Science and the quest for Knowledge (Seminar an der TU Wien)

Umgesetztes Projekt

Ziele

Im Zuge der akademischen Lehre an der TU Wien war es Univ.Prof. Dr. A. Mahdavi seit langem ein Bedürfnis, eine Lehrveranstaltung aufzusetzen, die die Meta-Ebene von Wissenschaft und Forschung im Verhältnis zu anderen Domänen menschlicher Annäherung an die Natur und Realität untersucht. Gleichwohl wissenschaftliche Forschung und die Ergebnisse von wissenschaftlicher Forschung in der allgemeinen Wahrnehmung als "richtig" und "wahr" wahrgenommen werden, darf man den Prozess der dahintersteckt keinesfalls als selbstverständlich in seiner Durchführung betrachten. Daher ist es von Bedeutung mit Studierenden und Gästen anderer Disziplinen dies gemeinsam zu untersuchen. Nach Durchsicht des Lehrangebots an der TU Wien und auch anderer Institutionen in Wien konnte dieser Ansatz als recht einzigartig identifiziert werden, so dass dann - nach Bewilligung durch Studiendekanat und Rektorat der TU Wien die Lehrveranstaltung Science and the Quest for Knowledge geschaffen wurde.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Diese Lehrveranstaltung befasst sich mit Wissenschaft im Kontext zu anderen Traditionen und Institutionen, die sich mit dem Verstehen und Interpretieren der Geschehnisse aus der Welt auseinandersetzen. Nach einer aus zwei Vorlesungseinheiten bestehenden Einführung in die Grundlagen der Wissenschaftstheorie und –praxis, werden eine Reihe von Diskursen mit Vertretern solcher Traditionen und Institutionen geführt, welche sich mit Kunst, Philosophie, Religion, Politik oder Ethik auseinandersetzen. Ein wesentlicher Aspekt in diesen Diskursen befasst sich mit „Wie“ und „Warum“ Fragen, welche für das Verstehen von natürlichen und sozialen Systemen. Erforderlich sind, und in wie weit solche Fragen von Wissenschaft alleine beantwortet werden können. Teilnehmende Studierende werden motiviert sich mit kritischem und „out-of-the-box“ Denken auseinanderzusetzen, sowie sich aktiv im Diskurs einzubringen. Das hat in den vergangenen Semestern zu sehr inhaltsreichen Diskursen geführt, die von allen teilnehmenden Personen – Gästen, Lehrenden, Studierenden – als bereichernd empfunden wurde. Demzufolge besteht eine große Motivation den Kurs als einen permanenten Bestandteil der an der TU Wien angebotenen Kurse zu etablieren.

Kurzzusammenfassung (engl.)

This course addresses the quintessence of the scientific worldview in the context of other traditions and institutions invested in understanding and interpreting the world. An introductory treatment of science will be followed by a number of discussions with representatives of traditions and institutions pertaining to the arts, philosophy, religion, politics, and ethics. A central trust of these discussions will address the "how" and "why" questions, their meaning as relevant to the natural world and social settings, and if and to which extent they can be answered by science alone. Participating students are encouraged toward critical thinking and active contribution to the discussions. This led to thematically enriching discourse in the past semesters, and to the motivation to establish this course as a permanent addendum to the scope of courses offered at the TU Wien.

Nähere Beschreibung

Eine zentrale Herausforderung moderner akademischer Didaktik betrifft die enormen Umwälzungen im Bereich der Informationstechnologie und der zunehmenden massiven Verfügbarkeit von Daten. Es stellt sich die Frage, ob die kognitiven Skills von Studierenden mit großen Mengen von Informationen umzugehen und diese als Grundlage von Bewertung und Entscheidungen zu verwerten, in dem gleichen Ausmaß gewachsen ist wie die Potenziale von Informationsgenerierungs und –vermittelungs-Technologien. Dieser Herausforderung müssen sich nicht nur, aber insbesondere die technischen Wissenschaften stellen. Eine intelligente Bewertung und Bearbeitung der massiven Informationsflüsse, die durch Informationstechnologie und wissenschaftliche Experimente und Modellierung entstehen, impliziert die kritische didaktische Notwendigkeit, nicht nur technisch-wissenschaftliches Wissen und verwandte Methoden zu vermitteln, sondern Wege und Skills zum kritischen und vernetztem Denken zu propagieren.

