Übung Sozialpsychologie „Holocaust Consciousness — An Intercultural and Interdisciplinary Approach through Media Studies and Psychology”

Würdigung der Jury

In dem Konzept der Lehrveranstaltung „Holocaust Consciousness – An Intercultural and Interdisciplinary Approach through Media Studies and Psychology” bringen Ass.Prof.in Nora Ruck, Dr. Markus Brunner und Prof.in Bernadette Wegenstein Studierende mit unterschiedlichen individuellen Familiengeschichten und verschiedenen kollektiven Erinnerungskulturen an den Holocaust in einen interkulturellen Austausch.
Studierende der Psychologie an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien und Studierende am Center for Advanced Media Studies der Johns Hopkins University in den USA erwerben in einem internationalen und interdisziplinären Lern-Setting sowohl fachspezifische Kompetenzen in Sozialpsychologie und Medienwissenschaften als auch fächerübergreifende Kompetenzen in den Bereichen Interkulturalität, Interdisziplinarität, Selbstreflexion, wissenschaftliches Diskutieren, digitale Medien sowie Wissenschaftsenglisch.
Dies wird realisiert durch die Kombination vielfältiger Methoden wie einer forschungsorientierten Projektarbeit in interkulturellen und interdisziplinären Kleingruppen, einer Verwendung digitaler Medien, die die internationale Zusammenarbeit erst ermöglichen, oder einer Durchführung von Interviews mit Familienangehörigen.
Besonders durch die persönliche Lerndimension und Selbstreflexion, in der den Studierenden „kritische Reflexion über eigene Verstrickungen und Vorurteile“ ermöglicht wird, hebt sich die von Ruck, Brunner und Wegenstein konzipierte Lehrveranstaltung von anderen Internationalisierungskonzepten ab.  
Sie erhalten den Ars Docendi-Preis für ihr modellhaftes Internationalisierungskonzept, in dem nicht nur Internationalität und Interkulturalität im Allgemeinen Beachtung finden, sondern insbesondere unterschiedliche Erinnerungskulturen zusammengebracht und sensibel reflektiert werden.

Auszug aus dem Gutachten von
Dipl.-Phys. Dr. Christiane Stroth
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

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Konzept

Ziele

Ziele: In dieser Kooperation der Sigmund Freud Privatuniversität SFU in Wien und dem Center for Advanced Media Studies der Johns Hopkins University JHU in Baltimore (U.S.A.), sollen die Studierenden durch interkulturellen Austausch und in interkultureller und interdisziplinärer psychologischer und medienwissenschaftlicher Projektarbeit die psychologischen (Nach)Wirkungen des Holocaust sowohl auf Seiten der Verfolgten des NS als auch auf Seiten der TäterInnen und MitläuferInnen sowie der nachfolgenden Generationen verstehen. Sie können öffentliche Diskurse und kollektive Erinnerungskulturen kritisch diskutieren und einordnen und haben interdisziplinäre Kompetenzen an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Medien/Filmwissenschaft erworben. Zudem gehören Fachkompetenzen in Sozialpsychologie und Medienwissenschaft sowie verallgemeinerbare Kompetenzen in Interdisziplinarität, Selbstreflexion, Interkulturalität, wissenschaftlichem Diskutieren, Medienkompetenz sowie Wissenschaftsenglisch zu den Zielen.

