International Summer Academy in Engineering for Women - ISAE4W

Umgesetztes Projekt

Ziele

Im Jahr 2014 wurde die ISAE4W auf Initiative des Landes Oberösterreich ins Leben gerufen, um jungen Frauen in einem technischen/naturwissenschaftlichen Studium eine Möglichkeit zu geben, sich in studienspezifischen Themen, aber auch im Bereich Gender und Diversity Management, mit Gleichgesinnten auszutauschen und internationale Erfahrung zu sammeln. In den ersten beiden Jahren dauerte die ISAE4W eine Woche und deckte ein breites Themenspektrum ab, wobei die einzelnen Veranstaltungen nicht besonders viel fachliche Tiefe aufwiesen. Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen waren durchweg positiv und die angebotenen Veranstaltungen wurden sehr gelobt, aber es bestand bei allen Teilnehmerinnen eben gerade der Wunsch nach mehr fachlicher Tiefe. Daraufhin wurden zusätzlich zu den bisher angebotenen allgemeinen Veranstaltungen auch drei Vertiefungen eingeführt, die von den Teilnehmerinnen je nach ihrem belegten Studium in folgenden Themengebieten ausgewählt werden können: Naturwissenschaft, Ingenieurwissenschaft und Informatik. In diesen Spezialisierungsveranstaltungen wird nun sehr darauf Wert gelegt, dass eine fachliche Tiefe erreicht wird, die für die Teilnehmerinnen auch eine Herausforderung darstellen. Von den 12 Tagen, an denen Programm angeboten wird, nehmen die Vertiefungen 3 Tage, also 25 % ein, und somit haben wir einen guten Mix aus Vertiefung und allgemeinen Veranstaltungen erreicht.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Die "International Summer Academy in Engineering for Women - ISAE4W" ist ein Programm für internationale Bachelor-Studentinnen, die ein technisches und/oder naturwissenschaftliches Studium absolvieren. Die Akademie findet seit 2014 statt und ist für 30 Teilnehmerinnen konzipiert. Die ISAE4W wird international beworben, um eine möglichst große Nationenvielfalt unter den Beteiligten zu erreichen. Die gesetzten Ziele der ISAE4W - aus Sicht der Studentinnen - können in den folgenden Punkten zusammengefasst werden:

" Ermöglichen von internationaler Kontakte für die Teilnehmerinnen

" fachliche Vertiefung in einem Spezialgebiet des Studiums

" Bewusstseinsbildung im Bereich Gender und Diversity Management

" Kennenlernen verschiedener Methoden der Hochschuldidaktik

Thematisch konzentriert sich die ISAE4W an natur- und ingenieurwissenschaftlichen Themen, die unsere Gesellschaft in Zukunft stark beeinflussen werden. Zu diesen Themen werden allgemeine Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten abgehalten, um den Teilnehmerinnen eine gute Wissensgrundlage zur Beteiligung an der gesellschaftlichen Diskussion zu geben. Zusätzlich gibt es drei Vertiefungen, die von den Teilnehmerinnen je nach ihrem Studienfach in den Themen Naturwissenschaft, Ingenieurwissenschaft und Informatik ausgewählt werden können. In diesen Spezialisierungsveranstaltungen wird großer Wert darauf gelegt, eine fachliche Tiefe zu erreichen, die für die Teilnehmerinnen eine Herausforderung darstellt.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The "International Summer Academy in Engineering for Women - ISAE4W" is a program for international bachelor students who are enrolled in a technical and/or scientific study program. The academy is taking place since 2014 and is designed for 30 female students. The ISAE4W is advertised internationally in order to get a great national diversity among the participants. The goals of ISAE4W - from the viewpoint of the students - can be summarized in the following statements:

" Enable the participants to form international contacts

" Specialization in selected topics from their fields of study

" Sensitization in the areas gender and diversity management

" Getting to know different methods of university didactics

Thematically, the ISAE4W concentrates on scientific and engineering topics that will strongly influence our society in the future. There are general courses, which have different formats, on these topics in order to provide the students with a good basic knowledge for participation in the discussion within society. In addition, there are three advanced topics, which are natural science, engineering and informatics, that can be chosen by the students depending on their study majors. In these advanced topics, there is a great emphasis on achieving a specification that presents a challenge to the participants.

