Kunst des Widerstandes

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Lehrveranstaltung „Kunst des Widerstandes“ wurde im Wintersemester 2016/17 im Modul „Methoden und Praxis der Kunstgeschichte“ als Pflichtfach im Bachelorstudium und als interuniversitäres Kooperationsprojekt angeboten. Ziel des neuartigen Lehrprojektes am Institut für Kunstgeschichte ist es, forschungsbasierte und forschungsgeleitete Lehre zu forcieren, um den Studierenden bereits am Beginn des Studiums einen konkreten und praxisnahen Einblick in Forschungsfelder der Disziplin zu vermitteln und die Studierenden in diese sogar zu integrieren. Das Lehrprojekt konfrontiert die Studierenden mit aktuellsten Forschungsarbeiten am Institut für Kunstgeschichte und fördert die problemorientierte Auseinandersetzung mit konkreten Forschungsfragen sowie der dazugehörigen -methodik. Das Lehrprojekt ist zudem – wie auch das gesamte Forschungsprojekt, mit dem die Lehrveranstaltung kooperiert – nicht nur interdisziplinär, sondern auch interuniversitär ausgerichtet und mit den Lehrangeboten an den Universitäten abgestimmt. Ein weiteres Ziel ist demzufolge der intensive Austausch zwischen den Fachbereichen und die Sichtbarmachung und Konfrontation mit Schnittstellen auf der einen Seite und unterschiedlichen Methoden und Herangehensweisen in der Forschung auf der anderen Seite.

Kurzzusammenfassung

Die Lehrveranstaltung „Kunst des Widerstandes“ im Modul „Methoden und Praxis der Kunstgeschichte“ richtete sich als Pflichtfach an Studentinnen und Studenten des Bachelorstudiums der Kunstgeschichte und steht somit am Beginn des Studiums. Ohne Vorkenntnisse vorauszusetzten wurden die Studierenden mithilfe eines multimedialen didaktischen Konzeptes in ein bestehendes Forschungsprojekt des Institutes für Kunstgeschichte eingebunden und konnten nicht nur hautnah „Forschungsluft schnuppern“ und somit bereits sehr früh einen praxisbezogenen Einblick in Forschungsfelder der Disziplin gewinnen, sondern sich zudem aktiv mit forschungsspezifischen Fragestellungen auseinandersetzen und unterschiedliche Methoden kennenlernen, ausprobieren und diskutieren.

 

Die Lehrveranstaltung wurde in Abstimmung auf das gesamte Lehrangebot des Faches konzipiert und darüber hinaus als kooperierende interuniversitäre Lehrveranstaltung angeboten. Der interdisziplinäre Charakter der Lehrveranstaltung und die Auseinandersetzung der Studierenden mit fachfremden Themenbereichen sowie der interuniversitäre Austausch der Lernergebnisse förderte eine interdisziplinäre und forschungsbasierte Arbeitsweise in der Lehre.

 

Im Rahmen eines Lehrausganges wurden projektspezifische Arbeitsfelder vor Ort begutachtet und analysiert, wodurch sich die Studierenden problemorientiert mit realen Objekten der aktuellen Forschung auseinandersetzten und zu selbstständigen forschungsrelevanten Tätigkeiten motiviert wurden.