 

Ausgangslage: Diese Lehrveranstaltung ist durch Beobachtungen in der Lehre an der SFU motiviert, dass sich die in Österreich hegemonialen Diskurse über den Holocaust auch in entsprechenden Diskussionen in universitären Lehrveranstaltungen wiederfinden und dadurch ein adäquates Verständnis der psychologischen Dimensionen und Nachwirkungen des Holocaust erschwert wird. So beobachten wir immer wieder in Lehrveranstaltungen, wie es zu Konsensbildungen zwischen den Studierenden kommt, z.B. darüber dass ‚alle ÖsterreichischerInnen oder Deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs gewesen seien‘ oder ‚dass man in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg nicht so klar zwischen TäterInnen und Opfern entscheiden könne wie etwa in Bezug auf die Sklaverei in den USA‘. Oftmals erfahren wir erst in Gesprächen nach der LV, dass sich jüdische Studierende hier ausgeschlossen fühlen und/oder sich nicht trauen, dem Konsens etwas entgegenzusetzen. Wir vermuten, dass diese Konsensbildungen viel mit den eigenen Familiengeschichten der Studierenden zu tun haben und daher wollten wir unsere Studierenden ins Gespräch mit Studierenden bringen, die mehrheitlich sowohl über andere Familiengeschichten verfügen als auch in andere kollektive Erinnerungskulturen an den Holocaust eingebettet sind.

 

An der SFU sind jüdische Studierende in der Minderheit; die meisten Studierenden kommen aus Familien, in denen Familienmitglieder aktiv am Krieg oder am Holocaust beteiligt waren oder aus MitläuferInnenfamilien, während einige wenige Holocaustüberlebende oder Holocaustopfer oder aktive WiderstandskämpferInnen unter ihren Vorfahren zählen. Die Studierenden an der JHU gerade zu Seminaren, die den Holocaust thematisieren, kommen dagegen zu 90% aus jüdischen Opferfamilien. Sie erzählen von den Geschichten, die sie aus der Familie mitbekommen haben, der Groß- bzw. Urgroßeltern. Ein Großteil der restlichen Studierenden in Seminaren zum Holocaust sind Latinos, African Americans oder koreanischer Herkunft und kommen zu solchen Seminaren wegen eines allgemeinen Interesses an Genocide Studies.

 

Aus diesen Beobachtungen und im Gespräch mit Bernadette Wegenstein und ihren Erfahrungen an der JHU ist die Idee entstanden, die kulturellen Unterschiede in der Erinnerungskultur an den Holocaust sowie in der Diskussionskultur an den Universitäten zu nutzen, um damit einen Lernprozess bei den Studierenden in Gang zu bringen, der durch reine Wissensvermittlung nicht erreichbar wäre.

Beschreibung

Das interkulturelle und interdisziplinäre Seminar zur psychologischen und medialen Dimension von Holocaust Consciousness in den USA, in Deutschland und in Österreich wird gemeinsam von der Medienwissenschaftlerin Bernadette Wegenstein an der Johns Hopkins University JHU in Baltimore und den PsychologInnen Nora Ruck und Markus Brunner an der Sigmund Freud PrivatUniversität SFU Wien gehalten. Aus psychologischer Perspektive geht es um eine Sozialpsychologie der Nachwirkungen der Shoa im interkulturellen Kontext in den USA sowie in Österreich. Aus medien- bzw. filmwissenschaftlicher Perspektive wird historisch der Verbildlichung des Holocaust nachgegangen. Es wird in Präsenzeinheiten, Kleingruppen und einzeln gearbeitet: Einzeln bereiten die Studierenden Texte und Filme zu den Präsenzeinheiten vor und führen Interviews mit ihren Familienangehörigen über Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. In interkulturellen und interdisziplinären Kleingruppen verfassen die Studierenden eine Gruppenarbeit zu einem Thema der Lehrveranstaltung. Die Präsenzeinheiten der Seminare sind z.T. parallel, sodass sich die Lehrenden und Studierenden der JHU und der SFU zu fünf Telekonferenzen treffen, um sich kennen zu lernen und um zu diskutieren. Fachkompetenzen in Sozialpsychologie und Medienwissenschaft sowie verallgemeinerbare Kompetenzen in Interdisziplinarität, Selbstreflexion, Interkulturalität, wissenschaftlichem Diskutieren, Medienkompetenz sowie Wissenschaftsenglisch stehen im Vordergrund.

