Konzepterstellung ILV 2 SWS (Vorlesungs - Übungsteil )

Umgesetztes Projekt

Ziele

Es wird in temporären Medien konstant geklagt, dass der Nachwuchs zu wenig Medienkompetenz im Kontext einer durchdigitalisierten Gesellschaft hat, welche an Schulen zu wenig gelehrt wird. Genau dies aber passiert fokusiert im angeführten "Konzepterstellungskurs" des Studienganges MultiMediaArt der Fachhochschule Salzburg.

Die Generation Y und Z der StudentInnen bewegen sich in einer digitalen, mediendominierten Zeit, in der sich ihr Umfeld ständig ändert, weiterentwickelt und alte Normen manchmal über Nacht verschwinden, sich verändern oder ins Gegenteil verwandeln. Diese Geschwindigkeit, in der sich das politische, kulturelle und soziale Umfeld der Menschen verändert, wirkt selbst für "Digital Natives" überfordernd. In einer digitalen Zeit, wo Influencer, YouTuber, gewitzte Social Media Manager sowie "Fake News" und "gefühlte Realitäten" das mediale Leben der jungen und alten Menschen gleichzeitig bestimmen, ist es existenziell, dass an den Schulen und Hochschulen aktive(!) Medienkompetenz gelehrt wird, damit nicht digitale Demagogen und geschickt plaziertes Marketing gefühlte Wahrheit produzieren, die von wenigen gesteuert wird und die viele Menschen gegen ihr besseres Wissen beeinflusst. Das Ziel des Konzepterstellungsunterrichtes ist es, junge StudentInnen kreativ dazu zu bringen, ihre Umwelt in unserer digitalen Umgebung kritisch zu reflektieren, analysieren, Probleme zu extrahieren und kommunikative Lösungen im Team zu erarbeiten, die unter Inanspruchnahme digitaler (Online/Apps/VR oder analog - digitaler Mischplattformen) Infrastruktur (Internet, Tablets, Mobile Phones, Public Screens etc.) an eine Zielgruppe so heranzutragen, dass die Angesprochenen verstehen, was gemeint ist und selbst zum Reflektieren, Umdenken und Handeln motiviert werden. Der Konzepterstellungskurs ist die Brücke zwischen Theorie, Philosophie, politischem Bewusstsein, Kreativität, sozialer Verantwortung und deren praktischer, innovativer Umsetzung im digitalen, medialen Kontext. Der Unterricht greift auf das Grundwissen der StudentInnen zurück, verbindet dies mit Einblicken in Philosophie, Kunstgeschichte und soziologischer Ansätze und verbindet dies mit künstlerischen, wie werblichen Kreativitätstechniken, die von Storytelling über diverse Aspekte des Design Thinking gehen. Somit versteht sich der Kurs als Bildung (nicht Ausbildung) und deren praktischer Umsetzung, um Problemstellungen zu erkennen, Hintergründe zu verstehen und dem aktiv etwas entgegenzusetzen sowie etwas zu bewegen bzw. verändern. Die Problemlösungen werden in diesem Kurs in speziell zusammengestellten Teams erarbeitet, was mit speziellen Methoden langsam aufgebaut wird. Zum Beispiel wird das klassische Brainstorming ausser Kraft gesetzt und zuerst auf die individuelle Ideenfindung gebaut, die später dann Baustein des Teamframeworks ist, welches durch ein dreistufiges System aufgebaut wird. Mit dem Resultatoptimierungssystem wird den StudentInnen zudem nahe gebracht, die erstbeste Lösung nicht sofort als das Ultimum zu sehen sondern das Problem und dessen Lösungsweg mehrmals aus neuen Perspektiven anzugehen um der optimalsten Lösung näher zu kommen.