Nähere Beschreibung

Im Rahmen eines Pflichtfaches im BA-Modul „Methoden und Praxis der Kunstgeschichte“ wurde im WS 2016/17 ein interdisziplinäres und interuniversitäres Lehrprojekt in Kooperation mit einem aktuellen Forschungsprojekt am Institut für Kunstgeschichte durchgeführt, wodurch den Studierenden bereits am Beginn des Studiums eine Einbindung in aktuellste Forschungsarbeiten ermöglicht wurde und diese nicht nur erstmals „Forschungsluft schnuppern“ durften, sondern sich vielmehr aktiv mit aktuellen gezielten Forschungsfragen problemorientiert auseinandersetzten. Aufgrund der interdisziplinären und interuniversitären forschungsnahen Ausrichtung des Lehrprojektes war es den Studierenden möglich, sich über die Grenzen der eigenen Disziplin hinweg auszutauschen und dadurch einerseits wichtige Schnittstellen kennenzulernen, aber andererseits auch unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden zu diskutieren. Im Rahmen eines gemeinsamen Lehrausganges mit fachfremden Studierenden der Technischen Universität Graz wurden aktuelle Forschungsfragen vor Ort im Haus Albrecher-Leskoschek in der Hilmteichstrasse 24 in Graz, das als ein Paradebau der Moderne gilt und als Ort des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus fungierte am Original des Wandgemäldes „Allegorie der Freunde von Axl Leskoschek besprochen und diskutiert. Die Studentinnen und Studenten lernten neue Methoden, Sichtweisen und die Arbeit am Original und setzten sich mit forschungsrelevanten Aspekten praxisbezogen auseinander. Neben der Architektur, dem Wandgemälde und der Geschichte der Widerstandsbewegung lernten sie auch Prozesse des Denkmalschutzes und dem Umgang mit historischen Bauten und Objekten kenne, da das Gebäude sowie das darin erhaltene Kunstwerk – trotz eines regen Widerstandes in Graz - zeitnah vom Eigentümer abgerissen werden soll.

Mit der Teilnahme an der interdisziplinären Tagung „Tag der Militaria IV“ vom Centre for Military Studies, bei der die Lehrende als Vortragende aktiv teilgenommen hat, wurden die Studierenden zudem einmal mehr an die interdisziplinäre Auseinandersetzung der aktuellen Forschungsergebnisse, an denen sie im Laufe des Semesters Einblicke erhalten haben bzw. mitarbeiten durften, konfrontiert und zur selbstständigen forschungsrelevanten Tätigkeit motiviert. Die Studierenden lernten unterschiedliche Bereiche der Forschung praxisnah kennen und konnten sich neue Kompetenzen im interdisziplinären Arbeiten aneignen und ihr Methodenpool erweitern.

 

Die Lehrveranstaltung war von Beginn an als Lehrprojekt mit besonderem Bezug zur aktuellen Forschung einerseits und einem intensiven interdisziplinärem Austausch auf der anderen Seite in Abstimmung mit dem übrigen Lehrangebot konzipiert. Im Vorfeld wurden eine Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Titel“ am Institut für Kunstgeschichte/ Forschungsstelle Kunstgeschichte Steiermark und eine Kooperation mit der Technischen Universität Graz geschlossen, auf denen aufbauend das Lehrprojekt initiiert wurde. Im Rahmen einer gemeinsamen Vorbesprechung wurde den Studierenden das Programm nähergebracht und in schriftlicher Form ausgehändigt, wodurch die Kompetenzprofile und intendierten Lernziele vorab klar definiert wurden und eine größtmögliche Transparenz gegeben war. Mithilfe von Feedbackschleifen wurden die Studierenden aufgefordert sich miteinzubringen und einen Beitrag zur weiteren Optimierung zu leisten. Auf die Rückmeldungen der Studierenden wurde aktiv eingegangen, wodurch ein Programmpunkt – auf Wunsch der Studierenden – sogar kurzfristig noch geändert wurde.

Am Beginn der Lehrveranstaltung stand eine intensive Einführung in die Thematik. Der hierfür notwendige Frontalunterricht wurde mit gezielten Gruppenarbeiten und einem dialogischen Austausch aufgelockert, wodurch es den Studierenden zu jedem Zeitpunkt möglich war, sich aktiv einzubringen. Die didaktische Vorgehensweise wurde von den Studierenden besonders gut angenommen und in der Evaluierung mehrfach positiv hervorgehoben.

