Seamless Learning. Mit dem eduMessenger grenzenlos lernen. Lehrveranstaltung: MAWM-BB-2-SS2017-eLG, eLearning, Masterstudiengang Angewandtes Wissensmanagement, FH Burgenland

Umgesetztes Projekt

Ziele

Im Rahmen der Lehrveranstaltung eLearning am Masterstudiengang Angewandtes Wissensmanagement sollen Studierende unter anderem erlernen „... selbstständig eLearning Angebote und die darin genutzten Methodiken der Vermittlung, Kommunikation und Moderation auf ihre Chancen, Risiken und Grenzen hin“ (FH Burgenland 2015, S. 9) überprüfen zu können.

 

Gerade für Wissensmanager/innen im beruflichen Kontext ist es notwendig, Wissen zu sammeln, zu kuratieren und auch Wege zu finden, wie dieses Wissen formell – z. B. in Form von Weiterbildungskursen – sowie auch informell weitergegeben werden kann. Modernes, adäquates Wissensmanagement ohne Online-Tools ist im 21. Jahrhundert schwer vorstellbar.

 

Für die Organisation und den Prozess des Sammelns, Kuratierens und der Weitergabe von Wissen, sind Wissensmanager/innen daher gefordert, Strukturen sowie Prozesse im Rahmen einer Learning Governance aufzubauen und entsprechende Programme sowie Tools auszuwählen und einzuführen. Hierbei sind neben betriebsinternen Vorgaben und Gebräuchen (z. B. BYOD vs. Geräte des Unternehmens) auch immer aktuelle Trends und Innovationen im Bereich der digitalen Bildung wesentlich.

 

Nur wenn Studierende dbzgl. einen kritischen Blick entwickeln, Trends erkennen und reflektieren, können diese auch eine optimale und nachhaltige Struktur für das Wissensmanagement in der Organisation aufbauen und geeignete Tools, die effizient Wissen aufbereiten, erhalten und weitergeben, auswählen und in sowie für betriebliche Prozesse auswählen.

 

Die Auseinandersetzung mit aktuellen digitalen Innovationen mit dem Fokus auf Bildung und Wissen ist daher auch ein wesentliches Element der Lehrveranstaltung.

 

Zudem ist der Studiengang “Angewandtes Wissensmanagement” berufsbegleitend konzipiert. Neben den Präsenzphasen gibt es intensive Online-Anteile (Fernlehre sowie Selbststudium), die von den Studierenden zu absolvieren sind.

 

Gerade durch die Reflexion des Erlernten in der beruflichen Praxis (die neben dem Studium absolviert wird) und durch das Einbringen praktischer Herausforderungen in die Lehrveranstaltungen ist das Studium nicht nur berufsbegleitend, sondern als berufsfördernd und berufsermöglichend anzusehen.

 

Daher sollten jegliche Grenzen, die Lernen verhindern oder erschweren, abgebaut werden und ein durchlässiges Lernen durch entsprechende Tools und Aufgabenstellungen ermöglicht werden!

Kurzzusammenfassung (dt.)

Für die Durchführung der Lehrveranstaltungen an der FH Burgenland wird idR auf ein Blended Learning Konzept mit dem Lernmanagementsystem Moodle gesetzt. Dabei werden häufig kooperativer Lernszenarien (sog. “eTivities”) umgesetzt, bei denen die Studierenden an praktischen Übungen in Projektgruppen arbeiten. (Salmon, 2002)

 

Kooperatives Lernen wird ergänzt durch den Trend des konnektivitischen Lernens, bei dem davon ausgegangen wird, dass etwaige Kompetenzen zur Erfüllung der Projektaufgaben unter den Teilnehmer/innen verfügbar sind und durch die Verbindung der Studierenden zueinander vernetzt und eingesetzt werden können. (Siemens, 2004)

 

Im Rahmen der LV werden die kooperativen Aufgabenstellungen so umgestaltet, dass in höherem Ausmaß als bisher mit Instant Messengern kommuniziert wird, um die Lernenden zu vernetzen und zur Erbringung des gewünschten Outputs zu führen.

 

Im Rahmen der Lehrveranstaltung “eLearning” am Masterstudiengang Angewandtes Wissensmanagement wird daher ein speziell für den Bildungsbereich konzipierter Messenger eingesetzt, der mit dem verwendeten LMS Moodle interagiert. So erleben die Studierenden persönlich wie sich an digitaler Trend im Bildungsbereich anfühlt, reflektieren dabei den Einsatz und dahinterliegende e-Konzepte/Theorien wie Konnektivismus, ubiquitäres, seamless und mobile learning und unterstützen die Weiterentwicklung eines neuen Produkts im aufstrebenden EDU-Tech-Bereich.

