Qualitätsgesichertes „Recognition of Prior Learning“ im Bachelorstudiengang Smart Engineering of Production Technologies and Processes an der FH St. Pölten durch ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) Partnerschaften

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Hochschule nimmt im Projekt aktiv ihre Aufgabe wahr, StudienanfängerInnen auf ihrem jeweiligen Wissensstand abzuholen. Die Anerkennung von Wissen, Kenntnissen, Kompetenzen, das „Recognition of Prior Learning“ und damit einhergehend die Ermöglichung individueller Lernpfade ist damit gelebte Praxis.

Kurzzusammenfassung (dt.)

In der Entwicklung des Studienprogrammes Smart Engineering setzte die FHStP auf die Vorgaben und Empfehlungen des Europäischen Hochschulraumes. Es wurden folgende Punkte aufgegriffen, die im Verlauf der Curriculumsentwicklung zum sog. Memorandum of Understanding (MoU) im Rahmen von ECVET führten:

 

- “Programmes are designed by involving students and other stakeholders”

- “Are designed so that they enable smooth student progression”

- “Fair recognition of higher education qualifications, periods of study and prior learning”

 

Das Programm wurde u.a. in Kooperation mit HTLs entwickelt und es wurden wesentliche Aspekte formal und non-formal erworbener Kompetenzen berücksichtigt.

 

Während der Curriculumsentwicklung wurde zunächst der Wissensstand bzw. d. Vorwissen der Studierenden erhoben, um davon ausgehend, die Lernergebnisse zu beschreiben u. mit jenen der HTL-AbsolventInnen abzugleichen.

 

In einem iterativen Prozess wurden im Sinne der Kompetenzorientierung anrechenbare, bereits erworbene Kompetenzen schriftlich festgehalten. Danach wurde das empfohlene ECVET-MoU mit dem Ziel der Förderung der Durchlässigkeit des nationalen Systems ausgearbeitet.

 

Das ECVET MoU sieht einen Qualitätssicherungsprozess vor, der durch eine intensive Abstimmung der Stakeholder dazu beiträgt das Curriculum u. die möglichen anrechenbaren Inhalte aktuell zu halten. Im Studienplan können auf diese Weise unnötige Redundanzen vermieden werden u. individualisierte Bildungsbiografien werden ermöglicht.

Kurzzusammenfassung (engl.)

During the development of the study program Smart Engineering of Production Technologies and Processes, the UAS St. Pölten relied on guidelines and recommendations of the European Higher Education Area. The following addressed points, led to the so-called Memorandum of Understanding (MoU) within the framework of ECVET in the course of curriculum development:

- “Programs are designed by involving students and other stakeholders in the work”

- “Are designed so that they enable smooth student progression”

- “Fair recognition of higher education qualifications, periods of study and prior learning”

The developed program is a cooperation with the HTL St. Pölten. Essential aspects of formal and non-formal acquired competences were considered. During the development of the curriculum the level of knowledge or previous knowledge of the students was surveyed in order to describe learning outcomes in comparison of HTL graduates.

In an iterative discussion process, in the sense of competence orientation, the crediting competences acquired were recorded in writing. In order to formalize this cooperation, the ECVET- MoU was prepared with the aim of promoting the permeability of the national system.The ECVET MoU guarantees a quality assurance process for keeping the curriculum and the creditable competences up to date through intensive stakeholder consultation. ECVET enables individualized learning paths and recognition of prior learning for students in a most efficient and transparent way.

Nähere Beschreibung

Die Konzeption und Akkreditierung des dualen Bachelorstudienganges Smart Engineering

of Production Technologies and Processes wurde 2013/14 durchgeführt, der Studiengang startete mit der ersten Kohorte im Wintersemester 2014. Eine der wesentlichen Grundgedanken für die Schaffung eines solchen Studiengangs war, die immer weiter voranschreitende Digitalisierung bzw. der Vermittlungsbedarf der Kompetenzen und des Qualifikationsprofils, die für die Umsetzung der unter dem Schlagwort Industrie 4.0 diskutierten Visionen erforderlich sind. Das Qualifikationsprofil des dualen Bachelorstudiengangs Smart Engineering of Production Technologies and Processes zielt daher auf eine Integration ingenieurwissenschaftlicher, technischer Fachgebiete ab.

 

Für die Ausarbeitung des Studiengangs wurde eine Bedarfs- und Akzeptanzanalyse in Auftrag gegeben, die für den Studiengang folgende Zielgruppen identifizieren konnte:

Die Zielgruppe umfasst Personen, die sich für die Konzeption, Evaluierung und Entwicklung von neuen Technologien im Maschinenbau- und Produktionssektor interessieren. Die AbsolventInnen werden auf Basis einer interdisziplinär technischen Ausbildung aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik/Elektronik und Informatik, Tätigkeiten im Produktionsmanagement, im Umfeld der Produktionstechnologien, im Prozess- und Projektmanagement sowie im Innovationsmanagement übernehmen.

