Psychologische Handlungskompetenzen - Lernen im echten Leben

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ausgangslage:

Häufig wird unterschieden zwischen der Universität als theoretischer akademischer Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern und anderen, praxisorientierten Berufsausbildungen, als wäre das eine ein Widerspruch zum anderen. Im Studiengang Psychologie der Sigmund Freud Universität ist die Theorie-Praxis-Verschränkung ein wichtiger Aspekt und das Fach "Psychologische Handlungskompetenz" ein fixer und wichtiger Bestandteil der Lehre, was sie vom Curriculum der meisten staatlichen Universitäten unterscheidet. Mag. Michael Hollenstein und Mag. Beate Huter, Lehrende an der SFU, sind auch in ihrer operativen Tätigkeit als klinische PsychologInnen in die Ausbildung und Supervision von Klinischen PsychologInnen involviert. Sowohl durch ihre eigene Arbeit, aber auch durch die Begleitung junger Klinischer PsychologInnen i.A. wird ihnen immer wieder deutlich, welche Handlungskompetenzen in der psychologischen Arbeit wichtig und erforderlich sind, und an welchen es zahlreichen AusbildungskandiatInnen trotz langjähriger universitärer und postgradueller Ausbildung mangelt. Viele haben nach einem Masterstudium und ihrer klinischen Ausbildung zwar sehr viel Wissen erlangt, haben aber immer noch Angst vor ersten Klientengesprächen, fürchten sich vor Fallpräsentationen, wissen nicht, wie sie ihre Anliegen ihrem Chef/ihrer Chefin vorbringen können, trauen sich in Teamgespächen noch keine Meinung zu beziehen, kennen ihre eigenen Talente nicht oder trauen sich wenig zu. Meist haben sie nur die Psychologie kennengelernt und wenig Vernetzung mit anderen Disziplinen wie sie in der Realität des Arbeitslebens gang und gäbe ist (Beispiel Vorarlberger Kinderdorf: Kunst am Bau Projekte mit Kindern und Jugendlichen, Fotoprojekte, Filmproduktionen, Aufarbeitung von Heimgeschichte in Theaterproduktionen; Beispiel universitäre Lehre: Einladungen und Kooperationen mit Kultureinrichtungen, Moderation von Podiumsdiskussionen, Auftritte bei Kongressen etc). Meist ist ihnen nicht bewusst, wie sehr es auch in der psychologischen Beratungsarbeit oder Wissenschaft und Lehre auf die Fähigkeiten zu moderieren, Gespräche zu führen, zu präsentieren, kreative Methoden und Nachbardisziplinen einzubinden und empathische Kommunikationsfähigkeiten ankommt.

 

Ziele:

Huter & Hollenstein beschäftigen sich in ihrer operativen Arbeit viel mit Wissensmanagement und damit, wie Wissen in Handlungskompetenz umgesetzt werden kann. In der Lehre an der SFU war es ihnen daher ein Anliegen, den StudentInnen von Beginn ihres Studiums an neben fundiertem theoretischen und wissenschaftlichen Wissen ein großes Ausmaß an Praxisbezug und auch Praxiserfahrung zu ermöglichen, ebenso wie ein Gefühl der Selbstwirksamkeit und authentisches Wissen über sich selbst, damit sie am Ende ihrer Ausbildung souverän, kompetent und mutig, ausgestattet mit fundiertem Theoriewissen und dem wichtigsten Handwerkszeug, in ihr jeweiliges Arbeitsfeld - sei es Wissenschaft & Forschung oder angewandte Psychologie -eintreten können. Das Lernen sollte nicht nur im Seminarraum der Universität stattfinden, sondern in realen Situationen des Berufslebens und in kooperativem Arbeiten mit Nachbardisziplinen aus Kunst und Kultur - also dort, wo sie diese Kompetenzen später brauchen und anwenden werden müssen.

Kurzzusammenfassung (dt.)

