Akademische Integrität

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Für die mdw-Universität für Musik und darstellende Kunst Wien als eine der weltweit renommiertesten Kunstuniversitäten ist die Qualität wissenschaftlichen Forschens und Arbeitens ein zentrales Anliegen (vgl. Entwicklungsplan der mdw 2016-18 S. 21, Leistungsvereinbarung 2016-18 S. 27). Daher wurde das für die österreichischen Universitäten einzigartige Projekt „Akademische Integrität“ konzipiert und begonnen, das insbesondere die Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens während des Studiums mit Fokus auf Plagiatsprävention thematisiert.

Beschreibung

An der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien wurde 2016 ein österreichweit einzigartiges Projekt ins Leben gerufen. „Akademische Integrität“ (AKI) hat die Steigerung der Qualität der Lehre im Zusammenhang mit Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens während des Studiums zum Ziel und umfasst in seiner Gesamtheit die integre wissenschaftliche Arbeitsweise der Lehrenden, Forschenden und Studierenden.

 

In den definierten Handlungsfeldern – Plagiatsprävention und Plagiatsdetektion – konnten unterschiedliche Handlungsbereiche lokalisiert werden, die unter Mithilfe unterschiedlicher Stakeholder in Angriff genommen werden. Neben einer Informations- und Beratungsschiene mit vielfältigen Aktivitäten wurden insbesondere zwei Arbeitsgruppen mit ausgewählten Lehrenden eingerichtet, die in diskursiver Weise grundlegende Materialien erarbeiten. Ein eigens entwickeltes Logo und zielgerichtete Materialien (Richtlinie, Türhänger, Filme, Lesezeichen, Postkarten, Aufkleber etc. mit QR-Code zur AKI-Website) wurden zur Dokumentation und Dissemination entwickelt.

 

Mit dem Projekt „Akademische Integrität“ möchte die mdw die Thematik positiv, also als Kompetenzerwerb, vermitteln. Durch direkte Information, abrufbare Materialien und transparente Prozesse wird es möglich, dass Lehrende für die Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens wertvolle Anregungen erhalten und dadurch kompetenzorientiert für Studierende gute wissenschaftliche Praxis besser darstellen und aufbereiten können.

Mit Unterstützung des Rektorats der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unter Projektleitung der Abteilung für Organisationrecht und Berufungsmanagement konnte im Jahr 2016 ein österreichweit einzigartiges Projekt „Akademische Integrität“ ins Leben gerufen werden. Während sich Universitäten wie die Universität Wien oder Universität Salzburg in hervorragender Weise mit der Plagiatskontrolle beschäftigen und eigene Workflows dafür entwickelt haben, geht das Projekt der mdw in eine weit universellere Richtung. Konsequent wurde neben der Plagiatsdetektion ein weitreichendes Präventionskonzept (vgl. Empfehlungen der Österreichischen Hochschulkonferenz zur Stärkung der Qualität der hochschulischen Lehre, 2014, S. 21) erstellt, das in dieser Ausprägung und Ausgestaltung nur an der mdw vorhanden ist. Bewusst wurde die Bezeichnung „Akademische Integrität“ gewählt um zu betonen, dass hier WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen mit ihren Studierenden, also die HauptprotagonistInnen unserer Universität, gleichermaßen angesprochen werden. „Akademische Integrität“ (AKI) hat die Steigerung der Qualität der Lehre im Zusammenhang mit Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens während des Studiums zum Ziel. In seiner Gesamtheit umfasst es die integre wissenschaftliche Arbeitsweise der Lehrenden, Forschenden und Studierenden gemeinsam mit der Thematik des wissenschaftlichen Schreibens und der guten wissenschaftlichen Praxis, der alle Angehörigen einer Universität verpflichtet sind.

Das Kompetenzzentrum für Akademische Integrität an der mdw ist in der Abteilung für Organisationrecht und Berufungsmanagement verortet und steht allen Angehörigen des Hauses – Lehrenden und Forschenden, Studierenden und Verwaltungspersonal – zur Verfügung. Es versteht sich als Schnittstelle für Bewusstseinsbildung im Bereich der wissenschaftlichen/künstlerischen Redlichkeit. Hier laufen die Fäden für Prävention, spezifische (Lehr-)Veranstaltungen, Austausch von Arbeitsmaterialien, Information über Arbeitsmethoden und Berichte neuerster Entwicklungen auf diesem Gebiet sowie die Durchführung der Überprüfung von Abschlussarbeiten zusammen.

