Bunter gARTEN - Projektwerkstatt Studiengang Soziale Arbeit (BA), FH St. Pölten

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ziele der LV waren die Entwicklung und Umsetzung eines partizipativen und nachhaltigen Projekts, das eine Ergänzung zu vorhandenen „Urban Gardening“-Strukturen in St. Pölten darstellt, sowie das Verfassen von Bachelorarbeiten, die sich mit der Bedeutung von Urban Gardening für die Soziale Arbeit auseinandersetzen.

 

Die Projektwerkstatt des Studiengangs Soziale Arbeit (BA) der FH St. Pöltens bietet ideale Rahmenbedingen für eine Kooperation zwischen Lehre und Praxis, da diese zur Vertiefung und Festigung sozialwissenschaftlicher Techniken und zur praxisorientierten Projektentwicklung dient. Kooperationspartner der Projektwerkstatt „Nachhaltiges Leben in der Stadt - Urbane Subsistenz in St. Pölten“ im Studienjahr 2016/17 war der Verein „Stattgarten - Urban Gardening in St. Pölten“, vertreten durch dessen Obfrau Mag. Lena Weiderbauer (Kultur- und Sozialanthropologin, Dipl. Kräuterpädagogin). DSA Mag. (FH) Martin Zauner, MSc betreute im Rahmen der LV die Bachelorarbeiten.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Im Rahmen der Projektwerkstatt lernen die Studierenden Initiativen und Projekte kennen, die sich den Themen Urban Gardening, Regionalversorgung, nachhaltiger Konsum, Gartentherapie und Integration widmen. Wissenschaftliche Theorien zu urbaner Subsistenz runden das Wissen der Studierenden ab und ermöglichen eine Entscheidung in der Schwerpunktsetzung sowie die Formulierung einer Projektidee. In der Projektentwicklung sind vor allem Analysen zur aktuellen Situation, zur gewünschten Zielgruppe sowie zum Bedarf durchzuführen. Unterstützt durch unterschiedliche kreative Techniken wird die Projektidee zu einer ersten Projektskizze geformt. Die Weiterentwicklung des Projekts wird gestützt durch ExpertInnen-Gespra?che, Informationen zu etwaigen Fo?rderinstitutionen sowie der Erstellung von Anträgen, Kontaktlegung zu einschlägigen Organisationen und Initiativen, u.v.m., sowie durch die Umsetzung sozialarbeiterischer Methoden wie Sozialraumorientierung, Partizipation und Peer-to-peer Arbeit.

Ein wesentliches Merkmal dieser Projektwerkstatt ist die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit eigenen Ressourcen und Know-how, sowie die (Selbst)Reflexion über Rollenverteilung und Gruppendynamiken innerhalb der Studierendengruppe. Des Weiteren stehen ein hohes Maß an Selbstorganisation und Teamarbeit zentral für eine positive Projektentwicklung und -umsetzung.

Kurzzusammenfassung (engl.)

In the „Projektwerkstatt“, students get to know the initiatives and projects, that include topics like urban gardening, regional supply, sustainable consumption, horticultural therapy and integration. Scientific theories about urban subsistence complete the knowledge of the students and enable a decision on the focus, furthermore the formulation of a project idea. Special analyzes about the actual situation, the focused target group and the requirements are part of the project development. Through the use of several creative techniques, the project idea transforms into a first project sketch. The progression of the project is supported through interview with experts, information about different sponsors and the completion of applications, getting in contact with different associations and initiatives, etc., as well as through the implementation of methods of Social Work like Social Space, Participation and Peer-to-Peer Work. An essential feature of the “Projektwerkstatt” is the necessity of the confrontation with self-resources and know-how, as well as the (self) reflection about role allocation and group dynamics within the student group. Furthermore, a high degree of self-organization and teamwork are central aspects for a positive project development and implementation.

Nähere Beschreibung

Hintergrund zum Thema der LV:

In den letzten Jahren hat das Thema „Urbane Subsistenz“ in St. Pölten immer mehr Einzug erhalten. Zahlreiche Projekte, Initiativen und Unternehmen haben sich formiert, um einen Beitrag zu einem nachhaltigeren und bewussteren Lebensstil zu leisten. Treibende Kraft für jene Projekte ist vor allem ein wachsendes ökologisches Bewusstsein, sowie der Wunsch nach einer Nachhaltigen Nutzung vorhandener Ressourcen. Doch auch soziale und gesellschaftskritische Aspekte stehen bei einer Projektgestaltung im Vordergrund.

 

Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept der urbanen Subsistenz ermöglicht den Studierenden einen facettenreichen theoretischen Zugang zum Feld. Dabei wird unter anderem deutlich, dass Selbstversorgung längst nicht mehr ausschließlich im Sinne des Eigenanbaus verstanden werden kann. Das Konzept schließt beispielsweise auch Selbstversorgung im Kontext von Verteilung vorhandener Lebensmittel mit ein. Die (gemeinschaftliche) Nutzung von öffentlich zugänglichen Grünflächen oder Obst- und Gemüsesorten (kurz: Urban Gardening) ist genauso als Teil urbaner Subsistenz zu verstehen, wie die Aneignung von traditionellem Wissen zu Konservierungstechniken oder über sogenannte „alte Sorten“.

