“Climate Change Strategy Role Play” - Englischsprachiger Kurs in Kooperation mit anderen Business Schools aus der “Community of European Management Schools” (CEMS)

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Lehrveranstaltung „Climate Change Strategy Role Play“ führt die Studierenden in das Thema des anthropogenen Klimawandels ein. Dabei werden von den wissenschaftlichen Grundlagen ausgehend im weiteren Verlauf Policy-Entscheidungen betrachtet, sodass die Studierenden am Ende der Lehrveranstaltung in der Lage sind, in einem internationalen Rollenspiel, das die jährliche UN-Klimakonferenz („Conference of the Parties; COP) im Rahmen der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen simuliert, eine Rolle zu übernehmen. Der spezifische Inhalt des Kurses an der WU spiegelt Prof. Spashs über 30-jährige Erfahrung interdisziplinärer Forschung zum Klimawandel und Dr. Asaras Arbeit zu sozialer Bewegung und Entwicklung wider. Beide forschen und lehren im Bereich der Sozialwissenschaften und der Umwelt. Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Gesellschaft und zukünftige Entscheidungsträger/innen sollten mit dieser Herausforderung umgehen können. Um dieses Ziel zu erreichen, verknüpfen die Elemente des LV-Designs Theorie und Praxis. Außerdem wird über die gesamte LV-Dauer mit sieben anderen europäischen Universitäten zusammengearbeitet.

 

Aufgrund des interdisziplinären Zugangs zum Themenbereich Klimawandel, ist die Kooperation mit anderen Universitäten unumgänglich. Bereits in der Lehrveranstaltung, die an der WU stattfindet, werden Expert/inn/en anderer Hochschulen eingeladen. Speziell für das abschließende Rollenspiel hat die Kooperation mit den anderen Universitäten noch einmal besondere Relevanz, da die Studierenden in Verhandlungsprozesse mit Kolleg/inn/en treten, die einen anderen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund haben.

 

Insgesamt nehmen 120 Studierende von acht Universitäten, die alle Mitglieder der CEMS (Community of European Management Schools) sind, an der Lehrveranstaltung teil. Die Lehrveranstaltung wird an jeder der Universitäten innerhalb eines zuvor abgesteckten Rahmens angeboten und dient dazu, das abschließende Rollenspiel vorzubereiten und den Studierenden Gelegenheit zu geben, die dafür nötigen Kompetenzen zu erwerben. Die im Laufe der Lehrveranstaltung erworbenen Verhandlungsfähigkeiten werden in der Praxis bei einem 2,5 tägigen Rollenspiel erprobt und eingesetzt. Die Studierenden der unterschiedlichen Universitäten kooperieren aber bereits vor dem Event online und verhandeln auch auf diesem Weg.

 

Die Studierenden erwerben ein grundlegendes Verständnis der Klimaforschung sowie der damit verbundenen Policy-challenges. Sie müssen die Perspektiven unterschiedlicher Staaten sowie auch die der Nichtregierungsorganisationen verstehen, da sie eine dieser Rollen in dem abschließenden Rollenspiel übernehmen müssen. Die Studierenden arbeiten dabei sowohl innerhalb kleiner Gruppen zusammen als auch auch gruppenübergreifend. Sie werden zum Selbstlernen angeregt und sollen ihre eigenen Werte und Überzeugungen in einen größeren Kontext setzen können. Dies wird unterstützt indem den Studierenden Rollen zugewiesen werden, die ihre eigenen Werte/Einstellungen/Positionen herausfordern können.

 

Für die Studierenden ist dieser Kurs eine einmalige Gelegenheit, mit den Implikationen des Klimawandels für die Wirtschaft in Kontakt zu kommen, aber auch Ideen dafür zu generieren, wie sie dem Thema in ihrem zukünftigen Berufsleben begegnen möchten.

Kurzzusammenfassung (dt.)

In der LV wird auf innovative didaktische Methoden, Übungen und Beurteilungskriterien zurückgegriffen. Es werden zum Beispiel Filme/Dokumentationen eingesetzt, es gibt Gastvorträge von Praktiker/inne/n aus unterschiedlichen Sektoren (Wissenschaft, Wirtschaft, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen), die vielfältige Perspektiven auf den Klimawandel bieten. Den Abschluss bildet ein 2,5 tägiges internationales Rollenspiel. Die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden wird durch Diskussionen, Gruppenarbeiten, den internationalen Austausch und die Zusammenarbeit mit Studierenden der 7 Partneruniversitäten, die aus über 30 Staaten stammen, gefördert. Die LV besteht aus den folgenden vier Modulen:

Modul 1: wissenschaftliche Grundlagen, Einfluss, Unsicherheiten und volkswirtschaftliche Grundlagen sowie ein historischer Überblick über internationale Bestimmungen und Vereinbarungen zum Klimaschutz; Minderung der Treibhausgase, Anpassungen (inklusive finanzieller Unterstützung und Wissens- und Technologietransfer für Entwicklungsländer) und Marktmechanismen.