Kurzzusammenfassung (engl.)

At the University of Applied Sciences Burgenland the use of the LMS Moodle for cooperative learning scenarios among the Blended Learnings is very common. These “eTivities” are based on cooperative project group works where students are working on practical tasks. (Salmon, 2002)

 

Cooperative learning can be extended by the influence of connectivistic learning. The idea is that knowledge and competencies exist among a group of peers and can be activated by crosslinking the students together. (Siemens, 2004)

 

Therefore in this seminar the cooperative tasks were extended to encourage the use of instant messenger to lead the students to the achievement of their tasks.

 

For the course “eLearning” in the Masters degree programm “Applied Knowledge Management” a messenger was chosen that is specially designed for educational purposes and interacts with the LMS moodle. Students experience the usage and the underlying concepts of connectivism, ubuiquitous, seamless and mobile learning and support the development of a new product in the edu-tech sector.

Nähere Beschreibung

Vorhandene Untersuchungen (vgl. Ajjan et al. 2014 zit in Goldgruber et al. S. 131) legen nahe, dass mithilfe von Instant Messengern Inhalte leichter und rascher als bisher verwaltet und weitergegeben werden ko?nnen: “Tools such as „Slack“ [...] nudge users to curate content in a more easily retrievable way” (Cecchinato et al. 2016 zit in ebd.).

 

Insofern verwundert es nicht, dass Instant Messenger und soziale Netzwerke immer häufiger zur Begleitung von Lernprozessen und zur Bildung von Lerngruppen eingesetzt werden. Die rasche und unkomplizierte Möglichkeit in Gruppen zu kommunizieren ist die ideale Voraussetzung, um orts- und zeitunabhängig kollaborative Ergebnisse zu erzielen. Messenger ermöglichen es hier zusätzlich zwischen synchroner und asynchroner Kommunikation je nach Bedarf zu wechseln. Somit sind Messenger ein ideales Tool für mobiles, ubiquitäres Lernen.

 

Leider weisen diese Systeme aber mehrere Schattenseiten auf:

 

Alle bisher verfügbaren Instant Messenger stellen in sich geschlossene Systeme dar, die keine Schnittstellen zu anderen Systemen zur Verfügung stellen. Wird beispielsweise WhatsApp als Kommunikationsstandard festgelegt, wird jede/r Teilnehmer/in gezwungen sich ebenfalls bei Whats App zu registrieren, um überhaupt auf die Informationen zugreifen zu können. Das wäre so, als würde man bei e-Mail Providern wie bspw. GMail nur mit anderen GMail-Nutzer/innen kommunizieren können. Im Fall des global standardisierten e-Mail Systems würde das niemand in Kauf nehmen.

 

Weiters sind nicht alle Studierenden bereit sich bei einem solchen kommerziellen, externen Dienst zu registrieren (auch wenn die Nutzung kostenlos erfolgt, “bezahlt” man durch die Bereitstellung von Daten), und die Datensouveränität wird komplett aufgegeben. Weder die Bildungsinstitution, noch die Einzelpersonen selbst, haben eine Kontrolle über die bereitgestellten Daten. Zusätzlich erfolgt die Registrierung bei den meisten Messengern über die Handynummer, was ebenfalls in vielen Fällen weder den Lehrenden, noch den Studierenden recht ist.

 

Außerdem wird durch die Einführung eines Messengers neben e-Mail und Moodle noch ein zusätzlicher Kommunikationskanal eingeführt. Dadurch wird es noch unübersichtlicher, welche Inhalte nun wo abrufbar sind. Werden Lehrveranstaltungen von Lehrenden mehrmals durchgeführt (parallel oder seriell) muss jede der Gruppen separat mit den Inhalten versorgt werden.

 

Zusammenfassend steht also fest, dass die Nutzung bisher verfügbarer Messenger einen Gruppenzwang herbeiführen, eine Kommunikationssackgasse darstellen und den Administrationsaufwand bei parallelen Gruppen vervielfachen.

 

Als mögliche Lösung wurde daher an eine Lösung gedacht, die einen Messenger auf Basis des Lernmanagementsystems Moodle bereitstellt. Eine solche Lösung würde die verfassten Nachrichten direkt in Foren einzelner Kurse ablegen, alle Kurse wären sofort als Gruppen im Messenger verfügbar, und die Nutzung bereits vorhandener Kursvorlagen und -ressourcen ist direkt mit dem Nachrichtensystem des Messengers integriert.