Darauf aufbauend wurde im Rahmen eines Lehrausganges zum Haus Albrecher-Leskoschek in der Grazer Hilmteichstraße 24 das Forschungsobjekt im Original – das Wandgemälde „Allegorie der Freunde“ – in den Mittelpunkt der forschungsbasierten und -geleiteten Lehre gestellt. Vor Ort trafen die Studierenden auf fachfremde Studienkollegen, wodurch die Analyse am Original in einem interdisziplinären Diskurs erarbeitet werden konnte. Den Studierenden wurde nicht nur ein Einblick in ein aktuelles Forschungsprojekt am Original geboten, sondern zudem auch noch der Blick über den eigenen Tellerrand geschärft. Sie lernten neue – teilweise fachfremde – Methoden und Forschungsfragen kennen und konnten diese zugleich (forschungs)praxisbezogen diskutieren.

Mit diesen Kenntnissen und Erfahrungen setzten sich die Studierenden im Anschluss in unterschiedlichen Gruppenarbeiten mit forschungsbezogenen Fragestellungen auseinander und ergänzten das bereits erworbene Wissen. Die Gruppenarbeiten zielten zudem auf einen vertiefenden dialogischen Austausch im Lernprozess und eine Motivierung der selbständigen forschungsrelevanten Tätigkeit, die im Rahmen einer vordefinierten eigenständigen Forschungsarbeit im Verlauf des Semesters zu leisten war, ab. Anhand von mehreren Wiederholungen der Lerninhalte und Methoden wurde der Lernstoff gefestigt und ein roter Faden im Semesterverlauf gewährleistet.

 

Im Rahmen des Lehrprojektes war es immer wieder erforderlich, die Studierenden, bei denen allgemein im Bachelorstudium noch keine fundierten Vorkenntnisse vorauszusetzen waren, an die einzelnen Themenbereiche heranzuführen. Hierbei wurde auf einen reinen Frontalunterricht verzichtet und ein abwechslungsreicheres und multimediales didaktisches Lehrkonzept gewählt.

Im Lehrprojekt befassten sich die Studierenden unter anderem intensiv mit der sogenannten „Entarteten Kunst“, um darauf aufbauend in Gruppenarbeiten selbstständig weiterführende Themenbereiche zu erarbeiten. Als Einstieg in das Thema wurden die Studierenden von der Lehrenden durch eine virtuelle Führung der 1937 in München gezeigten Ausstellung „Entartete Kunst“ geführt. Als Einstieg in die Ausstellung dienten historische Fotos der Eröffnung aus dem Jahr 1937, begleitend wurde die damalige Eröffnungsrede von Adolf Ziegler besprochen. Weitere historische Aufnahmen sowie der erhaltene Ausstellungsführer begleiteten uns im Anschluss durch die Ausstellung, bei der jeder Raum im Kontext individuell besprochen und zur Diskussion gestellt wurde. Einzelne Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung wurden, thematisiert. Ergänzt wurde der Ausstellungsrundgang mit historischem Videomaterial über die Ausstellung. Im Anschluss wurde die Fachliteratur zur Vertiefung der Thematik besprochen und ein Artikel für das nachbereitende Selbststudium ausgehändigt.

Dieser mehrschichtige und multimediale Aufbau trug zur Aktivierung der Studierenden bei und förderte den dialogischen Austausch. Auf eine möglichst produktive Lernumwelt wurde somit großes Augenmerk gelegt. Mit unterschiedlichen Sinnen konnte das Fach erlebt und historische Ereignisse nachgespürt werden. Diese didaktische Vorgehensweise wurde von den Studierenden in der summativen LV-Evaluierung besonders positiv hervorgehoben, betont wurden hierbei mehrfach das interaktive Arbeiten und der offene Diskurs.

 

Einen besonderen Schwerpunkt setzt das Lehrprojekt im Bereich der forschungsbezogenen Lehre. Die Studierenden, die sich noch am Beginn ihrer universitären Ausbildung befinden, wurden mit der wissenschaftliches Forschungspraxis konfrontiert und konnten so bereits im Bachelorstudium wertvolle Praxiskenntnisse als geisteswissenschaftliche JungforscherInnen sammeln.

Die neuesten Forschungsergebnisse im Bereich der Kunstgeschichte dienten als Grundlage, sodass es möglich war, aktuelle Forschungsfragen mit den Studierenden zu besprechen und kritisch zu reflektieren. Der direkte Bezug zu aktuellen Forschungen und die Kooperation mit einem laufenden Forschungsprojekt garantierten den aktuellsten Stand der Wissenschaft sowie die Erarbeitung von zielführenden Fragenstellungen und die Auswahl geeigneter Methoden.

