Kompetenzorientierung im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis: ein innovatives Konzept zur Umsetzung der Pädagogisch-Praktischen Studien am Beispiel Englisch

Umgesetztes Projekt

Ziele

In der Ausbildung von Lehramtsstudierenden zu reflektierten und reflektierenden Pädagogen und Pädagoginnen kommen den Pädagogisch-Praktischen Studien (PPS) eine bedeutsame Rolle zu. In den tertiären Institutionen des Süd-Ost Verbunds verstehen sich die PPS als curricular verankerte, strukturelle und personelle Vernetzung der Praxislehrer und Praxislehrerinnen an den Schulen sowie der Lehrenden der jeweiligen bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Begleitlehrveranstaltung an den jeweiligen Institutionen (https://pbnet.blog). Somit werden in den PPS die Inhalte der Bildungswissenschaften, der Fachdidaktik und der Fachwissenschaft miteinander verknüpft und die gemachten Praxiserfahrungen vor diesem Hintergrund reflektiert. Die PPS legen somit einen besonderen Schwerpunkt auf die Verbindung zwischen Theorie und praktischer Anwendung des Gelernten.

 

Die Herausforderung in den PPS besteht unter anderem darin, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Studierenden ermöglichen, die Inhalte der fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Begleitlehrveranstaltungen, insbesondere die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der einzelnen Praktika, in der Praxis umzusetzen und die Reflexion zur Umsetzung am Schulstandort auch in die Lehrveranstaltungen an der Pädagogischen Hochschule einfließen zu lassen. Dies erfordert ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten: der betroffenen Lehrenden aus den bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Begleitlehrveranstaltungen, der Praxislehrer/innen an den Schulen und natürlich der Studierenden. Die Überprüfung der in den PPS erworbenen Kompetenzen, in die - wie bereits beschrieben - mehrere Personen involviert sind, erfordert neue Formen der Zusammenarbeit und der Dokumentation des Kompetenzerwerbs, welche im vorliegenden Projekt dargestellt werden.

 

Kurzzusammenfassung (dt.)

Die Pädagogisch-Praktischen Studien (PPS) stellen das Herzstück der neuen Ausbildung von Pädagogen und Pädagoginnen in der Sekundarstufe dar. In den tertiären Institutionen des Süd-Ost Verbunds verstehen sich die PPS als curricular verankertes, strukturelles und personelles Zusammenspiel der Inhalte der bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Begleitlehrveranstaltung sowie der Praxis an den Praxisschulen. Die PPS legen somit einen besonderen Schwerpunkt auf die Verbindung zwischen Theorie und praktischer Anwendung des Gelernten. Die Herausforderung in den PPS besteht unter anderem darin, dieses komplexe Zusammenspiel verschiedener Akteure, in teilweise unterschiedlichen, voneinander örtlich getrennten Lernräumen, gut zu organisieren und zu strukturieren. Dafür ist notwendig, dass der im Zentrum der PPS stehende Erwerb von pädagogischen und (fach)didaktischen Kompetenzen und deren Umsetzung für alle Beteiligten gut dokumentiert wird und somit auch überprüfbar ist. An der Pädagogischen Hochschule Burgenland wurde dafür ein innovatives Konzept entwickelt, das mithilfe von virtuellen Räume und dem Einsatz von Online-Kompetenzrastern und ePortfolios Brücken zwischen Theorie und Praxis schlagen möchte. Dieses Konzept wird am Beispiel des Unterrichtsfachs Englisch vorgestellt.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The Pedagogical-Practical Studies (PPS) are undoubtedly at the heart of secondary education teacher training. In the tertiary institutions of the “Süd-Ost Verbund”, the PPS are regarded as a complex interplay of educational science and didactics courses as well as the students' actual practice in the form of internships at schools. Accordingly, the PPS place a special emphasis on the connection between theory and practical application. The challenge in the PPS is, among other things, to organise and structure the complex interaction of different actors (practice teachers, various lecturers at the institutions, students), which are also separated from each other locally in different learning spaces. For this purpose, it is necessary that the acquisition of pedagogical and didactical competences and their implementation, which is the overall goal of the PPS, is well documented and verifiable for all participants. At the University College of Teacher Education in Burgenland, an innovative concept has been developed and implemented, which aims to bridge the gap between theory and practice with the help of virtual spaces and the use of online competence grids and ePortfolios. This concept will be presented within the context of English language teacher training.

