Ein Game Jam als Zusammenführung und gemeinsames Fokusevent der Lehrveranstaltungen Game Engineering, Game Studies, Practical Game Engineering und Practical Game Criticism

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die vier genannten Veranstaltungen sind die zwei Basisvorlesungen sowie die angehängten Übungen mit denen das Masterprogramm Game Studies and Engineering im ersten Semester startet. Teilnehmende Studierende kommen aus unterschiedlichen Bereichen der Geistes- und technischen Wissenschaften und so auch mit höchst diversen Vorwissensständen zu der Lehrveranstaltungen und dem Fokusevent und sollen gemeinsam einen Einstieg in die Themen Game Engineering und Game Studies finden. Dabei ist es auch wichtig, den Entwicklungsprozess von Videospielen in Gruppen kennen zu lernen und die Interdisziplinarität in der Entwicklung von Spielen und Computerspielen aus erster Hand zu erfahren.

 

Durch die Popularität des Themas ist die Gruppe der Studierenden nicht auf das Masterprogramm beschränkt. Viele Studierende belegen aufgrund von Eigeninteresse einen Teil der Veranstaltungen als Freifächer.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Die vier genannten Vorlesungen bilden den Einstieg in das neue Masterprogramm Game Studies and Engineering der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Besondere Herausforderung ist die Interdisziplinarität der Studierendenschaft, die je nach Bachelor-Studium Vorkenntnisse aus den Geistes- und Kulturwissenschaften oder den technischen Wissenschaften mit ins Studium bringen. Um diese Veranstaltungen (i) nicht isoliert und (ii) mit einem konkreten & greifbaren Ergebnis neben der Note und den angerechneten ECTS-AP abhalten zu können gibt es ein gemeinsames Fokusevent, einen sogenannten Game Jam. Bei einem Game Jam treffen sich Interessierte für ein Wochenende und haben 48 Stunden Zeit in Gruppen, die vor Ort dynamisch gebildet werden, ein Spiel zu einem Motto, das erst am Jam bekannt gegeben wird, zu entwickeln. Der Game Jam erlaubt den Studierenden Rollen in der Gruppe zu übernehmen und aktiv am Entwicklungsprozess teilzunehmen.

 

Damit können Studierende innerhalb kurzer Zeit Erfahrung mit Videospielentwicklung sammeln und einen spielbaren Prototypen am Ende des Semesters vorweisen, zudem sie mit den Fähigkeiten ihres jeweiligen akademischen Hintergrunds – sei Programmieren, ästhetische Gestaltung oder bedeutungsvolles Design – beigetragen haben. Der intensive Kontakt zwischen Studierenden, Lehrenden und interessierten Teilnehmer/innen am Game Jam in den interdisziplinären Gruppen hat eine nachhaltige positive Wirkung auf alle Beteiligten.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The four lectures constitute the entry into the new master program Game Studies and Engineering. A particular challenge is to cope with the interdisciplinarity of the students, who have diverse prior knowledge depending on their Bachelor's degree, such as engineering, humanities, and cultural studies. In order to make these events a success, and in particular (i) to not teach them in isolation and (ii) to let students walk away with a tangible result in addition to the grade and the credited ECTS, there is a common focus event, a so-called Game Jam. At a Game Jam, people interested in games meet for a weekend and have 48 hours of time in groups that are dynamically formed on site to develop a game on a theme that is announced at the beginning of the Jam. The Game Jam allows students to take on different roles in their respective group dynamic and actively participate in the game development process.

This enables students lacking extensive programming skills to (i) gain experience in game development within a short time and (ii) to have a playable prototype at the end of the semester. In contrast, participants with a focus on engineering can also develop innovative interactive programs and new game ideas through the interdisciplinarity of the teams. The close contact between students, teachers and interested participants in the Game Jam in the interdisciplinary groups has a lasting positive effect on all participants.

Nähere Beschreibung

Die Vorlesung Game Engineering und die zugehörige Übung Practical Game Engineering befassen sich mit den technischen Methoden und Prozessen bei der Entwicklung eines Videospiels, während die Vorlesung Game Studies und die zugehörige Übung Practical Game Criticism sich mit der Interpretation und kritischen Reflexion von Spielen beschäftigen. Die vier Vorlesungen Game Engineering, Game Studies, Practical Game Engineering & Practical Game Criticism bilden den Einstieg in das neue Masterprogramm Game Studies and Engineering und vermitteln das Basiswissen für das Masterprogramm. Ziel ist es den Studierenden einen Start in die Welt der Spiel- und Videospielentwicklung und der kritischen Betrachtung selbiger zu geben und Erlerntes durch praktische Übung zu verfestigen.