AbsolventInnen der Psychologie müssen nach ihrem Abschluss, egal ob sie in Wissenschaft und Forschung oder in angewandten Arbeitsfeldern tätig sind, über fundiertes theoretisches Wissen, aber auch über praktische Grundkompetenzen verfügen, die sie befähigen, ihr Wissen in berufsspezifisches Handeln zu übersetzen. Wichtig ist, dass sie den Bezug der theoretischen Lehre zur Praxis nicht nach dem Studium, sondern währenddessen erwerben. Die Praxis in Wissenschaft und Forschung, aber auch in angewandten Berufsfeldern zeigt, welche Kompetenzen im realen Berufsleben erforderlich sind. Die SFU trägt dem Rechnung, indem das Fach "Psychologische Handlungskompetenzen" (Selbsterfahrung, Gesprächsführung, Moderation, Team & Führung, Krisen- & Konfliktmanagement) als fixer Bestandteil in die Lehre integriert wurde. Huter & Hollenstein, in der Lehre und auch operativ tätig, wollten dem Lehrfach mehr Realitätscharakter verleihen und die Lehre verlegen - hinaus aus dem Seminarraum, hinein in das wirkliche Leben - und die StudentInnen die Kompetenzen dort erwerben lassen, wo sie in ihrer späteren beruflichen Tätigkeit tatsächlich stattfinden. Ziel war es, der Lehre einen innovativen und abwechslungsreichen Charakter zu verleihen, Synergien zu anderen Disziplinen herzustellen, StudentInnen ein breites und differenziertes Lernfeld, und direkten Theorie-Praxis Bezug zu ermöglichen und damit einen Nachwuchs zu fördern, der souverän und gut vorbereitet in postgraduelle Tätigkeiten einsteigt.

Kurzzusammenfassung (engl.)

At the end of their studies, graduates of psychology should have acquired a profound theoretical knowledge, as well as basic practical skills which enable them to translate their theoretical expertise into specific professional action - independently of whether they are working in science and research or applied professional areas. It is important that they capture the strong link between theory and practice not after, but during their studies. The professional world in science, research and applied fields of psychology shows very precisely, which competences are needed in the reality of psychological work. SFU takes this into account by having "applied psychological competences" as obligatory course in the Bachelor programme. Huter & Hollenstein, teaching at university and working as clinical psychogists, wanted to add reality experience by transferring the teaching into real life situations, in order to enable students to gain the competences directly in the field, where they will be needed later on in their professional life. The attempt was to make teaching more innovative and increase variety, encourage synergies to other disciplines and offer students a broad and differentiated learning environment as well as a theory-practice-connection in order to bring forward young talents who start their postgrad career confidently and well prepared.

Nähere Beschreibung

Aus dem Wissensmanagement ist bekannt, dass Informationen erst durch Vernetzung zu Wissen, durch Anwendungsbezug zu Können, durch Wollen zum Tun, durch richtig Handeln zur Kompetenz und erst durch Reflexion und Einzigartigkeit zu einer echten Wettbewerbsfähigkeit werden (North, 2002). Dies bedeutet für die Lehre an der Universität, dass das operative Wissensmanagement dieser Tatsache Rechnung tragen und StudentInnen nicht nur bis zum Wissen, sondern bis zur Handlungskompetenz begleiten muss - auch dann, wenn sie in Wissenschaft und Forschung tätig wären. Umgekehrt zeigen die Erfahrungen in der Praxis klinischer PsychologInnen, welche Handlungskompetenzen in der realen operativen Arbeit nötig und wichtig sind - im Sinne des strategischen Wissensmanagements bietet dies wichtige Erkenntnisse für die Planung der Lehre.

 

Handlungskompetenz beinhaltet Fachkompetenz (die Fähigkeit, fachliche Probleme aufgrund von Wissen und Können einschätzen und lösen zu können), Sozialkompetenz (die Fähigkeit mit anderen Menschen adäquat in Kontakt zu treten, zu kooperieren und zu kommunizieren) und Selbstkompetenz (die Fähigkeit, Anforderungen und eigene Talente einzuschätzen, zu fördern und berufliche und private Lebensentscheidungen zu treffen). Für jede dieser Fähigkeiten sind Methoden- und Lernkompetenz sowie kommunikative Kompetenz vonnöten.

