Praxis trifft Wissenschaft

Umgesetztes Projekt

Ziele

Vor dem Hintergrund soziodemographischer Veränderungen und einer zunehmenden Ressourcenknappheit innerhalb des Gesundheitssystems kommt zu einer zunehmenden Ökonomisierung in der Patientenversorgung, indem beste Outcomes bei möglichst geringem Ressourceneinsatz gefordert werden. Zeitgleich ist ein wachsender Fokus auf eine Steigerung der Pflegequalität zu verzeichnen. Um diesen Forderungen gerecht zu werden und um als zentrales Anliegen eine bestmögliche Versorgung sowie Sicherheit der Patienten und Patientinnen zu gewährleisten, gilt es als dringende Notwendigkeit, Pflegehandlungen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzubauen. Auch aus rechtlicher Perspektive sind Pflegepersonen gemäß GuKG §4(1) dazu verpflichtet, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in das Pflegehandeln und die klinische Entscheidungsfindung miteinfließen zu lassen. Voraussetzung dafür ist eine enge Verzahnung von Pflegetheorie und Praxis. Die Anwendung wissenschaftlichen Wissens dient nicht nur dazu, die Pflegequalität zu steigern bzw. sicherzustellen, sondern auch zur Orientierung im praktischen Handeln und zur Berufsentwicklung der Gesundheits- und Krankenpflege. Die Integration wissenschaftlicher Erkenntnisse in das tägliche Pflegehandeln ermöglicht ökonomisches Arbeiten durch begründbares und transparentes, pflegerisches Handeln und eine möglichst hohe Betreuungsqualität. Voraussetzung dafür ist eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis – hier setzt das Projekt „Praxis trifft Wissenschaft“ an. Ausgangspunkt des Kooperationsprojekts zwischen Landesklinikum und Fachhochschule Wr. Neustadt war eine Reihe an Problem- und Fragestellungen in der Pflegepraxis mit der Frage: „Was sagt die Wissenschaft dazu?“

 

„Praxis trifft Wissenschaft“ - Projektziele

Übergeordnetes Ziel des Kooperationsprojekts „Praxis trifft Wissenschaft“ war, Frage- und Problemstellungen aus der Pflegepraxis aufzugreifen und für diese mittels strukturierter Literaturrecherche externe Evidenz zu erarbeiten.

V.a. im Zuge des aktuellen Akademisierungsprozesses, in dem sich die Pflege befindet, bestehen große Unsicherheiten bzgl. des Mehrwertes und den Kompetenzen akademisch ausgebildeter Pflegepersonen. Vor diesem Hintergrund war es ein weiteres Projektziel, Wissenschaft und Pflegepraxis einander näher zu bringen, den Blick der Studierenden bezüglich des Ineinandergreifens dieser beiden Komponenten zu erweitern und für sie erfahrbar zu machen, wie die von ihnen erlernten Kompetenzen im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens in der Pflegepraxis sinnvoll Anwendung finden und dort direkten Nutzen bringen können. Die Studierenden sollten dadurch auch ein greifbares Bild von ihrem zukünftigen Tätigkeitsprofil als akademisch ausgebildete Pflegepersonen bekommen.

 

Ziele der Lehrveranstaltungen

Im Rahmen des Projekts „Praxis trifft Wissenschaft“ werden zwei Lehrveranstaltungen strukturell und organisatorisch verknüpft sowie inhaltlich aufeinander abgestimmt.

 

Übergeordnete Ziele der Lehrveranstaltungen

 

Das Projekt und seinen beiden, darin integrierten Lehrveranstaltungen zielen darauf ab, die im Zuge vergangener, einzelner Lehrveranstaltungen erworbenen Kompetenzen zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen und deren inhaltliche Zusammenhänge sichtbar bzw. erlebbar zu machen.

Des Weiteren werden einerseits auf eine gezielte und möglichst bedürfnisorientierte Betreuung bei der Erstellung der Bachelorarbeit 1 abgezielt, zugleich aber auch auf eine Förderung der Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Studierenden. Übergeordnete inhaltliche Ziele der LV:

 

• Die Erarbeitung externer Evidenz zu den Fragestellungen aus der Pflegepraxis

• Die praxisgerechte Aufbereitung der Ergebnisse für die Pflegenden in Form von sogenannten „Praxisdokumenten“. Diese Dokumente werden in die hausinterne Informationsplattform des Klinikums eingespeist und sind die Grundlage für die Implementierung der Ergebnisse in die Praxis. Für diese Dokumente wurde eine einheitliche Vorlage erarbeitet, die den Studierenden zur Gestaltung dieser Praxisdokumente zur Verfügung gestellt wurde.