Nähere Beschreibung

Innovative Hochschuldidaktik

 

Um der Vielfalt der Herkunftsländer der ISAE4W Teilnehmerinnen Rechnung zu tragen, wird auch bei der Planung des Programms stark auf didaktische Vielfalt geachtet. Das Programm beinhaltet jedes Jahr vom kurzen klassischen frontalen Vortrag über seminaristischen Unterricht bis hin zu Case Studies und abgewandelte Formen des klassischen Problem-Based-Learning. Da es hier sicherlich zu ausschweifend wäre, auf jede der angebotenen Veranstaltungen in der Sommerakademie einzugehen, werden einige Beispiele aus dem Programm 2018 näher erläutert:

 

1.) Veranstaltungstitel: How to?! Gender/Diversity Management

Vortragende: Dr. Regina Aichinger MSc. (Prokuristin der FH Oberösterreich)

 

In einem interaktiven Seminar für alle Teilnehmerinnen wird zunächst der Umgang mit dem Thema Gender und Diversity Management an unserer Hochschule und in der österreichischen Bildungslandschaft erläutert. Nach einer Reflexionsphase geben die Teilnehmerinnen Input zu diesem Modell aus ihren Herkunftsländern und so wird unbewusst ein internationales Gender und Diversity Management System erstellt. Aufgabe der Teilnehmerinnen ist es dann die Möglichkeit der Umsetzung der einzelnen Punkte für ihr Heimatland individuell zu bewerten und im Optimalfall Teile davon an ihrer Heimatuniversität aktiv umzusetzen.

 

Interessant sind bei dieser Art der Veranstaltung sicherlich die wechselnden Aufgaben aller Teilnehmer. So ist die Vortragende zu Beginn ganz klar eine klassische Lehrperson, die durch ihren Kurzvortrag einen Input an die Teilnehmerinnen weitergibt. Dieser Input wird von den Teilnehmerinnen aufgegriffen und die Themen werden dann länderspezifisch präsentiert. Abschließend folgt eine Debatte, die zur Erstellung des internationalen Gender und Diversity Management Systems führt. Der Vortragende wechselt also von Lehrperson zu Moderator zu gleichgestelltem Teilnehmer. Dahingegen wechseln die Teilnehmerinnen von der klassischen Zuhörerrolle zum Kurzreferenten und darauffolgend ebenfalls zur gleichgestellten Diskussionsteilnehmerin.

 

2.) Veranstaltungstitel: DNA in Forensics

Vortragender: Dr. Manuel Selg (Fachbereichsleiter für Biologie/Chemie an der FH Oberösterreich)

 

Das Ziel dieser eintägigen Übung ist es, den Teilnehmerinnen des Schwerpunkts Naturwissenschaft das theoretische Verständnis für eine Personenidentifizierung mit molekularbiologischen Methoden zu vermitteln und sie dieses Verständnis dann auch praktisch umzusetzen zu lassen. Die praktische Umsetzung ist eine von den Teilnehmerinnen selbst entworfene Case Study. Diese Case Study hat als Rahmenbedingung die Identifikation einer bestimmten Person aus einer großen Probenmenge. Das dazugehörige Szenario wird von den Teilnehmerinnen selbst entworfen, bevor dann auch die experimentelle Strategie und Umsetzung in der Gruppe festgelegt wird. Den Erfolg des entworfenen Konzeptes finden die Teilnehmerinnen selbst heraus, wenn die Identifikation der "gesuchten" Person erfolgreich stattgefunden hat.

 

Bei der Vermittlung der Theorie dieser sehr aufwändigen und fortgeschrittenen Methode der Molekularbiologie wird auf eine vergleichende Lehrmethode zurückgegriffen. Bevor die moderne Methode eingeführt wird, bei der mehrere heterogene Bereiche im menschlichen Erbmaterial gleichzeitig untersucht werden, wird ein heterogener Bereich mit der Molekularbiologie im Stile der 1980er Jahre analysiert. Diese Vorstufe vermittelt auf sehr einfache und anschauliche Weise das methodische Grundkonzept, das in der modernen Analyse weiter ausgebaut wurde. Zusätzlicher Vorteil dieses Vergleichs ist, dass die Studierenden auch die gesteigerte Sensitivität der Auswertung bei der Methode der 1980er Jahre im Vergleich zur heutigen Auswertung selbst direkt in der Praxis erleben.

 

3.) Veranstaltungstitel: Creative Science

Vortragende: Sonja Bäumel (Direktorin des Schmuck Departments an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam) und Dr. Manuel Selg (Fachbereichsleiter für Biologie/Chemie an der FH Oberösterreich)

 

Die Veranstaltung Creative Science besteht aus 2 unterschiedlichen Blöcken. Im ersten, theoretischen Block werden andere, nicht klassisch-konservative, Ansätze zur Lösung von naturwissenschaftlichen und/oder technischen Fragestellungen präsentiert. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den künstlerisch/kreativen Zugang zu solchen Fragestellungen. Es werden Projekte international renommierter Biokünstler vorgestellt, mit denen gesellschaftlich relevante Themen auf einem sehr unkonventionellen Weg der Bevölkerung nähergebracht werden.