 

Bei dem berufsbegleitenden dualen Bachelorstudiengang Smart Engineering of Production Technologies and Processes handelt es sich um eine Ausbildung, die sowohl auf allgemeine als auch facheinschlägige Bildungsabschlüsse und berufliche Praxis aufgebaut wird. Das BewerberInnenpotenzial setzt sich demnach aus folgenden Personengruppen zusammen:

 

- Personen des Einzugsgebietes mit zumindest Matura als formalem Bildungsabschluss. Eine Kernzielgruppe sind hierbei AbsolventInnen einer Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) wie z.B. eine Höhere Technische Lehranstalt.

- Die Zahl der bestandenen Reife- und Diplomprüfungen ist in Niederösterreich von 2007 bis 2012 insgesamt um 7% gestiegen, bei technischen und gewerblichen höheren Schulen betrug der Zuwachs im Fünfjahresvergleich 10%.

- Personen mit technischen Lehrabschlüssen oder dem Abschluss einer technischen Berufsbildenden Mittleren Schule – mit relevanter einschlägiger beruflicher Qualifikation (Zusatzprüfungen in einzelnen Fächern).

- Studienberechtigungsprüfung ergänzt um einschlägige Schwerpunkte.

 

Für die Entwicklung des Studiengangs wurde ein Entwicklungsteam mit Personen mit wissenschaftlicher Qualifikation, Stakeholdern aus dem Berufsfeld und abgeleitet aus den identifizierten Zielgruppen auch mit DirektorInnen bzw. Abteilungsvorständen von Höheren Technischen Lehranstalten eingesetzt.

 

Die Konzeption des Studienganges wurde auch unter Beachtung der Grundprinzipien des Bologna-Prozesses vorgenommen, steht doch in dessen Zentrum der Mensch im Mittelpunkt, so war dies auch in der Entwicklung des Studiengangs ein zentraler Aspekt. Veraltete, starre Strukturen geschaffen für gesellschaftliche und arbeitsmarkttechnische Situationen, die längst der Vergangenheit angehören, sollten im Zuge der Umsetzung der Ideen des Bologna-Prozesses überarbeitet und aktualisiert werden. So erhielt im Studiengangskonzept die Studierendenzentriertheit im Curriculum und im didaktischen Konzept einen besonderen Stellenwert. Studierendenzentriertheit wird an der FHSTP nicht nur in den didaktischen Konzepten großgeschrieben, also konkret in der Lehre berücksichtigt, auch die Ermöglichung individueller Lernpfade unter Berücksichtigung der Lebensläufe der Studierenden bzw. StudienbewerberInnen spielt dabei eine wesentliche Rolle.

So wurden im Entwicklungsteam im Rahmen der Ausarbeitung des Qualifikationsprofils und des Curriculums im Sinne der Kompetenzorientierung auch folgende Faktoren berücksichtigt:

 

- Lehrpläne HTLs (aber auch AHS, HAK)

- formelle Kompetenzen der AbsolventInnen der HTLs

- informell, non-formal erworbene Kompetenzen der AbsolventInnen der HTLs.

 

Während der Curriculumsentwicklung wurde also zunächst der Wissensstand bzw. das Vorwissen der Studierenden erhoben, um davon ausgehend, die Lernergebnisse zu beschreiben und mit jenen der HTL-AbsolventInnen abzugleichen.

 

Dass bei HTL-AbsolventInnen bestimmte Kompetenzen für das Studium anrechenbar waren, stand bald außer Zweifel, welche diese waren, wurde in einem Diskussionsprozess erhoben und festgehalten. Daraus entstand die Idee für die Anerkennung dieser formal erworbenen Kompetenzen auch einen formalen Prozess zu schaffen. Einen dafür geeigneten Rahmen bietet ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training), zu dessen Grundprinzipien zählt, Transfer von Gelerntem zu erleichtern und die Anerkennung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen, die Lernende in einem Bereich der beruflichen Bildung erworben haben, auch in einem anderen Bildungskontext voranzutreiben. In diesem Sinne wurde für die Formalisierung der geplanten Anerkennungskooperation zwischen FHSTP und HTL St. Pölten ein Memorandum of Understanding wie von ECVET empfohlen mit dem Ziel der Förderung der Durchlässigkeit des nationalen Systems ausgearbeitet.

 

Im Zentrum der Anerkennungskooperation zwischen der FH St. Pölten und der HTL St. Pölten stehen die Studierenden bzw. InteressentInnen und BewerberInnen, die Anwendung von ECVET gewährleistet die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Bildungssektoren.

 

Auf Grund der Bologna-gerechten Modularisierung des Studienganges Smart Engineering besteht die Möglichkeit der Studienzeitverkürzung durch Anerkennung von Leistungen aus Schul- und Berufsausbildung bzw. Studium. Jene Studierende, mit einem Matura-Abschluss der höheren technischen Lehranstalt St. Pölten, können im Rahmen des ersten Studienjahres und unter folgenden Voraussetzungen ihre Kenntnisse anerkennen lassen:

 

- Die Anerkennung von Kenntnissen erfolgt stets lehrveranstaltungsbezogen und unter Berücksichtigung der jeweiligen Lernergebnisse; sie wird von der Studiengangsleitung vorgenommen.

