Virtually there - international online collaboration using case-based learning in Nutrition and Dietetics (EU-project IMPECD)

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ziele: Die Kooperation von fünf europäischen Studiengängen in der Diätologie der Fachhochschulen St. Pölten (Österreich), Artesis Plantijn Hogeschool Antwerpen (Belgien), Hanzehogeschool Groningen (Niederlande), Neubrandenburg und Fulda (beide Deutschland) zielt darauf ab, Studierende für globale (virtuelle) Teams und einen zunehmend internationalen Arbeitsmarkt mit der Herausforderung interkultureller Zusammenarbeit und Kommunikation entsprechend auszubilden.

 

Von September 2015 bis August 2018 wurde dafür ein Online-Kurs mit begleitender Face-to-Face Lehre an den heimischen Hochschulen für die internationale virtuelle Zusammenarbeit entwickelt. Anhand von zehn medizinischen Case-Studies sind Studierende in den internationalen und virtuellen Teams gefordert, evidenz-basierte Ernährungstherapie an zu wenden. Dies umfasst englischsprachige Diskurse zum Erfassen relevanter ernährungsmedizinischer Daten, zur Erstellung von Ernährungsdiagnosen und ernährungstherapeutischen Interventionsplanung und -umsetzung, sowie Monitoring und Evaluierung zu planen. Die Hochschulen verankern den Online-Kurs im Curriculum, um Studierenden einen synchronen internationalen Austausch zu gewährleisten. Begleitende Face-to-Face Lehre für die Studierenden an den heimischen Hochschulen unterstützt vertiefendes Lernen von fachlichen Themen. Wissenschaftlich evaluiert wird das Projekt im Rahmen eines PhD-Studiums von Alexandra Kolm an der School of Health Professions Education der Maastricht University (Niederlande).

 

Ausgangslage:

Dieses Projekt basiert auf der Beobachtung, dass Studierende an den Bachelorstudienprogrammen für Diätologie der Partnerhochschulen die Erasmus Angebote für Auslandspraktika oder Auslandssemester wenig in Anspruch nehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von finanziellen, sprachlichen bis hin zu organisatorischen und curricularen Herausforderungen. Die Vermittlung von wichtigen Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsmarkt wie interkulturelle Kompetenz, Verständnis für andere Kulturen und Arbeitsweisen, Eigeninitiative, Problemlösungsfähigkeit und Fremdsprachenkenntnisse sind über reine Wissensvermittlung schwer erreichbar, daher wurde der Online-Kurs IMPECD (Improvement of Education and Competences in Dietetics) zur internationalen Vernetzung und Weiterentwicklung der Lehre in der Diätologie auf europäischer Ebene entwickelt. Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung tragen allein die Verfasserinnen; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsmarkt wie Teamfähigkeit, Verständnis für andere Kulturen und Arbeitsweisen, Eigeninitiative, Problemlösungsfähigkeit und Fremdsprachenkenntnisse ist über reine Wissensvermittlung schwer erreichbar. Ein Online-Kurs inkl. Begleitseminare für die internationale Zusammenarbeit zwischen Studierenden der Diätologie in vier europäischen Ländern (AT, BE, DE, NL) wurde von der Fachhochschule St. Pölten, Artesis Plantijn Hogeschool Antwerpen, Hanzehogeschool Groningen, Hochschule Neubrandenburg und Hochschule Fulda entwickelt (2015-2018). Die Internationalisierung in diesen Studiengängen ist aufgrund unterschiedlicher Curricula und gesetzlicher Rahmenbedingungen über den klassischen Erasmus-Austausch schwierig umzusetzen. Der englischsprachige Online-Kurs wurde curricular in allen Partnerhochschulen verankert, um den internationalen Austausch zur evidenz-basierten Ernährungstherapie anhand von zehn Case-Studies zu fördern. Die Studierenden arbeiten alleine an Prozess-Schritten wie Ernährungsanamnese, Diagnosestellung, Therapieplanung und -umsetzung, Monitoring und Evaluation. Im Anschluss diskutieren Studierende in kulturell und sprachlich gemischten virtuellen Teams, dabei strukturieren Collaborative Scripts die Zusammenarbeit innerhalb der Peergroups, um den wissenschaftlichen Diskurs und eine vertiefende inhaltliche Auseinandersetzung zu fördern.