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung, der fast ausschließlich praktisch ist, wird eine adaptierte Project-Based-Learning Methode verwendet. Die Studierenden müssen sich zunächst ohne die konkrete Fragestellung zu kennen, für zwei Werkstoffe (Holz, Papier, Silikon, Kunststoff, Textil usw.) entscheiden. Teilnehmerinnen mit ähnlichen Studienrichtungen werden dann gepaart und die konkrete Aufgabenstellung ist es dann ein Prototyp für ein technisches Gerät zu bauen, das die Studienrichtung, eine gesellschaftlich relevante Fragestellung und den Körper des Menschen miteinander verknüpft. Mit den ausgewählten Materialien wird ein Prototyp des Geräts entworfen, das zum Abschluss der Veranstaltung in einer Leistungsschau präsentiert wird.

 

Die Veranstaltung Creative Science ist inhaltlich sehr eng mit den "Project Times" verknüpft, in denen die Teilnehmerinnen in Teams von 5 Personen einen Plan zur Einführung einer neuen Technologie in 15 Jahren entwickeln. Hier geht es sehr stark um die Vor- und Nachteile dieser Zukunftstechnologien und wie die Einführung von einer gezielten Nutzerorientierung (die beim Bau des Prototyps in der Creative Science Veranstaltung einen wesentlichen Faktor gespielt hat) beeinflusst wird.

 

 

Studierendenzentrierung

 

Ein wesentlicher Teil bei der Gesamtentwicklung und bei der jährlichen Planung der ISAE4W ist die aktive Beteiligung der Teilnehmerinnen an der Gestaltung der abgehaltenen Veranstaltungen.

 

Gesamtentwicklung: Seit dem ersten Jahr der Sommerakademie fordern wir am Schluss eine schriftliche sowohl als auch eine mündliche Evaluierung der gesamten Sommerakademie ein und auch der einzelnen abgehaltenen Veranstaltungen. Das eingegangene Feedback bildet eine wichtige Grundlage für die Planung des Programms des nächsten Jahres. Schwach evaluierte Veranstaltungen werden nachgebessert oder ganz aus dem Programm herausgenommen, gute evaluierte Veranstaltungen werden grundsätzlich beibehalten, aber auch hier findet eine jährliche Weiterentwicklung statt. Gänzlich neue Ideen, die von den Teilnehmerinnen vorgeschlagen werden, werden - wenn technisch und organisatorisch möglich - auch umgesetzt, so dass das derzeitige Programm eine gesunde Entwicklung von Seiten des Organisationsteams und der Alumni der Sommerakademie ist.

 

Angebotene Veranstaltungen: Es wird sehr stark darauf geachtet, dass die jeweiligen Teilnehmerinnen auf die Gestaltung einer Veranstaltung noch Einfluss haben können. Die oben beschriebenen Lehrveranstaltungen "DNA in Forensics" und "Creative Science" zeigen dieses Konzept wirkungsvoll auf. Die Themenblöcke, die in der gesamten Sommerakademie und auch in einzelnen Lehrveranstaltungen behandelt werden sind größtenteils vom Organisationsteam vorgegeben, aber bei der Gestaltung der einzelnen in der Sommerakademie stattfindenden Lehrveranstaltungen wird auf das Input der Teilnehmerinnen großen Wert gelegt - es ist wichtig, dass es für die einzelnen Teilnehmerinnen noch Gestaltungsspielraum gibt.

 

 

Kompetenzorientierung

 