Darauf aufbauend wird im Rahmen der Projektwerkstatt ein Projekt entwickelt werden, dessen Schwerpunkt auf einem der Themenspektren urbaner Subsistenz liegt. Die Herausforderung der Studierenden liegt darin, ein Projekt zu entwickeln, dass nicht nur eine gute Ergänzung zu vorhandenen Projekten und Initiativen darstellt, sondern auch einen partizipativen und nachhaltigen Charakter aufweist und auf die Bedürfnisse der gewünschten Zielgruppe eingeht. Wobei die Findung der Zielgruppe ein Teil des Projektentwicklungsprozesses ist.

 

Folgende Darstellungen und Denkansätze können für die Entwicklung einer Projektidee hilfreich sein:

Im Bereich der Lebensmittelverteilung geht es, neben der Kritik an der sogenannten „Wegwerfgesellschaft“ und der Forderung nach einem nachhaltigen Konsumverhalten, auch um die Frage nach einer gerechte(re)n Verteilung vorhandener Lebensmittel und wie eine gesunde und biologische Ernährung für sozial benachteiligte Gruppen „leistbar“ und umsetzbar wird oder wie sich auch wirtschaftlich schwache Gruppen von Abhängigkeiten von großen Lebensmittelkonzernen und Discountern lösen können. Die Idee, gemeinsam im Garten zu arbeiten oder gemeinsame Ernteaktionen durchzuführen, birgt vor allem viel Potential in der Zusammenführung von Menschen verschiedener Herkunft, unterschiedlichen Alters, Geschlecht oder sozialem Background. Stichworte wie Inklusion, Integration und Empowerment sind nur ein Auszug von Aspekten, die durch Projekte zum Thema Urban Gardening angesprochen und positiv unterstützt werden können.

 

Nicht zuletzt birgt auch der Bereich der Wissensvermittlung Potentiale, den Selbstwert verschiedener Personengruppen zu fördern und „altes“ oder „fremdes“ Wissen zu erhalten bzw. kennenzulernen und zu verbreiten. Denn traditionelles Wissen über „alte“ Gemüse- und Obstsorten, Heilkräuter oder Konservierungstechniken (z.B.: Einwecken) ist vor allem bei der älteren (weiblichen) Bevölkerungsgruppe vorhanden. Durch die Weitergabe dieses Wissens erfahren diese Menschen eine Aufwertung ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten. Gleiches kann beispielsweise auch für Asylwerbende oder geflüchtete Menschen gelten. Die Weitergabe von vorhandenem Wissen über spezielle Verarbeitungstechniken oder Heilkräuter ermöglicht auch einen Austausch von Menschen verschiedener Herkunft und ein Kennenlernen auf gleicher Augenhöhe.

 

 

Projektentwicklung „bunter gARTEN“

Im Laufe der Projektwerkstatt haben sich die Studierenden für die Entwicklung eines Projekts aus dem Bereich „Urban Gardening“ entschieden, das den Namen „bunter gARTEN“ erhielt. Ziel war und ist es, einen (öffentlichen) Grünraum gemeinsam mit den Akteur*innen des gewählten Sozialraumes zu gestalten und nutzbar zu machen.

Es bildeten sich verschiedene Arbeitsgruppen, die bestimmte Aufgaben für die Entstehung von „bunter gARTEN“ übernahmen. Ein Teil der Kommunikation und des Datenaustausches aller Projektmitglieder fand über den „eCampus“ statt. In diesem Moodle-basierten Onlinetool hatte die Projektwerkstatt ein eigenes Forum, in dem Nachrichten geschrieben werden konnten, aber auch Dateien geuploadet werden konnten. Die Mitglieder der einzelnen Gruppen wurden dazu motiviert, regelmäßig Fortschritte und Treffen zu dokumentieren, damit das gesamte Projektteam aktuelle Informationen abrufen konnte.

Für die Standortsuche wurden Areale besichtigt und mit der gesamten Projektgruppe bewertet. Nach einer Einigung wurde die verantwortliche Liegenschaft kontaktiert und erste Verhandlungen über das gewünschte Grundstück wurden geführt. Eine weitere Gruppe begann mit der Kontaktaufnahme zu den Personen, welche im ausgewählten Sozialraum leben. Es wurden in verschiedenen Wohnhäusern, auf der Straße und in einem Wirtshaus Interviews geführt. Es wurden Infozettel verteilt, welche erste Informationen zum Projekt geben sollten und die Akteur*innen des Sozialraumes zu den ersten Informationsveranstaltungen einluden. Des Weiteren entstand eine Facebook-Seite zum Projekt. Die Suche nach Kooperationspartner*innen gestaltete sich durch Kontakt per Email. Das Projekt nahm an der Projektvernissage der FH St. Pölten teil und konnte diesen Bewerb in der Kategorie „Soziales“ für sich entscheiden. Als die Emmausgemeinschaft St. Pölten (vor allem die Einrichtungen am Standort Viehofen) als Kooperationspartner gewonnen werden konnte, wurde ein erstes Vernetzungstreffen für alle Interessent*innen organisiert. Bei diesem wurde das Projekt „bunter gARTEN“ präsentiert und die Interessent*innen dazu eingeladen ihre Gestaltungsvorstellungen zu präsentieren. Dazu wurde ein kleines Modell des potentiellen Standortes nachgebaut auf dem die Interessent*innen mit verschiedenen Miniaturelementen eines Parks ihre Vorstellungen gemeinsam nachbauen konnten.

Positionierung des Lehrangebots

LV Bachelorprojekt/Projektwerkstatt, BA-Studiengang Soziale Arbeit: „Nachhaltiges Leben in der Stadt - Urbane Subsistenz in St. Pölten“; Jahrgang 2014/15

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.