Venezianischer Spiegel - Reflexion und Entwicklung von Beratungskompetenz Studierender der Allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege: Fallbasierte Pflegeberatung anhand von SimulationspatientInnen

Umgesetztes Projekt

Ziele

Das Ziel des Lehrveranstaltungskonzeptes liegt darin Studierende bei der Entwicklung und Reflexion von Beratungskompetenz zu unterstützen. Die Räumlichkeiten mit Venezianischem Spiegel an der Fachhochschule im Zentrum (FHiZ) bieten die Möglichkeit ungestört Beratungssequenzen als

Einzelgespräche mit SimulationspatientInnen durchzuführen. Die selbstgemachten Erfahrungen und Beobachtungen sowie das Feedback durch die Lehrperson, aber auch die selbständige Anfertigung eines Reflexionsberichtes durch die Studierenden schaffen einen umfassenden Lernprozess.

Dadurch werden sie auf die hohen und komplexen Anforderungen in der Praxis im Kontext der PatientInnen- und Angehörigenedukation vorbereitet.

Kurzzusammenfassung

PatientInnen- und Angehörigenedukation stellt im Rahmen der Gesundheitsförderung, Prävention und Förderung der Gesundheitskompetenz ein zentrales Aufgabengebiet von Pflegefachpersonen dar. Dafür benötigt es eine Vielzahl an Fähigkeiten, um den entsprechenden Anforderungen

komplexer Situationen in der Pflegepraxis gerecht zu werden. Es bedarf umfassende fachliche, methodische sowie kommunikative und soziale Kompetenzen, um Menschen die sich beispielsweise aufgrund von Krankheit in Ausnahmesituationen befinden unterstützen zu können. Die benötigten

Fertigkeiten von Pflegefachpersonen, um komplexe Situationen erfassen und schließlich ein Pflegerisches Beratungsgespräch gestalten zu können werden an der Fachhochschule Wiener Neustadt in der Lehrveranstaltung Pflegerisches Beratungsgespräch und fallbasierte Pflegeberatung

entwickelt und reflektiert. Um den Studierenden praxisnähe zu ermöglichen werden SimulationspatientInnen miteinbezogen, die gebrieft die PatientInnenrolle einnehmen. Anhand von Fallbeispielen mit zugehörigen Regieanweisungen bereiten sich professionelle Schauspieler auf ihre

Rolle vor. Dabei wurde Wert gelegt Fälle mit soziodemografischer Relevanz (Chronisch Kranksein, pflegende Angehörige) zu verwenden. Das Pflegerische Beratungsgespräch findet in einem separaten Raum hinter einem Venezianischen Spiegel statt. Die Studierenden erhalten nach durchgeführter Beratungssequenz Feedback durch die Lehrperson und erstellen abschließend einen Reflexionsbericht.

Nähere Beschreibung

Die Lehrveranstaltung baut auf den Inhalten vorangegangener Lehrveranstaltungen aus allen Semestern auf. Besonderer Fokus lag dabei auf den Lehrveranstaltungen der Pflegeedukation, Kommunikation und Selbstkompetenz, Gesundheit und Prävention, Pflegeprozess, Pflegetheorien, -modelle und –konzepte sowie Familiengesundheitspflege. Die Studierenden benötigen das Fach- und Methodenwissen aus den genannten Lehrveranstaltungen, um die Forderungen der Lehrveranstaltung erfüllen zu können.

 

Es fanden sich folgende Schwerpunkte bei den Lehrinhalten:

• Beratung und Gesundheitsförderung

• Ansätze der Beratung (Klientenzentrierter -, Verhaltenstherapeutischer -, Lösungsorientierter Beratungsansatz)

• Werkzeuge der Beratung

• Anforderungen an eine beratende Person

• Patienten-, Angehörigen- und Organisationsberatung (Kollegiale Beratung)

 

Mit dem Ziel die Studierenden dahingehend zu unterstützen folgende Outcomes zu erreichen:

• Die Studierenden können ein pflegerisches Beratungsgespräch fallbasiert anhand den Schritten des Beratungsprozesses planen, durchführen und evaluieren (Ziele, Inhalte, Methoden).

• Die Studierenden lernen Ansätze in der Beratung kennen und können diese beschreiben und differenzieren.

• Die Studierenden lernen den Zusammenhang von Beratung und Gesundheitsförderung kennen, können diesen beschreiben und Beratung unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung gestalten.

• Die Studierenden lernen Elemente aus der Angehörigenberatung kennen, können diese beschreiben und anwenden.

