Erasmus+ Projekt "Creating an International Semester for Master Programmes in Quantitative Finance (INTQUANT)"

Umgesetztes Projekt

Ziele

Dem Studiengang “Quantitative Asset and Risk Mangement (ARIMA)“ wurde Internationalisierung und Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen bereits bei der Curriculumsentwicklung in die Wiege gelegt. So war es erklärtes Ziel, das Curriculum nicht nur für die FH des BFI Wien zu entwickeln, sondern europäische Hochschulpartner mit dem Ziel einzubeziehen, dass diese Hochschulpartner das gleiche Curriculum in ihrem Land anbieten (gefördert von der EU im Rahmen eines Curriculum Development Projektes). Auch ein verpflichtendes Auslandssemester wurde fix im Curriculum verankert.

 

Da die Mehrzahl der Studierenden berufstätig war/ist, war ein Austausch für ein ganzes Semester unrealistisch. Daher entschied man sich, das dritte Semester sehr stark zu blocken, auf zweimal 3 Wochen, den Lehrstoff eines Semesters in diesen beiden Blöcken unterzubringen und für die Studierenden im 3. Semester einen Austausch an den Partnerhochschulen zu organisieren. Das Feedback der Studierenden und Lehrenden machte bald klar, dass dies aus didaktischen Gründen keine optimale Lösung war: zu viel Stoff in zu wenig Zeit, keine Zeit zum Verarbeiten und Reflektieren, wenig Kontakt mit Studierenden aus anderen Ländern. Daher wurde nach einer Lösung gesucht, die berufstätigen Studierenden auch einen tatsächlichen Mehrwert bei einem Auslandsaufenthalt bringt.

 

Aus diesem Grund wurde bei der Europäischen Kommission ein Strategic Partnership Projekt mit dem Titel “Creating an International Semester for Master Programmes in Quantitative Finance” (INTQUANT) eingereicht, um eine im Bereich Quantitative Finance und Risikomanagement eine Kooperation von vier europäischen Hochschulen zu errichten. Das Konsortium bestand aus der Fachhochschule des BFI Wien (UAS, Koordinatorin), Universität Bologna (UNIBO), University of Economics Katowice (UEK) und der Alexandru Ioan Cuza University of Iasi (UAIC). War es bei der Entwicklung des Projektes das Ziel, Partner zu finden, die das gleiche Curriculum implementieren, wollte man bei der Weiterentwicklung Hochschulpartner einbinden, die sich komplementär ergänzen, um für die Studierenden mehr Möglichkeiten für Spezialisierungen zu schaffen.

 

Kurz zusammengefasst kann gesagt werden, war es das Ziel INTQUANT, die Qualität und Attraktivität internationaler Studierendenmobilität in den Masterprogrammen in Quantitative Finance und Risik Management der beteiligten Hochschulen zu verbessern.

 

Hochwertige Mobilität ist eines der Kernziele des Bolognaprozesses und liefert erheblichen Mehrwert für Studierende: Sie erweitert Kompetenzen, Wissen und Fertigkeiten; unterstützt die Internationalisierung der Hochschulbildung; und fördert die Arbeitsmarktfähigkeit durch internationale und interkulturelle Erfahrungen. Dennoch muss man festhalten, dass gerade Studienprogramme in Quantitative Finance und Risikomanagement vor besonderen Herausforderungen bezüglich Internationalisierung stehen. Der Grund ist, dass viele Hochschulen breite BWL-Programme anbieten und die Anzahl an Finance und Risk Management Programmen gering ist. Daher ist es oft schwierig, geeignete Hochschulpartner für hochwertigen Studierendenaustausch zu finden, was im krassen Gegensatz zu der hohen Nachfrage der Studierenden nach internationalen Mobilitätsoptionen steht. Zusätzlich konnten wir ein großes Interesse der Studierenden feststellen, sich am Ende des Studiums in einem bestimmten Bereich zu spezialisieren.

 

Vor diesem Hintergrund strebten wir folgende Ziele an:

 

• Die Qualität der Studierendenmobilität durch klar strukturierte Mobilitätspfade (kurz- und langfristig) und Spezialisierungsmöglichkeiten, welche direkt in die Curricula der Hochschulpartner eingebettet wurden, zu verbessern.

• Den Zugang zur Mobilität für Studierende mit geringeren Möglichkeiten (z.B. berufstätig Studierende) mit neu entwickelten kurzfristigen Mobilitätsoptionen zu erleichtern.