Besonders in technischen Universitäten arbeiten wir in einem akademischen Kontext, in welchem wissenschaftliche Methoden als selbstverständlicher Pfad für einen Kenntniszuwachs verstanden werden. Es finden - darauf aufbauend - intensive Bemühungen statt, um diesen wissenschaftlich erarbeitenden Wissenszuwachs an Interessierte zu transportieren oder auch in entsprechend anwendbare technische Skills zu verarbeiten. Allzu oft fällt allerdings bei Studierenden oder auch AbsolventInnen auf, dass offenbar nur wenig Reflektion darüber betrieben wird, woraus die komplexe Natur dieses wissenschaftlichen Schließens besteht, beziehungsweise, warum wissenschaftliche Ergebnisse den Ruf von Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit genießen, was Wissensgewinn und Wahrheitsfindung betrifft. Um diese Lücke zu schließen erscheint es sinnvoll, sich mit dem wissenschaftlichen „Reasoning“ nicht allein aus der eigenen Perspektive auseinanderzusetzen, sondern auch die Betrachtungen von anderen Traditionen der Wahrheitsfindung zu berücksichtigen. Dementsprechend widmet sich unsere Lehrveranstaltung der Wissenschaft im Kontext zu anderen Traditionen und Institutionen, die sich mit dem Verstehen und Interpretieren der natürlichen und gesellschaftlichen Prozesse beschäftigen auseinandersetzen.

Zur intellektuellen Einstimmung auf dieser Aufgabe, startet die Lehrveranstaltung mit einer aus zwei intensiven Vorlesungseinheiten bestehenden Einführung in die Grundlagen der Wissenschaftstheorie und –Philosophie.

Wenn man bedenkt, dass die Lehrveranstaltung in einem technik-zentrierten akademischen Kontext stattfindet wird die Signifikanz dieser Strategie verständlich. Dementsprechend setzt sich die Lehrveranstaltung nach der kurzen einführenden Phase mit einer zweiten entscheidenden Komponente fort: Es werden eine Reihe von Diskursen mit Vertretern von Traditionen und Institutionen geführt, welche nicht nur aus den Natur- und Humanwissenschaften kommen, sondern sich intensiv und glaubhaft mit Kunst, Philosophie, Religion, Politik und Ethik auseinandersetzen. Dabei besteht ein wesentlicher Aspekt in diesen Diskursen darin, sich mit „Wie“ und „Warum“ Fragen, welche für das tiefe Verstehen von natürlichen und sozialen Systemen wichtig sind, zu beschäftigen. In Diskussionen mit Gästen wird unter aktiven Beteiligung von Studierenden darüber reflektiert, ob solche Fragen von Wissenschaft alleine beantwortet werden können. Teilnehmende Studierende werden motiviert sich mit kritischem und „out-of-the-box“ Denken auseinanderzusetzen, sowie sich aktiv im Diskurs einzubringen.

Das hat in den vergangenen Semestern zu sehr inhaltsreichen Diskursen geführt, die von allen teilnehmenden Personen – Gästen, Lehrenden, Studierenden – als bereichernd empfunden wurde. Demzufolge besteht eine große Motivation den Kurs als einen permanenten Bestandteil der an der TU Wien angebotenen Kurse zu etablieren.

Damit kann die bessere Verankerung von Wissenschaftsdiskursen im Zuge der akademischen Lehre an der TU Wien noch intensiver betrieben werden. Neben den in der Regel sehr intensiven, direkt fachbezogenen Lehrveranstaltungen von den an der technischen Universität Wien angebotenen Studien, in welchen Studierenden die fachlichen Kompetenzen Ihres jeweiligen Studienfachs vermittelt werden, zählt in der heutigen Zeit darüber hinaus auch die Fähigkeit zum vernetzten Denken, sowie zum Hinterfragen von Prozessen. Dies kann als erforderlich angesehen werden, um überhaupt in der Lage zu sein, neue Wege zu gehen und neue Ideen zu verfolgen.

