigkeit interdisziplinären und vernetztes Denkens wurde damit ebenso gefordert. Durch die internationalen Projektgruppen wurde der Ansatz verfolgt, eine authentischere interkulturelle Interaktion zu er-möglichen.

Durch die reflektierte Bearbeitung einer interkulturellen Case Study, wollten wir den Studieren-den einen Anreiz geben, um sich mit neuen/anderen Perspektiven auseinanderzusetzen.

>> Kompetenzentwicklung: Offenheit; Perspektivenfähigkeit, Kommunikationskompetenzen

 

Säule 2: Virtuelle Interkulturelle Kooperation

Globale virtuelle Kommunikation ist im internationalen Geschäftsumfeld von heute fast selbst-verständlich, wird jedoch selten in Managementprogramme integriert. Globale virtuelle Kooperation beschreibt Teams, die über regionale, nationale, kulturelle, sprachliche Grenzen sowie Zeitzonen hinweg zusammenarbeiten. In dieser Art von virtueller Zusammenarbeit sind inter-kulturelle Kommunikationskompetenzen besonders wichtig, um die Kommunikation im virtuellen Team effizient und effektiv zu gestalten. Besondere Herausforderungen der virtuellen Zusammenarbeit umfassen unter anderem die passenden Kommunikations- und Kollaborationsmedien auszuwählen, die Arbeitsabläufe, Zielsetzungen und Aufgabenteilung entsprechend zu definieren. Als Basis ist jedoch das Teambuilding mit dem Vertrauensaufbau als der wichtigste Schritt zu sehen.

>> Kompetenzentwicklung: Problemlösungskompetenz; Kritisches/Vernetztes Denken; Selbstgesteuertes Lernen; persönliche Organisation; Kooperationskompetenz;

 

Säule 3: Digitales Arbeitswelten

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist längst nicht mehr nur eine abstrakte Zukunftsvision. Viel-mehr befinden wir uns bereits mitten in einer tiefgreifenden Transformation, die Wirtschaft, Arbeitswelt und Alltag nachhaltig verändert, demnach ist die Stärkung von digitalen Skills DAS Zukunftsthema. Technologien und digitale Kommunikations- und Kollaborationsplattformen sind nicht mehr wegzudenken, aber der effiziente Umgang und effektive Einsatz lässt oft noch zu wünschen übrig.

Da bei diesem Projekt selbst-organisiertes Lernen im Vordergrund steht, wurde es den Gruppen überlassen, welche digitalen Tools zur Anwendung kommen. Abgesehen von der Moodle-Plattform, welche die wichtigsten Kurzinformationen enthielt und als Kommunikationsmedium von Lehrenden an Studierende und viceversa genutzt wurde. Die Gruppen selbst entschieden sich in der Kollaboration für unterschiedliche Filesharing, Cloudworking und Kommunikations-Tools.

>> Digitale Kompetenzentwicklung: Anwendung von Filesharing Tools und/oder anderer Cloudworking Kommunikations- und Kollaborationstools, Kommunikationskompetenzen im virtuellen Kontext (Präsentieren); E-Konferenz Know-How.

 

Das große digitale Finale: Präsentation der Case Studies im Rahmen einer E-Konferenz

Die Studierenden an den diversen Standorten zeigten große Unterschiede hinsichtlich ihrer Präferenzen und Anwendungen digitaler Medien. Dies ist auf die unterschiedliche Erfahrung im Bildungs-und beruflichen Kontext sowie auch auf kulturell bedingte Faktoren zurückzuführen. Moodle wurde von den Lehrenden als Projekt- und Lernplattform ausgewählt, um den Informationsaustausch zwischen Lehrenden und den rund 90 Studierenden zu koordinieren/erleichtern. Adobe Connect wurde als digitale Plattform für die E-Konferenz gewählt. Die E-Konferenz war sozusagen der krönende Abschluss der virtuellen Zusammenarbeit, wobei das Setting einer realen wissenschaftlichen Konferenz entsprach. Die Organisation der E-Konferenz wurden von den drei Lehrenden und mit Unterstützung des E-Learning der FHWien der WKW organisiert. Die E-Konferenz startete mit einer 15-minütigen Keynote eines renommierten Experten aus den USA zum Thema Cultural Intelligence. Nach dem offiziellen Start wurden die Studierenden im virtuellen Raum den Sub-Tracks zugeordnet, welche von den Lehrenden moderiert wurden (session chair). Jede Gruppe präsentierte im virtuellen Raum die Case Study, wo-rauf eine Diskussion mit dem session chair und den Teilnehmenden folgte. Nach den Präsentationen in den Sub-Tracks „trafen“ sich alle E-Konferenz Teilnehmenden wieder im Hauptraum zur Plenary Session, wobei ebenso eine kurze Mentimeter Umfrage durchgeführt wurde, um das Stimmungsbild der Studierenden zur virtuellen Zusammenarbeit, der E-Konferenz und dem Lerneffekt zu bekommen. Ein Konferenz-Selfie zum Abschluss hat den virtuellen Moment nochmals eingefangen. Die Lehrenden haben vor Ort in Österreich und Argentinien nochmals ein Debriefing mit den größten Learnings seitens der Studierenden und Lehrenden gemacht, aber auch Verbesserungsmöglichkeiten für die nächsten Jahre diskutiert.

 

Ausblick

Neben den bereits beschriebenen Lerneffekten für Studierende und Lehrende wurde ein neues inter-universitäres und internationales Netzwerks aufgebaut, welches durch den zweiten Durchgang im Wintersemester 2019 erweitert wird. Im Rahmen der global Case Study Challenge wurde mit Fallstudien aus dem Buch „Christoph Barmeyer & Peter Franklin (2016): Intercultural Management. A Case-Based Approach to Achieving Complementarity and Synergy. Palgrave“ gearbeitet. Die Möglichkeit, in der Zukunft mit externen Auftraggeber/innen zusammenzuarbeiten, wird in Betracht gezogen. Ein weiterer Aspekt ist die Messung der interkulturellen Kompetenz, um besser zu verstehen inwiefern sich diese über den Zeitraum durch die virtuelle globale Zusammenarbeit verändert (hat), bspw. durch das empirisch geprüfte Messinstrument Intercultural Development Inventory, welches basierend auf dem theoretischen Modell von Dr. Milton Bennett DMIS Developmental Model for Intercultural Sensitivity entwickelt wurde.

 

Positionierung des Lehrangebots

FHWien: Pflichtlehrveranstaltung im Masterstudiengang „Organisations- und Personalentwicklung“ im ersten Semester, LV Titel: Organisational Culture & Intercultural Management FH Kärnten: Pflichtlehrveranstaltung im Masterstudiengang „Business Development & Management“ im dritten Semester, LV Titel: Cooperating across Borders Catholic University Buenos Aires: Pflichtlehrveranstaltung für incoming Studierende, LV Titel: Cross Cultural Communication

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.