Online-Begleitkurse: Statistik Austausch & Qualitatives Arbeiten

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ziel der beiden Online-Begleitkurse „Statistik Austausch“ und „Qualitatives Arbeiten“ ist, die Studierenden bei der Erstellung ihrer empirischen Arbeiten methodisch zu unterstützen und Wissenslücken zu schließen.

Kurzzusammenfassung (dt.)

An der Ferdinand Porsche Fern Fachhochschule wurde ein Konzept zur Unterstützung der Studierenden im Forschungsprozess entwickelt. Dazu werden die beiden Online-Kurse „Statistik Austausch“ und „Qualitatives Arbeiten“ angeboten, in welchen wiederkehrende Fragen zu Konzeption, Auswertung und Ergebnisdarstellung zu sozialwissenschaftlicher Forschung beantwortet werden. Dies soll den Betreuungsprozess entlasten und gleichzeitig vorhandene Wissenslücken aus Vorstudien schließen. Zur Umsetzung des Konzeptes werden ab dem fünften Semester des Bachelor- und ab dem ersten Semester des Masterstudiengangs „Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie“ die beiden Online-Kurse angeboten. Zentral in beiden Kursen ist das Diskussionsforum, in dem Fragen zur Datenerhebung, -auswertung und -interpretation diskutiert und beantwortet werden. Zusätzlich werden verschiedenste Lehrmaterialien zum selbstgesteuerten Lernen, wie Leitfäden, Texte, Lernvideos, ein interaktiver Textanalyse-Workshop uvm. zur Verfügung gestellt. Im didaktischen Vorgehen liegt ein besonderes Augenmerk auf der Berücksichtigung der Diversität in der Studierendengruppe. Das Pilotprojekt im Studienjahr 2013/2014 wurde sowohl von den Studierenden als auch von den Lehrenden sehr positiv evaluiert. Seither werden die beiden Kurse kontinuierlich weiterentwickelt und evaluiert

Kurzzusammenfassung (engl.)

A concept to support students during their research process was developed at the Ferdinand Porsche FernFH Distance-Learning University of Applied Sciences. For this purpose the two online courses „Statistik Austausch“ and “Qualitatives Arbeiten” are provided. In the courses recurrent questions regarding conception, analysis, and presentation of results in social sciences are answered. This should relieve the supervision of the theses and simultaneously close knowledge gaps resulting from preparatory studies. To implement the concept two online courses are provided, each starting in the fifth term of the bachelor’s program and the first term of the master’s program “Business Administration & Psychology”. Crucial in both courses is the discussion forum, in which questions regarding data collection, data analysis and data interpretation are discussed and answered. Additionally, numerous learning materials (e.g., guidelines, texts, learning videos, an interactive text analysis workshop) for self-regulated learning are available. In the didactic concept special attention is paid to the diversity of the students. The pilot project in the academic year 2013/14 was evaluated positively by students as well as by lecturers. Since then both courses are developed and evaluated continuously.

Nähere Beschreibung

1 Lehrkonzept

 

Um die Studierenden bei ihrem Forschungsprozess zu unterstützen und um unterschiedliche Vorkenntnisse auszugleichen, wurde von Ingrid Wahl und Anahid Aghamanoukjan ein Konzept zur Unterstützung im Forschungsprozess entwickelt. Nachdem sich das Vorgehen im Forschungsprozess und bei der Auswertung von quantitativen und qualitativen Arbeiten unterscheidet, beruht das Konzept auf zwei getrennten Online-Kursen, welche als freiwillige Ergänzung des bestehenden LV-Angebots der Studiengänge „Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie Bachelor“ und „Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie Master“ angeboten werden. Im Studienjahr 2013/14 startete der „Statistik Austausch“ als Pilotprojekt, welcher auf Grund der ausgezeichneten Evaluierungen und auf Grund der Wünsche und Bedürfnisse der Studierenden im folgenden Studienjahr um den Kurs „Qualitatives Arbeiten“ ergänzt wurde.

 

1.1 Ziele und Kompetenzerwerb

 

Das Ziel des Lehrkonzeptes ist, die Studierenden bei der Erstellung ihrer Abschlussarbeiten mit einem konzentrierten und freiwilligen Online-Kurs zu unterstützen. Dadurch dass wiederkehrende Fragen zu Konzeption, Auswertung und Ergebnisdarstellung von wissenschaftlichen Fragestellung in diesen Kursen zentral beantwortet werden, kann sich die persönliche Betreuung der Abschlussarbeiten auf spezifische inhaltliche Fragestellungen konzentrieren. Ein weiteres übergeordnetes Ziel ist es, dass vor allem bei Masterstudierenden Wissenslücken, die auf Grund der unterschiedlichen Vorstudien im Bereich der empirischen Forschungsmethoden bestehen, geschlossen werden.