 

Die frei zugängliche Moodle Mobile App bietet zwar einige Funktionen an um auf Kursressourcen zugreifen zu können, ist jedoch als Messenger ungeeignet und in der Bedienung zu komplex. Daher wurde mit dem Projektpartner “Digitale Bildungsgesellschaft” zusammengearbeitet und ein neuer Messenger unter dem Namen eduMessenger entwickelt, der sich direkt in die Moodle-Lernplattform der FH Burgenland integriert.

 

Die Nutzung dieses Messengers hat wesentliche Vorteile im Vergleich zu anderen Messenger-Diensten bzw. sozialen Netzwerken, die (zumindest von den Studierenden) in der Regel bei jeder (!) Lehrvanstaltung zur einfacheren Kommunikation verwendet wird:

- Die Datensouveränität ist gewährleistet - die Daten laufen über den Server der Hochschule - nicht über einen US-amerikansichen Server.

- Das entstehende Wissen ist an einem Ort (eben im Moodle-Kurs) abgelegt.

- Die Verwendung eines Messengers (z. B. des eduMessengers) unterstützt mobiles, seamless, immersive Learning und baut (örtliche, zeitliche) Grenzen bzw. Grenzen zwischen Theorie und Praxis sowie formales und informelles Lernen ab. Die Hochschule wird dadurch geöffnet, die Studierbarkeit erhöht.

- Die Lehrveranstaltungsleiter/innen müssen nicht ihre Telefonnummer an alle Studierenden (zur Nutzung eines Dienstes) weitergeben.

- Lernen wird als kooperatives Element Teil des täglichen Lebens.

 

Alle Lehrveranstaltungen der FH Burgenland werden im Rahmen eines Blended Learning durch Moodle-Kurse begleitet, wobei kooperative Aufgabenstellungen zum Einsatz kommen oder schlicht ein Kommunikationskanal zwischen Dozent/innen und ihren Gruppen durch Moodle-Foren hergestellt wird.

 

Die für dieses Projekt ausgewählte Lehrveranstaltung “eLearning” nutzt diese Lerntechnologien nicht nur um die Studierbarkeit zu verbessern, sondern macht sie dem Curriculum entsprechend zum Thema der Lehrveranstaltung selbst. Daher stellte sie die ideale Möglichkeit dar neue Lehrkonzepte, die in Verbindung mit Technologie stehen, auszutesten und über deren Auswirkungen auf den Lernprozess eingehend zu reflektieren.

 

Neben den Präsenzveranstaltungen, in denen die Grundlagen zu eLearning sowie die Auswirkungen von Technologie auf das Lernen diskutiert wurden, sollten die Studierenden kollaborativ eigene Onlinekurse als kooperative Onlineseminare planen und umsetzen. Um mit der Lernplattform Moodle vertraut zu werden sollten die Studierenden die verschiedenen Aktivitäten, die Moodle bietet, gegenseitig vorstellen und einschätzen in welchen didaktischen Szenarien diese zum Einsatz kommen können.

 

Nach der Grobplanung und der Erstellung des Feinkonzepts, während deren Erstellung und nach deren Abgabe eine Betreuung durch die Dozenten in digitaler Form erfolgte, mussten die Studierenden den Kurs konkret umsetzen. In der Abschlussveranstaltung wurden Teilbereiche gemeinsam mit den anderen Kursteilnehmer/innen erprobt und über die Effizienz dieser Aufgaben reflektiert.

Positionierung des Lehrangebots

Ein wesentlicher Bestandteil des Masterstudiums "Angewandtes Wissensmanagement" an der FH Burgenland stellt die Vermittlung von Wissen innerhalb von Organisationen dar. Die Anwendung moderner Technologien in den Veranstaltungen ist daher nicht nur Mittel zum Zweck, sondern zugleich Inhalt der Seminare. Beim konkreten Seminar - "eLearning" - werden daher neuartige Lerntheorien wie der Konnektivismus mit traditionellen Lerntheorien wie dem Konstruktivismus verknüpft. Die Studierenden reflektieren anhand der Umsetzung tatsächlicher seamless learning experiences was die Technologie am eigenen Lernen verändert bzw. wie der Lernprozess davon profitieren kann. Nachdem Moodle an der FH Burgenland eine zentrale Drehscheibe für alle Lernangebote darstellt ist kann die Erprobung dieser Lernformen auch sofort in anderen Lehrveranstaltungen umgesetzt werden.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.