• Die Gestaltung einer Fortbildungsveranstaltung für Pflegende durch Einzelpräsentationen der jeweiligen Ergebnisse zu den einzelnen

 

Konkrete Lehrveranstaltungsziele

 

Der Lehrveranstaltung „Bachelorarbeit 1 und Bachelorseminar“:

Die Studierenden…

…erarbeiten externe Evidenz zu vorgegebenen Problemstellungen aus der Pflegepraxis durch methodisch und fachlich korrekte Anwendung wissenschaftlicher Arbeitstechniken

…formulieren wissenschaftliche Fragestellungen zu vorgegebenen Problemstellungen aus der Pflegepraxis

…führen zu einer eigens formulierten wissenschaftlichen Fragestellung methodisch korrekt eine strukturierte Literaturrecherche durch

…bewerten mit fachlicher Unterstützung kritisch wissenschaftliche Literatur und deren Güte und ziehen dazu geeignete Bewertungsinstrumente heran

…stellen methodische Vorgehensweise und Ergebnisse der strukturierten Literaturrecherche in schriftlicher Form im Rahmen der Bachelorarbeit 1 entsprechend den in der Lehrveranstaltung kommunizierten Vorgaben und Richtlinien dar

 

Der Lehrveranstaltung „Evidence Based Nursing“:

Die Studierenden …

…definieren den Begriff Evidence based Nursing (EBN), beschreiben die Elemente, Hintergründe, Ziele von EBN und leiten daraus den Nutzen sowie die Gefahren dieses Konzeptes ab

…benennen und beschreiben die einzelnen Schritte des EBN-Prozesses und wenden diese im Rahmen des Projektes „Pflegepraxis trifft Pflegewissenschaft“ an. Das bedeutet, sie…

…erarbeiten externe Evidenz zu vorgegebenen Problemstellungen aus der Pflegepraxis durch methodisch und fachlich korrekte Anwendung wissenschaftlicher Arbeitstechniken

…führen zu einer eigens formulierten wissenschaftlichen Fragestellung methodisch korrekt eine strukturierte Literaturrecherche durch

…bewerten mit fachlicher Unterstützung kritisch wissenschaftliche Literatur und deren Güte und wählen dazu geeignete Bewertungsinstrumente aus

…bereiten die Ergebnisse einer strukturierten Literaturrecherche praxisgerecht in Form von schriftlichen Handlungsempfehlungen auf

…gestalten zielgruppengerechte Präsentationen für Pflegepersonen zur Übermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an die Pflegepraxis

 

Voraussetzungen für die LV

 

Das Projekt mit seinen beiden verknüpften Lehrveranstaltungen baut auf den in den vorherigen Semestern vermittelten Grundkenntnissen über den Forschungsprozess und dessen Phasen, über Studiendesigns und grundlegenden methodischen Kompetenzen sowie auf Kompetenzen in der Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur inkl. Literaturrecherche und kritischer Bewertung auf.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Im Rahmen des Kooperationsprojektes „Praxis trifft Wissenschaft“ der FH und des Landesklinikums Wiener Neustadt wird von Studierenden zu Fragestellungen aus der Pflegepraxis Forschungswissen durch strukturierte Literaturrecherche erarbeitet und dieses an Pflegepersonen vermittelt. Ziel ist es, dass Studierende ihre Fertigkeiten im wissenschaftlichen Arbeiten anhand realer Problemstellungen aus der Pflegepraxis erweitern und festigen können. Bereits erworbene Wissenskomponenten sollen dabei zu einem Ganzen verbunden und deren Anwendung anhand realer Problemstellungen aus der Praxis erlebbar gemacht werden. Das Projekt ist im 5. Semester des Bachelorstudiums „Gesundheits- und Krankenpflege“ verortet und verknüpft zwei parallel laufende Lehrveranstaltungen im Gesamtumfang von 6 ECTS. In der LV „Evidence Based Nursing“ wird das theoretische Fundament des Konzepts vermittelt, welches im „Bachelorseminar“ anhand realer Fragestellungen umgesetzt wird. Der Struktur liegen die Schritte des Konzepts „Evidence Based Nursing“ zu Grunde. Kernelemente sind neben strukturierter Literaturrecherche und deren kritischer Bewertung die Aufbereitung und Vermittlung der Ergebnisse durch Gestaltung von Fortbildungsveranstaltungen für Pflegepersonen. Für die Studierenden wird das Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis erfahrbar gemacht und deutlich, wie die von ihnen erlernten Fertigkeiten im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens in der Pflegepraxis Anwendung finden können.

