Master Exchange Program „Media and Communication Management“ (MCM) UE I: UE Projekt I MCM – Media and Communication Management: Socio-cultural and socio-technical dimensions of media and communication PJ Projekt III: Master Exchange Program: Media and Co

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Das Angebot von internationalen Austauschprogrammen im Rahmen eines universitären Studiengangs zählt mittlerweile zu den unverzichtbaren Standardleistungen einer Universität und ist längst kein besonderer Wettbewerbsvorteil mehr. Während es innerhalb der Europäischen Union das so genannte „Erasmus-Programm“ als weitgehend standardisiertes Austauschprogramm zwischen europäischen Universitäten gibt, ist für die meisten europäischen Studierenden, die über Europa hinausdenken, die USA nach wie vor das erstrebenswerteste Ziel. Darüber hinausgehende, die Komfortzone der westlichen Welt verlassende, Austausch-Programme sind noch eher vereinzelt vorzufinden. Dabei sind es gerade diese neuen Herausforderungen, die durch den Bedeutungszuwachs und den wirtschaftlichen Aufschwung Asiens und dabei insbesondere China die aktuelle Globalisierungswelle bestimmen. Der Blick in den Fernen Osten wird zur unverzichtbaren Orientierung in der neuen Weltwirtschaftsordnung.

Die Hauptmotivation bei der Gründung des Programms im Jahre 2004 lag darin, den Studierenden an der Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg erhöhte Karrierechancen durch einen einsemestrigen China-Aufenthalt zu ermöglichen.

Beschreibung

„Media and Communication Management“ (MCM) aus europäischer und asiatisch/chinesischer Perspektive ist das zentrale Thema dieses Projekts, welches aus einem „incoming“ Wintersemester an der Heimatuniversität in Salzburg und dem anschließenden „outgoing“ Auslandssemester an der School of Journalism an der Fudan University in Shanghai besteht. Die gemeinsame Arbeit in kleinen, gemischten Gruppen (academic tandems) ermöglicht eine first-hand-experience hinsichtlich (wissenschafts-) kultureller Unterschiede und erlaubt die Bereicherung individueller Sichtweisen. Zudem werden Exkursionen und kleinere Field-Trips zu Medienunternehmen und Kommunikationsorganisationen in Salzburg, München und Brüssel durchgeführt, reflektiert und diskutiert.

Ein zentraler Bestandteil dieses Projekts ist das transkulturell-soziale Buddy-System. Jeder/m Salzburger Studierenden wird einem/r chinesischen Austauschstudierenden zugeordnet und übernimmt damit eine wichtige Rolle für die Eingewöhnung in unser kulturelles System um gleichzeitig transkulturelle Erfahrungen zu erwerben. Somit besteht neben dem akademischen Tandem-System eine zweite Beziehungsebene, die v.a. auf sozio-kulturelle Dimensionen abzielt.

An der Fudan Universität sind fünf Lehrveranstaltungen für das MCM-Programm zu absolvieren, die alle für das Masterstudium Kommunikationswissenschaft anrechenbar sind. Somit kann das Studium bestenfalls in der Mindeststudienzeit absolviert werden. Ein wichtiges formales Erfolgskriterium.

Spätestens seit dem Ende der 1990er Jahre, nach Überwindung der Asien-Krise 1997-8, gibt es keinen Zweifel daran, dass sich China auf dem Weg zur mächtigsten Volkswirtschaft der Welt befindet. Aktuell erfährt China durch die sich veränderte globale Machtkonstellation einen weiteren Bedeutungsaufschwung. China ist zum Dauerbrenner in der Berichterstattung geworden. Das Bild, das dabei von China gezeichnet wird, ist jenes eines zentralistisch regierten Megastaats, in welchem demokratische Bewegungen unterdrückt, ökologische und humane Faktoren ignoriert und die wirtschaftlichen Pläne der kommunistischen Einheitspartei politisch durchgesetzt werden. Gleichzeitig sind die Menschen, vorwiegend die junge, urbane Generation, am westlichen Lebensstil orientiert und arbeiten rund um die Uhr ohne die arbeitsrechtlichen Errungenschaften in Europa.