Zu Zeiten wo medial gegen "Eliten" gehetzt wird und Wahrheiten sich über Gefühle definieren ist es extrem wichtig, dass Medienkompetenz in Kursen wie diesem aktiv gelehrt und vermittelt wird, sowie dieses Wissen in Umsetzung auch eine Anwedung findet. Zudem macht der Kurs deutlich, wie wichtig Teamwork, interdisziplinäres Denken, Wissen und Kreativität ist im Ideenfindungsprozess, der sich bei den Teamworks als harte Arbeit herausstellt, die gewissenhaft betrieben werden muss und sich nicht rein auf Inspiration beschränkt, sondern intensive, geistige Arbeit ist. Dies erstaunt viele StudentInnen anfangs und gibt Ihnen einen Einblick in die Möglichkeiten und den Einfluss, die ihre Kreativität in der digitalen Medienwelt haben kann und auch haben muss. Dies ist die existenzielle Erkenntnis des Kurses: Wissen ist unabdingbar, Kreativität kann dieses Wissen einsetzen um medial Einfluss zu nehmen und Dinge zu verändern. Dies ist harte Arbeit und wichtig. MIt Medienkompetenz kommt Verantwortung, die wahrgenomen werden muss ansonsten werden die Möglichkeiten von den falschen Leuten eingesetzt.

Die Ergebnisse der Kurse lassen sich in den eigefügten Links (Konzeptionspublikationen) einsehen.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Das alte, didaktische System vom Lernen und dessen Reproduktion um Probleme anzugehen, deren Lösung in Handbüchern und Gebrauchsanweisungen „geregelt“ sind, ist vorbei, wenn die StudentInnen das schulische Umfeld verlassen und in eine digitale Welt kommen, deren Regeln, Handbücher und Gebauchsanweisungen ständig neu geschrieben werden - oft von den Problemen, deren Lösung sie liefern sollen. „Querdenken“, „Out of the Box“ agieren oder einfach „kreativ sein“ werden dann mehr als Buzzwords, mit denen sich viele Institutionen schmücken. Den schmerzhaften Prozess, diese „Busszwords“ als reale Werkzeuge einzusetzen gehen wenige. Aber nur mit diesen Werkzeugen ist es möglich, die sich ständig ändernde Problemlagen der global, digital vernetzten Welt unter Kontrolle zu bekommen. In Teams reflektieren die StudentInnen ihre Umwelt kritisch, entwickeln eine Aussage zu einem gegebenen Thema und entwickeln eine Kommunikationsstrategie, diese Aussage zu transportieren. Alle medialen Plattformen kommen zum Einsatz. Die StudentInnen bekommen ein Thema wie Demokratie, Antisemitismus, Kunst und Krieg, oder Social Media Blase und müssen im Team einen Standpunkt zum Thema generieren. Diesen Standpunkt müssen sie in einem Statement manifestieren und daraus Kommunikationsstrategien entwickeln um ihre Aussage an die gewünschte Zielgruppe heranzutragen. Dies beinhaltet digitale, wie analoge Plattformen und Strategien. Am Ende des Kurses steht eine realistische Konzeptpräsenentation coram publico.

Kurzzusammenfassung (engl.)

Conception is essential to MultiMediaArt and MultiMediaTechnology. The whole degree programs start from there. Students from different directions and areas come here and try to unfold their creative potential. Technical skills are important but will not produce anything of meaning as long as there is no creative spark or a great idea that demands those technical skills, creating something of relevance. The typical student comes from a school system which teaches him/her to learn rules by heart, use them correctly to achieve very good results. They start the “concept development” course and everything changes. They are being told that the most important rule is, there are no rules. This leaves them helpless at first because it contradicts everything they learned so far. The next bad news is, there is nothing they can rely upon except their own creativity. This means they have to take responsibility for every solution they come up with for any given problem. They have to find a message on a given topic, something they wanted to communicate to the world. Then the message had to be communicated through a creative strategy, depending on the target group one wants to reach. Platforms vary from the classic film, ads to social media campaigns, games, installations, augmented reality, cross-media campaigns, performances or guerilla action. The students have to understand that it is important raising their voices and being heard.

Nähere Beschreibung

Viele StudentInnen kommen zu uns aus einem gymnasialen Kontext, in dem sich die Didaktik darauf beschränkt, Gelerntes möglichst gut zu reproduzieren und sogut wie nie in anderem Zusammenhang, transdiszipliän auf Probeme anzuwenden, die nicht den gelernten Vorgaben entsprechen.