Kurzzusammenfassung (engl.)

FH Wiener Neustadt and Landesklinikum Wiener Neustadt are cooperating in a project called “Praxis trifft Wissenschaft”. In this project, students work on specific research questions based on problems coming from nursing practice. Students acquire scientific knowledge by researching relevant publications. They then impart that knowledge to nursing staff. The aim is for students to develop research questions and to do scientific research based on problems coming from real clinical settings. Students should be able to make connections between theories they learned and experience how those theories can be used in real settings. The project is carried out in the 5th semester of the study programme “General Nursing and Healthcare”. It’s connected to two courses which are closely linked. The first course is called “Evidence Based Nursing” and covers the theoretical basics. In the seminar “Bachelortheses 1” students learn to apply the theoretical concepts to real-life problems. The teaching of these courses is based on a concept called “Evidence Based Nursing”. It consists of structured research of scientific literature combined with critical analysis, followed by processing the results so that training sessions for nursing staff can be held. The project enables students to experience how science and practical use go hand in hand. They understand how they can use skills they learn in theoretical settings while doing scientific research in nursing practice.

Nähere Beschreibung

Im Zuge des Projekts „Praxis trifft Wissenschaft“ werden zwei Lehrveranstaltungen, beide im 5. Semester des Bachelorstudienganges „Allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege“ verortet, inhaltlich und strukturell verknüpft. An den beiden LV „Bachelorarbeit 1 und Bachelorseminar“ und „Evidence Based Nursing“ nehmen jeweils insgesamt rund 40 Studierende, in jeder der beiden LV aufgeteilt auf je drei Kleingruppen, teil. Beide LV umfassen vier Termine zu je 2 Lehreinheiten.

 

Voraussetzungen für die LV

Die beiden im Projekt verknüpften Lehrveranstaltungen bauen auf in vorherigen Semestern vermittelten Inhalten v.a. zum Forschungsprozess und dessen Phasen sowie zum wissenschaftlichen Arbeiten auf. Konkrete Voraussetzungen für die Teilnahme an den beiden Lehrveranstaltungen bzw. dem Projekt ist dementsprechend die erfolgreiche Absolvierung folgender Lehrveranstaltungen:

• „Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens“ (2. Semester)

In dieser Lehrveranstaltung werden grundlegende Inhalte zum wissenschaftlichen Arbeiten inkl. Aufbau wissenschaftl. Arbeiten, Literaturrecherche, Kritische Bewertung wissenschaftl. Literatur und wissenschaftl. Schreibstil behandelt.

 

• „Wissenschaftliche Grundlagen der Pflege“ (2. Semester)

Schwerpunktinhalt dieser Lehrveranstaltung sind Grundlagen der Pflegeforschung und des Forschungsprozesses in der Pflege, Basiswissen über quantitative und qualitative Forschungsansätze und –designs, das Arbeiten mit wissenschaftlicher Literatur sowie Grundlagen des Konzepts „Evidence Based Nursing“.

 

• „Quantitative und qualitative Pflegeforschung“ (3. Semester)

In dieser Lehrveranstaltung werden Grundgedanken quantitativer und qualitativer Forschung vertieft, der Forschungsprozess mit konkreten Forschungsprojekten in Bezug gesetzt und im Zuge dessen die Aspekte Forschungsproblem, Forschungsfrage, Studiendesigns inkl. unterschiedlicher qualitativer und quantitativer Methoden, Forschungsethik sowie Gütekriterien der qualitativen und quantitativen Forschung behandelt.