• Gleichzeitig aber nicht nur kurzfristige Mobilitäten zu erleichtern, sondern auch attraktive Double Degree Möglichkeiten für Studierende mit frei verfügbarer Zeit zu schaffen.

• Auf die steigende Nachfrage der Studierenden nach weiterer Spezialisierung gegen Ende des Masterprogrammes durch vier attraktive Spezialisierungsmöglichkeiten zu reagieren.

• Die Arbeitsmarktrelevanz der Studienprogramme zu fördern und die Verbindung mit der Arbeitswelt durch direktes Einbeziehen der Finanzindustrie zu stärken.

• Ein neues praxisorientiertes Kurskonzept (Einbindung von Case Studies in und mit Firmen) zu entwickeln, zu testen und zu implementieren.

• Mobilitätsbarrieren durch eine effiziente Anerkennung von Qualifikationen und Credits, die im Ausland erworben wurden, zu reduzieren.

 

Damit trägt das Projekt auch grundlegend zur Umsetzung der strategischen Internationalisierungsziele bei, welche die FH des BFI Wien in vierfacher Hinsicht in seinem hochschuldidaktischen Konzept verankert hat:

 

• Internationalisierung der Curricula

• Ausbildung für internationale Arbeitswelten

• Förderung internationaler und interkultureller Kompetenzen von Studierenden und Lehrenden

• Internationalisierung von Forschung und Lehre

Kurzzusammenfassung (dt.)

Das INTQUANT Projekt errichtete eine strategische Partnerschaft von 4 europäischen Hochschulen (HS) mit dem Ziel, die Qualität und Attraktivität internationaler Studierendenmobilität für Masterprogramme in Finance und Risikomanagement der teilnehmenden HS zu erhöhen. Dies wurde durch Einrichtung von vier innovativen Mobilitätspfaden und attraktiven Double Degree Optionen erreicht. Der Fokus des Projektes lag in der Implementierung einer hochwertigen kurzfristigen Mobilität, um es besonders den mehrheitlich berufstätigen Studierenden zu ermöglichen, im Ausland internationale und interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Diese kurzfristige Mobilität wurde im Curriculum implementiert und wird durch Anrechnung an allen vier Partneruniversitäten anerkannt. Hochwertige Mobilität ist ein Kernziel des Bolognaprozesses und liefert erheblichen Mehrwert: Sie erweitert Kompetenzen, Wissen und Fertigkeiten, unterstützt die Internationalisierung der Hochschulbildung und fördert die internationale Employability der Absolvent/innen. Dennoch stehen gerade Studienprogramme in Finance und Risikomanagement bezüglich Internationalisierung vor besonderen Herausforderungen: viele Hochschulen bieten breite BWL-Programme an, doch die Anzahl an Finance und Risk Management Programmen ist gering. Dennoch ist es durch gezielte Partnersuche und internationale Kooperation gelungen, mit einem attraktiven Curriculum auf die hohe Nachfrage der Studierenden nach internationalen Mobilitätsoptionen zu reagieren.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The INTQUANT project established a strategic partnership in finance and risk management between 4 higher education institutions (HEI) throughout Europe. In a nutshell INTQUANT aimed to enhance the quality and attractiveness of international student mobility in the master programmes in quantitative finance and risk management at the participating HEI. This was done through establishing four innovative structured mobility paths (specialization) and attractive double degree options. The main focus of this project was to implement high quality short-time mobility to enable working students to go abroad and gain international and intercultural experience. This short-time mobility was integrated into the curriculum and is recognized in terms of ECTS at all four partner universities. High quality mobility is one of the core goals of the Bologna Process and provides substantial added value: it enhances competences, knowledge and skills; fosters internationalisation of higher education; and promotes employability through international experience of graduates. However, study programmes in quantitative finance face particular challenges when trying to internationalise. While many HEI run broad programmes in business administration, the number of focused programmes in finance and risk management is small. As a result, it is often difficult to find appropriate partner HEI for quality student exchange, which contrasts with a high demand for international mobility options among students.

Nähere Beschreibung

LV-THEMA UND INHALTE:

 

Um die oben geschilderten Ziele zu erreichen, wurde ein detaillierter Arbeitsplan implementiert.

