"Geschichten vom Land - Storytelling für die Raumplanung"

Umgesetztes Projekt

Ziele

AUSGANGSLAGE

 

Der ländliche Raum ist unterrepräsentiert in der universitären Lehre an der TU Wien (in allen Studienrichtungen). Über 40% der Bevölkerung Österreichs lebt in Gemeinden mit unter 5.000 Einwohner*innen. Einerseits steigt der Zuzug in Städten (insbesondere von jungen Menschen und Frauen), andererseits wünscht sich der Großteil der Menschen am Land oder in einer kleinen Gemeinde/Stadt zu leben.

 

Was ist da los? Was ist los am Land?

 

Die klassischen Instrumente der örtlichen Raumplanung, die klassischen Forschungsmethoden, die klassische Statistik sind überfordert mit dieser Fragestellung.

 

ZIELE

 

Es braucht neue Methoden, neue Konzepte, neue Planungen, eine neue Sicht im und für das Land! Dies gehört erforscht und in die universitäre Lehre gebracht!

 

Ein Ansatz (unter vielen) ist es, über den Tellerrand zu blicken; Interdisziplinär zu arbeiten. Hier verknüpfen wir Journalismus mit Storytelling, um eine neue Methode für die Raumplanung zu entwickeln. >> Storytelling

Kurzzusammenfassung (dt.)

18 Raumplaner*innen und ein Journalist haben sich auf den Weg gemacht, um das Lesachtal zu erkunden. Sie haben Geschichten gesammelt. Geschichten von Friedl, dem Postboten, der keine Angst vor Hunden, aber vor Hähnen hat. Vom örtlichen Pub, das nach 22 Jahren schließt. Von einem Gemeinderat ohne Frauen. Vom Mobil-Sein am Land und warum man im Kärntner Lesachtal Tirolerisch spricht. Dabei entstand der Blog www.mehralsobergail.at mit all den Geschichten, Erkenntnissen, Reportagen, Portraits und Kuriositäten, die die Bewohner*innen mit uns teilten.

 

Ziel der Lehrveranstaltung war es, eine Methode für die Raumplanung zu entwickeln, auszuprobieren und zu reflektieren. >> STORYTELLING. Dafür holten sich die Lehrenden der TU Wien, Isabel Stumfol und Sibylla Zech Verstärkung aus der Praxis: Christoph Schattleitner (freier Journalist) und Philip Krassnitzer (Raumplaner, Büro stadtland).

 

In Wien gründeten die Studierenden eine Redaktion; lernten, auf was es beim Recherchieren und Schreiben ankommt. Im November fuhren wir nach Oberkärnten, ins Lesachtal, nach Obergail.

 

Heute im März blicken wir auf eine Wahnsinns-Zeit zurück und das Projekt geht weiter. Der Blog verzeichnete knapp 2.600 Besucher*innen, die Zukunftsgeschichten haben im Lesachtal einen Entwicklungsprozess angestoßen, durch Crowdfundig (+ Geld von der TU Wien) wird bald ein Magazin gedruckt, neue Kooperationen sind entstanden und viel Diskussion und Reflexion wurde in Gang gesetzt: auch über universitäre Lehre.

Kurzzusammenfassung (engl.)

18 spatial planners and a journalist have set out to explore the Lesach Valley. They have collected stories. Stories from Friedl, the postman who is not afraid of dogs, but of roosters. From the local pub that closes after 22 years. From a local council without women. About being mobile in the country and why people speak Tyrolean in the Carinthian Lesach Valley. The result was the blog www.mehralsobergail.at with all the stories, insights, reports, portraits and curiosities that the residents shared with us.

 

The aim of the course was to develop, try out and reflect a method for spatial planning. >> STORYTELLING. The teachers at the TU Vienna, Isabel Stumfol and Sibylla Zech, brought in reinforcements from practical experience: Christoph Schattleitner (freelance journalist) and Philip Krassnitzer (spatial planner, stadtland).

 

In Vienna, the students founded an editorial office; they learned what is important in researching and writing. In November we drove to Upper Carinthia, to the Lesach Valley, to Obergail.

 

Today in March we look back on an exciting time and the project continues. The blog had almost 2,600 visitors, the future stories have initiated a development process in Lesach Valley, a magazine will soon be printed by Crowdfundig (+ money from the TU Vienna), new cooperations have emerged and a lot of discussion and reflection has been set in motion: also about university teaching.

Nähere Beschreibung

AUS DER TISS-LEHRVERANSTALTUNGSBESCHREIBUNG:

 

„Geschichten vom Land sind so vielfältig und bunt wie „das“ Land selbst. In diesem Konzeptmodul gehen wir diesen Geschichten nach; schärfen unseren Blick für das Wesentliche ohne den Kontext zum Ganzen zu verlieren. Besonderheiten, Kuriositäten, Geheimnisse, Zusammenhänge, Menschen, Projekte, Naturgegebenheiten und noch viel mehr stehen dabei im Mittelpunkt unserer Recherchetätigkeit im Redaktionsteam.