 

Aufbau und Ablauf der LV

Der Struktur der Lehrveranstaltungen bzw. des gesamten Projekts liegt eine klare Struktur entsprechend der Prozessschritte des Konzepts „Evidence Based Nursing“ zu Grunde, wobei das Projekt die Schritte 1 bis 4 umfasst:

1. Aufgabenklärung mit der Praxis

2. Erarbeiten der Fragestellung

3. Strukturierte Literaturrecherche

4. Kritische Bewertung der Literatur

5. Implementierung der Ergebnisse

6. Evaluierung

 

Dieser Prozess spiegelt sich im Aufbau der Lehrinhalte klar wieder. Um dies zu verdeutlichen, den Studierenden maximale Transparenz zu geben, wurde eine grafische Übersicht über die beiden Lehrveranstaltungen, über die einzelnen Lehrveranstaltungstermine und deren Inhalte sowie über konkrete Abgabetermine für Arbeitsaufträge erstellt. Diese steht den Studierenden im FH-internen Intranet zur Verfügung. Somit wird sichergestellt, dass sich die Studierenden zu jedem Zeitpunkt im Projektprozess orientieren können.

 

„Evidence Based Nursing“ (Immanente LV, 1 ECTS)

In dieser Lehrveranstaltung wurde zu Beginn ein Überblick und Hintergrundinformationen über das Konzept „Evidence Based Nursing“ gegeben, anschließend wurden strukturiert die einzelnen Schritte des Prozesses behandelt. Im Zuge dessen wurde bereits gelerntes Grundwissen zu den Themenfeldern Literaturrecherche und kritische Bewertung wissenschaftlicher Literatur aufgefrischt, intensiviert und den Studierenden somit das „Rüstzeug“ für die praktische Umsetzung im Rahmen des Projekts, also für die Beantwortung der Fragestellungen aus der Praxis mittels strukturierter Literaturrecherche, vermittelt. Die Struktur der Lehrinhalte orientiert sich am schrittweisen Prozess des Konzepts „Evidence Based Nursing“.

 

„Bachelorarbeit 1 und Bachelorseminar“ (Immanente LV, 5 ECTS)

In dieser Lehrveranstaltung liegt der Fokus auf der Umsetzung theoretischen Wissens anhand der realen Fragestellungen. Eine Fragestellung wird dabei von jeweils zwei Studierenden bearbeitet.

1. Termin: Input zu den Rahmenbedingungen & Zuteilung der Themen

2. Termin: Aufgabenklärung durch Gespräche mit den Stationsleitungen im Klinikum

3. Termin: Besprechung der Ergebnisse aus dem Klinikum & Ausarbeitung der Fragestellungen

4. Termin: Erarbeiten der weiteren methodischen Vorgehensweise (Literaturrecherche, Ein-/Ausschlusskriterien,…)

5. Koordinationsgespräch im Klinikum: Betreuerin seitens FH, Stationsleitung, Studierende

 