 

1.2 Einbettung im Studienplan und im Studiengang

 

Die Teilnahme der Studierenden an den Kursen ist fakultativ, daher werden für sie keine ECTS-Punkte vergeben. Dies ist darin begründet, dass die Kurse nicht in die Betreuung der Forschungs- und Abschlussarbeiten eingreifen sollen, sondern den Studierenden beratend und unterstützend zur Seite stehen. Durch die freiwillige Teilnahme der Studierenden und den beratenden Charakter der Kurse erhalten die Studierenden die Möglichkeit sich selbstgesteuert jenes Wissen anzueignen, das sie aktuell benötigen ohne sich an einen strikten Lehrablauf halten zu müssen.

 

Beide Lehrveranstaltungen starten im fünften Semester des Bachelorstudiengangs beziehungsweise im ersten Semester des Masterstudiengangs parallel. Besonders intensiv werden die Kurse im Zuge der Beendigung der empirischen Abschlussarbeiten genutzt (Bachelorstudiengang: sechstes Semester; Masterstudiengang: drittes und viertes Semester).

 

Die Letztverantwortung für das korrekte empirische Vorgehen liegt immer bei den Studierenden selbst. Die Kurse dienen ausschließlich als Unterstützung im Forschungsprozess. Dabei wird betont, dass die Studierenden über den Inhalt und die Ausrichtung ihrer Arbeit stets Rücksprache mit den jeweiligen Lehrenden halten müssen.

 

1.3 Struktur der Lehr-/Lerninhalte

 

Der Aufbau der beiden ausschließlichen Online-Kurse erfolgt entlang des Forschungsprozesses und entlang der, in diesen Prozessschritten häufig anfallenden Probleme (z. B.: Gestaltung des Erhebungsinstruments, methodische Probleme bei der Auswertung). Dazu werden Skripten, Links und Lehrvideos als Selbststudienmaterial zur Verfügung gestellt, wobei der Fokus auf der konkreten Anwendung der Forschungsmethoden liegt und weniger auf methodologischen Grundlagen.

 

Zentral in beiden Lehrveranstaltungen ist der Austausch mit und unter den Studierenden. Die Diskussionsforen in den beiden Kursen sollen die Kooperation zwischen den Studierenden fördern und die Möglichkeit bieten, sich vertiefend mit dem Forschungsprozess auseinanderzusetzen. Beide Foren werden von jeweils einer Lehrenden, die sowohl umfangreiche Erfahrung mit Online-Kursen, als auch mit empirischer quantitativer bzw. qualitativer Forschung hat, moderiert. Werden Fragen nicht von anderen Studierenden aufgegriffen oder beantwortet, beantwortet die jeweilige Moderatorin diese und postet bei Bedarf zusätzliches Material.

 

1.4 Didaktisches Konzept der Kurse

 

Die Kurse „Statistik Austausch“ und „Qualitatives Arbeiten“ sind reine Online-Kurse, die der Unterstützung der Studierenden beim Anwenden empirischer Forschungsmethoden dienen sollen. Der Charakter der Kurse und die hohe Diversität in der Studierendengruppe stellen besondere Anforderungen an die Gestaltung und Durchführung der Kurse und an die Lehrenden. Daher ist es essenziell, dass Studierende, wie von Spiel und Schober (2002) beschrieben, eine lernendenzentrierte Lernkultur der aktiven Wissenskonstruktion vorfinden, in der die Interaktion technologievermittelt erfolgt, und die Studierenden selbstreguliert lernen können. Die Rahmenbedingungen, die Studierende dazu motivieren, aktiv mitzudiskutieren, sind in der Fachliteratur vielfältig aufgearbeitet (Bremer, 2003). Es zeigt sich, dass die Bereitschaft zum Wissensaustausch höher ist, wenn sich Personen mit ihrer Lerngruppe identifizieren und wenn ein vertrauensvolles Klima herrscht (Behringer, 2014). Zur Förderung des gemeinsamen Lernens ist es auch wichtig, die Diversität in den Lernprozessen sichtbarzumachen (Spelsberg, 2010). Des Weiteren sollten Kurse für eine diverse Studierendengruppe die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden berücksichtigen (Driesner, 2013).