 

Besondere Herausforderung ist die Interdisziplinarität der Studierenden, die je nach Bachelor-Studium andere Vorkenntnisse mitbringen, wie zum Beispiel Literaturwissenschaften, technische Wissenschaften oder Geistes- und Kulturwissenschaften. Entsprechend ist es für manche der Studierenden schwer möglich, sich die technischen Kenntnisse der Spieleprogrammierung in einem Semester anzueignen, während andere zwar das technische Wissen mitbringen, aber auf keine Erfahrung im narrativen oder Designbereich zurückgreifen können. Um diese Veranstaltungen trotzdem mit einem konkreten & greifbaren Ergebnis neben der Note und den angerechneten ECTS-AP abhalten zu können gibt es ein gemeinsames Fokusevent, einen sogenannten Game Jam. Bei einem Game Jam treffen sich Interessierte für ein Wochenende und haben 48 Stunden Zeit in Gruppen, die vor Ort dynamisch gebildet werden, ein Spiel zu einem Thema, das erst am Jam bekannt gegeben wird, zu entwickeln. Der Game Jam erlaubt den Studierenden verschiedene Rollen in der Gruppe zu übernehmen und aktiv am Entwicklungsprozess teilzunehmen. Da der Game Jam öffentlich ist und von Interessierten außerhalb des Studium gleichermaßen besucht wird, wird die Bandbreite des Vorwissens und der Fähigkeiten zusätzlich erweitert und inkludiert auch Kunstschaffende, Musiker/innen, Wirtschaftstreibende und Schüler/innen.

 

Durch den Game Jam können Studierende, die keine ausreichenden Programmierkenntnisse haben, innerhalb kurzer Zeit Erfahrung mit Videospielentwicklung sammeln und einen spielbaren Prototypen am Ende des Game Jams vorweisen. Ergänzend dazu hat sich gezeigt, dass Teilnehmer/innen mit Fokus auf technische Umsetzung durch die Interdisziplinarität der Gruppen stärker „out of the box“ denken und handeln und somit innovativere interaktive Programme und neue kreative Spieleideen mitentwickeln. Je nach Möglichkeiten und Vorwissen schlüpfen Studierende in eine Rolle, die die Gruppe unterstützt und das Projekt insgesamt vorwärtsbringt. Beispiele dafür sind Produktionsmanagement, Organisation, Storytelling, Game Design, Playtesting, Visual und Audio Design, uvm.

 

Der Game Jam selbst wird als öffentliche Veranstaltung bei freiem Eintritt durchgeführt. Für Verpflegung, Snacks und Getränke sorgen Sponsoren, die Räume werden kostenfrei von der AAU Klagenfurt zur Verfügung gestellt. Die Aufbau- und Abbauarbeiten, Vorbereitung und Moderation werden durch Freiwillige unterstützt. Die Teilnehmer/innen müssen sich namentlich registrieren und können bei der Auftaktveranstaltung mit Fokusvorträgen, beim Game Jam und bei der Endpräsentation teilnehmen. Im Vorfeld des Jams finden auch Workshops zur Videospielentwicklung statt, in denen Frameworks zur Videospielentwicklung von Studierenden für Studierende auf freiwilliger Basis vorgestellt werden. Beim Game Jam selbst werden nur Beiträge akzeptiert, die unter freier Lizenz auf der zugehörigen Webseite auf dem Portal itch.io veröffentlicht werden und für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Jedes Spiel muss eine Neuentwicklung sein, es darf also keine Vorarbeit oder bestehendes Spiel für den Game Jam umgebaut werden. Beim Game Jam wird eine nicht-kompetitive und offene Atmosphäre unterstützt und gelebt, indem sich Menschen gegenseitig über die Gruppengrenzen hinweg helfen. Bei der Abschlussveranstaltung gibt es eine Abstimmung durch das Publikum und das eindrucksvollste Spiel wird gewählt, allerdings geht es dabei nur um die Anerkennung, materielle Preise sind nicht ausgeschrieben.