Kurzzusammenfassung (engl.)

Collaboration competences, global awareness for cultures and differences in working approaches, professional knowledge and foreign language competences can hardly be delivered by communication of knowledge only. Therefore, an online-course associated by Face-to-Face seminars were developed to foster international online collaboration between dietetic bachelor students from four European countries (2015-2018). The five collaborating Universities of Applied Sciences St. Pölten (AT), Neubrandenburg (DE), Fulda (DE), Artesis Plantijn Hogeschool Antwerpen (BE) and Hanzehogeschool Groningen (NL) were aiming for improved internationalization of students, since in the study programs for dietetic students rarely use Erasmus programs due to different curricula and legal requirements in the participating countries, among other reasons. The online-course was implemented in the curricula of the universities to enable international collaboration between students based on solving ten clinical case-studies. Students work alone on process steps like nutrition assessment, dietetic diagnosis, planning and implementing nutrition interventions, monitoring and evaluation, but meet in virtual teams of mixed cultures after each step to discuss difficulties and solutions for each step. Collaborative scripts are used to structure the collaboration tasks, since free collaboration does not necessarily lead to learning outcomes.

Nähere Beschreibung

Internationalisierung durch Zusammenarbeit in virtuellen Teams anhand Case-Studies in der Diätologie

 

Hochschuldidaktische Methoden

Das zentrale didaktische Konzept des englischsprachigen Online-Kurses orientiert sich an Case-Based Learning und Collaborative Learning. Dabei werden zwei übergeordnete Lernziele angestrebt: zum einen zielt der Online-Kurs anhand der zehn klinischen Case-Studies darauf ab, die Fachkompetenz der internationalen Studierenden anhand festgelegter Learning Outcomes in der Diätologie zu fördern. Jede Case-Study folgt einem definierten 5-Schritte-Prozessmodell für die Qualitätssicherung in der Diätologie: Ernährungsassessment, Ernährungsdiagnose, Planung und Implementierung der Ernährungsintervention, Monitoring & Evaluation. Jedem dieser Prozess-Schritte sind drei Kompetenzlevels (knows, knows how, shows how), und darauf basierend Lernziele sowie Evaluierungsfragen zugeordnet. Pro Case-Study gibt es daher mindestens 15 Evaluierungsaufgaben. Diese werden von den Studierenden weitgehend alleine gelöst.

 

Zum anderen wird das Lernen anhand der Case-Studies genutzt, um internationale Zusammenarbeit, Fremdsprachenkenntnisse, den wissenschaftlichen Diskurs und Reflexion zu fördern. Studierende werden in Peergroups zugeteilt, um die internationale Durchmischung zu gewährleisten. Collaborative Scripts werden genutzt, um die Zusammenarbeit der Gruppe zu fördern. Die Arbeit der einzelnen Peergroups mündet in einer gemeinsamen Reflexionsarbeit über Lernergebnisse fachlich, sowie auf der sozial-kommunikativen Ebene als Teil eines internationalen virtuellen Teams (Lernportfolio).

Begleitende Seminare zum Online-Kurs an den heimischen Hochschulen der Studierenden sollen bei der Festigung der Fachkompetenz unterstützen und die Reflexion des Lernprozesses im Online-Kurs fördern.