 

Folgende Aspekte wurden im Hinblick auf die Gestaltung einer lernendenzentrierte Lernkultur und in Bezug auf die Diversität der Studierenden in die Kurse integriert:

 

· Das Diskussionsklima im Forum ist so gestaltet, dass sowohl triviale als auch sehr komplexe Fragen gestellt werden können. Bei der Beantwortung der Fragen wird von den Lehrenden darauf geachtet, dass zum Verständnis kein Wissen vorausgesetzt wird.

 

· Im Forum selbst wird darauf geachtet, dass der Umgang offen und wertschätzend erfolgt und die Studierenden keine Angst haben müssen, bloßgestellt zu werden.

 

· Das unterschiedliche Wissensniveau der Studierenden wird berücksichtigt indem vorab sowohl grundlegende als auch weiterführende Informationen zur Verfügung gestellt werden.

 

· Die unterschiedlichen Lernpräferenzen der Studierenden werden berücksichtigt. Besonders der Fernlehrkontext ermöglicht eine stärkere Individualisierung der Lernprozesse, so dass individuelle Bedürfnisse und Lernziele (Spelsberg, 2010: 25) und Lernstile berücksichtigt werden können. Deshalb werden die Materialien passend für unterschiedliche Lerntypen gestaltet. Zum Beispiel sind dieselben Inhalte sowohl schriftlich downloadbar als auch als Lernvideos erhältlich, so dass sowohl auditive als auch visuelle Lerntypen damit angesprochen werden.

 

· Auch die asynchrone Kommunikation im Diskussionsforum berücksichtigt die unterschiedlichen Lernstile, da Studierende diese in ihrem eigenen Lerntempo mitverfolgen können und die Möglichkeit haben, sich zum besseren Verständnis weiteres Material anzusehen oder klärende Fragen zu stellen.

 

2 Qualität des Lehrkonzepts

 

2.1 Zugriffe und Einsatz

 

Als Pilotprojekt wurde im Studienjahr 2013/14 der erste Kurs für die Unterstützung von quantitativen Forschungsarbeiten abgehalten und analysiert. Es zeigte sich, dass die 182 eingeschriebenen Studierenden 6.365 Aktivitäten (z. B.: Lesen eines Beitrags im Diskussionsforum, Abruf eines Videos, usw.) setzten, wobei vor allem grundlegende Materialien aufgerufen wurden. Im Forum des Kurses wurden insgesamt 202 Foreneinträge verfasst, wobei eher weniger komplexe Fragen gestellt wurden. Jedoch war zu beobachten, dass einzelne, fachlich sehr kompetente Studierende Fragen ihrer KollegInnen beantworteten, weiteres Material posteten und sehr komplexe Fragen stellten. Auf Grund des häufigen Aufrufs der zur Verfügung gestellten Materialien und der insgesamt 202 verfassten Foreneinträge kann die Aktivität der Studierenden im Kurs als sehr hoch angenommen werden. Die Einträge in den Foren wurden neben den aktiv kommunizierenden Studierenden auch von anderen Studierenden passiv mitgelesen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass sich dadurch das in den Foren festgehaltene Wissen multipliziert hat.

 

2.2 Ergebnisse der ersten Evaluierung

 

Nach Abschluss des Pilotprojekts wurden die 182 Studierenden, die im Kurs eingeschrieben waren, per E-Mail und über das Forum im Kurs gebeten den Kurs zu evaluieren. Der Rücklauf war mit 25 beantworteten Fragebögen (= 14 %) sehr gering. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass ein großer Teil der Studierenden ihr Studium zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen hatten und daher ihre FernFH-bezogene E-Mail-Adresse und auch das Forum zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nutzten.

 

Auf einer siebenstufigen Skala (1 = „trifft völlig zu“ bis 7 = „trifft nicht zu“) sollten die Studierenden das zur Verfügung gestellte Material, die Interaktion im Kurs, ihren Lernfortschritt in Bezug auf Statistik und die durch den Kurs erhaltene Hilfestellung beim Erstellen der empirischen Arbeit beurteilen. Außerdem sollten sie ihre generelle Zufriedenheit mit dem Kurs angeben.

