Duales Kooperationsprojekt zu „Digitalisierung, Industrie 4.0 & Nachhaltigkeit“ zwischen Fachhochschule, HAK und HTL

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Hochschule nimmt im Projekt aktiv ihre Aufgabe wahr, neben fachlichen und methodischen Kompetenzen auch die sozialen und persönlichen Kompetenzen der Studierenden auszubilden. Die Ermöglichung individueller Lernpfade, praxisnahes Erfahrungslernen auf akademischem Hochschulniveau und damit einhergehend die Ausbildung von umfassenden Handlungskompetenzen sind damit gelebte Praxis. Durch das einzigartige Projektformat können Schulen, Unternehmen und Hochschule in einem Projekt zum Thema Digitalisierung, Industrie 4.0 & Nachhaltigkeit vernetzt werden und so wechselseitig voneinander profitieren. Das Konzept könnte in Zukunft z.B. durch die neu initiierten Digital Innovation Hubs von anderen Universitäten, Schulen und Unternehmen implementiert werden und so flächendeckend in Österreich zur Vernetzung von Hochschulen, Schulen und Unternehmen eingesetzt werden.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Das duale Bachelorstudium Smart Engineering kombiniert Theoriephasen an der FH mit Praxisphasen in der Industrie. Im letzten Studienjahr widmen sich die berufsbegleitenden Studierenden im Zuge ihrer dualen Projekte dem Fachthema „Digitalisierung & Nachhaltigkeit“. Da im Curriculum als soziale Kompetenz das Lernziel „Führung“ definiert ist, wird das Projekt in gemischten Teams - mit Schülern und Schülerinnen aus HAK und HTL - umgesetzt. Die Studierenden bauen, in interdisziplinären und dislozierten Teams Führungskompetenzen auf und stellen ihre Lösungskompetenzen und ihr Kommunikationsgeschick unter Beweis.

1, Design Thinking Workshop an der FH St. Pölten: Im Zuge eines Workshops widmen sich die Studierenden einer Herausforderung zum Thema „Nachhaltigkeit“ aus der industriellen Praxis. Gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen werden hier Lösungsideen für das reale Projekt und Prototypen erstellt.

2, Die Studierenden übernehmen Führungsverantwortung: Jede Studentin bzw. jeder Student bildet ein Projektteam mit drei Schülern und Schülerinnen aus HAK und HTL. Die Studierenden erstellen gemeinsam mit ihrem interdisziplinären Team einen Projektplan. Es gilt, Aufgaben zu definieren, zuzuweisen, eine (digitale) Kommunikations- und Meeting Struktur für das Team aufzubauen und das Projekt zu managen.

3, Projektdurchführung: Im März starten die Teams mit der Durchführung der Projekte. Sie werden dabei durchgängig von FH-, Schul- und Unternehmensseite gecoacht.

4, Projektvernissage: Zu Semesterende werden die Ergebnisse in Form einer Projektvernissage präsentiert. Dabei stehen auch die Lernergebnisse in 4 Kompetenzbereichen (fachlich, methodisch, sozial und persönlich) im Vordergrund. Diese werden in einer Feedbackrunde reflektiert.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The work integrated Bachelor's programme Smart Engineering combines academic theory at the University of Applied Sciences with practical phases in the industry. In their last academic year, students devote themselves to the subject of "Digitalisation & Sustainability" within the course of their project. Since the learning objective "leadership" is defined as social competence in the curriculum, the project is implemented in mixed teams - with scholars from HAK and HTL. Such, the students build up leadership competencies in interdisciplinary teams and improve their solution finding and communication skills.

1, Design Thinking Workshop: In the course of a workshop, the students define an industrial challenge with respect to the topic of "sustainability". Together with scholars, novel ideas for solutions and prototypes are developed.

2, The students take over leadership: Each student forms a project team with three scholars from HAK and HTL. The students create a project plan together with their interdisciplinary team. The main goal here is to define and assign tasks, to establish a (digital) communication structure for the team and to manage the project.

3, Project execution: In March the teams start with the execution of the projects. They are coached throughout the whole process.

4, Project exhibit: At the end of the semester, the project results are presented in the form of an exhibit. The learning outcomes (technical, methodological, social and personal competences) are as important as the project result itself. Everything is reflected and discussed in a final feedback round.

