Forschungspraktikum: „gepflegt. gefragt. zufrieden. Mobile Pflege der Caritas OÖ. am Prüfstand“ Praktikum aus empirischer Sozialforschung

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ziel der Lehrveranstaltung ist die praxisorientierte Vertiefung in empirischer Sozialforschung und zwar hinsichtlich qualitativer wie quantitativer methodischer Zugänge. Dabei führen Studierende anhand einer konkreten Fragestellung weitgehend selbstständig und dennoch fachlich begleitet ein reales, empirisches Forschungsprojekt zwei Semester lang durch. Die Erstellung eines Forschungsdesigns, die Operationalisierung von Forschungsthemen und die Entwicklung von Erhebungsinstrumenten wird somit praxisnah „geübt“. Weitere Schwerpunkte bilden die qualitative wie quantitative Datenerhebung und Datenanalyse, welche in der Erstellung eines studentischen Abschlussberichtes sowie der Präsentation der Ergebnisse für die Auftraggeberin münden und somit das Forschungspraktikum abschließen. Letztendlich ermöglicht die Absolvierung des Projekts die Aneignung grundlegender methodischer Kompetenzen für die erfolgreiche Umsetzung einer empirisch ausgerichteten, wissenschaftlichen Abschlussarbeit. Dazu zählt u.a. die Fähigkeit, empirische Studien bzw. Erhebungsinstrumente nach dieser LVA kritisch bewerten zu können. Somit steht kompetenzorientiertes, selbst organisiertes und selbst gesteuertes Lernen im Fokus dieser LVA, wobei auch fächerübergreifende Bezüge hergestellt werden (z.B. zu Projektmanagement, Moderationstechniken). Der dialogische Charakter des Forschungspraktikums soll neben der fachlichen Qualifikation auch soziale Kompetenzen (z.B. Teamfähigkeit) stärken und damit einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden leisten.

Kurzzusammenfassung (dt.)

In diesem zwei-semestrigen Forschungspraktikum lernen Studierende die Umsetzung der einzelnen Phasen des Forschungsprozesses anhand eines realen (Lehr-)Forschungsprojektes kennen. Zentrales Ziel ist der Aufbau von Kompetenz in empirischer Hinsicht, aber auch die Förderung von sozialen und personalen Kompetenzen. Im Projekt über die Kundenzufriedenheit mit den mobilen Pflegediensten werden Beobachtungen bei Touren der mobilen Pflegekräften, Leitfadeninterviews mit diversen Akteuren und ein oö.-weite Fragebogenerhebung bei Senior/innen und ihren Angehörigen durchgeführt. Die Studierenden arbeiten in kleinen Gruppen an der Lösung von Aufgaben und erhalten wertschätzendes Feedback von Kolleg/innen und LVA-Leitung. Ergänzt wird dies durch Inputs aus der vorangegangenen Vorlesung, deren Inhalte auf das Projekt bezogen werden. Die Praxisnähe des Themas, die Förderung von Selbstständigkeit, -organisation sowie Teamarbeit und das sehr konstruktive Arbeitsklima führen dazu, dass stattfindende Lernprozesse – trotz des relativ hohen Aufwands – als sehr positiv erlebt werden, frei nach dem Motto „Forschung kann Spaß machen“. Neben den Prozessen ist auch die (Lern-)Ergebnisorientierung (Bericht und Präsentation für die Auftraggeberin) wichtig. Da die Erkenntnisse aus dem Projekt eine Grundlage für die Optimierung der mob Pflegedienste der Caritas in OÖ. darstellen sollen, ist für die Studierenden der Nutzen dieses Projektes stets erkennbar, was sich positiv auf deren Motivation auswirkt.

Kurzzusammenfassung (engl.)

This 2-semester research internship will allow students to experience the individual phases of the research process hands-on. A central goal is the development of empirical research skills, but also the honing of social and personal competencies. The project investigates customer satisfaction with mobile care services and will entail observation of service tours, guideline interviewing with a variety of actors, as well as a region-wide survey by questionnaire among seniors and their relatives. Students will be working on tasks in small groups and receive constructive feedback from their colleagues (peer evaluation) and their supervisor. Theory input from a previous lecture can be applied directly in this project. The practice-orientation of the topic and the fostering of independent as well as team efforts, in combination with a constructive work atmosphere, usually serve to turn this learning process into a very positive experience – despite the significant amount of effort required. The motto is “Research can be fun!”. It is also significant that students experience results-orientation (reporting and presentation of findings for client). The results of this project will be the basis for an optimization process within the mobile care services of the Caritas OÖ – a clearly visible goal, which readily serves to foster and sustain student motivation.

Nähere Beschreibung

In diesem zwei-semestrigen Forschungspraktikum lernen 12 Studierende die Umsetzung der einzelnen Phasen des Forschungsprozesses am Beispiel von Erhebungen zur Kundenzufriedenheit mit den mobilen Pflegediensten der Caritas für Betreuung und Pflege in OÖ. kennen. Die einzelnen Schritte werden in kleinen Gruppen bearbeitet, stets mit fachlicher Begleitung von und im dialogischen Austausch mit der LVA-Leitung. Von großer Bedeutung für die Erreichung der Lernziele wird nicht nur die relativ kleine Anzahl an Studierenden sondern v.a. die Kultur des kollegialen Feedbacks seitens der LVA-Leitung angesehen. Dies soll ermöglichen, leistungsstärkere Studierende zu fordern, und leistungsschwächere zu fördern. Ebenfalls relevant sind Elemente von peer-education (inkl. peer-evaluation), die den Austausch zwischen den Studierenden fördern. Ergänzt werden die Gruppenarbeiten durch Inputs der LVA-Leitung, wobei auf die theoretischen Ausführungen der vorangegangenen Grundlagenvorlesung aufgebaut werden kann.