Modul 2: die Rolle unterschiedlicher Akteure in der Klimapolitik: Regierungen, NGOs und Wirtschaft. Vortragende aus allen Bereichen werden eingeladen.

Modul 3: Grundlagen der Verhandlung und die Anwendung auf den Bereich der Klimapolitik

Modul 4: Rollenspiel (UNFCCC) über 2,5 Tage mit ca. 120 CEMS Studierenden, die die Rollen von Delegierten der Regierungen, NGOs, der Industrie und Arbeitsgruppenleiter/innen übernehmen

Kurzzusammenfassung (engl.)

The course includes a range of innovative didactic tools, exercises and evaluation criteria, including use of films/documentaries, guest lectures by practitioners coming from different sectors (academia, business, government and NGOs) providing multiple perspectives on climate change, and the international role play. Student personal development is fostered through focused discussions, group work with fellow students and international engagement with students from more than thirty countries at seven other European universities. The course has a four module structure as follows:

 

Module 1: basic science, impacts, uncertainties and economics as well as history of international climate governance/regulation. Mitigation of GHGs, adaptation (including funding and technology transfer for developing countries), and market mechanisms.

 

Module 2: the role of different actors in climate policy, namely: government, NGOs and business. Invited speakers from each.

 

Module 3: basic principles of negotiation and application to climate governance.

 

Module 4: international UNFCCC climate negotiation role play over 2.5 days with approx. 120 CEMS students representing government delegates, NGOs, industry and Working Group chairs.

Nähere Beschreibung

Die LV führt die Studierenden in das Thema des anthropogenen Klimawandels ein und verfolgt dabei einen interdisziplinären Zugang, d.h. wissenschaftliche Grundlagen, volkswirtschaftliche und ethische Aspekte wie auch internationale Policies werden miteinbezogen.

 

Die Ziele der LV umfassen:

i. Die Institutionen und Verhandlungsprozesse im Rahmen der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) zu verstehen

ii. Die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Akteure, die im nationalen und internationalen Klimaschutz involviert sind verstehen können; nachvollziehen können, wie die Akteure in den internationalen Verhandlungen agieren

iii. Die Hintergründe der Positionen einzelner Staaten sowie die unterschiedlichen internationalen Bedenken zu Klimawandel, Treibhausgasen und Emissionen sowie Möglichkeiten der Anpassung kennen

iv. Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit durch die Interaktion mit Studierenden aus anderen Staaten sammeln. Die internationale Dimension der globalen Herausforderung „Klimawandel“ aus erster Hand erleben.

v. (Interkulturelle) Kommunikations- und Verhandlungsfähigkeit erwerben und bilaterale und multilaterale Dynamiken in Verhandlungen begreifen. Die Herausforderungen, die bei der Findung von Kompromissen bzw. gemeinsamer Lösungen auftreten verstehen und Verhandlungen zum Klimaschutz aus diesem Blickwinkel betrachten können.

 

Studierendenzentrierung und kooperatives Lernen:

Die Studierenden werden auf unterschiedliche Weise angeleitet, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Für das Rollenspiel werden ihnen unterschiedliche Rollen zugewiesen: Sie vertreten dort entweder ein bestimmtes Land, eine NGO oder nehmen die Rolle eines offiziellen Repräsentanten der UNFCCC ein. Sie müssen im Verlauf der Lehrveranstaltung ihre eigene Rolle vorab recherchieren und ausarbeiten. Dazu dienen Diskussionen mit anderen Studierenden, Gruppenarbeiten und Präsentationen mit Feedback durch die Lehrenden. Diese Vorbereitungen gipfeln dann in der Simulation der UN-Klimakonferenz, die Interaktionen mit Studierenden aus mehr als 30 Ländern erfordert. Kooperatives Lernen wird vor allem durch die Teamarbeit gefördert, die nicht nur im Rollenspiel umgesetzt wird, sondern auch in zwei der Assignments verlangt wird. Im Vorfeld des Rollenspiels arbeiten die Studierenden der WU online mit den Studierenden an den anderen Universitäten zusammen. Sie beginnen also bereits mit ihren Verhandlungen wenn sie noch am eigenen Campus sind.