 

Das Material wurde als verständlich (Md = 1) und hilfreich für das Erstellen der Arbeit (Md = 1) beurteilt. Auch die Interaktion im Kurs mit der Moderatorin wurde als sehr gut empfunden (Md = 1). Das Kursklima wurde so wahrgenommen, dass sich die

 

Studierenden getraut haben/hätten Fragen zu stellen (Md = 1). Die Studierenden haben auch angegeben, dass sie die Beiträge im Forum mitverfolgt haben, obwohl sie nicht selbst Fragen gestellt haben (Md = 2). Die Statistikkenntnisse wurden vor dem Kurs als unzureichend für das Erstellen der quantitativen Arbeit eingeschätzt (Md = 5), während sie nach dem Kurs als ausreichend beurteilt wurden (Md = 2). Des Weiteren gaben die Studierenden an, dass ihnen der „Statistik Austausch“ bei der Erstellung ihrer quantitativen Arbeit geholfen hat (Md = 1). Auch die generelle Zufriedenheit mit dem Kurs ist als hoch einzustufen (Md = 1).

 

Beispiele aus den Freitextkommentaren untermauern den Erfolg des Pilotprojektes noch einmal besonders:

 

„Großes Lob für die Idee des Statistik Austausches, war eine äußerst wertvolle Unterstützung!!! Ganz besonderen Dank an Frau Wahl, die sich die Arbeit angetan hat auf alle Anfragen separat einzugehen und damit jeden mit ausführlichen und hilfreichen Antworten sehr unterstützt hat!!“

 

„Frau Wahl hat die Fragen sehr ausführlich und verständlich erklärt und war äußerst bemüht. Die sehr kurze Wartezeit auf ein Feedback hat ein flüssiges Weiterarbeiten an der Auswertung gewährleistet. Der Austausch war eines der besten Tools der ganzen Studiumszeit. Herzlichen Dank an Frau Wahl für die besondere Betreuung und ihre Bemühungen.“

 

„Frau Dr. Wahl hat das genial gemacht und ich hatte nie das Gefühl, dass eine Frage als lästig oder lächerlich empfunden wurde (auch wenn doppelt gefragt wurde). Für mich eine tolle Bereicherung! Vielen Dank für diese Möglichkeit, fühle mich jetzt in Statistik um vieles sicherer! Danke an die Studiengangsleitung und an Frau Dr. Wahl!“

 

2.3 Qualitätssicherung und Weiterentwicklung

 

Im Rahmen der regelmäßigen Qualitätszirkeln in den beiden Studiengängen wird auch Feedback zu den Begleitkursen eingeholt. Dieses Feedback ist für die Weiterentwicklung der Kurse sehr hilfreich.

 

So wurde das Angebot laufend erweitert und verbessert. Es wurde zum Beispiel nach dem Pilotprojekt auf Grund des Feedbacks der Studierenden der Kurs für qualitative Methoden konzipiert und angeboten. Ebenfalls auf Anregung der Studierenden wurde ein interaktiver Textanalyse-Workshop erstellt. In Zukunft sollen auch Studierende anderer Studienrichtungen der FernFH in die Kurse aufgenommen werden.

 

Auf Anregung der Studierenden werden zum Beispiel die Foren, die mit der Zeit recht unübersichtlich geworden sind, archiviert und das neue Forum mit einer Kategorisierung, zur schnelleren Auffindbarkeit von Fragen und Antworten versehen. Auch während der Kurse werden laufende Verbesserungen am Kurs vorgenommen. So wurde zum Beispiel auf Grund des Feedbacks von Studierenden Lernmaterialien ergänzt und weitere Videos erstellt.

 

Um die Kurse auch mit den Bedürfnissen der Betreuenden abzustimmen, wurde auch von ihnen Feedback eingeholt. So meinten einige Lehrende bei einer gemeinsamen Reflektion, dass das Angebot der Kurse sie sehr bei der Betreuung der Forschungsarbeiten unterstützt, und sie dadurch entlastet werden. Viele Betreuende verweisen auch bei nicht inhaltlichen Fragen auf die Kurse „Statistik Austausch“ und „Qualitatives Arbeiten“.

Positionierung des Lehrangebots

Die Teilnahme der Studierenden an den beiden ausschließlich online abgehaltenen Kursen – Statistik Austausch und Qualitatives Arbeiten – ist fakultativ und wird gemeinsam für Bachelor- und Masterstudierende angeboten. Die Studierenden im Bachelorstudiengang können ab Mitte des fünften Semesters bis zum Abschluss ihrer Bachelorarbeit im sechsten Semester teilnehmen. Die Studierenden des Masterstudiengangs können ab ihrem ersten Semester bis zum Abschluss der Masterarbeit im vierten Semester partizipieren. Besonders intensiv werden beide Kurse in den Abschlusssemestern im Zuge der Erstellung der empirischen Abschlussarbeiten von den Studierenden genutzt.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.