• Die Studierenden kennen Methoden der Gesprächsführung und können diese im Rahmen eines Beratungsgesprächs anwenden.

 

Beschreibung des Konzepts der Lehrveranstaltung

Die Studierenden werden im Rahmen der Lehrveranstaltung auf ihren Aufgabenbereich im Kontext Pflegeberatung in der Praxis vorbereitet. Dabei liegt der Fokus der Lehr- und Lerninhalte darin Methoden zu erlernen, um ein Pflegerisches Beratungsgespräch anhand einer komplexen Fallsituation zu bearbeiten, entsprechende Materialien im Rahmen des Gespräches einzusetzen und Methoden der Gesprächsführung zu erlernen, um zentral die ersten Phasen des Beratungsprozesses (Beziehungsaufbau, Beratungsbedürfnisse/-bedarfe zu erfassen, aushandeln von Beratungszielen) in einem simulierten Gespräch mit SimulationspatientInnen zu üben.

 

Das Lehrveranstaltungskonzept beinhaltet folgende Kernpunkte:

1. Theoretischer Input (Lern-/ Lehrinhalte lt. Curriculum)

2. Bearbeitung eines Fallbeispiels aus der Praxis und Erstellen eines Verlaufsplans zur geplanten Beratungssequenz (Selbststudium im Rahmen der Lehrveranstaltung)

3. Durchführung eines fallbasierten Beratungsgesprächs (Schauspieler, FHiZ) mit anschließendem Feedback (Feedbackbogen)

4. Verfassen eines Reflexionsberichts zum absolvierten Beratungsgesprächs anhand des Reflexionszyklus nach Gibbs (Selbststudium)

 

Vorbereitung auf das Gespräch:

Die Studierenden haben neben dem theoretischen Input als Aufgabenstellung im Rahmen der Lehrveranstaltung aus mehreren komplexen Fallbeispielen mit verschiedenen Schwerpunkten jeweils eines zu bearbeiten. Der Verlaufsplan musste als Kriterium eine Beschreibung der Inhalte, Zielformulierung, Methoden und die einzelnen Schritte des Beratungsprozesses nach Büker beinhalten sowie zeitlich und organisatorisch durchstrukturiert sein. Die Skizzierung der Beratungssequenz diente als Grundlage der Studierenden für das Beratungsgespräch. Anhand der einzelnen Schritte des Beratungsprozesses wurde eine Beratungssequenz von ca. 45 Minuten geplant. Dies erforderte von den Studierenden vorab eine umfassende Recherche zum Fall, die Erstellung und Bereitstellung möglicher Hilfsmittel (Broschüren, Anschauungsmaterial, Informationsblätter) sowie die Verknüpfung vorangegangener Inhalte aus den Lehrveranstaltungen der letzten vier Semester.

 

Umsetzung der Beratungssequenz/ Feedback:

Das Beratungsgespräch wurde an der Fachhochschule im Zentrum durchgeführt. Dort befinden sich Räumlichkeiten die einem Beratungszimmer entsprechen und mit einem venezianischen Spiegel ausgestattet sind. Im Beratungszimmer führte die beratende StudentIn und die schauspielende Person in der PatientInnenrolle das Gespräch. Auf der anderen Seite des venezianischen Spiegels hat die Lehrperson gemeinsam mit weiteren StudentInnen eine beobachtende Rolle eingenommen.

Nach abgehaltenem Beratungsgespräch wurde die Sequenz durch Anklopfen von der Lehrperson unterbrochen und die Studierenden wurden aufgefordert ihr Gespräch selbst einzuschätzen. Nach der Selbsteinschätzung erhielten sie ein Feedback von der Lehrperson zum Beratungsgespräch und ein Feedback von der schauspielenden Person, wie sie sich in der PatientInnenrolle wahrgenommen gefühlt hat.

 

Reflexion der Beratungssequenz anhand des Reflexionszyklus nach Gibbs:

Das Beratungsgespräch wurde von den Studierenden selbständig anhand des Reflexionszyklus nach Gibbs reflektiert. Der Reflexionszyklus ist zu diesem Zeitpunkt den Studierenden bereits vertraut, da sie anhand dieser Methode Praxissituationen seit Beginn ihres Studiums aus ihren Praktika reflektieren. Durch das Feedback und der Selbstreflexion erhalten die Studierenden die Möglichkeit ihre Beratungskompetenz zu entwickeln.

Positionierung des Lehrangebots

5. Semester, Bachelorstudiengang

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.