Internationalisierung: Lernen durch interkulturellen Erfahrungs- und Wissensaustausch

 

Interkulturelles Lernen ist das Fundament dieser Lehrveranstaltung. Im Einlassen auf Studierende aus einer anderen Erinnerungskultur an den Holocaust sowie mit anderen Familiengeschichten bekommen die im Seminar diskutierten sozialpsychologischen Theorien zu den und filmischen Darstellungen der psychologischen Nachwirkungen des Holocaust eine persönliche Lerndimension, die durch reine Wissensvermittlung erreichbar ist.

 

Das interkulturelle Lehrteam bietet in etwa dasselbe Seminar an der Psychologie der SFU Wien und an der Medienwissenschaft der JHU Baltimore zu parallelen Zeiten in der Woche an. Zur geteilten Seminarlektüre gehören sozialpsychologische Texte über Erinnerungskulturen an den Holocaust in Österreich, Deutschland und den USA, über psychologische Nachwirkungen des Holocaust auf Überlebende sowie über unterschiedliche intergenerationelle Dynamiken in Familien von Verfolgten des NS sowie von Täter_innen und Mitläufer_innen des NS. Zudem erarbeiten sich alle Studierenden und Lehrenden einen Korpus an Filmen, die als typisch für die Erinnerungskultur an den Holocaust in Deutschland, Österreich und den USA gelten. Das Kernstück der interkulturellen und interdisziplinären Zusammenarbeit sind Projektarbeiten in Kleingruppen, zu denen jeweils österreichische und U.S.-amerikanische Studierende gehören, und die in einer gemeinsamen Abschlussarbeit zu einem Thema der Lehrveranstaltung münden. Ein weiterer Eckpfeiler sind Interviews mit Familienangehörigen, die alle Studierenden im Lauf des Semesters führen und über die sie sich in den Kleingruppen und im Plenum austauschen (diese Interviews in die Abschlussarbeiten einzubauen wird explizit ermuntert).

 

Da das Semester an der JHU etwa einen Monat früher beginnt und insgesamt auch mehr Präsenzzeiten gefordert sind, weichen die Syllabi der JHU und der SFU Lehrveranstaltung etwas voneinander ab, insgesamt 5 Einheiten sind vollkommen deckungsgleich und werden per Skype gemeinsam gehalten.

 

Folgende Methoden und Kommunikationsformen ermöglichen unsere internationale Zusammenarbeit:

 

• Geteilte Lernplattform: JHU Blackboard wurde von der JHU für alle Studierenden und Lehrenden freigeschaltet. Dort befinden sich der gemeinsame Syllabus, die Themenliste für die Gruppenarbeiten, alle Übersichts- und Anforderungsblätter sowie die zu lesenden Texte und die zu schauenden Filme. Zudem gibt es ein Diskussionsforum, in welchem sich die Studierenden zu interkulturellen thematischen Kleingruppen zusammenfinden.

• Gemeinsame Lehre via Skype: Zu 5 Seminareinheiten sind Skype-Konferenzen angesetzt, im Zuge derer sich die U.S.-amerikanischen und österreichischen Studierenden kennen lernen und im Plenum miteinander diskutieren und ihre Erfahrungen austauschen.

• Interkulturelle Kleingruppenarbeiten: Nach dem ersten gemeinsamen Skypetreffen finden sich die Studierenden auf der Lernplattform zu interkulturellen thematischen Kleingruppen zusammen, die gemeinsam an einer Seminararbeit arbeiten. Wir gehen davon aus, dass die Studierenden in ihren Kleingruppen regen Gebrauch von digitalen Kommunikationsmedien wie Skype, FaceTime, Email und natürlich der Lernplattform machen werden.

 

Hochschuldidaktiktische Methoden

 

• Interdisziplinäre Projektarbeit: Die Lehrveranstaltung setzt auf forschungspraktische Interdisziplinarität, um die fachlich-theoretischen sowie fachübergreifende Kompetenzen wie Selbstreflexion und lebensbegleitendes Lernen, interkulturelle Kompetenz, wissenschaftliches Diskutieren, Medienkompetenz sowie Wissenschaftsenglisch zu fördern.