Nähere Beschreibung

Die Konzeption und Akkreditierung des dualen Bachelorstudienganges Smart Engineering of Production Technologies and Processes wurde 2013/14 durchgeführt, der Studiengang startete im Wintersemester 2014. Eine der wesentlichen Grundgedanken für die Schaffung eines solchen neuen, dualen Studiengangs war die immer weiter voranschreitende Digitalisierung im Zusammenspiel mit dem Vermittlungsbedarf sozialer und persönlicher Kompetenzen und somit des Qualifikationsprofils, das für die Umsetzung der unter dem Schlagwort Industrie 4.0 diskutierten Visionen erforderlich ist. Veraltete, starre Strukturen, geschaffen für gesellschaftliche und arbeitsmarkttechnische Situationen, die längst der Vergangenheit angehören, sollten im Zuge der Umsetzung des Studiengangs überarbeitet und aktualisiert werden. So erhielt im Studiengangskonzept die Studierendenzentriertheit im Curriculum und im didaktischen Konzept einen besonderen Stellenwert. Studierendenzentriertheit wird an der FHSTP nicht nur in den didaktischen Konzepten großgeschrieben, also konkret in der Lehre berücksichtigt, auch die Ermöglichung individueller Lernpfade unter Berücksichtigung der Arbeitssituation der Studierenden bzw. Studienbewerber und Studienbewerberinnen spielt dabei eine wesentliche Rolle.

 

Ein duales Studium wie der Bachelor Smart Engineering kombiniert Theoriephasen auf akademischem Hochschulniveau an der Fachhochschule mit umfangreichen Praxisphasen in Industrieunternehmen während derer das erlernte Wissen von den Studierenden angewendet werden muss. Durch diesen Lernzyklus aus zunächst theoretischem Wissenserwerb, danach der praktischen Aneignung von Erfahrungswissen in Form eines dualen Projekts, steht am Schluss jedes Semesters der Erwerb von echten Handlungskompetenzen durch eine angeleitete Reflexionsphase über die 4 Kompetenzbereiche – fachliche Kompetenz, methodische Kompetenz, soziale Kompetenz und persönliche Kompetenz.

 

In ihrem letzten Studienjahr (wahlweise 5. oder 6. Semester) widmen sich die Studentinnen und Studenten im Zuge ihrer dualen Projekte auf diese Art und Weise dem Fachthema „Digitalisierung, Industrie 4.0 & Nachhaltigkeit“. Da die Smart Engineering-Studierenden als soziale Kompetenz im Curriculum das Lernziel „Teamsituationen & Führung“ definiert haben, wird das Projekt nicht nur intern, sondern mit externen, gemischten Teams bestehend aus Schülerinnen und Schülern der HTL St. Pölten, der HTL Waidhofen a.d. Ybbs und der HAK St. Pölten umgesetzt. Die Studierenden lernen so, in interdisziplinären und dislozierten Teams Führungskompetenzen (für die Schüler und Schülerinnen im Team) aufzubauen, anzuwenden und auszubauen. Wissenschaftliche Theorien und Methoden zum Thema Führung und Projektleitung wurde den Studierenden an der FH in vorhergehenden Semestern theoretisch vermittelt. In mehreren Schritten, die sich von Februar bis Juni erstrecken, stellten sie so ihre Lösungskompetenzen, ihre Führungsqualitäten und ihr Kommunikationsgeschick fachübergreifend unter Beweis.

 

Schritt #1 – Design Thinking Workshop an der FH St. Pölten: Im Zuge eines Design Thinking Workshops im Februar widmen sich die Studierenden einer konkreten Herausforderung zum Thema „Nachhaltigkeit“ aus der industriellen Praxis. Gemeinsam mit Schüler und Schülerinnen werden in einem kreativen Prozess erste Lösungsideen für ein reales Projekt und Prototypen erstellt. So lernen die Studierenden auch erstmalig die Schüler und Schülerinnen, d.h. ihre zukünftigen Teammitglieder, kennen.