 

An der Sigmund Freud Universität ist das Fach "Psychologische Handlungskompetenzen" im Bachelor-Studiengang Psychologie fixer Bestandteil der Lehre. Dieses Lehrfach setzt sich zusammen aus den Übungen Selbsterfahrung, Gesprächsführung, Moderation, Team und Führung, Krisen- und Konfliktmanagement. Neben der wissenschaftlichen und theorieorientierten akademischen Lehre beruht dieser praxisorientierte Schwerpunkt auf der Erkenntnis, dass Studierende am Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit sowohl fundiertes Wissen als auch Handlungsfähigkeit brauchen. Die Übungen dieses Lehrfachs beinhalten Grundkompetenzen, die in jeder psychologischen Tätigkeit - sowohl in Wissenschaft, Forschung und Lehre, als auch in klassisch praxisorientierten Arbeitsfeldern - relevant sind.

 

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Lehrenden die psychologische Handlungskompetenz nicht nur im Seminarraum der Universität, sondern in möglichst verschiedenen real life situations im echten Leben lehren wollten. Beide sind sowohl in der universitären Lehre als auch in der operativen Arbeit als klinische PsychologInnen im Vorarlberger Kinderdorf tätig, sowie als selbstständige SupervisorInnen und Coaches, und in diesen Funktionen auch in die Ausbildung, Supervision und Selbsterfahrung von Klinischen PsychologInnen involviert und sehen daher in der Praxis, welche Kompetenzen die PsychologInnen in spe in ihrem realen Berufsleben brauchen werden. Es war ihnen wichtig, den Studierenden das theoretische Grundwissen wichtiger wissenschaftlicher Theorien beizubringen, sie aber die tatsächliche Umsetzung der Kompetenzen dort erlernen zu lassen, wo sie in der Realität stattfinden und gebraucht werden. Ein weiterer relevanter Aspekt war, eine starke Kooperation zu sozialen Organisationen sowie eine Vernetzung mit Nachbardisziplinen (Kunst/Design/Geschichte) und damit ein "thinking outside the box" herzustellen. Studierende sollten außerdem nicht nur an sich selbst lernen, sondern auch das Gelernte als Methodenrepertoire für ihre spätere Arbeit erwerben.

 

Kernfaktoren des Projekts:

" Lernen in real life Situationen

" Erfahrung, dass die Übungen tatsächlich in der Realität Wirkung entfalten

" Erleben, dass das Gelernte im richtigen Leben tatsächlich relevant ist

" Verantwortung für die Qualität des eigenen Handelns übernehmen lernen

" Kooperation mit anderen Organisationen/Systempartnern

" Vernetzung verschiedener Disziplinen (Kunst/Design/Geschichte)

" Erwerben von Methodenrepertoire

" Eigene Handlungsfähigkeit erleben

" Kennenlernen relevanter Institutionen/ Infrastruktur im Land

" Kennenlernen verschiedener Settings psychologischer Arbeit und deren wesentliche Unterschiede

" Stärkung der Gemeinschaftsidentität der Studierenden

" Förderung des eigenen Engagements für die Weiterentwicklung dieser Studiengruppen

 

Selbsterfahrung mit Kunst/ Vorarlberg Museum

Selbsterfahrung sollte in verschiedenen Modalitäten erlernt werden...künstlerisch, musikalisch, körperorientiert, sprachlich, etc. So fand eine Sequenz der Selbsterfahrung mit Kunst in den Ateliers des Vorarlbergmuseums statt, wo die Studierenden, eingerahmt in Kunst, direkt in einer künstlerischen Umgebung

 

Selbsterfahrung mit Musik/ Vorarlberger Kinderdorf

Um Selbsterfahrung mit Musik zu erleben, wurde in Kooperation mit Musiktherapeutin Susanne Nesler eine musiktherapeutische Sitzung in der Paedakoop des Vorarlberger Kinderdorfs organisiert. Die Studierenden konnten dort musiktherapeutische Räume und Materialien kennenlernen, haben selbst eine musikalische Selbsterfahrung machen können und lernten zudem, wie Musiktherapie mit den dort betreuten jugendlichen KlientInnen abläuft und wie diese wirkt.

 

Selbsterfahrung; Moderation und Identitätsarbeit durch Film & Medien/ SimonBurger Visuals

Die Studierenden und Lehrenden drehten im Zusammenhang mit Identitätsarbeit einen Film, in dem sie sich selbst und auch die anderen Studierenden der Lehrveranstaltung vorstellten. So mussten sie sich mit ihrer eigenen Identität auseinandersetzen, aber auch mit ihrer Gruppenindentität, mit jener als StudentInnen, und mit jener als neue Studiengruppe an der SFU. Gleichzeitig lernten sie, wie Öffentlichkeitsarbeit in Kooperation passiert und Regiearbeit moderiert wird.