Für jeden Einzeltermin werden vorab Ziele formuliert, die Einzelschritte auf dem Weg zu den übergeordneten Zielen darstellen. In den Präsenzterminen wird theoretischer Inhalt (u.a. durch Präsentationen mittels Prezi®) vermittelt und praktische Fertigkeiten, wie bspw. die Arbeit in Datenbanken gefestigt. Entsprechend dem unterschiedlichen Charakter der Lehrinhalte wird auf eine Methodenvielfalt zurückgegriffen, wobei darauf geachtet wird, dass dies nicht überladend ist. Ziel ist ein ausgeglichenes Verhältnis von theoretischem Input der Lehrenden und Festigung des neu gewonnenen Wissens durch Arbeit in Kleingruppen, Präsentationen und verschiedene didaktische Methoden (Strukturlegeplan, Fachlandkarte, Lernquiz, Lernstopps, Mindmaps). Damit die Studierenden von den Präsenzzeiten bestmöglich profitieren, verschafft sich die Lehrperson im Sinne des „Just-in-Time-Teachings“ zu Beginn der Einheit einen Überblick über die studentischen Arbeitsfortschritte, um darauf aufbauend die Lehrveranstaltungsinhalte an die Bedürfnisse der Studierenden einzugehen. Gemeinsam wird der aktuelle Projektstatus besprochen und klar festgelegt, welche Arbeitspakete bis zur nächsten Präsenzeinheit erarbeitet werden müssen. Am Ende jener Präsenztermine, in denen vermehrt theoretischer Input vermittelt wird, werden jeweils Fazitkarten angefertigt, um den Lehrenden Information darüber zu geben, welche Fragen offen geblieben sind und beim nächsten Mal noch behandelt werden sollen und welche Inhalte sich die Studierenden mitgenommen haben. Dies gibt den Studierenden auch die Möglichkeit, sich das neu Gelernte nochmals in Erinnerung zu holen und damit zu festigen. Die Zeit zwischen den Präsenzterminen ist für die Studierenden somit von Selbststudium, Teamarbeit, Selbstorganisation und eigenständigem Arbeiten geprägt. Zwischen den Präsenzterminen finden im Klinikum gemeinsame Koordinationsgespräche mit der jeweils zuständigen Stationsleitung im Klinikum, den Studierenden und deren Betreuerinnen seitens der Fachhochschule statt. Diese Gespräche bieten den Studierenden die Möglichkeit, gezielt methodische Fragen an ihre Betreuerinnen aus der Fachhochschule, als auch zugleich inhaltliche Fragen an die Pflegepraktiker und Praktikerinnen zu stellen. Die Gespräche stellen eine hervorragende Gelegenheit für den direkten Austausch zwischen Pflegepraxis und Pflegewissenschaft dar.

Leistungsabgaben & weiterer Ablauf nach den Präsenzterminen:

• Abgabe Exposé der Bachelorarbeit 1

• Begutachtung & Feedback der Betreuenden der Bachelorarbeit zum Exposé

• Dokumentation der Literaturrecherche & der kritischen Literaturbewertung, beinhaltet:

Suchprotokoll, Bewertung anhand des Ampelschemas, Flussdiagramm, Tabellarischer Studienüberblick, Bewertungsbögen inkl. Originalliteratur

• Begutachtung und ausführliches Feedback der Betreuenden zu den Bewertungen

• Ein optionaler persönlicher Betreuungstermin zur Bachelorarbeit

• Abgabe des „Praxisdokuments“ (schriftliche Zusammenfassung der Ergebnisse in kurzer, praxisgerechter Form)

• Begutachtung der Praxisdokumente & Feedback durch die Betreuende

• Präsentationen der Ergebnisse im Landesklinikum (Fortbildungsveranstaltung für Pflegende)

• Abgabe der Bachelorarbeit 1

Da die Ergebnisse an die Pflegepraxis weitergegeben werden, muss sichergestellt werden, dass diese den methodisch „sauber“ erarbeitet und die Literatur, auf die sie beruhen, von hoher Qualität ist. Deshalb – und auch, um den Studierenden ein Gefühl der „Absicherung“ zu vermitteln – wurde jeweils eine Begutachtungs- und Feedbackschleife zu den Ergebnissen eingezogen.

Eine gut strukturierte Planung und Organisation ist in v.a. durch die Involvierung mehrerer Akteure entscheidend. V.a. die zu Planungsbeginn noch unbekannten Fragestellungen der Praxis stellen eine Herausforderung dar, die Flexibilität und Offenheit verlangt. Auch die unterschiedlichen Komplexitätsgrade der Fragen sowie die verschiedenen Arbeitstempi und Kompetenzausprägungen der Studierenden machen eine anpassungsfähige Herangehensweise unabdingbar.

 

Zentrale Prinzipien der LV

 

Synthese von Wissenskomponenten

Kernprinzip des Projekts ist, dass die Studierenden gefordert sind, die im Zuge vergangener einzelner Lehrveranstaltungen erworbenen Kompetenzen im Rahmen realer Problemdarstellungen zu einem Ganzen zusammenzuführen. Dadurch wird der Prozess wissenschaftlichen Arbeitens als Ganzes erlebbar und inhaltliche Zusammenhänge ersichtlich.