Ausgehend von den Erfahrungen von Betreuenden mit der Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitstechnik und unter Berücksichtigung bestehender Unsicherheiten bei Studierenden beim Verfassen von Abschlussarbeiten wurden zwei große Handlungsfelder an der Universität definiert: Plagiatsprävention und Plagiatsdetektion. Innerhalb dieser Handlungsfelder konnten unterschiedliche Handlungsbereiche lokalisiert werden, die unter Mithilfe relevanter Stakeholder in Angriff genommen werden.

 

Präventionsschiene als Vermittlungsunterstützung

Die Intention der Präventionsschiene besteht in der Stärkung der Kompetenz der Lehrenden und Studierenden bezüglich wissenschaftlicher Arbeitstechniken im Hinblick auf schriftliche Arbeiten. Fehlende Informationen, unterschiedliche Lehrinhalte und unterrepräsentiertes Wissen bei der Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens bilden dabei die Ausgangspunkte. Obwohl insbesondere den Lehrenden einer Kunstuniversität die Bedeutung wissenschaftlichen Arbeitens weitgehend bewusst ist, sind oftmals Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten (wie unterschiedliche Zitierweisen, kunstspezifische Besonderheiten) vorhanden, die die konkrete Vermittlung an die Studierenden erschweren. Daher ist der Wunsch vieler Lehrender nach Unterstützung für ihre eigene Vermittlungstätigkeit sehr ausgeprägt. Die Präventionsschiene setzt genau da an und versucht in zwei Strängen (Information und Beratung) die Lehrenden und Studierenden zu unterstützen.

Der Informationsstrang forciert einerseits die Bewusstseinsbildung gezielt auf eine niederschwellige Art, indem Studierende mit Filmen, Lesezeichen, Postkarten, Aufklebern auf das Thema und dessen Wichtigkeit aufmerksam gemacht und u.a. mittels QR-Code auf die neu entwickelte AKI-Website hingewiesen werden. Umfangreiche Informationsmaterialien (Hardcopy und digital) und spezifische Vorträge ausgewählter ExpertInnen runden das Angebot auf diesem Sektor ab (z.B. Workshop mit einem Experten der Universität Mainz zu „Der fremde Geist in meinem Text“). Den Lehrenden wird ebenfalls – neben der Bewusstseinsbildung – relevantes Material zur Verfügung gestellt, das sie bei der Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens unterstützt: von grundsätzlichen Unterlagen zu wissenschaftlicher Arbeitstechnik bis zu themenspezifischen Medien, von Antworten zu Grundsatzfragen bis zu exemplarischen Vermittlungsinhalten.

Die Beratungsschiene wiederum ist explizit zur Qualitätssteigerung der Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens und der schriftlichen Abschlussarbeiten eingerichtet. Bezüglich der Lehrenden und Forschenden an der Universität wurden insbesondere zwei Aktivitätsfelder entwickelt. Externe ExpertInnen zu Bereichen wie etwa wissenschaftliche Arbeitstechnik, Wissenschaftsethik oder akademisches Schreiben (z.B. Leiterin des SchreibCenter der Universität Klagenfurt) wurden zu zentralen Vorträgen mit anschließender Diskussion unter Einbindung interner Lehrender eingeladen. Daraus entwickelte sich eine Art Wissenstankstelle und Treffpunkt zum Erfahrungs- bzw. Planungsaustausch. Rückmeldungen von Lehrenden bezeugen den nachhaltigen Einfluss dieser Veranstaltungen auf die eigene Vermittlungstätigkeit.

