WomiS: „Wohnen mit Service“ – ein Forschungspraktikum, zur Erfassung der Nachfrage nach einem neuen Wohnangebot für Menschen mit beginnendem Betreuungs- bzw. Unterstützungsbedarf im Großraum Sierning.

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ziel des Forschungspraktikums ist die praxisorientierte Vertiefung in empirischer Sozialforschung und zwar hinsichtlich qualitativer wie quantitativer methodischer Zugänge. Kompetenzorientiertes, selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen steht im Vordergrund dieser LVA. Ausgangspunkt bildet dabei ein konkreter Forschungsauftrag – im vorliegenden Fall von der Kreuzschwestern Sierning GmbH. Im Zuge des Projekts wird die Erstellung eines empirischen Forschungsdesigns, die Operationalisierung der relevanten Forschungsthemen und die Entwicklung von Erhebungsinstrumente praxisnah „geübt“. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die qualitative wie quantitative Datenerhebung und Datenanalyse. Die damit gewonnenen Erkenntnisse stellen den Kern der Ergebnispräsentation für den bzw. die Auftraggeber/in dar, münden in der Finalisierung des studentischen Abschlussberichtes, und schließen das Forschungspraktikum erfolgreich ab. Letztendlich ermöglicht die Absolvierung des Projekts die Aneignung grundlegenden Kompetenzen für die erfolgreiche Gestaltung und Präsentation einer empirischen Abschlussarbeit.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Im Forschungspraktikum „WomiS - die Erfassung der Nachfrage nach einem neuen Wohnangebot für Menschen mit beginnendem Betreuung- bzw. Unterstützungsbedarf“ führen Studierende, fachlich begleitet, aber weitgehend selbstständig, ein empirisches Forschungsprojekt durch. Inhaltliche Ziele des Projekts sind die i) Charakterisierung der Zielgruppe, ii) Erfassung des zukünftigen Wohnbedarfs und iii) Skizzierung der Anforderungen und Wünsche an ein solches Wohnangebot. Die Erkenntnisse bilden eine Entscheidungsgrundlage für die Ausrichtung des zukünftigen Angebotes „Wohnen mit Service“ für ein „Leben im Alter in Sierning“. Im Zuge des Projekts erfahren die Studierenden die einzelnen Phasen des Forschungsprozesses praxisnah – beginnend mit der Auftragsklärung (konkrete Festlegung der Forschungsziele), der Literaturrecherche (Erarbeitung des theoretischen Rahmens) und der Entwicklung des methodischen Designs (Entwicklung qualitativer wie quantitativer Erhebungsinstrumente) sowie Organisation und Durchführung der Feldphase (Datenerhebung), bis hin zur Datenanalyse (qualitativ wie quantitativ) und die Dissemination der Ergebnisse (Präsentation der Ergebnisse und Berichtslegung). Die erfolgreiche Umsetzung der jeweiligen Aufgabestellung, ist durch die Balance von selbstständigem und gemeinsamen Arbeiten und Lernen im Team, der Schaffung einer konstruktiven Feedbackkultur und dem interdisziplinären Austausch berufsbegleitend Studierender gekennzeichnet.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The research internship „WomiS - die Erfassung der Nachfrage nach einem neuen Wohnangebot für Menschen mit beginnendem Betreuung- bzw. Unterstützungsbedarf“ will allow students to conduct a 2-semester empirical research project under professional guidance, but largely independently. The main goals of the project are i) the characterization of the target group, ii) the recording and projection of future housing needs and iii) the recording and illustration of requirements and needs with regard to this type of housing. The findings will serve as a basis for decision-making concerning future offers within the „Wohnen mit Service“ and „Leben im Alter in Sierning“ projects. Participation will allow students to experience the different stages of the research process hands-on – starting from the clarification of task and context (definition of research goals), literature review (designing the theoretical framework), the development of the methodological design (development of qualitative and quantitative research tools) as well as the organization and implementation of the field phase (data acquisition) to data analysis (qualitative and quantitative) and the dissemination of results (presentation of findings and reporting). The tasks necessary to reach the research goals, requires a balance of independent and teamwork as well as learning efforts. In addition, it will foster the development of a constructive feedback culture, as well as interdisciplinary exchanges.

