Der Siebensprung im Modul Personalmanagement: Förderung der intrinsischen Lernmotivation durch Problem Based Learning in einer virtuellen Lernumgebung

Umgesetztes Projekt

Ziele

Lernen im virtuellen Raum setzt hohe Selbststeuerungskompetenzen und intrinsische Motivation der Studierenden voraus. Das Fehlen dieser Kompetenzen zeigt sich in hohen Abbruchquoten bei Online-Kursen, die u.a. durch soziale Isolation, zu wenig Raum für Austausch, Rückfragemöglichkeiten und mangelnder Selbstmotivation begründet werden. Diesen Effekten kann durch einen studierendenzentrierten Ansatz in der didaktischen Gestaltung von virtuellen Lernumgebungen gezielt entgegen gewirkt werden. Eine besondere Rolle spielt dabei der Tutor/ die Tutorin, welche/r durch entsprechende Interventionen höherwertige kognitive Prozesse anregt und die Entwicklung einer Online-Community fördert.

 

Im Online Masterstudienprogramm "Personalmanagement und Kompetenzentwicklung mit Neuen Medien" der Donau-Universität Krems wurde ein Modul nach den Prinzipien von Problem Based Learning (PBL) gestaltet. Angelehnt an die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (1993) lag sowohl dem didaktischen Design als auch der konkreten Ausführung der tutoriellen Begleitung das Ziel zugrunde, die intrinsische Lernmotivation der Studierenden zu fördern. Anhand einer abschließenden Evaluierung und der inhaltsanalytischen Auswertung dieser Ergebnisse wurden konkrete Gestaltungsempfehlungen für Problem Based Learning Umgebungen in der Online-Lehre definiert, welche zur positiven Beeinflussung der Lernmotivatoren "Kompetenzerleben", "Autonomieerleben" und "soziale Eingebundenheit" beitragen.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Das Projekt befasst sich mit der Gestaltung und Abhaltung eines Online-Moduls nach den Prinzipien von Problem Based Learning. In Anlehnung an die Methode des Siebensprunges wird eine gut strukturierte Lernumgebung bereitgestellt, die den Studierenden wichtige Orientierung gibt, ohne allerdings selbstgesteuertes und flexibles Lernen wesentlich einzuschränken. Ausgangspunkt des Lernprozesses sind komplexe, schlecht strukturierte und authentische Problemstellungen, die Interesse wecken und Studierende zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Problem und einer damit verbundenen Wissenserschließung anregen sollen. Im Sinne eines konstruktivistischen Lernverständnisses erarbeiten Studierende in einem stark selbstbestimmten Prozess Lösungskonzepte in Kleingruppen. Der Lehrende/ die Lehrende übernimmt die Rolle eines Lerncoaches, der/die duch umfassende Feedback-Schleifen und didaktische Interventionen den Lernprozess begleitet und den Wissens- bzw. Kompetenzerwerb gezielt anregt. Der Lernprozess fördert die Entwicklung sozialer und kommunikativer Kompetenzen sowie die virtuelle Kollaboration. Die direkte Anknüpfung an die Praxis und die Erfahrungswerte aus dem beruflichen Umfeld der Studierenden fördert den Theorie-Praxis-Transfer.

 

Die Auswertung der Evaluierungsergebnisse lassen einen positiven Zusammenhang zwischen dem gewählten didaktischen Design und der instrinsischen Lernmotivation der Studierenden erkennen.

Kurzzusammenfassung (engl.)

This project describes the instructional design of an online module based on to the principles of problem based learning. Based on the method of the seven-jump, a well-structured learning environment is provided, which gives the students orientation, but also enables selfregulated and flexible learning. The starting point of the learning process are complex, poorly structured and authentic problems that encourage students to engage with the problem and the related development of knowledge. In the sense of a constructivist understanding of learning, students develop solutions in small groups in a highly self-determined process. The teacher assumes the role of a learning coach, who accompanies the learning process through comprehensive feedback loops and didactic interventions and specifically encourages the acquisition of knowledge and skills. The learning process promotes the development of social and communicative skills, problem solving, efficient and effective knowledge transfer and interdisciplinary thinking.

 

The results of the module evaluation shows a positive correlation between the chosen instructional design and the students intrinsic learning motivation.

Nähere Beschreibung

PBL fördert einen selbstgesteuerten Lernprozess, der sowohl in Kleingruppen als auch individuell stattfindet. TutorInnen fungieren als LernbegleiterInnen mit Fokus auf den Lernprozess. Diese Rahmenbedingungen sind auch für virtuelle Lernsettings zutreffend, weshalb eine Umsetzung der didaktischen Methode PBL in der Online-Lehre naheliegend ist.

