Interprofessionelles Teamwork-Training in der Ausbildung zur Steigerung der Patientensicherheit

Umgesetztes Projekt

Ziele

Das seit 2016 etablierte Projekt "Interprofessionelles Simulationstraining" bietet jedes Semester mehrmals die Möglichkeit, schon in der Ausbildung als interprofessionelles Team ein kritisch krankes Kind zu versorgen. Um kritische Situationen in der Pädiatrie bestmöglich zu meistern, erfordert es Erfahrung, Routine und ein gut akkordiertes eingespieltes Team. In kritischen Situationen wird bewusst, wie gut aufeinander eingespielt die einzelnen Akteure sein müssen, damit ein reibungsfreier Ablauf im Management möglich wird und der Patient rasch und effizient stabilisiert werden kann. Durch medizinische Simulation kann dies frühzeitig in einem geschützten Bereich aufgebaut werden, damit der ‚Erstfall nicht zum Ernstfall' wird. Daher müssen Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen ehestmöglich und regelmäßig trainiert werden. In diesem Zusammenhang geht es nicht nur um Fachwissen, sondern der Fokus liegt auf der interprofessionellen Zusammenarbeit sowie kommunikativen Aspekten - Themen, die während beider Ausbildungen oft zu kurz und nur berufsgruppengetrennt vorkommen. Wir arbeiten an einer Implementierung im Zuge des Curriculums sowohl der Medizinischen Universität als auch der Krankenpflegeschule, um das Training so vielen Auszubildenden anbieten zu können wie möglich. Dieses Ziel wird zu einem großartigen Fortschritt in der interprofessionellen Ausbildung der Medizinstudierenden und Studierenden im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege sowie letztendlich zu der Erhöhung der Patientensicherheit führen.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Seit 2016 finden an der Medizinischen Universität Wien interprofessionelle Simulationstrainings mit Medizinstudierenden und Auszubildenden der Schule für Kinder-und Jugendlichenpflege statt. In diesen Übungssequenzen wird ein pädiatrisches Simulationstraining mit dem Fokus auf Kindernotfälle durchgeführt. Auf eine kurze Einführung zum Thema kritisch krankes Kind folgt ein praktisches Training an der Simulationspuppe. Die Szenarien werden per Video aufgezeichnet und anschließend mittels Videoanalyse und einer strukturierten Nachbesprechung ("Debriefing") besprochen, wobei der Fokus auf die Kommunikation und die Teamarbeit gelegt wird. Neben der theoretischen Ausbildung wird hier bereits früh auch die praktische Umsetzung geübt, um das Zusammenspiel der beiden Berufsgruppen zu optimieren, damit für den zukünftigen Arbeitsbeginn bereits ein guter Grundstock in Bezug auf diese Thematik gelegt ist. In diesen Trainings findet nicht nur ein hohes Maß an Theorie-Praxis-Vernetzung statt, sondern es werden die Folgen einer gut funktionierenden interprofessionellen Zusammenarbeit auf das Outcome der Patienten unmittelbar sicht- und erlebbar. Kompetenzen werden trainiert und erweitert, die Kommunikation in der Notfallsituation perfektioniert, Fehlerquellen reduziert und entsprechend reflektiert. Es werden Thematiken aufgegriffen, die sonst im Studium bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben, jedoch von großer Wichtigkeit sind.

Kurzzusammenfassung (engl.)

Since 2016, inter-professional simulation trainings with medical students and pediatric nursing students are taking place at the Medical University of Vienna. Students are invited for pediatric simulation trainings with focus on pediatric emergencies. A short theoretical introduction about critical ill children is followed by hands-on training using a high-fidelity simulation manikin. Each simulation scenario is video recorded and subsequently discussed using video analysis and structured debriefing, with focus on communication and teamwork. Besides theoretical training, practical implementation is practiced at an early stage in order to improve cooperation and teamwork between the various professional groups. Thus, medical and nursing students are already prepared to work together in a team during their vocational training. Such simulation trainings promote the integration of theory and practice. In addition, the impact of a well-functioning inter-professional teamwork on patients' outcomes are made fully visibly. Various competencies are learned and trained, communication during pediatric emergencies is perfected, and possible sources of errors are reduced and reflected afterwards. In our simulation trainings, participants are confronted with situations and topics that are usually not taught at the University, which, however, are of great relevance in daily clinical work.