 

- Ergibt die Summe der modularen Anerkennungen von Lehrveranstaltungen die Anerkennung aller Lehrveranstaltungen eines Semesters oder Studienjahrs, so ermöglicht dies den Eintritt in das nächste Semester oder Studienjahr.

 

Fehlen für eine solche Anerkennung nur die Nachweise entsprechender Kenntnisse für wenige Fächer, so kann der Eintritt in das nächste Semester oder Studienjahr unter der Bedingung der Absolvierung der erforderlichen Prüfungen im Studiengang bis zum Beginn des darauffolgenden Semesters auf Antrag der Bewerberin/des Bewerbers durch Entscheidung der Studiengangsleitung ermöglicht werden.

 

Der Mehrwert liegt aus Perspektive der Studierenden aber auch der Institutionen klar auf der Hand:

 

• Die kooperierende Schule kann interessierte SchülerInnen bei der Studienwahl optimal beraten.

• Durch die transparente Darstellung des gut abgestimmten Anerkennungsverfahrens seitens der Fachhochschule können BewerberInnen und Studierende ihre Möglichkeiten im Studium besonders gut einschätzen.

• Die Hochschule nimmt dabei aktiv ihre Aufgabe wahr, Studierende bei ihrem jeweiligen Wissensstand abzuholen. Die Anerkennung von Wissen, Kenntnissen, Kompetenzen, das Recognition of Prior Learning ist damit gelebte Praxis.

• Heterogene Studierendenkohorten – zusammengesetzt aus nichttechnischen Oberstufen wie AHS und HAK, aus technischen Oberstufen wie HTL und aus Studierenden die eine Lehre mit Matura oder Studienberechtigungsprüfung absolviert haben – können durch die qualitätsgesicherte Anrechnung tatsächlich vorhandener Kompetenzen innerhalb des ersten Studienjahres und der damit einhergehenden Individualisierung von Lernpfaden auf denselben Wissenstand gebracht werden.

 

Ein nicht zu verachtendes Signal, das diese Kooperation auch aussendet ist, dass die Anerkennung im wortwörtlichen Sinne wahrgenommen wird, Studierende wissen, dass ihre Vorbildung wertgeschätzt wird. Wertschätzung, gegenseitiges Vertrauten, sind nur zwei der Punkte, von der die Anerkennungskooperation lebt, diese Faktoren wiederum fördern die Bindung an die Hochschule, dies ganz im Sinne des Bologna-Prozesses und des darin formulierten Konzepts zum lebensbegleitenden Lernen.

 

Die Anerkennungskooperation zwischen FHSTP und HTL St. Pölten wird auch mittels folgender Instrumente qualitätsgesichert:

 

- Kriterien für eine Anerkennungskooperation im Sinne von ECVET

 

• Bereitschaft der Partner-HTL zur Mitarbeit im vom Erhalter eingesetzten Entwicklungsteam,

• Mitarbeit an der Weiterentwicklung des Studienganges,

• Abgleich der Lernergebnisse in beiden Institutionen und laufende Aktualisierung bei Änderungen und Informationsabgleich bei schulautonomen Schwerpunkten,

• laufende Zusammenarbeit in Bereichen der Lehre (z.B. Brückenkurse für Grundlagenfächer, Ressourcen im Bereich Personal, Lehrmittel oder Infrastruktur, gemeinsame Projekte, etc.),

• Bereitschaft zur regelmäßigen Evaluation der Kooperation, der tatsächlich erzielten Lernergebnisse sowie basierend auf der langjährigen Erfahrung mit AbsolventInnen,

• transparente Darstellung des Anrechnungsverfahrens nach den Kriterien des ECVET,

• Bereitschaft zur Zusammenarbeit hinsichtlich der von der Anerkennungskooperation umfassten Ausbildungsangebote und

• Qualitätssicherung durch Einbindung des Studienganges in das Qualitätsmanagementsystem der Fachhochschule

 

Die so ausgestaltete Partnerschaft im Rahmen der ECVET-Initiative der europäischen Kommission zwischen der HTL St. Pölten und der FH St. Pölten mit dem Ziel den Einstieg ins Studium zu erleichtern, vorhandene Kompetenzen im Sinn des Bologna Prozesses zu berücksichtigen und individualisierte Lernpfade zu ermöglichen, wurde unter anderem als ECVET-Erfolgsgeschichte vom Bildungsministerium für Bildung und der Nationalagentur Erasmus+ Bildung im Rahmen der 3. nationalen ECVET Konferenz im November 2017 ausgezeichnet.

Positionierung des Lehrangebots

Erstes Studienjahr im dualen Bachelorstudiengang Smart Engineering of Production Technologies and Processes an der FH St. Pölten

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.