Vieles an diesem Bild stimmt längst nicht mehr und es sind vor allem die globalen Medien und die digitalen Informations- und Kommunikationsnetzwerke, allen voran das Internet, die diese Bilder einerseits prägen und andererseits für deren Relativierung verantwortlich sind. Niemals zuvor in der Geschichte ist es möglich gewesen, sozusagen in Echtzeit Kontinente zu überbrücken und in direkte Kommunikation mit anderen Wirtschafts- und Kulturräumen zu treten. Was liegt also näher, als gerade Studierenden der Kommunikationswissenschaft die Möglichkeit zur Erfahrung aus erster Hand, zur unvermittelten Kommunikation und zum direkten Austausch mit der jeweils anderen Kultur zu ermöglichen. Schließlich sind sie es, die in Zukunft die Bilder von der jeweils anderen Kultur zeichnen werden, als Medien- und Kommunikationsprofis sowohl in den traditionellen als auch in den neuen Netzwerkmedien. Im konkreten Fall geht es um eine Austausch-Kooperation für Studierende der Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg und Studierende der School of Journalism der Fudan University in Shanghai.

KULTURELLE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE AKADEMISCHE LEHRE

Im Entwicklungsplan der Universität Salzburg wurde eine Erhöhung des Internationalisierungsgrades als ein zentrales Ziel festgehalten, wobei besonderes Augenmerk auf den Aufbau und Ausbau von internationalen Partnerschaften gelegt wird. Dabei steht bezüglich der Lehr- und Forschungskooperationen auch China im Blickwinkel des akademischen Interesses. Diese Entwicklung zeichnet sich auch in der chinesischen akademischen Landschaft ab: Bildung genießt in China einen hohen Stellenwert, neue Fachzeitschriften werden derzeit ins Leben gerufen wie auch vermehrt chinesische Autor/inn/en in westlichen Medien publizieren. Das Interesse am Aufbau von Netzwerken mit chinesischen Universitäten steigt rasant.

Gerade dieses Nutzen von Netzwerken entspricht der chinesischen Mentalität von guanxi, das oft unzureichend mit „Beziehungsmanagement“ übersetzt wird. Ein wichtiger Faktor bei guanxi beruht auf dem renquin-Prinzip, das im Sinne von Reziprozität zu verstehen ist und auf Wechselseitigkeit (wechselseitige Verpflichtungen) gründet. Kooperationen sind – zumindest zu Beginn – durch gegenseitige Besuche zu festigen, womit die persönliche Bedeutsamkeit signalisiert und das Fundament gegenseitigen Vertrauens durch permanente Aushandlungsprozesse hergestellt wird.

Nach den ersten, vom EPU (Eurasia Pacific Uninet) initiierten Vorgesprächen wurde im Oktober 2004 eine Vereinbarung (memorandum of understanding) zur Entwicklung einer internationalen Kooperation zwischen der Fudan University (School of Journalism) und der Universität Salzburg (Fachbereich Kommunikationswissenschaft) unterzeichnet und das „Sino-Austrian Center for Media and Management“ gegründet. Im zweiten Schritt erfolgte die Ausarbeitung eines Curriculums für das Master-Exchange-Programm „Media and Communication Management“ (April 2005). Die offizielle Unterzeichnung und somit der Startschuss für das MCM Austauschprogramm erfolgte am 26. Mai 2006 im Rahmen eines Treffens der Bildungsminister von China und Österreich im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft (EU-China Cooperation on higher education).

Diese langen Vorlaufzeiten haben sich im Laufe der Kooperation sehr positiv ausgewirkt. Die Beziehungsarbeit, die nach wie vor durch permanente Austauschakte geprägt ist, trug wesentlich zur Förderung gegenseitiger Anerkennung bei, die Grundlage jeder gelungenen Beziehung ist. In dieser Phase wurde auf Basis gegenseitigen Respekts und wechselseitiger Wertschätzung Vertrauen aufgebaut. Diese „bottom up“-Strategie des langsamen Aufbaus und des Initiierens überschaubarer Kooperation wie beispielsweise eines Studierendenaustauschsemesters war für den Fachbereich Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg bedeutsam.