 

Inhalte des Online-Kurses

Basierend auf realen Krankengeschichten wurden von allen fünf Hochschulen jeweils zwei Case-Studies (insgesamt zehn) entwickelt. Sämtliche Daten wurden hierbei von den Entwicklungsteams anonymisiert. Medizinische Diagnosen, Laborparameter, Zuweisungsgrund zur Ernährungsintervention, Sozialanamnese, Ernährungsanamnese u.v.m sind wichtige Informationen für die Lernenden und bilden die Grundlagen der Case Story. Die Themen umfassen Schwangerschaftsdiabetes, Darmkrebs, Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankung, Typ 2 Diabetes, Chirurgie/Bariatrie, Nierenerkrankungen, Mangelernährung, Laktoseintoleranz und Zöliakie. Anhand authentischer Problemstellungen aus der Berufspraxis diskutieren die Studierenden in virtuellen Teams über Diagnosestellung, Therapieansätze und länderspezifische Gegebenheiten in der Berufspraxis. Die Reflexion über den Lernerfolg erfolgt mittels Lernportfolio.

 

Entwicklung und Evaluierung des Online-Kurses

Der Online-Kurs wurde in Moodle erstellt, um eine einfache Nutzung und Implementierung für alle Hochschulen zu ermöglichen. Dort befinden sich der gemeinsame Syllabus, ein Einleitungsmodul, ein Forum zur Vorstellung aller Studierenden, die zehn Case-Studies inkl. Videos, medizinische Daten, Evaluierungsfragen, Diskussionsforum, Lernportfolio und die Zuteilung zu den Peergroups.

 

Die Case-Studies basieren auf realen Krankengeschichten und wurden didaktisch für den Online Kurs aufbereitet. Es wurden in der Praxis verbreitete Krankheitsbilder und Szenarien gewählt, die eine Geschichte erzählen um Interesse zu wecken und in der Anwendung für den praktischen Berufsalltag übertragbar sind. Alle Case-Studies basieren auf definierten Lernzielen.

 

In der Entwicklung und Design des Online-Kurses wurden Studierende laufend über Usability und User Experience befragt, bzw. im Rahmen von Bachelorarbeiten und Praktika in das Design des Online-Kurses integriert. Im Mai 2017 fand ein fünf tägiges Intensive Study Programme der Partnerhochschulen in Antwerpen statt. Hier testeten 25 Studierende der fünf Hochschulen den Online-Kurs und diskutierten in Peergroups sowie mit den Lehrenden über Entwicklungs- und Verbesserungspotenziale des Online-Kurses. Usability und User Experience wurden über Online-Fragebögen erhoben. Als besonders wertvoll empfanden die Studierenden die Verknüpfung zwischen Theorie und Anwendung von Wissen im Online Kurs (26%; n=10). Die klare Struktur und die didaktischen Übungen, sowie die ausführlichen Erklärungen für jede Aufgabe im Online Kurse werteten je 13% (n=5) der Teilnehmenden als besonders positiv. 18% der Studierenden fanden die Sprache „difficult“ und „too difficult“. Als Ergebnis dieser Evaluierung wurden bei der Überarbeitung des Online-Kurses Videos zur Beratungssituation und Fotos eingebaut, um den Case-Studies mehr Leben einzuhauchen und Empathie zu ermöglichen. Schwer verständliche Teile der Case-Studies wurden verbessert, Evaluierungsfragen wurden mit erklärendem Feedback ergänzt um den Lerneffekt zu verstärken, zu einfache Evaluierungsfragen wurden komplexer gestaltet, korrekte und falsche Antworten farblich unterschieden. Technische Probleme der Moodle-Plattform, wie etwa verschobene Inhalte je nach verwendetem Internet-Browser, wurden behoben und das Design attraktiver gestaltet.

 

Feedback der Studierenden:

„I like the challenge to do it in English, although it was sometimes harder to understand, but you really need to be concentrated. The English was most of the time in an easy written way. The questions were very good and also the answers. Sometimes maybe too easy, because of logical thinking you can exclude some answers.”

 

“It's interesting to learn on a European level and learn more about a disease.”