Nähere Beschreibung

In der Ausbildung von Lehramtsstudierenden zu reflektierten und reflektierenden Pädagogen und Pädagoginnen kommen den Pädagogisch-Praktischen Studien (PPS) eine bedeutsame Rolle zu. In den tertiären Institutionen des Süd-Ost Verbunds verstehen sich die PPS als curricular verankerte, strukturelle und personelle Vernetzung der Praxislehrer und Praxislehrerinnen an den Schulen sowie der Lehrenden der jeweiligen bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Begleitlehrveranstaltung an den jeweiligen Institutionen (https://pbnet.blog). Somit werden in den PPS die Inhalte der Bildungswissenschaften, der Fachdidaktik und der Fachwissenschaft miteinander verknüpft und die gemachten Praxiserfahrungen von den Studierenden vor diesem Hintergrund reflektiert. Die PPS legen somit einen besonderen Schwerpunkt auf die Verbindung zwischen Theorie und praktischer Anwendung des Gelernten.

 

Die Herausforderung in den PPS besteht unter anderem darin, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Studierenden ermöglichen, die Inhalte der fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Begleitlehrveranstaltungen, insbesondere die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der einzelnen Praktika, in der Praxis umzusetzen und die Reflexion zur Umsetzung am Schulstandort auch in die Lehrveranstaltungen an der Pädagogischen Hochschule einfließen zu lassen. Dies erfordert ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten: der betroffenen Lehrenden aus den bildungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Begleitlehrveranstaltungen, der Praxislehrer/innen an den Schulen und natürlich der Studierenden. Das erklärte, gemeinsame Ziel dieser komplexen Interaktionsprozesse ist der Aufbau von pädagogischen und fachdidaktischen Kompetenzen, die sich grob in drei Bereiche gliedern lassen: Wissen/Kenntnisse, Können/Fertigkeiten und Disposition/fachliche Einstellung. Die Überprüfung der in den PPS erworbenen Kompetenzen, in die - wie bereits beschrieben - mehrere Personen involviert sind, erfordert neue Formen der Zusammenarbeit und der Dokumentation des Kompetenzerwerbs.

 

Im Fach Englisch orientieren sich die Pädagogisch-Praktischen Studien im Süd-Ost Verbund am Standort Graz und Eisenstadt sehr stark am Europäischen Portfolio für Sprachlehrende in der Ausbildung (EPOSA) (http://epostl2.ecml.at) und folgen somit auch den Prinzipien des Bologna-Prozesses. Das EPOSA bietet im Allgemeinen eine gemeinsame Grundlage für die Reflexion über methodische und didaktische Fragen des modernen Fremdsprachenunterrichts. Es soll insgesamt zu einer Harmonisierung in der Ausbildung der zukünftigen Sprachlehrer/innen beitragen und ist deshalb auch die Grundlage der Reflexionen und der Beurteilung in den PPS. Jedes PPS Praktikum hat einen anderen Schwerpunkt: PPS 1 legt den Schwerpunkt auf die Unterrichtsplanung, PPS 2 beschäftigt sich primär mit Diversität und Inklusion, PPS 3 konzentriert sich auf pädagogische Diagnostik und Leistungsbeurteilung. Mit Bezugnahme auf den jeweiligen Schwerpunkt werden im jeweiligen Praktikum und den dazugehörigen Begleitlehrveranstaltungen entsprechende Deskriptoren aus dem EPOSA ausgewählt und mit klar definierten Kriterien versehen, um die Lernziele bzw. die erwarteten Lernergebnisse in erster Linie für die Studierenden, aber auch für die Praxislehrer/innen an den Schulen, nachvollziehbar zu machen. Als Übersicht dient dazu ein in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Steiermark und der Universität Graz erstellter Leitfaden, der auf die burgenländischen Bedingungen angepasst und als eBuch (https://tinyurl.com/ycquxy7l) jederzeit aufrufbar ist.

