Presentations and Communication Techniques

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ziele: Lernen, eine professionelle Präsentation vorzubereiten und zu halten, dabei Feedback zu geben und zu bekommen

Herausforderung: Die LV so interaktiv zu gestalten, dass sie auch für 50 Studierende unterhaltsam ist.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Herzstück der Lehrveranstaltung ist es, eine fünfminütige Präsentation in englischer Sprache zu halten, die auf Video aufgezeichnet wird, und danach Feedback zu bekommen. Grundlegend neu ist der Einbau von Methoden aus dem Improvisationstheater (zufällige Rollenanweisungen, Gibberish-Übungen) sowie ein methodisches Setting (Feedback-Zahnrad), in dem jede/r Studierende von jedem/jeder Studierenden Feedback zu bestimmten Aspekten seiner/ihrer Präsentation erhält.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The focus of this class is delivering a five-minute presentation in English, which is being recorded on video, and receiving feedback afterwards. What is entirely new is the implementation of improvisation-theatre tools (random stage directions, Gibberish exercises) and the development of a feedback cogwheel, by which every student receives feedback on specific aspects of his/her presentation from every other student.

Nähere Beschreibung

Die Lehrveranstaltung soll dazu dienen, den erstsemestrigen Studierenden die Angst davor zu nehmen, vor einem Publikum aufzutreten bzw. einen Vortrag zu halten. Dabei geht es darum, frei und auf strukturierte Art und Weise (auf Englisch, eine Fremdsprache für die meisten Studierenden der LBS) zu sprechen, weil Fähigkeiten dieser Art Voraussetzung für eine Karriere im Finanz- oder Wirtschaftsbereich sind. Die Herausforderung bestand darin, im Rahmen von insgesamt drei Blockveranstaltungen so viel Interaktion wie möglich für rund 50 Studierende unterzubringen, um für Abwechslung zu sorgen und das Engagement hoch zu halten. Ziel war es einerseits, jede/n Studierende/n im Lauf der drei Termine wenigstens dreimal auf die „Bühne“ zu bringen.

 

Dabei waren soziometrische und psychodramatische Übungen sowie die Anwendung von Methoden aus dem Improvisationstheater von besonders großer Bedeutung. Soziometrische Fragestellungen (geografische Herkunft, Geschwisterreihe, Geburtstag etc.) helfen, die Studierenden in Bewegung zu bringen. Kleinere psychodramatische Interventionen (z. B. drei Sessel auf der Bühne, auf die die Studierenden sich setzen und drei Fragen beantworten sollen: Was hatte ich zum Frühstück? Wie geht es mir heute? Was ist eine Fähigkeit, die in diesem Raum nur ich habe?) helfen, die Angst vor dem Auftritt zu verringern.

 

Übungen aus dem Improvisationstheater ermutigen zum Lachen über sich selbst, ohne ausgelacht zu werden: Z. B. erhalten die Studierenden die Aufgabe, zwei Sätze in Gibberish – oder Dothraki, für die Game-of-Thrones-affinen Menschen – auf zwei Blatt Papier zu schreiben, die sie dann mit anderen Studierenden tauschen. Jede Person besitzt zwei Sätze auf Gibberish, die nicht von ihr selbst stammen und die sie auch noch verbessern oder korrigieren kann, falls die Sätze unleserlich sind (es ist ja eine Phantasiesprache). Nun erhalten Freiwillige Regieanweisungen, wie sie die beiden Sätze von einem Rednerpodium aus vorlesen sollen, also z. B. einmal wie Präsident Obama, dann wie Präsident Trump. Einmal, als ob man einen Witz erzählt, einmal, als ob man eine traurige Nachricht überbringt. Das ist erstens lustig und schärft zweitens den Sinn für Tonfall und Körpersprache. Interaktionen dieser Art helfen auch dabei, die Scheu vor den Kolleginnen und Kollegen nach und nach abzulegen. Wichtig ist, dass sich der Lehrer/die Lehrerin an dem Spiel beteiligt, denn wenn er/sie sich auf diese Weise lächerlich macht und also verwundbar zeigt, tun sich die Studierenden leichter, dem Beispiel Folge zu leisten.

 

Performative Aspekte können auch in Kleingruppen untergebracht werden: Die Studierenden werden aufgefordert, zwei Geschichten über sich selbst zu erzählen, von denen eine stimmt, die andere erstunken und erlogen ist. Das Ziel ist es aber, beide Geschichten möglichst überzeugend zu erzählen. Auch hier ist es nötig, dass der Lehrer/die Lehrerin mit gutem Beispiel vorangeht und den Studierenden eine wahre und eine erfundene Geschichte erzählt.

 

Das Erzählen von Geschichten steht auch in einer weiteren Vorbereitung auf die Präsentation im Vordergrund. Angelehnt an das Konzept der vorstellungsbasierten Narration der Schweizer Psychotherapeutin Verena Kast, werden die Studierenden aufgefordert – wiederum in Kleingruppen –, von einem wunderschönen Tag aus ihrer Kindheit zu erzählen, in dem nicht die Fakten, sondern die Empfindungen – der Geruch des Meeres, die feuchte Erde, das Gefühl, die Katze zu streicheln, der Geschmack der Eiscreme – fokussiert werden.

 

Hinsichtlich des Themas der Präsentation haben die Studierenden freie Wahl, sie müssen sich aber der Kritik wiederum in Kleingruppen stellen, in denen Rollen verteilt werden: bedingungsloser Unterstützer, konstruktiver Kritiker, Devil’s advocate, Fragesteller. Das hilft, den Blick auf die eigene Fragestellung zu schärfen.

 

In der letzten Blockveranstaltungen finden alle Vorträge statt, wobei die Studierenden den Auftrag haben, ihren präsentierenden KollegInnen Feedback zu geben, das allerdings nicht im Plenum stattfindet (die Hemmschwelle wäre zu groß, Details würden verloren gehen), sondern im Rahmen des sogenannten Feedback-Zahnrades. Eine Gruppe von Studierende beobachtet insbesondere die Körpersprache, eine andere widmet sich dem Inhalt, eine dritte der Sprache und dem Tonfall, eine vierte den presentation slides, eine fünfte der Interaktion mit dem Publikum. Nach sechs Präsentation bewegen sich die PräsentatorInnen durch die einzelnen Feedbackstationen (der Lehrer/die Lehrer ist eine eigene Station). Dadurch erhalten die Studierenden sehr ausführliches Feedback von allen KollegInnen, und die Studierenden bleiben aktiv, auch wenn sie nicht gerade präsentieren, und werden nicht ausschließlich von dutzenden Referaten berieselt. Eine Variante ist es, auch für die einzelnen Präsentationen Rollen im Publikum zu vergeben (Fragesteller, Störenfried etc.), um den Umgang mit Unvorhergesehenem zu trainieren.

 

Jeder einzelne Vortrag wird auf Video aufgezeichnet und jedem/jeder einzelnen Studierenden als privater YouTube-Clip zur Verfügung gestellt. Das erzeugt einen zusätzlichen Irritationsfaktor während der Präsentation selbst, hilft aber auch der Reflexion. Aber selbstverständlich ist es auch aufwendig für den Lehrer/die Lehrerin, die Clips zumindest grob zu editieren.

 

Am Ende der Lehrveranstaltung steht keine Prüfung, sondern ein Personal Experience Report, in dem die Studierenden die einzelnen Bühnenauftritte und das Feedback, das sie erhalten (und gegeben) haben, reflektieren.

Positionierung des Lehrangebots

1. Studienabschnitt Bachelor-Studium

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.