An jeder der beteiligten Hochschulen wurde das 4. Semester reformiert, um eine harmonisierte Struktur an allen Hochschulen herzustellen. Das 4. Semester wurde hinsichtlich Lehrveranstaltungen und ECTS-Leistungspunkten formal gleich, aber mit unterschiedlicher inhaltlicher Spezialisierung ausgestaltet:

• An jeder Hochschule wurde ein Kurs „Advanced Topics“ mit unterschiedlicher Spezialisierung eingerichtet (6 ECTS)

• Weiters wurde die Masterarbeit harmonisiert (18 ECTS)

• Zusätzlich wurde je nach lokalen Standards und studienrechtlichen Vorgaben eine Abschlussprüfung und/oder zusätzliche Kurse in insgesamt gleichem Ausmaß eingerichtet (6 ECTS)

 

Basierend auf dieser harmonisierten Struktur wurden zwei Mobilitätspfade entwickelt:

• Basispfad: Dieser besteht aus der kurzfristigen Mobilität und enthält den Kurs „Advanced Topics“ an einer der Hochschulen.

• Erweiterter Pfad: Dieser besteht aus einem vollem Auslandssemester (30 ECTS) und führt zu einem Double Degree Abschluss.

 

Der Basispfad steht allen Studierenden offen und ist im Falle von UAS verpflichtend, während der erweiterte Pfad auf 2 Studierende pro Semester und Hochschule eingeschränkt ist.

 

Bezüglich des Kurses „Advanced Topics“ entwickelte jede beteiligte Hochschule einen unterschiedlichen Spezialisierungspfad, der in engem Zusammenhang mit dem hochschulischen Profil steht und in Kooperation mit einem lokalen Vertreter der Finanzwirtschaft entwickelt wurde:

 

- Fachhochschule des BFI Wien: Advanced Topics in Asset Management

- Universität Bologna, Italien: Advanced Topics in Quantitative Methods in Finance

- Wirtschaftsuniversität Katowice, Polen: Advanced Topics in Insurance Management

- Alexandru Ioan Cuza Universität Ia?i, Rumänien: Advanced Topics in Bank Risk Management

 

Der nachstehende Link fasst die beiden Mobilitätspfade im 4. Semester nochmals zusammen, zeigt die harmonisierte ECTS-Struktur, verbindet die kooperierenden Universitäten und Unternehmen und benennt die jeweilige Spezialisierung.

www.quantitativefinance.eu/wp-content/uploads/2015/02/INQUANT_Mobility_Options.jp

 

LERNZIELE / ANGESTREBTE LERNERGEBNISSE / KOMPETENZEN:

 

Grundsätzlich verfolgen die Lehrveranstaltungen drei grobe Kategorien von Lernzielen:

Fachkompetenzen:

• wichtige Risikotypen, denen Finanzinstitutionen und Banken ausgesetzt sind, zu benennen und zu erläutern

• Risikosituationen und –szenarien in Verbindung mit risikobasierten Geschäftsproblemen sowie strategischer und taktischer Asset Allocation zu analysieren

• Assets in einem geeigneten Portfolio zu verbinden

• relevante regulatorische und ethische Prinzipien zu verstehen und zu befolgen sowie ihre Implikationen zu berücksichtigen

• die Bedeutung und Auswirkungen von steuerlichen Regelungen für private und institutionelle Investoren zu analysieren

 

Methodenkompetenzen:

• die Elemente eines Portfoliomanagment-Prozesses auszuführen (Analyse, Prognose, Auswahl und Performance/Attribution Analyse) für ein bestimmtes Portfolio

• mögliche Lösungsansätze für eine Case Study im Asset Management aufzubereiten

• Mit Case Studies risikobasierte Fragestellungen der Finanzwirtschaft zu analysieren und Lösungen für strategische und taktische Assetallokationen zu entwickeln

• Die Ergebnisse von Case Studies und deren praktische Relevanz kritisch zu beurteilen

• Case Ergebnisse in einem Team Report zusammen zu fassen, zu präsentieren und diese in einer klaren und effektiven Art und Weise zu verteidigen.