Aus logistischer Sicht wird die Lehrveranstaltung im Semester stets an 6 bis 7 Abendterminen geblockt. In den vergangenen Jahren wurde stets eine Reihe von Dienstagabenden dafür herangezogen. Nach einer kurzen administrativen Einführung über den Ablauf des Kurses wird ein Überblick über historische und aktuelle Entwicklungen der Wissenschaftsgeschichte und -philosophie, sowie über wissenschaftliche Methodik, Qualitätssicherung und letztlich auch über die Motivation der Lehrveranstaltung gegeben. Im Zuge dessen werden auch die Gäste der Folgesessions vorgestellt und die Studierenden in die jeweilige Diskursthematik eingeführt um Ihnen das Verfassen von Fragen, an welchen der jeweilige Diskurs dann orientiert wird, zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke werden in der Regel auch die Webauftritte der Gäste der Folgesessions im zugehörigen E-Learning-Kurs verlinkt, so dass man sich als TeilnehmerIn ein Bild des Gastes machen kann.

Seit dem der Kurs etabliert wurde, konnten prominente Gäste aus verschiedenen Disziplinen geladen werden. Diese stellten sich dann dem kritischen, öffentlichen Diskurs, welcher von uns aufbauend auf den zuvor von Studierenden schriftlich übermittelten Fragen moderiert wird. Die Fragen beziehen sich in der Regel auf den jeweiligen fachlichen Arbeitsschwerpunkt des Gastes, so wie auf Schnittflächen und Konflikte des institutionellen beziehungsweise fachlichen Hintergrunds der Gäste mit Wissenschaft im Allgemeinen, sowie mit technischen und Naturwissenschaften im speziellen.

In den vergangenen Semestern konnten aus den Naturwissenschaften Physik (Herbert Balasin / TU Wien, Iva Brezinova / TU Wien, Gerhard Ecker / Universität Wien), sowie Biologie und Ökologie (Bernd Lötsch / vormals Uni Wien und Naturhistorisches Museum, Hermann Knoflacher / TU Wien, Helga Kromp-Kolb / Universität für Bodenkultur Wien, Philipp Mitteröcker / Universität Wien), aus der Mathematik/Informatik/Logik (Agata Ciabattoni / TU Wien, Laura Kovacs / TU Wien), der Philosophie und Ethik (Georg Franck / TU Wien, Vera Bühlmann / TU Wien, Mona Singer / Universität Wien), der Kunst (Ingeborg Reichle / Univ. f. Angewandte Kunst Wien) und Religion (Kurt Appel / Universität Wien, Uta Heil / Universität Wien, Gerhard Weissgrab / Buddhistische Glaubensgemeinschaft Österreichs).

Der Leistungsnachweis für Studierende ist dreigliedrig, bestehend aus der Vorbereitung auf die Guest-Sessions in Form von drei auszuarbeitenden Fragen, die man gerne mit dem jeweiligen Gast diskutieren würde, der Teilnahme an allen Sessions der Lehrveranstaltung, sowie dem Verfassen eines Protokolls nach der jeweiligen Session, welches innerhalb einer Woche nach der Session abzusenden ist. Diese – eigentlich ungewöhnliche - Form des Leistungsnachweises scheint für ein Fach, in dem es um Diskurs geht, angebracht.

Die Lehrveranstaltung wird mit 1.0 ects bzw. 1 Semesterwochenstunde geführt.

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung, richtet sich an interessierte Studierende, vor allem aus Masterprogrammen und Doktoratsstudierende, jedoch auch interessierte Bachelorstudierende. Die Lehrveranstaltung adressiert einen technik-zentrierten akademischen Kontext, in welchem wissenschaftliche Methoden als selbstverständlicher Pfad für einen Kenntniszuwachs verstanden werden. Allzu oft fällt allerdings bei Studierenden auf, dass offenbar nur wenig Reflektion darüber betrieben wird, woraus die komplexe Natur dieses wissenschaftlichen Schließens besteht, beziehungsweise, warum wissenschaftliche Ergebnisse den Ruf von Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit genießen, was Wissensgewinn und Wahrheitsfindung betrifft. Diese Lücke soll durch die Lehrveranstaltung angesprochen werden. Es ist daher sinnvoll sich mit dem wissenschaftlichen Reasoning nicht allein aus der eigenen Perspektive auseinanderzusetzen, sondern auch die Betrachtungen von anderen Traditionen der Wahrheitsfindung zu berücksichtigen.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.