 

Beurteilungskriterien:

a) aktive Mitarbeit (20 %)

b) Prüfung (individuell, 20 %)

c) Ausarbeitung und Präsentation des „Background Briefing Papers“ (Gruppenarbeit, 20 %)

d) Positionspapier (Gruppenarbeit, 20 %)

e) Reflexionsarbeit (individuell, 20 %)

 

Die Prüfung, die relativ früh im Semester stattfindet überprüft die Grundlagen der Klimaforschung, der UNFCCC und des policy design. Die Studierenden müssen im weiteren Verlauf ihre Rolle in Form eines Background Briefing Papers ausarbeiten, das dann in der Lehrveranstaltung präsentiert wird. Darin werden die wichtigsten Positionen zum Klimawandel der Organisation bzw. des Landes, das sie vertreten, dargestellt. Bereits bei der Ausarbeitung des Background Briefing Papers arbeiten die Studierenden in Gruppen zusammen.

Die Aushandlung der Positionen der einzelnen Staaten im Rahmen des Rollenspiels muss unabhängig von den persönlichen Einstellungen der Studierenden passieren. Eine erfolgreiche Verhandlung bedeutet also bisweilen auch Ziele zu verteidigen und zu erreichen, die die Studierenden normalerweise nicht vertreten würden. Kein/e Studierende/r bekommt die Rolle seines/ihres eigenen Herkunfts- oder Aufenthaltslandes zugewiesen. Der Rollenzuteilung kommt also eine besonders wichtige Rolle zu, da die Studierenden dadurch auch aus ihrer Komfortzone treten müssen.

 

Kooperation mit externen Expert/inn/en:

Expert/inn/en aus unterschiedlichen Feldern – Wissenschaft, Umweltorganisationen, Wirtschaft – werden eingeladen, um ihre Expertise zu teilen und mit den Studierenden zu arbeiten. Sie bringen ihre Erfahrung ein und geben außerdem Einblick in aktuelle Diskussionen und Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen. Durch die Kombination der drei unterschiedlichen Felder wird nicht nur die zwischenstaatliche Debatte zum Klimawandel abgedeckt, sondern auch die Art und Weise wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Interessen Policy Outcomes beeinflussen.

 

Aufbau des Kurses:

Der Kurs besteht aus 4 Modulen, die im Folgenden genauer beschrieben werden:

 

Modul 1 (16 Std.)

Eine umfassende Einführung in das Thema, die Klimaforschung und ihre Schnittstelle zu Policy, internationaler Governance und Richtlinien. Als Gastvortragende/r wird ein/e Klimaforscher/in eingeladen (entweder Prof. Kromb-Kolb oder Prof. Formayer, beide BOKU). Am Ende dieses Teils folgt eine schriftliche Prüfung, in der die Studierenden das erworbene Wissen anwenden müssen. Im Anschluss daran werden die Rollen verteilt. Jede/r Studierende ist Teil eines kleinen Teams. Studierende, die die Rolle von Repräsentanten von Staaten übernehmen, arbeiten entweder in Gruppen von kleinen Staaten, die ähnliche Anliegen haben, oder aber sie repräsentieren in einer Gruppe von drei Personen eines der größeren Staaten. Analog zu den richtigen UN-Klimakonferenzen, haben reichere/größere Nationen mehr Delegierte.

 

Modul 2 (10 Std.)

Drei verschiedene Typen von Akteuren werden bezüglich ihrer Rollen und ihrer Anliegen vorgestellt: 1) Regierung 2) NGOs und 3) Wirtschaft. Jede der drei Gruppen ist durch eine/n Gastvortragende/n vertreten.

Dr. Manfred Kohlbach, Delegierter der Österreichischen Regierung, Mitglied der Verhandlungsdelegation bei UN-Klimakonferenzen und verantwortlich für europäische „Response Measures“ im UNFCCC Prozess.

Iris Frey, Aktivistin der Umweltorganisation „Finance and Trade Watch“ und eine der Gründerinnen der österreichischen Gruppe „System change, not Climate Change“. Sie wirkt an nationalen und internationalen Kampagnen zur Reduktion von Treibhausgasen mit.

Stefano Bologna, Special Advisor des UNIDO Generaldirektors; davor UNIDO Vertreter in verschiedenen afrikanischen Ländern wo er nationale Programme zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz in der Industrie/Produktion initiiert hat. Er vertritt die Rolle des privaten Sektors in Bezug auf Entwicklung und nachhaltige Wirtschaftspraxis.