Zudem wurden zwei Arbeitsgruppen mit ausgewählten Lehrenden eingerichtet, die in diskursiver Weise grundlegende Materialien für die mdw erarbeitet haben bzw. erarbeiten. Aufgrund der unterschiedlichen Formen der Abschlussarbeiten an der mdw (Bachelorarbeiten, künstlerische Diplom-/Masterarbeiten, wissenschaftliche Diplom-/Masterarbeiten, wissenschaftliche Dissertationen) unterscheiden sich – je nach Abschlussarbeitstyp – die Anforderungen und Lehrinhalte. Daher wurde zum einen eine Arbeitsgruppe der BetreuerInnen künstlerischer Abschlussarbeiten eingerichtet, um die spezifischen wissenschaftlichen Anforderungen an den schriftlichen Teil künstlerischer Abschlussarbeiten zu definieren, zu diskutieren und in einer Richtlinie festzuhalten. Diese wurde dann vom Rektorat beschlossen und bereits als mdw-interne Richtlinie des Rektorats zur künstlerischen Diplom-/Masterarbeit kundgemacht. Diese Richtlinie bietet konkrete Hilfestellungen für Aufbau, Inhalt und erwartetes wissenschaftliches Arbeiten, was von den Lehrenden seither zunehmend bei ihrer Vermittlungstätigkeit verwendet wird. Zum anderen wurde eine Arbeitsgruppe mit den BetreuerInnen wissenschaftlicher Abschlussarbeiten eingerichtet, um auch hier fächerübergreifende Mindeststandards für wissenschaftliches Arbeiten zu diskutieren und festzulegen. Aufgrund der ausgeprägten fachspezifischen Unterschiedlichkeiten (an der mdw sind 18 wissenschaftliche Fächer von Musikwissenschaft bis zu Musiksoziologie vertreten) ist der Diskussionsprozess aufwändiger und weitreichender, sodass frühestens Ende 2017 mit einem Ergebnis gerechnet werden kann.

In diesem Zusammenhang wird betont, dass die mdw als herausragende Kunstuniversität Studien in hochspezialisierten künstlerischen Bereichen in Verbindung mit spezifischen wissenschaftlichen Inhalten anbietet. Die im künstlerischen Bereich hervorragend qualifizierten Lehrenden und Studierenden finden sich in einer Doppelrolle als KünstlerInnen, aber auch als mit wissenschaftlichem Schreiben befasste Personen wieder. Für diese spezielle Konstellation wurde ein maßgeschneidertes Programm entwickelt. Daher ist hier die beratende Bewusstseinsbildung und die expertengeleitete Informationsverbreitung von zentraler Bedeutung für die Qualitätssteigerung der Lehrenden zur eigenen Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens.

Für die Studierenden werden auf Beratungsebene umfassende Maßnahmen zum wissenschaftlichen Schreiben geboten, was von spezifischen Vorträgen ausgewählter ExpertInnen bis zur im Herbst 2016 eingerichteten kostenfreien Schreibberatung der HochschülerInnenschaft reicht. Zudem wurde erstmals in Kooperation mit der HochschülerInnenschaft und der Universitätsbibliothek die „mdw write night Vol. 1“ am 27.01.2017 von 17.00 bis 02.00 abgehalten, bei der ca. 50 angemeldete Studierende mit Schreibberatung (interne und externe Beraterinnen) an ihren Abschlussarbeiten schrieben. Zudem gab es ein zielgerichtetes Workshopprogramm (6 Workshops von Literaturrecherche über Schreibblockade bis zur richtigen Haltung am Laptop), das Elemente des wissenschaftlichen Arbeitens thematisierte und wertvolle Impulse für die eigene Arbeit gab. Abgerundet wurde das Angebot durch das AKI-Quiz, bei dem nach richtiger Beantwortung der Wissensfragen zur Akademischen Integrität drei attraktive Preise (1. Preis Laptop) verlost werden konnten. Die „mdw write night Vol. 1“ war ausgebucht und ein großer Erfolg, weshalb die Neuauflage mit 26.01.2018 bereits fixiert wurde.

Als zentrale Anlaufstelle werden alle Ergebnisse dieses Projekts auf einer spezifischen Website – mdw.ac.at/aki – für die Angehörigen der Universität zur Verfügung gestellt. Durch ein eigens entwickeltes Logo „Akademische Integrität“ und dem Sublogo „write [!] right“ (siehe www.mdw.ac.at/aki/) soll der Wiedererkennungswert erhöht und die Identifizierung mit den vermittelten Werten erleichtert werden. Auf dieser Website finden sowohl Lehrende als auch Studierende die vielfältigsten Informationsbereiche – von der Einreichung einer Arbeit, diversesten Materialen, Veranstaltungstipps und weiterführenden Link über Video-Aufzeichnungen von Vorträgen bis hin zu FAQs. Als äußerst wichtig erachtet wird in diesem Zusammenhang, dass die Thematik positiv, also als Kompetenzerwerb, vermittelt wird, das Projekt sich also durch Motivation zur Beschäftigung mit Akademischer Integrität auszeichnet.