 

Curriculare Einbindung des Online-Kurses an den Hochschulen

Zwei zentrale Herausforderungen mussten für eine gemeinsame curriculare Verankerung des Online-Kurses an den fünf Hochschulen gemeistert werden:

1) die Studierenden aller Hochschulen mussten zeitgleich im Online-Kurs arbeiten können, um internationale Zusammenarbeit zu ermöglichen,

2) und dieser Zeitplan musste mit den fachlichen Themen der Case-Studies und den bestehenden Curricula abgestimmt werden, um die begleitende Face-to-Face Lehre zu ermöglichen.

Der Online-Kurs findet über zwei Semester hinweg statt, und beinhaltet zeitlich festgelegte Meilensteine, wann jede der zehn Case-Studies zur Bearbeitung und Diskussion geöffnet und abgeschlossen wird. Der erste Teil des Online-Kurses startet im Sommersemester in KW9 bis KW19, der zweite Teil findet im Wintersemester von KW44 bis KW 49 statt. Dies ist Voraussetzung für die internationale Zusammenarbeit der Studierenden und Lehrenden über fünf Hochschulen hinweg. Die Aufteilung über zwei Semester war nötig, denn die insgesamt zehn Case-Studies decken ein sehr breites fachliches Kompetenzfeld ab, das sich thematisch nicht in ein Semester integrieren ließ.

 

Jede Hochschule moderiert die von ihr entwickelten Case-Studies für alle Studierenden, was auch zu einem regen Austausch der fachlichen Expertise der Lehrenden führt. Der festgelegte Zeitplan des Online-Kurses und die Abfolge der Case-Studies sind mit den Studienplänen der Hochschulen abgestimmt. Dies ermöglicht die fachlich-didaktische Einbindung des Online-Kurses in die Lehrveranstaltungen an den beteiligten Hochschulen. Die zentrale technisch-organisatorische Betreuung des Online-Kurses übernimmt die Fachhochschule St. Pölten.

 

Verschränkung von Lehre und Forschung

Die Effektivität des Online-Kurses hinsichtlich der Erreichung der Lernziele und Kompetenzen wird von Alexandra Kolm im Rahmen eines PhD-Studiums für Health Professions Education an der Maastricht University (NL) über eine Laufzeit von 4 Jahren evaluiert (Start Jänner 2017). Die Ergebnisse werden für weitere Überarbeitungen des Konzepts herangezogen (Design-Based Research) und im Rahmen des PhD-Studiums publiziert. Die zentrale Forschungsfrage dabei lautet, wie internationale Zusammenarbeit in einem Online-Kurs den Erwerb von fachspezifischen Kompetenzen in der Diätologie beeinflusst. Dabei stehen zwei Outcomes im Fokus: Evaluierung der Kompetenzen für internationale online Zusammenarbeit sowie fachspezifische Kompetenzen in der Diätologie. Für die Weiterentwicklung des Online-Kurses werden Usability und User Experience über standardisierte Fragebögen erhoben, sowie Fokusgruppen mit Lehrenden und Studierenden durchgeführt.

Positionierung des Lehrangebots

Der Online-Kurs wurde von den fünf Hochschulen aus St. Pölten (AT), Antwerpen (BE), Groningen (NL), Fulda und Neubrandenburg (DE) im Bachelor-Studium für Diätologie/Diätetik/Nutrition and Dietetics im 4. und 5. Semester positioniert. Die Aufteilung über zwei Semester war nötig, denn die insgesamt zehn Case-Studies decken ein sehr breites fachliches Kompetenzfeld ab, das sich thematisch nicht in ein Semester integrieren ließ. Zwei Herausforderungen wurden für eine gemeinsame Positionierung des Online-Kurses erfolgreich gemeistert: die Studierenden aller Hochschulen mussten zeitgleich im Online-Kurs arbeiten können, um internationale Zusammenarbeit zu ermöglichen, und dieser Zeitplan musste mit den fachlichen Themen der Case-Studies und den bestehenden Curricula abgestimmt werden, um die begleitende Face-to-Face Lehre zu ermöglichen. Der Online-Kurs startet in KW9 bis KW19 sowie in KW44 bis KW 49.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.