• Verwendung digitaler Lehre: Die LV baut auf digitale Methoden wie eine geteilte Lernplattform und Skype-Treffen. Digitale Kommunikation unter den Studierenden wird erwünscht und ermuntert.

• Didaktische Methoden: In der Lehrveranstaltung wird ein didaktisches Portfolio aus Einzelarbeiten, Projektarbeit in der Kleingruppe und Plenumsdiskussionen eingesetzt. Einzeln bereiten die Studierenden Texte und Filme zu den Präsenzeinheiten vor und führen Interviews mit ihren Familienangehörigen über Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. In interkulturellen und interdisziplinären Kleingruppen verfassen die Studierenden eine Gruppenarbeit zu einem Thema der Lehrveranstaltung. Die Präsenzeinheiten der Seminare sind z.T. parallel, sodass sich die Lehrenden und Studierenden der JHU und der SFU zu fünf Telekonferenzen treffen, um sich kennen zu lernen und um zu diskutieren.

• Lernen anhand von Familiengeschichten: Alle Studierenden interviewen Familienangehörige zu Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs. Diese Interviews sollen nicht nur persönliche Lernerfahrungen erlauben sondern auch eine kritische Reflexion über eigene Verstrickungen und Vorurteile erlauben.

 

Verschränkung von Forschung und Lehre

 

Einbindung in die Forschungsschwerpunkte der Lehrenden:

Die Themen der Lehrveranstaltung orientieren sich an den Forschungsschwerpunkten von Dr. Markus Brunner, der über sozialpsychologische Traumatheorien promoviert hat, und Prof. Bernadette Wegenstein, deren Forschungsergebnisse über Holocaustüberlebende sowie über die Darstellung des Holocaust im Film in dem Film „See you soon again“, einem Film über den Holocaustüberlebenden Leo Bretholz, verarbeitet wurden. Über die fachliche Expertise bzw. das Feedback der LehrveranstaltungsleiterInnen ist der Zugang der Studierenden zum gegenwärtigen Stand der Forschung, zu laufenden Projekten sowie zu innovativer Forschung (z.B. Forschung im Medium Film) gewährleistet.

 

Eigenständige Forschungsarbeit:

Die Studierenden schließen die Lehrveranstaltung mit einer umfangreichen Seminararbeit ab, die jeweils von einer interdisziplinären und interkulturellen Kleingruppe im Team verfasst wird. Die genaue Fragestellung der Arbeit ist von den Studierenden in der Kleingruppe zu entwickeln und mit den LV-LeiterInnen abzusprechen. Am Semesterende stellen die Kleingruppen den Stand ihrer Forschung im Plenum vor, bevor sie sich mit dem eingearbeiteten Feedback ihrer KollegInnen und der Lehrenden an die Verschriftlichung ihrer Arbeiten machen. Die Studierenden können für diese Seminararbeit unter enger Supervision der LehrveranstaltungsleiterInnen selbst ein Thema wählen oder sich an einer von den LV-LeiterInnen erstellten Themenliste orientieren.

 

Studierendenzentrierung

 

Die Psychologie als Disziplin und als Studium ist dadurch gekennzeichnet, dass sich Forschungssubjekt und Forschungsobjekt überschneiden: Wenn wir die Psyche untersuchen, erforschen wir letztlich auch uns selbst und so gelten sozialpsychologische Erkenntnisse über intergenerationelle Dynamiken in Bezug auf die Nachwirkungen des Holocaust natürlich auch für unsere Studierenden und können sie aus angeleiteter Selbstreflexion auch Wesentliches über das Thema des Seminars lernen.