AUFBAU UND INHALTLICHES KONZEPT

Die Kooperation erfolgt primär zwischen der Universität Salzburg und der Fudan University in Shanghai, wobei zwei weitere chinesische Universitäten – die Beijing Foreign Studies University (BFSU) und die Nanjing Normal University (NNU) – als „Juniorpartner“ eingebunden sind. Von allen teilnehmenden Partnern werden Studiengebühren erlassen, wovon insbesondere die österreichischen Studierenden profitieren. 20 Studierende aus Salzburg und 20 Studierende aus China haben pro Studienjahr die Möglichkeit, an dem Master-Exchange-Programm „Media and Communication Management“ teilzunehmen, das auf zwei Semester angelegt ist. Der erste Zyklus beginnt im Wintersemester an der Universität Salzburg. Ein spezielles Lehrangebot wurde für die Kooperation konzipiert. Die Basis bilden an beiden Partneruniversitäten je fünf verpflichtende, speziell auf das kommunikationswissenschaftliche Programm ausgerichtete englischsprachige Lehrveranstaltungen, die fakultativ durch weitere Lehrveranstaltungen ergänzt werden können. Im darauffolgenden Sommersemester studieren die österreichischen Studierenden an der Fudan University.

Der inhaltliche Aufbau des Austauschprogramms folgt einem multiperspektivischen Ansatz. Das Themenfeld der globalen Medien- und Kommunikationsstruktur wird aus drei Blickwinkeln interkulturell beleuchtet:

• „Kultur und Gesellschaft“: Medien und Kommunikation als Thema der Kultur wie Medienkultur, Unternehmenskultur, Medien- und Unternehmensethik sowie inter- und transkulturelle Aspekte

• „Technologie“: Medien und Kommunikation als Thema der Informations- und Kommunikationstechnologien, Technologie als Organisationsressource, Technologie im sozio-kulturellen Kontext

• „Ökonomie“: Medien- und Kommunikation als Wirtschaftsthema wie Medienökonomie und Kommunikationsmanagement

Neben diesem Basisprogramm werden auch einwöchige Exkursionen in die jeweiligen Hauptstädte (Wien und Peking) organisiert, um vor Ort die großen, nationalen Medieneinrichtungen zu besuchen. Damit wird den Studierenden auch ein Einblick in die wichtigsten Player der Medienbranche ermöglicht. Diese Besuche werden durch wissenschaftliche Vorträge vertieft, bei denen praktische Erfahrungen aufzuarbeiten sind. Weitere Exkursionen komplettieren das Angebot. Insbesondere die Exkursion nach Brüssel mit Besuchen der EU Kommission, wichtigen EU-Journalistenvereinigungen, DG General für Medien und digitale Kommunikation sowie das Verbindungsbüro des Landes Salzburg in Brüssel, stellt ein Highlight des Programms dar. Nach erfolgreicher Absolvierung aller Kurse und Exkursionen wird die Teilnahme von den Universitäten zertifiziert.

INTERKULTURELLE KOMPETENZ DURCH WISSENSCHAFTLICHE TANDEMS UND SOZIALES BUDDY-SYSTEM

Das Buddy-System (bestehend aus social buddies and academic tandems) bildet das interkulturelle Rückgrat des Programms, das sowohl die akademische als auch die interpersonelle Ebene einschließt. Während bei vielen internationalen Austauschprogrammen nur Studierende in das Ausland gesendet werden, steht bei dem MCM-Programm schon zu Beginn die Bildung interkultureller Teams im Vordergrund. Dauert der Auslandsaufenthalt jeweils nur ein Semester, kooperieren die Studierenden jedoch über zwei Semester hinweg. Diese interkulturelle Kooperation wird in den Lehrveranstaltungen auf akademischem Niveau weitergeführt. In zwei für alle MCM-Teilnehmer/innen verpflichtenden Lehrveranstaltungen werden akademische Tandems gebildet (die nicht mit den sozialen Buddies ident sind), die die jeweils inhaltlichen Themenstellungen aus den unterschiedlichen kulturellen Kontexten diskutieren und erarbeiten. Die Fragestellungen werden dabei in interkulturellen Teams aus einem West-Ost-Diskurs beleuchtet.

VERLAUF, KONTINUIERLICHE VERBESSERUNGEN UND EVALUIERUNG

Die vergangenen zehn Jahre waren von ständigen Anpassungen und Verfeinerungen des Programms geprägt. Diese bezogen und beziehen sich sowohl auf inhaltliche als auch auf soziale Strukturen und Ausrichtungen, basierende auf kontinuierlich durchgeführten Evaluationen am Ende des jeweiligen Programms.

Dabei wurden vor allem die Möglichkeiten des interkulturellen Lernens durch das Buddy-System, die direkten Einblicke in österreichische Medieninstitutionen sowie das wissenschaftliche Arbeiten in interkulturellen Tandems als besonders bereichernd dargestellt.