 

 

 

Ziel war, dass die Studierenden folgende Kompetenzen erlangen bzw. ausbauen:

Fachkompetenzen:

 

• Ästhetische, kunsthistorische Entwicklungen und Zuordnungen treffen und in den kulturellen Kontext stellen können

 

• Kennenlernen von (inter)disziplinären Zugängen und Fragestellungen im Rahmen der Tagung und des Lehrausgangs

 

 

Methodenkompetenz:

 

• Herstellung thematischer Zusammenhänge innerhalb des Faches sowie Erkennen von Gegenpositionen

 

• Erkennen stilistischer Einflüsse am Original und Verknüpfung mit den Theorien der Kunstgeschichte

 

• Intensive Auseinandersetzung mit den Methoden der Kunstgeschichte, wie zum Beispiel derIkonografie und Ikonologie sowie benachbarten Methoden wie der Semiotik.

 

• Wissenschaftlich korrekte Zitierweise sowie das Recherchieren und Schreiben von wissenschaftlichen Texten

 

 

Soziale Kompetenzen:

 

• Arbeiten in der Gruppen (eigene Fähigkeiten einbringen, von den Fähigkeiten der anderen profitieren), Kommunikations- sowie Präsentationsfähigkeiten

 

• Knüpfen beruflicher Kontakte und Diskursfähigkeit (Lehrausgang, wissenschaftliche Tagung)

 

 

 

Bezüglich Studierendenzentrierung punktete die Lehrveranstaltung durch:

 

• Partizipation: Die Studierenden gestalteten von Beginn an die Lehrveranstaltung aktiv mit. Zusätzlich wurden Feedbackschleifen auf unterschiedlichen Ebenen eingesetzt.

 

• Klare Struktur und Transparenz: Bereits am Beginn wurden der Ablauf sowie die Leistungs- und Beurteilungskriterien besprochen und schriftlich mittels einer genauen Aufschlüsselung der zu erbringenden Leistungen ausgeteilt.

 

• Regelmäßige Mailaussendungen mit ergänzenden Informationen, wissenschaftlichen Artikeln oder weiterführenden Inhalten.

 

• Individuelle Gespräche: Besprechungen haben im Rahmen der Sprechstunde oder auch im Anschluss der Lehrveranstaltung regelmäßig stattgefunden. Ein Austausch per E-Mail wurde von den Studierenden gut genützt.

 

• Rahmenprogramm: Während des gesamten Semesters wurden die Studierenden über aktuelle Veranstaltungen im Fachbereich am Laufenden gehalten.

 

 

 

Zur Lehrveranstaltungsorganisation (Anforderungen, Benotungs- und Leistungskriterien, Prüfungsmodus) sind folgende Punkte zu nennen:

 

• Ein in allen Einzelheiten erarbeitetes Lehrkonzept und eine detaillierte Vorbesprechung waren die Basis für einen transparenten und klar strukturierten Ablauf der Lehrveranstaltung, sodass die Studierenden sich auf die jeweiligen Einheiten und Themen gut vorbereiten konnten.

 

• Wissenschaftliche Texte zu den einzelnen Themenbereichen wurden als Vorbereitung für die jeweiligen Einheiten ergänzend genutzt und in den Folgeeinheiten im Kontext diskutiert.

 

• Die Anforderungen sowie die Benotungskriterien wurden bereits am Beginn der Lehrveranstaltung mündlich besprochen, schriftlich ausgehändigt digital bereitgestellt.

 

• Ein praxisbezogener Lehrausgang diente der Anwendung und Umsetzung der auf theoretischer Ebene erlernten Kenntnisse und bot Einblick in den Forschungsalltag.

 

• Nachbesprechungen in Form von Einzelgesprächen gaben den Studierenden individuelle Feedbackmöglichkeiten.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor Kunstgeschichte

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.