Design Thinking ist eine Methode, die sich der Denk- und Arbeitsweise von Designer und Designerinnen bedient, um die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen mit dem technisch Machbaren zu verbinden und etwas hervorzubringen, das wirklich dem entspricht, was sich die Nutzer und Nutzerinnen erhoffen und erwarten. Nach Teresa Sposato handelt es sich bei Design Thinking um „einen offenen, intuitiven und kreativen Ansatz“, bei dem ein Problem nicht als solches akzeptiert und gelöst, sondern selbst zunächst kritisch hinterfragt wird. Erst das Zulassen unterschiedlicher Meinungen und Ideen machen bessere Lösungen möglich. Diversität und Nutzer- und Nutzerinnenzentrierung sind also der Schlüssel für das Finden von erfolgreichen Ideen und innovativen Lösungen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Workshops tauchen – ganz diesem Diversitätsgedanken folgend – in Arbeitsgruppen zu vier Personen mit unterschiedlichem fachlichen Background, Alter und Geschlecht in eine konkrete Fragestellung ein. Diese wird von den Teamleitern und Teamleiterinnen (den Smart Engineering-Studierenden) in die Gruppe eingebracht, um dann von den Teammitgliedern (den Schüler und Schülerinnen) schrittweise bearbeitet zu werden. Da die Studierenden im dualen Studiengang Smart Engineering gleichzeitig auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Ausbildungspartnerunternehmen sind, handelte es sich bei den Fragestellungen allesamt um Aufgaben aus dem realen, beruflichen Alltag der Studentinnen und Studenten. Dadurch können die zuvor an der Fachhochschule vermittelten wissenschaftlichen Theorien und Methoden in der Berufs- und Lebenspraxis angewendet werden. Dennoch ermöglicht die freie Themenwahl individuelle Lernpfade und Kompetenzerwerb unter Berücksichtigung der Arbeitssituation der Studierenden.

Schritt #2 – die Studierenden übernehmen Führungsverantwortung: Jede Studentin bzw. jeder Student bildet ein Team mit drei Schülern und Schülerinnen aus den Schulen HAK St. Pölten, HTL St. Pölten und HTL Waidhofen. Die Studierenden erstellen nun gemeinsam mit ihrem interdisziplinären Team einen geeigneten Projektplan. Es gilt, einen Zeit- und Ressourcenplan aufzustellen, Aufgaben zu definieren, zuzuweisen, den Fähigkeiten der Schüler und Schülerinnen entsprechend zu delegieren und eine geeignete (digitale) Kommunikations- und Meeting Struktur (z.B. mit Hilfe von Softwareanwendungen wie Microsoft Teams, Skype, Slack, …) für das über mehrere Standorte verteilte Team aufzubauen. Durch die Teilnahme der HAK St. Pölten mit hohem Frauenanteil soll das Projektformat auch der Initiative „Frauen in die Technik“ Rechnung tragen.

Schritt #3 – Projektdurchführung: Im März starten die Teams mit der Durchführung der Projekte in den Partnerunternehmen. Jeweils drei Schüler und Schülerinnen werden von einem Smart Engineering-Studierenden gemanagt. Sowohl die Teams, als auch die Studierenden werden während der gesamten Phase der Projektdurchführung von FH-Betreuern und Betreuerinnen, von Lehrern und Lehrerinnen der Schulen sowie von Unternehmensbetreuern und Unternehmensbetreuerinnen gecoacht und begleitet. Die Projektverantwortung liegt hingegen weiterhin bei den einzelnen Studierenden, die hier im Lernthema „Teamführung“ bzw. „Projektleitung“ Erfahrungen sammeln können und somit ihre sozialen und persönlichen Kompetenzen weiterentwickeln. Das fachübergreifende Projektformat fordert den Blick über den fachlichen und persönlichen Tellerrand der zukünftigen Expertinnen und Experten.

Für alle Stakeholder im Projektteam gibt es ein Decision-Gate vor Projektstart, bei dem sich das Team gemeinsam entscheiden kann das Projekt auch nicht durchzuführen. Diese Entscheidung muss natürlich fachlich begründet werden. Diese Studierenden widmen sich dann einer individuellen Projektarbeit ohne Team und besuchen zusätzliche Workshops zum Thema „Führung und Motivation von Teams“.

Schritt #4 – Projektvernissage & Reflexion: Nach dem Abschluss der Projekte präsentieren die Teams ihre Ergebnisse in Form einer Projektvernissage. Neben den reinen Projektergebnissen stehen auch die Lernergebnisse in 4 Kompetenzbereichen (fachliche, methodische, soziale und persönliche Kompetenzen) im Vordergrund und werden in einer Feedback- und Reflexionsrunde gemeinsam mit den FH-Betreuern und Betreuerinnen und den BHS Lehrern und Lehrerinnen diskutiert.