Sie kommen in der Annahme, „kreativ“ gearbeitet zu haben und Medienkompetenz zu besitzen, was sich aber im Lauf des Kurses als Trugschluss herausstellt.

Im Konzeperstellungskurs bei MutiMediaArt (mit StudentInnen des Studienganges MultiMediaTechnology ) stehen sie vor der schwierigen Aufgabe, in Teams unter Zeitdruck ihre Umwelt kritisch reflektieren und hinterfragenzu müssen, um daraus eine eine bestimmte Thematik zu extrahieren, zu der sie einen Standpunkt entwickeln müssen.

Diesen Standpunkt müssen sie dann unter Zuhilfenahme ihres bisherigen Wissens (Allgemeinwissen aus Kunst, Kultur und Politik ) an ein Zielpublikum kommunizeren, so dass dieses Publikum den Standpunkt und dessen Aussage versteht und diese evaluieren kann. Die StudentInnen haben anfangs Schweirigkeiten, sich in diesem neuen Umfeld in Teams zurechtzufinden, werden aber vom Lektor spezifisch zum Teamwork geführt und lernen dann die Schwierigkeit kennen, Hintergründe zu erforschen, Stellung zu beziehen und im Team herauszufinden, wie Menschen im global vernetzten, digitalen Dorf anzusprechen sind. Dies dann in kreativen Konzepten umzusetzen, die sich aus dem Input verschiedener Wissenshintergründe und Nationalitäten, wie Mentalitäten des Team entstehen ist eine weitere, neue Erfahrung für die StudentInnen. Sie lernen, dass ihre Kreativität und ihr Einfluss im medialen Kontext wichtig ist und auch funktionieren muss. Dazu müssen sie alles, was sie bis dato gelernt haben und wissen im Team in einen neuen Kontext stellen und daraus eine Konzeption erarbeiten, deren Realisierbarkeit im Vordergrund steht. Sie lernen, dass ihre Kreativität und Teamwork sowie Engagement Werkzeuge sind, die auf Bildung basieren, deren Beherrschung harte Arbeit ist. Sie lerne auch, dass diese kreative Arbeit an konkreten Problemen das ist, was sie von Software und Künstliche Intelligenzen unterscheidet, die daran arbeiten (Deep Learning) reine Toolkompetenz bald total zu automatisiert und dass die digitale Zukunft davon abhängt wie kreativ und innovativ man diese Tools einsetzt. Und dies können künstliche Intelligenzen oder Software (noch) nicht. Das ist die Verantwortung der neuen, digitalen Generation von StudentInnen, die unsere zukünftige, von Social Media und Internet geprägte Gesellschaft weiterenwickeln werden. Dies lehrt der Kurs und zeigt den StudentInnen sowohl die Möglichkeite, wie Gefahren der digitalen, medialen Welt auf als auch die Notwendigkeit der Verantwortung als Mediengestalter/Influencer, was sich nie als der Weg des geringsten Wiederstandes herausstellt. Die meisten StudentInnen sind nach Ende des Kurses und der intensiven, geistigen Arbeit sehr erschöpft.

Positionierung des Lehrangebots

1. Semester Bachelor - Studiengangsübergreifend MultiMediaArt FH Salzburg und MultiMediaTechnology FH Salzburg Der Konzepterstellungskurs stellt eine sehr wichtige Säule bei den erwähnten Studiengängen dar. Im Kurs wird aktive Medienkompetenz und die Möglichkeiten trainiert, mediale Vorgänge zu verstehen, auf gegebene Umstände zu reagieren und dem Einfluss etwas entgegenzusetzen. Neben den zwei involvierten Studiengängen MultiMediArt und MultMediaTechnology intergriert der Kurs AustauschstudentInnen an der Fachhochschule Salzburg aus der ganzen Welt. Somit wird der Kurs zu einem multikulturellen und interdisziplinären Schmelztigel von Kreativität und Know How, der, auf Englisch abgehalten, konkrete Lösungen für philosophische und praktische Probleme anbietet bzw. erarbeitet.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.