Zur Vor- und Nachbereitung bzw. für den Austausch und Kommunikation wird die Lernplattform Moodle sehr intensiv genutzt. So wird z.B. durch die Dokumentation der einzelnen Schritte (Protokolle) für die Studierenden der Forschungsprozess nachvollziehbar und auch über die LVA hinausgehend eine wertvolle Lernbasis geschaffen (z.B. für Prüfungsvorbereitung, wenn jemand in diesem Gegenstand bei der Abschlussprüfung antreten möchte).

Besondere Bedeutung hat die Praxisorientierung des Projektes, weshalb auch „außerhalb des Campus‘“ gelernt wird. Durch die projektbedingte Nähe zu Anbietern sozialer Dienstleistungen (in diesem Fall die Caritas für Betreuung und Pflege in OÖ) erhalten die Studierenden des Studienzweigs „Sozialmanagement“ einen vertiefenden Einblick in die Praxis, bei gleichzeitiger Förderung der Methodenkompetenz.

So führten die Studierenden im ersten Semester des Praktikums (Wintersemester, 3.Sem. im Studium) Beobachtungen im Zuge der Begleitung bei den Fahrten der mobilen Pflegekräfte durch, die ihnen nicht nur den Forschungsgegenstand näher brachten sondern auch einen Einblick in den Alltag dieser Berufsgruppe gab. Vertieft wurden diese im Rahmen von qualitativen Leitfadeninterviews mit Pflegepersonal, Führungskräften und betreuten Senior/innen. Der Entwicklung und dem Einsatz der Erhebungsinstrumente (Beobachtungsraster, Interviewleitfaden) gingen eine Literaturrecherche sowie ein Besuch eines Vertreters der Auftraggeberin in der LVA voraus, um mit der Thematik vertraut zu werden. Zudem wurde zu Beginn des Forschungspraktikums ein Projektauftrag (inkl. eines Zeitplans) gemeinsam erarbeitet. Die gemeinsame Konsensfindung über Titel, Ziele, Zeitplans etc. fördern die Identifikation der Studierenden mit dem Projekt - es wird IHR Projekt - , was sich positiv auf die Motivation auswirkt.

Des Weiteren wurde von den Studierenden ein Fragebogen für Kund/innen und ihre Angehörigen entwickelt, getestet und im Jänner finalisiert. Neben den Inhalten und empirischen Aspekten ging es auch um formale Aspekte der Fragebogengestaltung, wodurch IT-Kompetenzen gefördert werden sollen. Die Durchführung der oö.-weiten Umfrage (versandt wurden rund 4.400 Fragebögen) erfolgt in der LVA-freien Zeit im Februar durch die Auftraggeberin. Über diesbezügliche organisatorische Details werden die Studierenden informiert, um auch diesen Aspekt der Forschungspraxis kennenzulernen.

Im zweiten Semester stehen zunächst die Datenerfassung der Fragebögen und ihre Auswertung mittels Statistikprogrammpaket SPSS im Mittelpunkt, gefolgt von der Verschriftlichung der Ergebnisse in Berichtsform und der Vorbereitung der Präsentation der Ergebnisse für die Auftraggeberin. Insbesondere bei der Phase der Datenauswertung wird auf Selbstorganisation und Flexibilität geachtet, da sie zumeist in eine sehr klausurintensive Phase des Semesters fällt. Damit wird – im Sinne der Studierendenzentrierung bzw. Berücksichtigung von Rahmenbedingungen – dem Umstand Rechnung getragen, dass es sich um ein berufsbegleitendes Studium handelt.

Die Erstellung des Endberichts erfolgt schrittweise und wird von mehreren, zumeist individuellen Feedbackschleifen v.a. seitens der LVA-Leitung begleitet, ergänzt um dialogische Komponenten (Austauschrunden, anonymisierte peer-Reviews der Studierenden) in Gesamtgruppe. Ähnlich wird bei der Vorbereitung der Präsentation verfahren: es wird Raum für Tests (‚Probepräsentation‘) und wertschätzendes Feedback durch studentische Kolleg/innen und LVA-Leitung gegeben.

Die Präsentation am Ende des Projektes findet im Beisein der Auftraggeberin statt, wobei die Ergebnisse der empirischen und die von Studierenden entwickelten Empfehlungen aus Sicht der Praxis diskutiert werden. Auch hier wird einmal mehr der starke Praxisbezug des Forschungspraktikums deutlich. Die Übergabe von kleinen Geschenken für die Student/innen und ein abschließendes Buffet sind Ausdruck der Anerkennung von Leistungen, die von den Studierenden erbracht wurden, durch den Auftraggeber. Der Höhepunkt dieser Veranstaltung stellt die Übergabe des Endberichts der Studierenden an die Vertreter/innen der Auftraggeberin dar.

Zentrale Ergebnisse des Forschungspraktikums werden im Newsletter des Bachelor-Studiengangs, Zweig „Sozialmanagement“ vorgestellt und erreichen – im Sinne der Sichtbarmachung von Lehre – damit einen weiten Kreis an Adressat/innen.

Die Leistungsbeurteilung ist transparent und nachvollziehbar gestaltet; sie setzt sich aus der Bewertung von Einzel- und Gruppenaufgaben zusammen. Feedbackrunden mit Studierenden erfolgen – in Ergänzung zur Lehrevaluierung an der FH OÖ. – am Ende des jeweiligen Semesters.

Positionierung des Lehrangebots

Modul „Empirische Sozialforschung und Projektmanagement“ im 3. und 4. Semester des berufsbegleitenden Bachelorstudiengangs ;Sozial- und Verwaltungsmanagement‘ (Studienzweig „Sozialmanagement“) am Campus Linz der FH OÖ.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.