Nähere Beschreibung

Im Forschungspraktikum „WomiS - die Erfassung der Nachfrage nach einem neuen Wohnangebot für Menschen mit beginnendem Betreuung- bzw. Unterstützungsbedarf im Großraum Sierning“ führen Studierende, fachlich begleitet, aber weitgehend selbstständig, ein reales empirisches Forschungsprojekt über zwei Semester durch. Ausgangspunkt dessen bildet ein aktueller Anlassfall (Anfrage einer Organisation für die Durchführung eines Forschungsprojekts). Im vorliegenden Projekt ist dies die Tatsache, dass die aktuelle, wenngleich breite, Angebotspalette an Unterstützungs- sowie Pflegeleistungen für „ältere Menschen“, den fortschreitenden Entwicklungen (Stichwort: demographischer Wandel) und dem damit einhergehenden – sich verändernden – Betreuungsbedarf, nur bedingt angepasst werden kann. So lassen sich bereits bestehende Versorgungslücken nur indirekt mit dem aktuellen Angebot schließen. Darauf möchten die Kreuzschwestern Sierning entsprechend reagieren und planen ein „neues“ Wohnangebot für ältere Menschen. Dieses Wohnangebot will Personen, die keinen intensiven Pflegebedarf (Pflegestufe 1-3) aufweisen, aber Unterstützung in der Bewältigung des Alltags benötigen, erreichen. Das Wohnprojekt „Wohnen mit Service“ soll den Wünschen und Bedürfnissen der zukünftigen Zielgruppe bestmöglich entsprechen – wofür eine Bedarfserhebung zu konzeptionieren und durchzuführen ist. An diesem Punkt knüpft das Forschungsprojekt an und widmet sich den Priorisierungen, Wünschen und Bedürfnissen jener, die noch nicht mit dem aktuellen Angebot erreicht werden. Ziele des Projekts sind die i) Charakterisierung der Zielgruppe, ii) Erfassung des zukünftigen Wohnbedarfs und iii) Skizzierung der Anforderungen und Wünsche an ein solches Wohnangebot. Die Erkenntnisse bilden eine Entscheidungsgrundlage für die Ausrichtung des zukünftigen Angebotes „Wohnen mit Service“ für ein „Leben im Alter in Sierning“.

Davon ausgehend erleben die Studierenden, im Zuge des Projekts, die einzelnen Phasen des Forschungsprozesses praxisnah. Dies passiert in Form von Gruppenarbeiten, wodurch die Organisation der Forschung (Projektmanagement) und der gemeinsam Dialog (soziale Kompetenzen und Moderationstechniken) gefördert werden. D.h. die erfolgreiche Umsetzung des Forschungsprojektes ist durch die Balance von selbstständigem und gemeinsamen Arbeiten und Lernen im Team, der Schaffung einer konstruktiven Feedbackkultur, seitens Studierender und LVA-Leitung, und dem interdisziplinäre Austausch, aufgrund der unterschiedlichen beruflichen Verankerung der berufsbegleitend Studierenden, gekennzeichnet.

Im Detail bedeutet dies:

Beginnend mit der Auftragsklärung werden konkrete Forschungsziele gemeinsam mit dem/der Auftraggeber/in festgelegt. Dazu führen die Studierenden ein erstes exploratives Gespräch und lernen damit das Prozedere – gemeinsam mit dem/der Auftraggeber/in wesentliche Eckpunkte des Projekts festzulegen – kennen.

Der für das Projekt relevante theoretische Rahmen wird um Zuge von Literaturrecherchen erarbeitet. Damit wird sichergestellt, dass die Studierenden, gemäß wissenschaftlichen Arbeitens, theoriegeleitet vorgehen, an bestehenden Arbeiten anknüpfen und ein theoretisches Untersuchungsmodell bzw. die zugrundeliegenden Forschungsthemen ableiten. Dadurch vertiefen die Studierenden ihre Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten und lernen theoretische Grundlagen entsprechend aufzubereiten.