 

Plagiatsdetektion als Qualitätssteigerung

Die Plagiatsdetektionsschiene beschäftigt sich mit der verpflichtenden Überprüfung aller Abschlussarbeiten der Universität mithilfe einer Software, die die Arbeiten auf Textidentitäten überprüft. Die Studierenden werden in eigens für sie erstellten Anleitungen und Formularen über den Einsatz dieser Software informiert (vgl. Empfehlungen der Österreichischen Hochschulkonferenz zur Stärkung der Qualität der hochschulischen Lehre, 2014, S. 21). Der Workflow setzt bewusst vor der Beurteilung der Arbeit durch die betreuende Person an, da im Bedarfsfall nach einem mehrstufigen Interventionsprozess die Qualität der Arbeit wesentlich verbessert werden muss. Die Ergebnisse der Software werden zentral ausgewertet und den BeurteilerInnen wird ein Feedback der verdächtigen Stellen automationsunterstützt übermittelt. Eine Nachbesprechung der Ergebnisse kann jederzeit erfolgen. Ob und in welchem Ausmaß dann die Ergebnisse tatsächlich für relevant erachtet werden und in die konkrete Beurteilung einfließen, obliegt der betreuenden Person. Sollte sich allerdings herausstellen, dass viele plagiatsverdächtige Stellen in einer Arbeit aufgefunden wurden, aber der Anteil der Eigenständigkeit der Leistung noch hoch genug ist, besteht die Möglichkeit die Arbeit zu verbessern und neuerlich einzureichen. In den Fällen, wo die Arbeit aufgrund des Anteils der plagiierten Stellen zu hoch ist, dass eine Verbesserung nicht mehr möglich ist, darf die Arbeit nicht beurteilt werden und hier muss eine gänzlich neue Arbeit verfasst werden. Damit wurde ein Regulativ geschaffen, das einen fehlerhaften Umgang mit der guten wissenschaftlichen Praxis im Vorfeld erkennen lässt. Darüber hinaus kann danach gemeinsam mit Betreuenden, Studierenden, der Vizerektorin für Lehre, Kunst und Nachwuchsförderung und den ExpertInnen des Kompetenzzentrums für Akademische Integrität eine bestmögliche Neubearbeitung der Arbeit besprochen werden.

Durch diese mehrstufige Form der Plagiatsdetektion ist es möglich, intertextuelle Fehler aufzuspüren und in Rückkoppelung mit den BetreuerInnen und Studierenden individuelle Lösungen zu finden. Durch die Einbeziehung der Betreuenden in diesen Prozess wird dieser für die BetreuerInnen nachvollziehbar und annehmbar. Er bildet zudem die Basis dafür, dass sie bei den nächsten Betreuungen von Abschlussarbeiten ihr Augenmerk gezielter darauf richten. Zugleich gibt dieser Prozess den Betreuenden die Chance, gewonnene Erkenntnisse der Plagiatsüberprüfung präventiv in ihre Lehre einzubeziehen und aktiv gutes wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln.

 

Mit dem universitätsinternen Projekt „Akademische Integrität“ möchte die mdw gemeinsam mit den Lehrenden, im Sinne eines Best-Practice-Vorbilds, ihre Studierenden auf das Thema aufmerksam machen, sie hinführen und informieren. Es soll ein nachhaltiger Eindruck vermittelt werden, was in diesem Zusammenhang erwünscht und erlaubt ist bzw. wo die Grenzen liegen. Durch direkte Information, abrufbare Materialien und transparente Prozesse wird es möglich, dass Lehrende für die Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens wertvolle Anregungen erhalten und dadurch kompetenzorientiert für Studierende gute wissenschaftliche Praxis besser aufbereiten können.

Positionierung des Lehrangebots

Diplom-/Masterstudien, Doktoratsstudium

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.