 

Auch an der Schnittstelle der Schülerinnen und Schüler zu den Unternehmen ergeben sich durch das Projekt wichtige Kontakte und Erfahrungen. Die Schüler werden mit den Unternehmen vernetzt und können dadurch bereits ein Firmennetzwerk aufbauen. Die Erfahrungen im Projekt helfen den Schülern und Schülerinnen auch in der Entscheidung, ob nach der BHS ein Studium das Richtige ist oder der direkte Einstieg in ein Unternehmen angestrebt wird.

 

Zusätzlich erfüllt das Projekt auch zwei wichtige Kriterien einer im Rahmen der ECVET-Initiative von der europäischen Kommission umgesetzten Kooperation zwischen der HTL St. Pölten und der FH St. Pölten:

 

• Laufende Zusammenarbeit in Bereichen der Lehre (z.B. Brückenkurse für Grundlagenfächer, Ressourcen im Bereich Personal, Lehrmittel oder Infrastruktur, gemeinsame Projekte, etc.),

• Bereitschaft zur Zusammenarbeit hinsichtlich der von der Anerkennungskooperation umfassten Ausbildungsangebote.

 

Nach der erfolgreichen Durchführung des Kooperationsprojekts zwischen BHS und der FH St. Pölten im Sommersemester 2018 werden im Studienjahr 2019 nun folgende zusätzliche Potentiale verwirklicht: Ab dem Studienjahr 2018/19 können die aus den Schulen stammenden Teammitglieder auch ihre (vorwissenschaftlichen) Abschlussarbeiten im Rahmen dieses Projekts umsetzen. In diesem Fall erstreckt sich das Projekt im dualem Studium über 2 Semester (4. und 5. Semester). Semester 4 widmet sich der Projektanbahnung und Erarbeitung der Lösungsmethoden (mittels Design Thinking) bzw. der Ausformulierung des Konzepts für die Abschlussarbeiten der Schüler und Schülerinnen. In Semester 5 findet dann die Projektdurchführung statt. Die Integration des Kooperationsprojekts in die Abschlussarbeit ermöglicht inhaltlich eine noch intensivere Bearbeitung des Themas und fördert das Kommittent im gesamten Projektteam.

Die möglichen Projektthemen der dual Studierenden werden 2019 allen Abschlussklassen der BHS zur online zur Verfügung gestellt (https://mahara.fhstp.ac.at/view/view.php?t=uXGV9H6LTr4pwvjntIsP). Dazu nutzen die Studierenden die E-Portfolio Software Mahara, die auch Community-Funktionen besitzt, um während und nach der erfolgreichen Durchführung die Projekte auch entsprechend zu disseminieren. Nach der Veröffentlichung der Projektthemen können sich die Schüler und Schülerinnen für die Projekte online bewerben. Dieser zusätzliche Schritt bietet den Studierenden auch die Möglichkeit Handlungskompetenzen im Bereich des Personalmanagements (Bewerbungsgespräche und Personalauswahl) zu erlangen. Nach der völlig selbstständigen Personalentscheidung der Studierenden haben sich die Projektteams gefunden und starten im April 2019 mit dem bereits beschriebenen Schritt #1, dem Design Thinking Workshop, um Lösungsvorschläge prototypisch zu erarbeiten. Die Schritte #2 bis #4 laufen analog zum bereits durchgeführten Projekt ab. Für eine weitere Ausbaustufe des Projekts ist eine Erweiterung in Richtung europäisch und internationale Ausrichtung angestrebt. Dabei werden dann z.B. auch internationale Studierende aus dem European Project Semester (http://europeanprojectsemester.eu/) in die Projektteams integriert. So können die Studierenden, Schüler und Schülerinnen zusätzlich Kompetenzen in der Zusammenarbeit mit internationalen Projektmitgliedern sammeln und die internationalen Studierenden in Kontakt mit heimischen Unternehmen treten.

Positionierung des Lehrangebots

Dualer Bachelorstudiengang Smart Engineering 3. (bzw. 4.) duales Projekt im 5. (bzw. 6.) Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.