 

Praxis trifft Wissenschaft

V.a. im Zuge des aktuellen Akademisierungsprozesses, in dem sich die Pflege befindet, bestehen große Unsicherheiten bzgl. des Mehrwertes und den Kompetenzen akademisch ausgebildeter Pflegepersonen. Vor diesem Hintergrund ist das Projekt eine hervorragende Möglichkeit, Wissenschaft und Pflegepraxis einander näher zu bringen und den Blick der Studierenden als zukünftige Pflegepersonen bezüglich des Ineinandergreifens dieser beiden Komponenten zu erweitern. V.a. die gemeinsamen Koordinationsgespräche zwischen allen Akteuren stärkt die Zusammenarbeit und das Verständnis. Für die Studierenden wird das Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis erfahrbar gemacht und deutlich, wie die von ihnen erlernten Fertigkeiten im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens in der Pflegepraxis Anwendung finden können. Die Studierenden sollten dadurch auch ein greifbares Bild von ihrem zukünftigen Tätigkeitsprofil als akademisch ausgebildete Pflegepersonen bekommen.

 

Praxisbezug

Indem die Studierenden aktuelle, pflegerelevante Problemstellungen direkt aus dem klinischen Setting behandeln, ist der Praxisbezug wesentliches Merkmal des Lehrkonzepts. Die Studierenden haben jeweils pro Fragestellung konkrete Ansprechpartner/-partnerinnen im Landesklinikum, die jederzeit für inhaltliche Fragen offenstehen. Ebenso sind Gespräche vor Ort auf den Stationen im Rahmen des Projekts vorgesehen. Für methodische Fragen stehen seitens der FH die jeweiligen Betreuerinnen, alle selbst Pflegepersonen mit Praxiserfahrungen, stets zur Seite. Beispiele für Themen: Schmerzmanagement bei Tumorerkrankungen, Frühmobilisation auf Intensivstationen, Kompressionsmaßnahmen zur Thromboseprophylaxe.

 

Relevanz und nachhaltiger Nutzen der Ergebnisse

Die erarbeiteten Ergebnisse werden in Form von Praxisdokumenten – versehen mit den Namen der jeweiligen Studierenden - an das Klinikum übergeben, wo sie in eine hausinternes Informationssystem eingespeist werden und in der Pflegepraxis direkte Anwendung finden. Diese Verantwortung und die Tatsache, dass die erarbeiteten Ergebnisse nachhaltigen Nutzen in der Pflegepraxis haben, fördert deutlich die Motivation der Studierenden und führt zu einem tw. überdurchschnittlichen Engagement.

 

Kompetenzorientierung

Das Projekt zielt auf die Kompetenzförderung auf mehreren Ebenen ab. Fachkompetenz wird durch die Aufgabenstellung selbst, ein Problem aus der Pflegepraxis methodisch korrekt und „sauber“ zu bearbeiten, gefördert. Im Rahmen der Selbstkompetenz werden die Selbstständigkeit im Arbeiten und Verantwortungsbewusstsein gezielt forciert. Mit dem Klinikum wird bereits zu Projektbeginn ein Termin für die Präsentationen vereinbart. Dies fordert von den Studierenden Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein. Die Arbeit im Team und die Zusammenarbeit mit der Pflegepraxis fördern die Sozialkompetenz und in diesem Sinne Kritikfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Teamgeist, Respekt und Wertschätzung mit allen beteiligten Akteurinnen.

 

Transparenz

Transparenz ist auf mehreren Ebenen zentrales Merkmal. V.a. im Rahmen der Teamarbeit war es wichtig, den Studierenden durch ein Bearbeitungsprotokoll die Möglichkeit zu geben, transparent darzustellen, wer welche Leistung erbracht hatte. Damit kann das Gefühl einer ungleichen bzw. unfairen Arbeitsverteilung verhindert und zugleich gefördert werden, dass jede/-r Studierende Eigenverantwortung für die Ergebnisse übernimmt. Ebenso wird gewährleistet, dass die individuelle Leistung eines/einer jeden Studierenden zur Beurteilung herangezogen und betrachtet wird. Nachvollziehbarkeit großgeschrieben. Für sämtliche Leistungsabgaben wurden jeweils vorab detaillierte Beurteilungskriterien offengelegt und kommuniziert sowie entsprechende Beurteilungsbögen erstellt und im Intranet zugänglich gemacht.

Positionierung des Lehrangebots

Das Projekt ist im 5. Semester des Bachelorstudiums verortet - im Rahmen des Projektes wird die erste von zwei Bachelorarbeiten verfasst.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.