 

Die Studierenden sind zur Teilnahme am Game Jam aufgefordert und die Übungsleiter von Practical Game Engineering und Practical Game Criticism suchen aktiv den Kontakt mit den Studierenden, um sie bei der Gruppenbildung und gemeinsamen Arbeit zu unterstützen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden schon vor Ort reflektiert und diskutiert. Für die Anrechnung der Übungen müssen noch zwei schriftliche Arbeiten zur Reflexion der Gruppenarbeit (Game Engineering) und zur Reflexion des eigenen sowie ausgewählter anderer Spiele abgegeben werden. Die Vorlesungsleiter von Game Engineering und Game Studies nehmen ebenfalls am Game Jam teil und bringen aktiv noch einmal im Gespräch mit den Studierenden die Vorlesungsinhalte in den Kontext der praktischen Arbeit.

 

Am Game Jam im Wintersemester 2017/2018 nahmen 70 Personen teil, wobei 30 davon gleichzeitig bei den oben genannten Lehrveranstaltungen angemeldet waren. Zum Auftakt gab es Vorträge von Gabriel Napetschnig, einem ehemaligen Studenten der AAU Klagenfurt, der jetzt bei Daedalic Entertainment in der Spieleindustrie arbeitet, sowie von Sven Graziani von der Firma Anexia über die Geschichte der Videospielentwicklung. Es wurden von Fr., dem 15.12., bis So., dem 17.12., 13 Spiele entwickelt und bei der Abschlussveranstaltung vorgestellt. Alle eingereichten Spiele finden sich unter itch.io/jam/1st-aau-winter-game-jam.

 

Der intensive Kontakt zwischen Studierenden, Lehrenden und interessierten Teilnehmer/innen am Game Jam in den interdisziplinären Gruppen hat eine nachhaltige positive Wirkung auf alle Beteiligten. Nach einem Wochenende gemeinsamer Arbeit werden Kommunikationshemmnisse abgebaut und das gegenseitige Vertrauen wird gestärkt. Die Lehrenden konnten die Studierenden direkt bei der Umsetzung der von ihnen vermittelten Lerninhalte beobachten und daher auch besser individuell einschätzen und benoten. Die Studierenden können nach dem Game Jam ein eigenes Computerspiel vorweisen und starten damit nicht nur theoretisch in das Masterprogramm, sondern konnten die klassischen Probleme in der Computerspielentwicklung am selbst und individuell erleben und erfahren. Das bildet auch die Basis für die effizientere Vermittlung von Lerninhalten in diesem Bereich. Zusätzlich kam die lokale Softwareindustrie in Kontakt mit potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und unterstützte den Game Jam durch aktive Teilnahme an Auftakt- und Abschlussveranstaltung und das Sponsoring.

 

Die Form des Game Jam erzeugt erheblichen Mehraufwand im Vergleich zu den klassischen frontalen Lehrmethoden. Neben dem offensichtlichen Zeitaufwand für das Game Jam Wochenende wird viel Zeit in die Vorbereitung investiert. Um das Vorhaben budgetär zu bedecken müssen ca. 6000 EUR an Sponsoring eingeworben werden, was zu erheblichem Kommunikations- und Organisationsaufwand führt. Der Mehraufwand selbst wird jedoch durch die positive Wirkung auf Studierende und Teilnehmer/innen honoriert. Das Feedback zur Veranstaltung ist durchwegs positiv, und viele Teilnehmer/innen haben sich die nächsten Game Jam Termine im Kalender notiert. Es ist vergleichsweise leicht Sponsoren zu finden, unter anderem weil die Softwareindustrie solche Veranstaltungen sehr schätzt um Kontakte mit potentiellen Mitarbeiter/inne/n aufzubauen und ihr Image zu pflegen. Zusätzlich bieten viele Teilnehmer/innen ihre Hilfe für die nächsten Game Jams als Freiwillige an.

 

Der Game Jam im Wintersemester 2017/2018 war bereits der siebte, der in Klagenfurt organisiert wurde. Er war aber auch der erste, der sowohl Teil einer Lehrveranstaltungsserie als auch öffentliches Event war. Der Erfolg, der durch 70 Teilnehmer/innen und 13 eingereichte Spiele leicht quantifizierbar ist, und die positiven Rückmeldungen unterstützen die Entscheidungen die vier Lehrveranstaltungen auch nächstes Studienjahr und in Folge wieder mit einem Game Jam zu verknüpfen.

Positionierung des Lehrangebots

Die genannten vier Veranstaltungen sind zwei Basisvorlesungen sowie die zwei angehängten Übungen mit denen das Masterprogramme Game Studies and Engineering im ersten Semester startet. Alle vier Veranstaltungen sind Teil der Pflichtfächer für Game Studies and Engineering, werden aber von Studierenden anderer Studien auch als Freifächer belegt.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.