In diesem Modul werden Verbindungen zwischen Unternehmensstrategien und Public Policies untersucht. Koalitionen zwischen Staaten werden erklärt. Die Vorträge werden durch kurze Videos, exemplarische Fallstudien, Online Nachrichten und kurze Interviews zu den wichtigsten Themen bzw. aktuellen Ereignissen ergänzt. Diese Videos werden genutzt, um Diskussionen mit den Studierenden und kritisches Denken anzuregen. Gruppenarbeiten und Assignments werden durchgeführt.

Die Studierenden müssen am Ende des zweiten Moduls ein schriftliches „Background Briefing Paper“ zu der ihnen zugeteilten Rolle abgeben. Dieses Paper inkludiert die grundlegenden Fakten, neuere Entwicklungen, Interessen, Positionen und Bedenken. Zwei Personen bekommen die Rolle einer/eines Working group chairs, die die drei Verhandlungsthemen abdecken (Anpassungen, Minderung, Marktmechanismen) und müssen im Paper ihre Rolle in den UNFCCC Prozessen erklären. Sie müssen außerdem über die letzten Klimakonferenzen reflektieren. Die Studierenden bekommen Feedback zu ihren schriftlichen Ausarbeitungen und präsentieren diese dann in Modul 3.

 

Modul 3 (6 Std.)

Vorbereitung auf das Rollenspiel: Training der Verhandlungsfähigkeit, inkl. bilateraler und multilateraler Verhandlungsdynamik. Die Studierenden erwerben Kompetenzen, Kompromisse bzw. gemeinsame Interessen zwischen unterschiedlichen Akteuren zu finden und Lösungen zu erreichen. Am Ende von Modul 3 stellen die Studierenden die Background Briefing Papers ihren Kolleg/inn/en vor, nehmen dabei ihre Rolle als Delegierte der UN-Klimakonferenz ein und beantworten Fragen der anderen Delegierten. Die Gruppen müssen vor dem Rollenspiel ihr offizielles Positionspapier abgeben, das in der Folge allen Delegierten zur Verfügung gestellt wird. Außerdem geben alle Gruppen ein „Secret Position“ Dokument ab. Vor der endgültigen Abgabe bekommen die Studierenden Feedback auf ihre Dokumente und konkrete Hilfestellungen (z.B. Strategieberatung, ob ihre Positionen realistisch und gut durchdacht sind), um die Studierenden gut auf die Verhandlungen vorzubereiten.

Die Positionspapiere geben die Haltung der verkörperten Delegierten in Bezug auf die drei zu verhandelnden Hauptaspekte wieder: (i) Minderungsmaßnahmen, die zukünftige Verpflichtungen für Annex I- und Nicht-Annex I-Staaten zur Emissionsminderung beinhalten (ii) Handel, im Besonderen die Zukunft des Clean Development Mechanism; (iii) Maßnahmen zur Anpassung; dies beinhaltet die Finanzierung sowie den Technologietransfer für Entwicklungsländer

Die Arbeitsgruppenleiter/innen sammeln und systematisieren die Positionen der anderen Parteien und bereiten ein Draft Agreement für die UN-Klimakonferenz vor.

Die Vertreter/innen von Umweltorganisationen sowie Vertreter/innen aus der Wirtschaft bekommen zusätzliche Unterstützung bei der Ausarbeitung möglicher Aktionen und Strategien, die während der Plenar-Sessions und speziell während der beiden Side Events, die von Umweltorganisationen/Wirtschaftslobbys organisiert werden, stattfinden.

 

Modul 4 (2,5 Tage)

Rollenspiel UN-Klimakonferenz: Jedes Jahr findet das Rollenspiel an einer anderen Partneruniversität statt (2017: Università Bocconi, Mailand). Die Studierenden kommen am Nachmittag an und beginnen mit informellen Konsultationen und Koalitionsbildung, die auch während des Welcome-Dinners weitergehen.

Das Ziel der folgenden zwei Tage ist es, ein Agreement in jedem der drei Bereiche zu finden, die von den Arbeitsgruppen der Klimakonferenz abgedeckt werden. Jeder der Arbeitsgruppen stehen zwei Studierende als UNFCCC Vertreter/innen zur Seite. Erfolgreiche Entscheidungen in den Plenar-Sessions und den Arbeitsgruppenmeetings werden durch Übereinkunft erzielt. Jedes Land hat eine Stimme und Delegierte, die sich zu Wort melden möchten, müssen ihre Fahne heben und können erst sprechen, wenn die/der Vorsitzende sie dazu auffordert. Die Delegierten sprechen sich mit „the distinguished delegate from ____________“ an, wie es internationale Gesetze vorsehen.