 

Die Lehrenden der TU Wien, Isabel Stumfol und Sibylla Zech, haben sich für diese Lehrveranstaltung Verstärkung aus der Praxis geholt: Christoph Schattleitner (Journalist; bis vor kurzem Redakteur bei VICE) hilft uns, eine REDAKTION zu werden und zeigt, auf was es beim RECHERCHIEREN ankommt. Auf das Handwerk SCHREIBEN fokussieren wir uns in einer Schreibwerkstatt, um ausgerüstet zu sein, wenn es auf Exkursion nach OBERKÄRNTEN geht. Philip Krassnitzer ist Raumplaner (stadtland). Er entwirft und begleitet dialog-orientierte Planungs- und Beteiligungsprozesse für räumlich-strategische Entwicklungskonzepte im städtischen und ländlichen Raum. Storytelling kommt dabei in unterschiedlichen Formaten zum Einsatz.

 

Übergeordnetes Ziel der Lehrveranstaltung ist es, eine METHODE, die mit Geschichten arbeitet, für die Raumplanung zu entwickeln, auszuprobieren und zu reflektieren. >> STORYTELLING.

 

Das wird intensiv auf der EXKURSION im November nach OBERKÄRNTEN passieren. Dabei sammeln wir nicht nur Geschichten, sondern schreiben auch ZUKUNFTSGESCHICHTE.

 

ZIELE DER LEHRVERANSTALTUNG

 

Dieses Konzeptmodul ist eine praxisnahe Lehrveranstaltung!

 

Studierende lernen im Laufe des Semesters:

- Reportagen zu konzipieren, zu recherchieren und umzusetzen (>> Aufbau einer Redaktion)

- „Storytelling“ >> sowohl als kreatives Analyseinstrument zum Erfassen komplexer räumlich-gesellschaftlicher Zusammenhänge und im interaktiven Verfassen einer planerischen Zukunftsvision

- das Verfassen redaktioneller Texte und essayistischen Reportagen (>> Schreibwerkstatt)

- das Übersetzen der Inhalte in ein interaktives planerisches Produkt

 

Wir (Studierende und LVA-Team) bilden dabei ein Redaktionsteam, das Geschichten vom Land sammelt, verfasst, publiziert und in eine planerische Vision übersetzt.

 

Übergeordnetes Ziel der Lehrveranstaltung ist es, diese Methode in ein Instrument für die Raumplanung zu übersetzen, dieses auszuprobieren und zu reflektieren >> METHODE = STORYTELLING

 

Der inhaltliche Fokus liegt dabei auf dem ländlichen Raum!

 

Im Laufe des Semesters werden dazu

- THEORETISCHE INPUTS (Chancen und Herausforderungen im ländlichen Raum, Trends, Strategien, …) und

- Beispiele aus der PRAXIS gebracht und zur Diskussion gestellt“

 

DIE EXKURSION

 

Am 20.11. fuhren wir in Wien los. Ziel war Spittal an der Drau, wo wir die FH Kärnten besuchten. Die Studienrichtungen Architektur und Bauingenieurswesen haben ihren Standort in Spittal/Drau. Dort gingen wir auch der Frage nach, was das für einen ländlichen Raum heißt.

 

Am 21.11. reisten wir weiter nach Obergail. Einem Ort im Lesachtal.

 

Aus dem Blog mehralsobergail.at: „Obergail ist ein Ortsteil von Liesing. Liesing ist ein Ortsteil von Lesachtal. Lesachtal liegt in Oberkärnten. Oberkärnten in Österreich. 65 Menschen leben in Obergail. Die Streusiedlung besteht aus 28 Gebäuden. Obergail ist die Homebase der Redaktion. Wir wohnen und arbeiten hier. Starten hier unsere Außeneinsätze. Laden Menschen ein und werden eingeladen. Bewandern und befahren die Straßen und Wege. Klopfen an Türen. Telefonieren. Organisieren. Holen Milch nebenan. Kochen in großen Töpfen. Basteln Kasnudeln. Genießen die Aussicht, die Dunkelheit, die Stille, die frische Luft. Wir leben hier mit Helene, Pepi und Franziska unter einem Dach und spielen im Schnee mit sechs Hundewelpen. Für eine Woche ist das unser Zuhause.“

 

DIE PRODUKTE DER LEHRVERANSTALTUNG

 

- Der Blog: Mehr als Obergail (www.mehralsobergail.at) = eine Sammlung der verfassten Geschichten der Studierenden (+ 1 Text von Isabel Stumfol +1 Text von Christoph Schattleitner)

- Zukunftsgeschichten (die Studierenden verfassten im Team 4 Geschichten zu verschiedenen Themenfeldern. Planerische Aufgabenstellung: „Ihr bereist nach 25 Jahren das Lesachtal wieder. Wie sieht es jetzt aus? Was ist passiert, damit es so aussieht?“)