Im Zuge der Entwicklung des methodischen Designs treffen die Studierenden die Entscheidung für qualitative wie quantitative Erhebungsinstrumente und lernen dies begründet zu tun. Sie entwickeln die Instrumente, organisieren die jeweilige Feldphase und führen anschließend die entsprechenden Erhebungen durch. Im Vorliegenden Fall sind dies zunächst qualitative Interviews mit Seniorinnen und Senioren in Sierning und Leitfadeninterviews mit Experten bzw. Expertinnen aus dem Bereich der Pflege- und Unterstützung von älteren Menschen. Empirische Forschung wird hier am deutlichsten „spürbar“ – die Studierenden begeben sich ins Feld, vereinbaren Interviewtermine und führen diese selbstständig durch. Der Blick der Studierenden auf ein Forschungsprojekt wird somit praxisnah geschärft. Der damit gewonnene Erfahrungsschatz bereitet die Studierenden für ähnliche Aufgabenstellungen, die sie im Zuge ihrer Bachelorarbeit zu tätigen haben, vor. Aufbauend auf den bislang erarbeiteten Erkenntnissen, entwickelten die Studierenden einen quantitativen Fragebogen – ebenfalls im Team. Dieser wird der Zielgruppe per Post, zum Abschluss des ersten Semesters, zugesandt. Im vorliegenden Fall sind dies rund 1000 Seniorinnen und Senioren der Geburtsjahrgänge 1938 bis 1950.

Im März 2018 startet das zweie Semester mit der Aufbereitung der gewonnenen Daten. Ab diesem Zeitpunkt steht die Datenanalyse (qualitativ wie quantitativ) im Vordergrund. Die Studierenden lernen entsprechende Analysen (z.B. Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, bzw. die Auswertung quantitativer Daten mit SPSS) regelgeleitet und systematisch durchzuführen. Die Erkenntnisse daraus werden mittels Ergebnisworkshop zusammengetragen. Dies stellt sicher, dass durch den Prozess der Gruppenarbeiten, alle Mitglieder des Forschungsteams die einzelnen „Puzzleteile“ kennen(lernen) und das groß Ganze (Forschungsprojekt) nachvollziehen können.

Die Dissemination der Ergebnisse erfolgt durch die studentische Präsentation der Ergebnisse für den Auftraggeber und abschließenden Berichtslegung. Damit lernen die Studierenden nicht nur eine empirische Arbeit selbstständig anzufertigen, sondern auch worauf im Zuge der Schwerpunktsetzung von Ergebnispräsentationen zu achten ist.

Insgesamt betrachtet ist die Lehrveranstaltung durch einen gemeinschaftlichen Prozess, nämlich dem des sich gemeinsam Weiterentwickeln, gekennzeichnet. D.h. es finden kontinuierlich Besprechungen statt, in denen der bisherige Verlauf und Erkenntnisgewinn der einzelnen Gruppen diskutiert wird, sodass ein „gemeinsames Ganzes“ entstehen kann. Hierzu finden – vor bzw. nach der jeweiligen Projektphase –interne Arbeits- bzw. Ergebnisworkshops statt, in welchen die Studierenden über Zeit und Raum verfügen, um sich auszutauschen und eine gemeinsame „Linie“ zu finden. Dies ist für die Studierenden insofern vorteilhaft, da sie nicht nur lernen Ergebnisse zu berichten, sondern diese in Einklang zu bringen, um entsprechende Handlungsempfehlungen ableiten zu können.

Positionierung des Lehrangebots

Modul „Empirische Sozialforschung und Projektmanagement" im 3. und 4. Semester des Bachelorstudiengangs Sozial- und Verwaltungsmanagements“ (Studienzweig „Public Management“ am Campus Linz der FH OÖ.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.