Nähere Beschreibung

In "To err is human" wurde gezeigt, dass jährlich mehr Menschen an medizinischen Fehlern sterben als an Brustkrebs, Aids oder Verkehrsunfällen. (1) Eine rezente Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass in den letzten Jahrzehnten immer noch zu wenig Qualitätsverbesserung stattgefunden hat und medizinische Fehler nach wie vor die dritthäufigste Todesursache in den USA darstellen. (2)

Die sogenannten "Human factors" sind in 70% die Ursache für menschliches Versagen im medizinischen Bereich. "Nicht-technische Fähigkeiten" umfassen u.a. Kommunikation, Entscheidungsfindung, Führungs- und Teamverhalten, Ressourcen- und Stressmanagement, Lösungsorientiertheit und Situationsbewusstsein. Insbesondere in Hochrisikobereichen wie der Luftfahrt oder Kernenergie bestehen bereits Programme wie Simulationstrainings oder Ausbildungen und Trainings von Crisis Ressource Management (CRM), um menschliche Fehler deutlich zu reduzieren. (3) In Gesundheitsberufen findet die Ausbildung verschiedener Berufsgruppen bis dato unabhängig voneinander statt, ohne dass Pflege und Ärzte in dieser Zeit jemals miteinander zu tun hätten. In der Praxis wird jedoch von beiden erwartet, dass insbesondere in kritischen Situationen reibungsfrei und eingespielt zusammengearbeitet werden. Um besonders im medizinischen Bereich die Patientensicherheit zu verbessern und eine Sicherheitskultur zu etablieren, ist es unerlässlich Zusammenarbeit im Team frühzeitig und regelmäßig anzubieten.

 

Das Konzept des pädiatrischen Simulationstrainings ist vor über zehn Jahren an der Universitätskinderklinik eingeführt worden. Neu seit 2016 ist, dass nicht nur Medizinstudierenden die Möglichkeit gegeben wird daran teilzunehmen, sondern auch Studierenden im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege. In kritischen Situationen wird bewusst, wie gut aufeinander eingespielt die einzelnen Akteure sein müssen, damit ein reibungsfreier Ablauf im Management möglich wird und der Patient rasch und effizient stabilisiert werden kann. Daher müssen Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen ehestmöglich und regelmäßig trainiert werden. In diesem Zusammenhang geht es nicht nur um Fachwissen, sondern der Fokus liegt auf der interprofessionellen Zusammenarbeit sowie kommunikativen Aspekten - Themen, die während beider Ausbildungen oft zu kurz und nur berufsgruppengetrennt vorkommen.

 

Um kritische Situationen in der Pädiatrie bestmöglich zu meistern, erfordert es Erfahrung, Routine und ein gut akkordiertes eingespieltes Team. Durch medizinische Simulation kann dies frühzeitig in einem geschützten Bereich aufgebaut werden, damit der ‚Erstfall nicht zum Ernstfall' wird.

Neben der theoretischen Ausbildung wird die praktische Umsetzung geübt und das Zusammenspiel der Berufsgruppen optimiert, damit für den zukünftigen Arbeitsbeginn bereits ein guter Grundstock in Bezug auf Teamzusammenarbeit gelegt ist. Es findet nicht nur ein hohes Maß an Theorie-Praxis-Vernetzung statt, sondern es werden die Folgen einer gut funktionierenden interprofessionellen Zusammenarbeit auf das Outcome der Patienten unmittelbar sicht- und erlebbar. Kompetenzen werden trainiert und erweitert, die Kommunikation in der Notfallsituation perfektioniert, Fehlerquellen reduziert und entsprechend reflektiert. Es werden wichtige Thematiken aufgegriffen, die sonst im Studium bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

 

Eines der Konzepte, die im Simulationsbereich gelehrt werden, ist das ‚Speaking up': jedes Teammitglied hat die Möglichkeit, anzusprechen, was ungewohnt oder nicht richtig erscheint, womit Berufsgruppen und unterschiedlicher Ausbildungsstand auf eine Ebene gestellt werden und dies einer absoluten Aufhebung der Hierarchie während des Notfalls entspricht. So können auch Fixierungsfehler vermieden werden, also Fehler, die passieren, wenn der Fokus auf eine Tätigkeit wie beispielsweise der Intubation liegt, wobei nicht zeitgleich perzipiert werden kann, wenn Vitalparameter schlechter werden.