 

In dem vom österreichischen ÖFI und ORF hauptfinanzierten Film „See You Soon Again“ von Lukas Stepanik und Bernadette Wegenstein (2012), sind die Studierenden Leo Bretholz, einem in Baltimore lebenden Holocaust-Überlebenden Wiener Herkunft begegnet. Der Film beschreibt die classroom visits des Überlebenden und sein intensives Bedurfnis, seine Geschichte mit den jungen Generationen zu „teilen.“ Der Versuch, den Holocaust mit anderen Genoziden oder auch der Sklaverei in den USA zu vergleichen, bringt den alten Mann durcheinander und er kann es nicht ertragen. Die Studierenden in seinen Klassen verstehen aber, dass sein „erlebtes Trauma“ nicht nur „Geschichte“ ist, sondern auch seine Subjektivität verändert hat. Ähnlich sollen die Studierenden in Baltimore und Wien in Holocaust Consciousness lernen, dass ihre eigene Kultur, ihre Sozialisierung, und vor allem ihre Familiengeschichten entscheidend waren dafür, wie sie „Geschichte“ lernen und empfinden. Die beiden Erinnerungskulturen USA und Österreich hier zusammenzubringen ist ein pädagogisches Konzept, das auf der wahrhaften Begegnung mit dem Erlebten und dessen Erzählungen aufbaut.

 

Die Tatsache, dass es sich bei den Studierenden in Österreich mehrheitlich um Familiengeschichten handelt, die sowohl TäterInnen- als auch MitläuferInnen-Familien betreffen, während an der Johns Hopkins University gerade in Seminaren zum Thema Holocaust mehrheitlich EnkelInnen von ehemaligen Holocaust-Opfern teilnehmen, bedeutet für das pädagogische Konzept, dass wir uns langsam aneinander und auch an die Unterschiede in den Werten und Erwartungen des Lernens und Verstehens „herantasten“. Unsere Erfahrung in der Lehre an der SFU hat uns darauf sensibilisiert, hier besonders genau auf die Bedürfnisse und Grenzen der jüdischen Studierenden zu achten.

 

Den Balanceakt zwischen Freiheit und Selbstverantwortung auf der einen Seite und Vorgaben und Struktur auf der anderen Seite halten wir für einen der schwierigsten in der Lehre und er muss letzlich immer auf die konkreten Gegebenheiten abgestimmt sein. Bei der geplanten BSc. Lehrveranstaltung besteht u.E. ein Risiko in einem Zuviel an unterschiedlichen Inputs und Anforderungen (interkulturelle und interdisziplinäre Projektarbeiten, transkontinentale Skypetreffen und Plenumsdiskussionen und Kleingruppenarbeiten und Einzelarbeitsaufträge), weshalb wir uns für relativ viel (mögliche, nicht zwingende) Struktur entschieden haben, d.h. sehr klare Übersichts- und Anforderungsmaterialen und das Anbieten möglicher Themen für die Projektarbeiten, die von den Studierenden aber nicht gewählt werden müssen. Studierendenzentrierung bedeutet für uns auch, dass wir unsere Ziele wie auch unsere Bedenken klar kommunizieren und die Studierenden bitten, Kritik und Verbesserungsvorschläge jeweils konkret und zeitnah zu kommunizieren, sodass wir sie noch in der Lehrveranstaltung aufgreifen und adäquat auf die Bedürfnisse der Studierenden reagieren können.

 

Fachkompetenzen und verallgemeinerbare Kompetenzen

 

Fachspezifische Kompetenzen (Sozialpsychologie)

• Fachliche Kompetenzen: Anhand der individuellen Lektüre und der gemeinsamen Diskussion sozialpsychologischer Texte verstehen die Studierenden unterschiedliche sozialpsychologische Theorien zu den psychischen Folgen des Holocaust und zu intergenerationalen Übertragungsprozessen und können diese miteinander ins Gespräch bringen.