 

Nachfolgend wird die Konzeption und Umsetzung eines Moduls des online Master-Lehrganges „Personalmanagement und Kompetenzentwicklung mit Neuen Medien“ der Donau-Universität Krems dargestellt. 17 Studierende erarbeiteten im Modul „Vertiefung des Personalmanagements“ in Kleingruppen theoretisch fundierte Lösungsansätze für konkrete Problemstellungen aus der Praxis des Human Resource Managements mit Hilfe des PBL-Ansatzes.

 

Als Learning-Management-System wurde Moodle eingesetzt. Zu Beginn des Moduls wurden die Studierenden mittels Erklärungen auf der Kursplattform und einem virtuellen Kick-Off in die Methode des Siebensprungs eingeführt.

 

Sprung 1: Klärung unklarer Begriffe: Schaffung einer gemeinsamen Ausgangsbasis für alle Gruppenmitglieder

Sprung 2: Problemdefinition: Eingrenzen des zu bearbeitenden Bereichs

Sprung 3: Problemanalyse/ Brainstorming: Aktivierung des Vorwissens der Gruppenmitglieder

Sprung 4: Systematische Vertiefung: Definition von zu klärenden Fragestellungen

Sprung 5: Lernzielformulierung: Formulierung von Lernzielen als Brücke zwischen Fragen und dem Wissen

Sprung 6: Selbständiges Studium: Berabeitung der Lernziele im Eigenstudium (Literaturrecherche)

Sprung 7: Synthese: Überprüfung des neuen Wissens am Ausgangsproblem

 

 

Die Kleingruppen formierten sich durch interessensgetriebene Zuordnung zu einem von fünf praxisrelevanten Problemfällen (Moodle-Gruppenwahl). Der Lernprozess untergliederte sich in vier Phasen, die vom Tutor relativ engmaschig begleitet wurden. Der Tutor stand im Forum für Rückfragen zur Verfügung. Nach Ende jeder Phase gab es ausführliches Feedback zum Lernergebnis und Lernprozess. Dabei erwies sich möglichst konkretes, zeitnahes und wertschätzendes Feedback als wichtig, um die Lernmotivation aufrecht zu erhalten.

 

In der Phase 1 wurde in virtuellen Gruppen Sprung 1 – 5 abgehandelt. Nach der Konkretisierung der Problemstellung wurden Hypothesen als Gruppenergebnis formuliert und davon individuelle Lernziele abgeleitet.

 

Phase 2 war als Individualphase konzipiert. Die Studierenden sammelten Antworten zu den individuellen Lernzielen und erarbeiteten neues Wissen. Das Lernergebnis stellte eine Literaturarbeit nach wissenschaftlichen Standards dar. Im Sinne eines praxisnahen Problemlösungsansatzes wurden die Studierenden aufgefordert, anhand der theoretischen Erkenntnisse nach passender Software bzw. Online-Tools zur praktischen Lösung des Problems zu recherchieren. Rückfragen an den Tutor wurden durch das Forum abgehandelt. Zu den Abgaben gab es vom Tutor individualisiertes Feedback.

 

In der Phase 3 (=Sprung 7) wurden in einer vom Tutor moderierten Gruppenbesprechung die individuellen Ergebnisse miteinander abgestimmt und danach zu einem realitätsnahen Handlungskonzept weiterverarbeitet. Der Tutor nahm dabei die fiktive Rolle der Geschäftsführung ein, wodurch der Praxisbezug erneut dargestellt wurde. Ein Gruppenprotokoll diente der Dokumentations und Reflexion des Abstimmungsprozesses.

 

Das Ergebnis der Gruppenarbeit stellte ein abschließendes Handlungskonzept dar, welches in kompakter und übersichtlicher Form in der ePortfolio-Software Mahara dargestellt wurde. Mahara eignet sich aus zweifacher Hinsicht zur Darstellung des Endergebnisses: einerseits erlaubt das Tool eine gestalterisch ansprechende Darstellung der Ergebnisse in multimedialer Form und andererseits ermöglicht es die virtuelle Kollaboration. Durch die Wahl dieses Tools wurde zudem die Entwicklung von digitalen Kompetenzen gezielt gefördert. Ein Peerfeedback-Prozess stellte sicher, dass sich Studierende auch mit den Inhalten der anderen Gruppen auseinandersetzten. Zudem wurde dadurch die Feedback-Kultur gefördert. Der Tutor gab abschließend zu jedem Konzept und zu den Gruppenprozessen ausführliches, schriftliches Feedback.

 

Den Abschluss des Moduls bildete die standardmäßige Evaluierung, deren Ergebnisse in die Erarbeitung von Gestaltungsempfehlungen von virtuellen PBL-Lernumgebungen aufgenommen wurden.

Positionierung des Lehrangebots

Master of Arts

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.