 

Das Projekt "Interprofessionelles Simulationstraining" bietet jedes Semester die Möglichkeit, schon in der Ausbildung als interprofessionelles Team ein kritisch krankes Kind zu versorgen. Das Projekt wurde im Jahr 2017 mit dem Austrian Patient Safety Award ausgezeichnet. Das Simulationstraining dauert drei Stunden und es können pro Training acht Auszubildende beider Berufsgruppen teilnehmen. Das Training findet in unserem Simulationszentrum monatlich statt. Um ein qualitatives Training anbieten zu können, werden viele personelle sowie materielle Ressourcen benötigt. Anwesend sind neben den Teilnehmern Instruktoren, Simulationsassistenten bzw. wissenschaftliche Mitarbeiter. Die materiellen Ressourcen inkludieren die komplexe Technik (Kameras, Mikrofone, Lautsprecher, Monitore, Telefone) sowie die Simulationspuppen und das medizinische Material. Auf eine kurze Einführung zum Thema kritisch krankes Kind folgt ein praktisches Training an der Simulationspuppe. Die Szenarien werden per Video aufgezeichnet und anschließend mittels Videoanalyse und einer strukturierten Nachbesprechung ("Debriefing") besprochen.

 

Nach jedem Simulationstraining bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen anonymen Feedbackbogen. Auf den bisherigen Antwortbögen wurde die Lehrveranstaltung als sehr positiv empfunden, insbesondere die erstmals mögliche Zusammenarbeit von Medizinstudierenden und Studierenden der Gesundheits- und Krankenpflege. Als Verbesserungspotenzial wurde häufig die fehlende Möglichkeit, im Rahmen des Studiums mehr Simulationstrainings dieser Art zu machen, angegeben.

 

Das interprofessionelle Simulationstraining ist aktuell seit zwei Jahren erfolgreich umgesetzt und kann regelmäßig stattfinden. Aufgrund der komplexen Technik und der mangelnden personellen Ressourcen werden wir jedoch immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Durch finanzielle Förderungen soll es möglich werden, diese Problematik zu reduzieren. Einerseits könnten technische Probleme schneller behoben werden. Andererseits wäre es möglich, mehr Kurse anbieten zu können. Dafür müssen zusätzliche Instruktorinnen und Instruktoren ausgebildet werden. Für die Ausbildung sind jedoch teure vorbereitende Simulationskurse notwendig. Mithilfe finanzieller Unterstützung könnten weitere wissenschaftliche Projekte gefördert werden. Das hoch motivierte wissenschaftliche Team (6 Publikationen im Jahr 2017) könnte mit Unterstützung finanzieller Ressourcen Equipment zur Messung von Teamarbeit, Stress, und Verhalten in solchen Situationen anschaffen. Damit könnte der Effekt auf die Zusammenarbeit evaluiert und das Training weiter verbessert werden. In weiterer Folge sollen auch Hilfsmittel zur Verbesserung der Patientensicherheit (z.B. Checklisten) im Simulationsbereich sowie im klinischen Alltag erarbeitet werden. Das langfristige Ziel wäre es, die Häufigkeit der Simulationstrainings zu erhöhen, um so die Teilnehmerzahl steigern zu können. Außerdem möchten wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mehrere Durchgänge im Simulationssetting anbieten können, damit die neu gelernten Inhalte nochmal trainiert und erlebt werden können, um diese für den späteren klinischen Alltag zu festigen. Zusätzlich wäre es möglich eine Technikerin bzw. einen Techniker anzustellen, der/die uns bei der Bedienung der komplexen Technik unterstützen würde. Wir arbeiten an einer Implementierung im Zuge des Curriculums sowohl der Medizinischen Universität als auch der Krankenpflegeschule, um das Training so vielen Auszubildenden anbieten zu können wie möglich.

Dieses Ziel wird zu einem großartigen Fortschritt in der interprofessionellen Ausbildung der Medizinstudierenden und Studierenden im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege sowie letztendlich zu der Erhöhung der Patientensicherheit führen.

 

 

Referenzen:

1. Institute of Medicine Committee on Quality of Health Care in A. In: Kohn LT, Corrigan JM, Donaldson MS, editors. To Err is Human: Building a Safer Health System. Washington (DC): National Academies Press (US)

2. Makary MA, Daniel M. Medical error-the third leading cause of death in the US. BMJ (Clinical research ed). 2016;353:i2139.

3. Rall M, Lackner CK. Crisis Resource Management (CRM).Notfall + Rettungsmedizin. 2010;13(5):349-56.

4. Walkenhorst U, Mahler C, Aistleithner R, Hahn EG, Kaap-Frohlich S, Karstens S, et al. Position statement GMA Committee--"Interprofessional Education for the Health Care Professions". GMS Zeitschrift fur medizinische Ausbildung. 2015;32(2)

Positionierung des Lehrangebots

Das Lehrangebot richtet sich an Diplomstudierende der Medizinischen Universität Wien im 3. - 6. Jahr sowie an Krankenpflegeschülerinnen und -schüler im dritten und letzten Jahr ihrer Ausbildung.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2018 nominiert.