Mysterien der Medizin – Eine interdisziplinäre Spurensuche

Umgesetztes Projekt

Ziele

Ausgangslage:

„Die Erfahrung ist der wahre Schatz der Mediziner/innen“: ein einziger interessanter Fall kann medizinische Zusammenhänge ein Leben lang in Erinnerung bringen. Muss prägende Erfahrung zu sammeln aber immer ein Prozess sein, der zwangsläufig über viele Jahre erfolgt? Muss man erfahrene Ärzte/Ärztinnen immer an ihrem Alter erkennen, oder müssen umgekehrt junge Ärzte/Ärztinnen immer den Vorwurf der fehlenden Erfahrung akzeptieren? Oder kann Fall-basierte Erfahrung vielleicht schon im Studium in kürzerer Zeit effektiv einer großen Zahl von Studierenden vermittelt werden?

Letzteres ist unsere feste Überzeugung und genau hier liegt auch die Philosophie der „Mysterien“, denn die traditionelle Kleingruppe am Patientenbett wurde als essentielles Lehrmittel schon längst verlassen, weil dies bei den aktuellen Studierendenzahlen schlichtweg praktisch nicht mehr umsetzbar war.

 

Ziele/Motive:

Umsetzung einer praxisnahen Lehrstrategie, die eine Fall-basierte Erfahrung effektiv und unmittelbar aufbaut. Eine spezielle Anforderung für die Umsetzung einer solchen Strategie ist die Integration von großen Studierendenzahlen in die bei der Lehrveranstaltung ablaufenden medizinischen Entscheidungsprozesse. Die betroffenen Patienten sind während dieser Diskussion anwesend und ermöglichen somit den Studierenden nicht nur das direkte Gespräch, es können somit auch eine Vielzahl von Symptomen durch die Patienten/innen selbst unmittelbar dargestellt werden.

Kurzzusammenfassung

Seit dem SS 2013 läuft die Vorlesung „Mysterien der Medizin“ als ein interaktives Wahlfach, das im Stil einer Doppel-Conference vermittelt wird. Durch die gemeinsame Exploration von Patienten/innen mit vorerst unklaren Symptomen, und ihrer Geschichte, sowie der Diskussion aller relevanten Befunde, entsteht eine integrative Wissens- und Erfahrungsbasis für die Studierenden.

Nähere Beschreibung

Die Vorlesung bedient sich bewusst komplexer bzw. unklarer Fälle und führt auf diese Art die konkreten Diskussionen des Klinikalltags direkt in den Hörsaal. Die Studierenden werden hierbei unmittelbar in die wesentlichen Entscheidungsfindungen der universitären Medizin miteinbezogen.

Typische Fragen sind dann z.B. „Woher kommt denn bloß das Fieber?“, „Warum kriegt eine 28-Jährige einen Herzinfarkt?“, „Schwer krank und nichts gefunden – was nun?“, „In welche Falle sind wir hier getappt?“, und viele mehr.

Gespickt werden die Mysterien mit interaktiven Elementen wie dem „Bild des Tages“ oder „Quickies“, also Blitzfälle ohne anwesende Patienten/innen, die aber einen hohen Lehrwert haben. Die eigene Facebook-Gruppe der Mysterien der Medizin dient dem fallbezogenen Austausch von Studierenden zwischen den einzelnen Veranstaltungen. Die Mysterien verzichten aber auch nicht auf pointierte „State of the Art“-Einschübe, die zu einem aktuellen Fall auch das entsprechende aktuelle Systemwissen in prägnanter Form vermitteln.

Das Wahlfach wird seit dem Sommersemester 2013 jedes Semester 6 Mal á 3 Stunden aufgeführt. Die Anmeldungszahlen stiegen bereits im zweiten Jahr auf über 250, und belaufen sich nun auf mehr als 400 Studierende pro Semester. Mittlerweile finden sich unter den an den „Mysterien“ teilnehmenden Studierenden auch eine Vielzahl von Gasthörer/innen anderer Universitäten. Viele Studierende halten dem Wahlfach auch über mehrere Semester die Treue, obwohl es für das Studium nur einmal anrechenbar ist.

Ein Geheimnis für den regen Andrang ist aber sicher auch, dass die beiden Vortragenden der „Mysterien“ selbst großen Spaß dabei haben.

Positionierung des Lehrangebots

Innerhalb des Medizinstudiums: idealerweise ab 3. Studienjahr, aber keine formale Limitierung, da das Interesse zählt. Offen für Interessierte andere Studienrichtungen (außerhalb der Medizin)

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.