 

Gesprächsführung mit "echten" Klienten

Im Rahmen der UE Gesprächsführung wurden dezidiert "Übungs-KlientInnen" eingeladen, die sich mit echten persönlichen Themen als KlientInnen zur Verfügung stellten. Es handelte sich um erwachsene Privatpersonen, aber auch um klinisch-psychologische Fachpersonen, sowie um InteressentInnen aus Schulen. Für letztere diente dieser Nachmittag auch gleichzeitig als Schnuppernachmittag. Die Einladung anderer Menschen war ein wichtiger Aspekt, damit die StudentInnen auch lernten, sich auf verschiedene Menschen und verschiedene Altersgruppen einzustellen, ebenso wie auf unbekannte Themen und Situationen - wie es der Realität eines/-r Psychologen/in entspricht. Die klinisch- psychologischen Fachpersonen fungierten wechselseitig mal als KlientIn und mal als PsychologIn, sodaß die StudentInnen sowohl an ihnen üben als auch unterschiedliche Auslegungsarten von psychologischen Beratungsstilen kennenlernen konnten.

 

Gesprächsführung mit Leitungspersonen sowie Kindern und Jugendlichen/ Besuch Paedakoop, Vorarlberger Kinderdorf

Gesprächsführung ist nicht nur wichtig mit KlientInnen, sondern auch mit ChefInnen und Leitungspersonen. In diesem Zusammenhang besuchten wir das Vorarlberger Kinderdorf/ Paedakoop, wo die Studierenden den Bereichsleiter Gerhard Heinritz kennenlernen und an einem Gespräch teilnehmen durften, das dieser mit KollegInnen aus anderen Einrichtungen führte. Auch Michael Hollenstein, selbst Bereichs- und Teamleiter, schilderte den StudentInnen aus eigener Erfahrung, was für eine Gesprächsführung eine Leitungsperson erwartet und übte mit den Studierenden in Rollenspielen, wie man mit dem Chef/der Chefin bei Anliegen oder Kritik oder bei Bewerbungsgesprächen auftritt und spricht. Die Studierenden erhielten auch eine Führung durch die Organisation und erlebten so reale psychologische und sozialpädagogische Arbeit, übten Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen und lernten, wie Leitungspersonen über ihre eigene Organisation sprechen.

 

Gesprächsführung und Geschichte/Besuch Kosmos Theater Bregenz

In einem Kooperationsprojekt zwischen der UE Gesprächsführung und dem PS Paradigmengeschichte der Psychologie (Lehrender: Mag. Michael Hollenstein), in welchem über Heimgeschichte in Vorarlberg und Tirol gesprochen wurde, wurde gemeinsam mit den Studierenden das Theaterstück "Jetzt wird geredet" besucht. In diesem wurden Interviews mit Gewaltopfern in Heimen geführt. Die Studierenden bekamen einen Eindruck davon, wie sensibel Gespräche/ qualitative Interviews mit Opfern geführt werden müssen. Zudem wurde der Anlass genutzt, um Gesprächsführung als Analyse einer Theateraufführung einzuüben, indem anschließend ein Gruppengespräch über das Theaterstück geführt wurde. Die Studierenden konnten zudem eine direkte Verbindung zu ihrem Besuch in der Paedakoop des Vorarlberger Kinderdorfs herstellen, in dem früher ein Teil ebendieser Heimgeschichte tragische Realität war. Die Verbindung beider Lehrfächer sollte das vernetzte, kompetenzorientierte Lernen stärken.

 

Gesprächsführung in einer psychologischen Praxis

Die Studierenden konnten eine Sequenz der Gesprächsführung in Beate Huters Praxis erleben. So bekamen sie einen Eindruck, wie psychologische Arbeit und speziell Gesprächsführung in einer Praxis aussieht und konnten Ambiente, Materialien und die spezielle Gesprächsführung in psychologischen Beratungs- oder Supervisionskontexten kennenlernen. Auf diese Weise bekamen sie auch verschiedene Eindrücke psychologischer Arbeitsfelder.