Der erste Verhandlungstag startet mit einer Plenar-Session, in der jede/r Delegierte ein kurzes einminütiges Statement zu den Erwartungen/Wünschen abgibt, das auf dem offiziellen Positionspapier basiert. Danach teilen sich die Delegierten in die drei Arbeitsgruppen auf. Zwischen den Arbeitsgruppenmeetings bilden die Delegierten formelle oder informelle Koalitionen und treffen Vertreter/innen der Industrie und der NGOs.

Vertreter/innen der Umweltorganisationen oder der Industrie haben keine Stimmen, versuchen aber die Delegierten auf andere Art und Weise zu beeinflussen. Sie nutzen sowohl off-stage consultations und Gespräche mit den Vertreter/innen anderer Staaten als auch die Medien. Die Medien spielen eine wichtige Rolle in der Simulation und ihre Rolle wird ebenfalls von einem Team von 2-3 Studierenden übernommen. Das Medienteam interviewt die Delegierten und stellt Artikel online zur Verfügung. Die Delegierten können auch beschließen die Medien strategisch zu nutzen, z.B. wenn sie Informationen streuen möchten.

Die Umweltorganisationen (z.B. Greenpeace oder Attac) haben bisher immer bereits längere Zeit vor dem Rollenspiel Kampagnen entwickelt und diese mit den Delegierten der NGOs koordiniert. Eine dieser Aktionen war beispielsweise, sich mit einer Sauerstoffmaske ausgerüstet neben die Delegierten der Staaten zu stellen, die dem Klimawandle skeptisch gegenüberstehen, wenn sie kontroversielle Aussagen in der Plenarsession machten. Eine andere war das Verteilen von 1,5 °C Stickern, die selbst designt wurden und den Delegierten überreicht wurden, so dass diese ihre Unterstützung für dieses ambitionierte Ziel deutlich machen konnten und dadurch auch Druck auf die anderen Staaten ausüben konnten.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden in der Plenarsession am Ende jedes Tages vorgestellt. Jede Einigung, die in den Arbeitsgruppen erzielt wurde, muss in der abschließenden Plenarsession durch eine Abstimmung aller Delegierten bestätigt werden. Die Studierenden handeln viele wichtige Details aus und kommen zu innovativen wie auch zu kontroversiellen Lösungen.

Die abschließende Beurteilung des Rollenspiels erfolgt durch die Lehrenden aller teilnehmenden Universitäten, die sowohl die Kommunikation in den break-out sessions zur Koalitionsbildung wie auch die Arbeitsgruppen beobachten. Das Rollenspiel kann dadurch auch „live“ noch angepasst werden, falls das nötig ist, damit sichergestellt ist, dass die Lernerfahrung eine positive und effektive ist.

 

Für die WU Studierenden gibt es eine Woche später ein weiteres Debriefing, das eine tiefergeheende Reflexion und Feedback zur LV zulässt.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung ist eines von mehreren Wahlfächern, die im Masterprogramm „International Management“ angeboten werden. Jedes Jahr nehmen etwa 14-16 Studierende der insgesamt 80 Studierenden einer Kohorte an der Lehrveranstaltung teil. Zwei wichtige Gründe, die die Studierenden selbst für die Wahl des Kurses nennen, sind einerseits das Interesse am Thema „anthropogener Klimawandel“, welches zwar in den Medien präsent ist, über das sie im Detail aber wenig wissen und andererseits das Training der Verhandlungskompetenzen, das im Rahmen des Masterprogramms ausschließlich in diesem Kurs angeboten wird. Auch innerhalb des CEMS Programms hebt der Kurs sich in einigen Aspekten von den anderen Kursen ab: Die Umweltthematik, der Focus auf Verhandlungen, die Durchführung eines internationalen Rollenspiels und das Miteinbeziehen externer Expert/inn/en, die von anderen Universitäten bzw. aus anderen Bereichen kommen und die enge Kooperation mit anderen Universitäten sind dabei hervorzuheben.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 in der Kategorie Konzepte und Beispiele im Bereich kooperativer Lern- und Arbeitsformen über Hochschulen und Hochschulsektoren hinweg nominiert.