 

Sozial- und Selbstkompetenzen:

• verstehen wie kulturelle Diversität die Zusammenarbeit in international Teams beeinflusst

• in internationalen Teamumgebungen konstruktiv mitzuarbeiten

• die eigene Sicht unter Bedachtnahme auf kulturell unterschiedliche Muster des Denkens, Handelns und Fühlens zu reflektieren, in einer konstruktiven Art und Weise zu formulieren und zu verteidigen

• interkulturelle Kreativität zur vereinbarten Zielerreichung einzusetzen

• geeignete Kommunikationswerkzeuge für internationale Teams auszuwählen und anzuwenden

 

 

DIDAKTISCHE METHODE/VORGEHENSWEISE:

 

Der Kurs „Advanced Topics“ wird an jeder Partneruniversität als Kombination aus Vorlesungen, Pre-readings im Selbststudium zur Vorbereitung, Unterrichtsgesprächen und Diskussionen (persönlich sowie durch Einsatz von Moodle als E-learning Komponente), Gruppenarbeiten und einer ausführlichen Case Study über ein realistisches Geschäftsproblem mit einem Risiko/Assetmanagement Fokus implementiert.

 

Die Fälle für die Case Studies, die als Teamarbeit durchgeführt werden, werden von Industriepartnern zur Verfügung gestellt. Damit wird eine authentische Lernumgebung geschaffen, in der Studierende gefordert sind, akademisches Wissen und praktische Kompetenzen auf ein Real world-Umfeld im Risiko- und Assetmanagement anzuwenden und analytisches Denken, Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit zur kritischen Bewertung von Unternehmenspraktiken zu entwickeln.

 

Darüber hinaus wurde eine Vielzahl von Methoden verwendet, um interkulturelles Lernen zu stimulieren. Diese beinhalten (sind aber nicht darauf beschränkt) die Zusammenstellung von internationalen Teams unter Berücksichtigung von Diversitätsmerkmalen, ein ExpertInnentraining (2-3 Stunden) zu internationalem Teamwork, interkultureller Stimulation und Bewusstsein für fremde Kulturen. In Lerntagebüchern dokumentieren und reflektieren die Studierenden ihre interkulturellen Lernprozesse.

 

Neben fachlichem, internationalem und interkulturellem Lernen war das Netzwerken mit anderen Studierenden, Lehrenden und FachexpertInnen von verschiedenen europäischen Ländern ein weiterer Benefit.

Um die didaktische Herangehensweise für andere Lehrende zu dokumentieren wurde am Ende des Kurses vom Lehrveranstaltungsverantwortlichen ein Case Study Report erstellt.

Dieser enthält folgende drei Teile:

 

• Der Case für die Bearbeitung durch die Studierenden

• Eine „Teaching Note“, i.e. eine didaktische Anleitung für den/die Lehrende

• Kurze Zusammenfassung der Key-Ergebnisse der Case Study

 

ROLLE DER LEHRENDEN:

 

Die Rolle der Lehrenden stark von der Idee des „Facilitating“ geprägt. Am Beginn der Lehrveranstaltung Advanced Topics wurde eine interaktive Einführung in internationale Bewußtseinsbildung und interkulturelles Teamwork durchgeführt. Ziel war es, die Studierenden auf die unterschiedlichen Kulturen und der damit verbunden differenzierten Herangehensweisen der Studierenden vorzubereiten. Zur Vorbereitung auf die inhaltliche Thematik gab es verschiedene Lehrveranstaltungen von Lehrenden aus Wissenschaft und Praxis. Da alle Case Studies einen stark quantitativen Bezug hatten, wurden die Studierenden auch in der Verwendung der zur Verfügung gestellten Software geschult. Hauptaufgabe des Lehrveranstaltungsleiters war es, den Kontakt zu Industriepartnern herzustellen, mit diesem gemeinsam die Case study zu erarbeiten und den Studierenden zu präsentieren und allfällige Fragen dazu zu beantworten.

Positionierung des Lehrangebots

In jeder Partnerhochschule wurde im 4. Semester des jeweiligen Masterprogramms ein kurzfristiges, zweiwöchiges Mobilitätsfenster in Verbindung mit der Lehrveranstaltung Advanced Topcis (6 ECTS) geschaffen. Gemäß den curricularen Rahmen wiesen die jeweiligen Lehrveranstaltungen spezifische Schwerpunkte auf. Gleichzeitig wurde die Lehrveranstaltung in jeder Partnerhochschule nach einem einheitlichen 3-Phasen-Modell durchgeführt. Zusätzlich wurde, um für interessierte Studierende den Erwerb eines Double Degrees zu unterstützen, eine Semestermobilität im 3. und/oder 4. Semester ermöglicht.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 in der Kategorie Umsetzung hochschulischer Internationalisierungskonzepte in der Lehre nominiert.