Die Kompetenzorientierung ist bei sehr heterogenen Personengruppen immer eine große Herausforderung. Dass wir es bei der ISAE4W mit einer sehr heterogenen Gruppe zu tun haben, ist offensichtlich, da die Teilnehmerinnen sich in Herkunftsland mit assoziiertem Studiensystem, Alter, Studienrichtung und jeweiliger Stand im Studium sehr stark unterscheiden. Wie schon andernorts erwähnt beinhalten die Ziele der ISAE4W auch soziale Kompetenz und internationale Erfahrung. Nichts desto trotz ist ein Programm ohne fachliche Kompetenzorientierung zum Scheitern verurteilt. Um diese fachliche Kompetenz, welche hauptsächlich in den Schwerpunkten verankert ist, zu vermitteln werden Aufgaben gestellt, die direkt mit der Praxis von Hochschulabsolventen zu tun haben. Diese Praxis bezieht sich auf konkrete Fragestellungen, wie zum Beispiel die Aufgabe einer interaktiven Datenvisualisierung, um eine nutzerfreundliche Bedienoberfläche für eine Software zu gestalten (Interaction and Visualization von Christian Jetter, Dienstag, der 17. Juli 2018 von 9:00 - 12:00 Uhr). Ein ähnliches Konzept liegt der oben beschriebenen Veranstaltung "DNA in Forensics" (Dr. Manuel Selg, Mittwoch, der 18. Juli 2018 von 9:00 - 16:45 Uhr) zu Grunde, in der es die tatsächliche Aufgabe ist, aus einer großen Menge von Individuen eine Person spezifisch zu identifizieren - eine Aufgabe, die es in jedem kriminaltechnischen Labor täglich zu lösen gibt.

 

Diese Art der Interaktion mit fachlich relevanten Alltagstätigkeiten weckt auch die Neugier auf mehr Informationen und bildet somit eine sehr wichtige Grundlage zu einer effizienten Lernstruktur. Die Schwierigkeit hierbei ist es, die gestellten Aufgaben so zu gestalten, dass Teilnehmerinnen unterschiedlichen Vorwissens mit den gestellten Herausforderungen etwas anfangen können. Hier zahlt es sich aus dann trotz allem aus, dass teilweise in Zweiergruppen gearbeitet wird. Bei der Zusammenstellung der Gruppen muss allerdings auf komplementäre Wissensergänzung der Mitwirkenden geachtet werden. Somit kommt es bei diesen Aufgaben auch immer wieder zu klassischen peer-teaching Situationen, die auch eine wesentliche Kompetenz für die zukünftige Berufslaufbahn sind.

 

 

Berücksichtigung einer lernergebnisorientierten Prüfungskultur

 

Klassische Prüfungssituationen (schriftliche oder mündliche Prüfungen) gibt es bei der ISAE4W nicht, da es bei der Sommerakademie vom Gesamtkonzept her um andere Aspekte geht als bei solchen Prüfungen klassischerweise abgefragt werden (Fachwissen). In der ISAE4W geht es hauptsächlich um die Interaktion mit internationalen Studienkolleginnen gleicher oder eng verwandter Fachrichtungen und die Einstufung des Studienfachgebietes in den Rahmen der Wertigkeit in der Gesellschaft.

 

Prinzipiell wird in den Veranstaltungen kein direkter Leistungsnachweis eingefordert, sondern eher die Form der Präsentation der erbrachten Leistungen herangezogen. Dies wird besonders beim Projekt ersichtlich, das die Teilnehmerinnen die ganze Sommerakademie über begleitet und viele Aspekte und Ziele der Sommerakademie in sich vereint. In den Projekten werden die Teilnehmerinnen in Teams von 5 Personen eingeteilt und haben die Aufgabe, einen Plan zur Einführung einer neuen Technologie in 15 Jahren zu entwickeln. Hier geht es sehr stark über die Vor- und Nachteile dieser Zukunftstechnologien und wie die Einführung von einer gezielten Nutzerorientierung (die beim Bau eines Prototyps in der Creative Science Veranstaltung einen wesentlichen Faktor gespielt hat) beeinflusst wird.

 

Abschluss der Projekte sind ca. 10-minütige Präsentationen der einzelnen Projekte jeder Gruppe am letzten Tag der ISAE4W, die für alle Interessenten öffentlich zugänglich sind. Nach jeder Präsentation erfolgt eine Feedback Runde über das Projekt mit allen anwesenden Personen. Dieses Feedback wird durch eine Jury aus einer freiwilligen Person jeder Projektgruppe (also insgesamt 6 Personen), dokumentiert. Das Ergebnis wird zusätzlich von der Jury als Gesamtes kommentiert. Diese Bewertung und die Kommentare bilden den jeweiligen Abschluss der einzelnen Projektpräsentationen und werden den Projektmitgliedern auch schriftlich zur Verfügung gestellt.

 

Durch die Wegnahme des klassischen Prüfungsstresses und die Schaffung eines nicht konventionellen Lernrahmens in der Sommerakademie ist der Lerneffekt sehr stark auf die am Anfang dieses Abschnitts erwähnten Ziele der ISAE4W abgestimmt. Dieser Effekt wird auch durch die Präsentationen und zeitlich großzügig angesetzten Diskussionen nachhaltig erreicht.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor Studium

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 in der Kategorie Umsetzung hochschulischer Internationalisierungskonzepte in der Lehre nominiert.