 

Für jedes Praktikum im Fach Englisch (PPS 1 – PPS3) wird ein virtueller Lernraum auf der an der PH Burgenland verwendeten Lernplattform LMS.at angelegt, zu dem die jeweils betroffenen Studierenden, die Praxislehrer/innen und die Leiter/innen der Begleitlehrveranstaltungen Zutritt haben. Im Kurs bietet die Anwendung „Kompetenzen“ die Möglichkeit, die zuvor erwähnte Auswahl an Deskriptoren aus dem Europäischen Portfolio für Sprachlehrende in der Ausbildung gut strukturiert sichtbar zu machen. Um unterschiedliches Vorwissen und Bildungsbiographien zu berücksichtigen und um auf die zunehmende Heterogenität der Studierenden einzugehen, werden diese zunächst aufgefordert, eine Selbsteinschätzung mit Bezug auf die im Fokus stehenden Deskriptoren durchzuführen. Diese ist für alle Beteiligten, also die Praxislehrer/innen und die Leiter/innen der Begleitlehrveranstaltungen, sichtbar. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Studierenden vor allem an den Praxisplätzen an den Schulen im individuellem Kompetenzerwerb besonders gut gefördert werden und vor allem in jenen Bereichen Unterstützung erfahren, wo sie sich noch nicht so sattelfest fühlen. Die Selbsteinschätzung der Studierenden soll aber auch in den Begleitlehrveranstaltungen an der Pädagogisch Hochschule Burgenland dazu dienen, die Studierenden aktiv an der Konzeption und Durchführung der Lehrveranstaltung zu beteiligen. Darüber hinaus bieten interaktive, multimediale eBücher im jeweiligen fachdidaktischen Begleitkurs im virtuellen Raum die Möglichkeit, sich fachdidaktisches Wissen auch im Selbststudium anzueignen oder zu vertiefen. Die Lernplattform erweitert somit den Raum und die Zeit der im Stundenplan gesetzten Lehrveranstaltungen und bietet im Sinne der Studierendenzentrierung die Möglichkeit, auf die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse der Praktikant/innen am jeweiligen Schulstandort einzugehen.

 

Neben der Selbsteinschätzung der Studierenden zu den ausgewählten Deskriptoren sind natürlich auch Rückmeldungen zur Kompetenzentwicklung durch die Praxislehrer/innen und die Leiter/innen der Begleitlehrveranstaltungen auf der Lernplattform jederzeit möglich. Dadurch wird der individuelle Kompetenzzuwachs aller Studierenden sehr gut dokumentiert und dient letztendlich als Grundlage der gemeinsamen Beurteilung durch die Praxislehrer/innen und die Leiter/innen der Begleitlehrveranstaltungen. Die Aufzeichnung der individuellen Kompetenzentwicklung, die im virtuellen Raum von allen Beteiligten zeit- und ortsunabhängig verfolgt, dokumentiert und im Sinne des „Feedforwards“ kommentiert werden kann, ist somit ein Kernstück dieses neuartigen Lehr-Lernkonzepts.

 

Der virtuelle Raum bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die Lernaktivitäten an den verschiedenen Lernräumen – in den verschiedenen Begleitlehrveranstaltungen an der Pädagogischen Hochschule und an den Praxisschulen – zu vereinen. Dies passiert in der Form eines ePortfolios im LMS Kurs, das als lernergebnisorientierte Prüfungsmethode in den PPS Englisch eingesetzt wird. Im diesem Portfolio werden die in der Anwendung „Kompetenzen“ festgehaltenen Deskriptoren operationalisiert und finden sich in Arbeitsaufträgen, die in der Schulpraxis umzusetzen sind, wieder (z.B. Durchführung einer Lernstandserhebung, Planung einer Unterrichtsstunde mit Berücksichtigung genderspezifischer Unterschiede, etc.). Das Portfolio versteht sich als Prozessportfolio, das die Stundenplanungen (mit allen notwendigen Materialen wie Arbeitsblättern, Präsentationen, Tafelbildern, Links etc.) gemeinsam mit den Reflexionen zur gehaltenen Stunde dokumentiert und von den Praxislehrer/innen regelmäßig eingesehen und kommentiert wird. Auch die Leiter/innen der Begleitlehrveranstaltungen, die in der Regel die Studierenden nicht beim Unterrichten an der Praxisschule beobachten, haben somit einen guten Einblick in die gemachten Unterrichtserfahrungen und bekommen nicht erst das fertige Produkt am Ende des Semesters vorgelegt. Die Studierenden werden in der fachdidaktischen Begleitlehrveranstaltung im Sinne des „Peer-Learnings“ außerdem dazu aufgefordert, die Portfolios ihrer Kolleg/innen, auf die auch in der Lehrveranstaltung Bezug genommen wird, zu kommentieren. Die Studierenden sollen dadurch auch an moderne Feedbackformen wie die der kollegialen Hospitation herangeführt werden.

 

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium Sekundarstufe Englisch, 4. - 6. Semester, Pädagogisch-Praktische Studien

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.