 

Moderation zur Lösung eigener Studienthemen

In der UE Moderation wurden eigene Konflikte rund um Einigungen zu Prüfungsterminen oder Anliegen an die Studienleitung spontan zum Anlass genommen, Konfliktmoderation bzw. Moderation zum Sammeln und Weiterleiten von Anliegen eingeübt. Die Studierenden lernten direkt an ihrem eigenen Leben, wie die Grundsätze und Methoden der Moderation hilfreich sein können, um ihre eigenen Studien-/ Gruppenthemen zu bearbeiten. Dies schaffte direkten emotionalen und Realitätsbezug. Gleichzeitig spiegelten die Übungen Situationen wider, die tatsächlich im realen Berufsleben häufig vorkommen. Die Tatsache, dass sie sie an eigenen Themen einübten, erhöht die Chance, dass die Wirksamkeit der Methoden langfristig erinnert wird. Diese Übungen waren nicht geplant, sondern wurden anlassbezogen und spontan direkt in die Lehre einbezogen.

 

Moderation und Design/Teilnahme Pecha Kucha Night im designforum Dornbirn

Im Rahmen der UE Moderation nahmen die Studierenden an der Pecha Kucha Night im designforum Dornbirn teil. Dies hatte mehrere Aspekte zum Ziel: erstens mussten die Studierenden die neue Medienpräsentationsart Pecha Kucha (zeitlich begrenzt, kein Text, nur Fotos oder Schlagworte) kennenlernen und einsetzen. Zweitens erlebten sie Moderation bei Veranstaltungen - und zwar als TeilnehmerInnen sowie als Moderierende. Im Vorfeld mussten sie eigenständig ein Thema wählen. Da die Pecha Kucha Nights auch kurzweilig und unterhaltsam sind, gleichzeitig aber neue Start ups oder kreative Projekte vorstellen, musste ein Thema gewählt werden, das wissenschaftlich ist, aber mit Design in Verbindung gebracht und kreativ und kurzweilig dargestellt werden muss. Die Studentinnen lernten, sich auf den Anlass und das Zielpublikum einzustellen, wie es in der Veranstaltungsmoderation notwendig ist. Sie lernten ein wissenschaftliches Thema passend zu Anlass und Publikum aufzubereiten. Sie mussten wissenschaftliche psychologische Konzepte und Ideen in Bilder/Fotografien/Metaphern umformen. Sie mussten auch den Prozess der Einigung auf Themen und Bilder selbst moderieren. Auf diese Weise erlebten sie Moderation in Stressituationen und unter - eigenem -Leistungsdruck, das Tolerieren unterschiedlicher Temperamente, Ideen und Tempi. Sie mussten ihre Scham und Auftrittsängste überwinden. Beim Auftritt selbst konnten sie Moderation vor mehreren hundert Menschen auf der Bühne üben, hatten Kontakt zu Fachpersonen aus Kunst & Design und erlebten trotz großer Zweifel im Vorfeld ihren eigenen Erfolg und ihre Wirksamkeit - als Individuum und als Gruppe. Dies diente nicht nur ihren Moderationsfähigkeiten, sondern auch der Selbsterfahrung.

 

Moderation und Kunst/Bildraum Bregenz

Der Abschluss der UE Moderation fand im Bildraum Bregenz statt, im Rahmen der Ausstellung hide II von Sevda Chkoutova. Die Studierenden lernten in diesem Zusammenhang die Überschneidungszone von Universität und Kunst kennen und erlebten die Lehrveranstaltung inmitten der Ausstellung. Dies passte zu der Tatsache, dass wir ihnen die Nutzung kreativer Methoden bei Moderationen beibringen wollten. Dies war in diesem Ambiente besonders stimulierend. Die Ausstellung selbst behandelte ein psychologisches Thema (Frauwerden/Mutter-Tochter, Sexualität; Freud und Jung) - die StudentInnen lernten hierbei die enge Verbindung zwischen Kunst und Themen der Psychologie. Zudem mussten die Studierenden ein Gespräch über die Ausstellung moderieren, um zu lernen, dass auch die Moderation solcher Anlässe zu den Aufgaben von PsychologInnen gehören kann, weil sie mitunter als Fachpersonen der behandelten Themen zu solchen Events geladen werden. (Dies entspricht ebenso der Realität, da die Lehrenden tatsächlich zu einer Podiumsdiskussion bei der Finissage der Ausstellung geladen wurden).

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor, semesterübergreifend

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.