• Theoretische Kompetenzen: Die Studierenden können eine Theorie in ihren Grundzügen zusammenfassen, die wichtigsten Begriffe einer Theorie erkennen und korrekt formulieren, die unterschiedlichen Bedeutungen desselben Begriffs in verschiedenen Theorien erkennen und benennen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Theorien auf den Punkt bringen sowie (zumindest in Ansätzen) eine eigenständige Kritik an einzelnen Theorien formulieren und argumentieren.

 

Fachübergreifende bzw. verallgemeinerbare Kompetenzen:

• Interdisziplinarität: In den interdisziplinären und interkulturellen Kleingruppen erforschen die Studierenden ein Sub-Thema der Lehrveranstaltung jeweils aus einer psychologischen und aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive. Sie erwerben Grundfertigkeiten in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Die Studierenden können über die jeweils andere disziplinäre Perspektive die methodischen und erkenntnistheoretischen Voraussetzungen der eigenen Disziplin besser erkennen und kritisch reflektieren.

• Selbstreflexion und lebensbegleitendes Lernen: Durch in Einzelarbeit durchzuführenden Interviews von Familienangehörigen erwerben die Studierenden ein grundlegendes Verständnis dafür, was das Forschungsthema mit ihnen selbst zu tun hat.

• Interkulturelle Kompetenz: Durch die Arbeit in interkulturellen Kleingruppen erwerben die Studierenden Fähigkeiten in der Kommunikation mit Studierenden aus einer anderen Kultur. Wichtiger noch erkennen die Studierenden in diesem Austausch die eigenen kulturellen Voraussetzungen und können diese kritisch reflektieren.

• Wissenschaftliches Diskutieren: In den Plenumsdiskussionen werden die Studierenden von den LV-LeiterInnen ermuntert, aktiv an der Diskussion teilzunehmen, Fragen an wissenschaftliche Texte zu formulieren, eine Argumentationen zu entwickeln und Kritik an wissenschaftlichen Texten zu üben.

• Medienkompetenz: Um die interkulturellen Projektarbeiten zu koordinieren, werden die Studierenden unterschiedliche soziale Medien und Kommunikationstechnologien wie die Lernplattform „Blackboard“, Videokonferenzen, Email und andere Kommunikationsformen verwenden. Die Studierenden werden vor allem von der Medienwissenschaftlerin Prof. Wegenstein dazu ermuntert und angeleitet, darüber zu reflektieren, was diese Digitalität die Form ihrer wissenschaftlichen Zusammenarbeit prägt.

Wissenschaftsenglisch: Da die eigenen Projektarbeiten in interkulturellen Teams durchgeführt werden, werden die wissenschaftsrelevanten Englischkenntnisse der SFU Studierenden gefördert.

Positionierung des Lehrangebots

Die eingereichte Lehrveranstaltung (Übung Sozialpsychologie) ist im sechsten/letzten Semester des Bachelor-Studiums Psychologie an der Sigmund Freud Privatuniversität positioniert. Sie ergänzt die Vorlesung „Sozialpsychologie“ und führt zudem eine Vorlesung und eine Übung Sozialpsychologie vom 5. Semester fort, die von den Ko-LeiterInnen Nora Ruck und Markus Brunner gehalten wurden. Die LVs im Fach Sozialpsychologie sind mehrstufig forschungsgeleitet: Im 5. Semester werden Studierende in grundlegende Theorien und Forschungen der Sozialpsychologie eingeführt, während sie im 6. Semester bei eigenen Forschungsarbeiten begleitet werden. Sie können zudem in einer MSc. Spezialisierung „Sozialpsychologie und psychosoziale Praxis“ fortgeführt werden. Das Undergraduate Curriculum an der Johns Hopkins University bietet diese Lehrveranstaltung als allgemeiner Humanities Major an, den die Studierenden als Juniors oder Seniors wählen können.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 in der Kategorie Umsetzung hochschulischer Internationalisierungskonzepte in der Lehrveranstaltung nominiert.