- Leseabend in Obergail

- Leseabend in Wien: "Mehr als Obergail! Ein Lese-, Diskussions- und Musikabend" (https://www.facebook.com/events/751643735199779/)

 

DAS FORMALE DER LEHRVERANSTALTUNG:

 

Die Exkursion, die uns nach Obergail geführt hat, ist Teil eines Konzeptmoduls. Dafür bekommen die Studierenden 6 Ects. 3 davon für die Exkursion und die anderen 3 für die dazu passende Vorlesungsübung. 1 Ects entspricht laut Definition 25 Echtstunden im Semester. Das Modul trägt den Titel „Geschichten vom Land – Storytelling für die Raumplanung“.

 

So wurde die Lehrveranstaltung angekündigt: tiss.tuwien.ac.at/course/courseAnnouncement.xhtml

 

NACHWIRKUNG DER LEHRVERANSTALTUNG

 

In dieser Lehrveranstaltung entstand ein gewisser Spirit, der heute noch nachwirkt und viel Neues bewirkt hat.

Der Blog: www.mehralsobergail.at verzeichnete heute (8.3.2019) seine*n 2.579e*n Besucher*in. Dem Leseabend im Kramladen am 21.1.2019 wohnten über 60 Interessierte bei. Auf der Crowdfunding Plattform Raumpioniere haben wir 2.555€ gesammelt (https://raumpioniere.at/de/mehr-als-obergail-magazin). Gemeinsam mit der Unterstützung des Dekanats und des Instituts können wir uns nun einen professionellen Grafiker leisten und ein Magazin drucken. Noch heute bekommen wir Feedback aus dem Lesachtal und der Planungscommunity, die uns gratuliert zum Projekt und uns zum Weitermachen animiert. Neue Kooperationen sind entstanden und sind im Entstehen. Beispielsweise mit dem Verein LandLuft. Ein Forschungsantrag zu Storytelling in der Planung wurde eingereicht. Wir haben Öffentlichkeit generiert. Haben aufgezeigt, wie Wissenschaftskommunikation auch funktionieren kann. Haben gezeigt, was zeitgemäß heißt. Haben etwas bewirkt im Lesachtal, an der TU Wien, in der Planungscommunity. Haben „den ländlichen Raum“ aus einer anderen Seite beleuchtet. Neue Lehrveranstaltungen sind hier heraus entstanden: Die LandLuft-Universität, Eine Kiste voller Ideen im Kliemannsland, Raumplanung kuratieren. Es geht wieder um den ländlichen Raum, um Exkursionen, um Kreativität, Innovation und wie eine Werkschau von Studierendenarbeiten konzipiert werden kann.

 

2 TEXTE ZUR UNIVERSITÄREN LEHRE

 

1. Isabel Stumfol: „Mehr als Lehre in Obergail“ >> mehralsobergail.wordpress.com/2018/10/29/ueber-lehre-am-land-2/

„Eine Universität geht nach Obergail und dann passiert etwas, das ich als gute Lehre bezeichne. Ein Erklärungsversuch aus meiner Perspektive.“

 

2. Christoph Schattleitner: „Leute, das war Obergail“ >> mehralsobergail.wordpress.com/2018/11/28/leute-das-war-obergail/

„Wie ich einmal eingeladen wurde, Raumplanungs-Studierenden das journalistische Handwerk näher zu bringen, und dabei erkannte, was Journalismus eigentlich ist.“

Mehrwert

Zeitersparnis und Organisationserleichterung durch die Verwendung von Slack als Kommunikationskanal. (Für Studierende + Lehrende) – Direktes Feedback wird dadurch möglich und paralleles Arbeiten in Gruppen.

 

Wir alle wissen nun, wie ein Blog erstellt und befüllt wird.

 

Wir alle wissen nur, wie Crowd-Funding funtioniert.

 

Enormer Zuwachs an Wissen um Selbstorganisation. Das lernt man am Land! (besonders wenn am Tag der Ankunft in Obergail die Straße für eine Woche gesperrt wird)

 

Siehe dazu auch den Abschnitt: NACHWIRKUNGEN DER LEHRVERANSTALTUNG

Aufwand

Eine Exkursion "auf Land" ist zeitaufwendig und kostenintensiv. Die Mobilität vor Ort ist schwierig und teuer. Deshalb müssen Exkursionen in den ländlichen Raum mit gleichen finanziellen Mitteln unterstützt werden, wie Auslandsexkursionen. Hier geht es auch um Wertigkeit von Räumen. Der ländliche Raum darf nicht weniger Wert sein als der städtische.

Positionierung des Lehrangebots

Das Konzeptmodul wurde im Master-Curriculum "Raumplanung und Raumodnung" angeboten; war aber auch offen für Bachelorstudierende und Studierende aus allen Studienrichtungen. Es gab keine Voraussetzungen.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.