Für den interkulturellen Ansatz dieses Programms ist es wichtig zu begreifen, dass diese Phänomene Teil des interkulturellen Lernens bedeuten und nicht sofort hastige Anpassungen an die jeweils wechselnden Stimmungen und Prädispositionen der unterschiedlichen Kohorten der Austauschstudierenden nach sich ziehen müssen. Optimalerweise beruht die begleitende Evaluierung auf mehreren unterschiedlichen Methoden auf verschiedenen Levels (quantitativ, qualitativ, schriftlich, mündlich, einzeln, in der Gruppe etc.), um den komplexen Zusammenhängen Rechnung zu tragen und um einen realistischen Eindruck von der tatsächlichen Wahrnehmung des Programms durch die chinesischen Teilnehmer/innen zu erhalten.

MEILENSTEINE: Entwicklungsplan und Leistungsvereinbarungen der Universität Salzburg und volle Integration in die neue Masterstudienordnung der Kommunikationswissenschaft

Wie bereits eingangs festgestellt, wurde 2009 die Fortführung der internationalen Austauschbeziehungen mit China durch die Entscheidung zum Ausbau und zur organisatorischen Absicherung des Chinazentrums im Entwicklungsplan der Universität Salzburg festgeschrieben. Seit den Leistungsvereinbarungen 2010–2012 mit dem Wissenschaftsministerium wurde dann auch die Weiterführung existierender Kooperationen und Partnerschaften mit Universitäten in China aufgenommen.

Einen nachhaltigen positiven Impuls erfuhr das Programm durch die Integration als anrechenbares Projekt im Rahmen des neuen Masterstudienplans (2009) am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg. Im Rahmen des Masterprogramms ist vorgesehen, dass die Studierenden ein 2–3-semestriges Projekt absolvieren, für welches die Teilnahme am MCM-Programm angerechnet wird. Dadurch hat sich die Nachfrage zum MCM- Programm seit dem Wintersemester 2010 signifikant gesteigert. Die österreichischen Studierenden können durch die Absolvierung von zwei Übungen im Rahmen des Wintersemesters gemeinsam mit den chinesischen Studierenden und dem anschließenden einsemestrigen Auslandsaufenthalt in Shanghai insgesamt 17 ECTS für das Masterprogramm Kommunikationswissenschaft erwerben. Diese vereinfachte und pauschale Anrechnung des MCM-Programms stellt eine große Erleichterung für die konkrete Durchführung dar. Diese Regelung wurde im Vorjahr aufgrund des Erfolgs auch in den aktuellen Master-Studienplan Kommunikationswissenschaft (2016) übernommen. Diese beiden Schritte, das MCM Programm sowohl auf universitärer Ebene als auch auf der Ebene eines konkreten Fachbereiches als anerkanntes Element zu integrieren, hat sich als zentral für die nachhaltige Verankerung des Programms erwiesen.

PERSPEKTIVEN UND ZIELE

Im Sommer 2017 werden 365 junge Menschen aus Österreich und China das MCM-Programm absolviert und wertvolle Erfahrungen für ihren zukünftigen beruflichen Werdegang gesammelt haben. Einzelne Berichte zeigen, dass dieses Jahr der intensiven Auseinandersetzung mit China nachhaltige Veränderungen auslöst. Neben dem Effekt der “first-hand-experience” der chinesischen Kultur, verändern sich auch inhaltliche und berufliche Perspektiven. Es entstehen Masterarbeiten, die sich mit Thematiken rund um West-Ost-Sichtweisen beschäftigen und so manche/r nützt die gewonnenen Kontakte für erste berufliche Schritte, sowohl in Europa als auch in China.

Seit dem jüngsten Memorandum of Understanding sind neben der Durchführung des Master-Exchange-Programms auch die Erweiterung der Kooperation um gemeinsame Konferenzen, Forschungsaktivitäten, Lecturer- und DoktorandInnen-Exchange vereinbart worden. Die heuer bereits zum 3. Mal stattgefundenen Shanghai-Salzburg-Seminar-Series (SSSS Konferenz) sind bereits ein Zeichen für die weitere Vertiefung der Kooperation im Richtung Forschung und zeigen bereits eine nachhaltige Verankerung der gegenseitigen Beziehungen.

Für das kommende Studienjahr sind bereits weitere Aktivitäten in Richtung Lecturer-Exchange geplant.

Positionierung des Lehrangebots

Master Kommunikationswissenschaft/Modul 5

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.