Wissenschaftlicher Vergleich verschiedener Lehr- und Feedbackmethoden in der Lehre pädiatrischer Reanimationsfertigkeiten

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

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Beschreibung

Pädiatrische Reanimation ist eine komplexe und herausfordernde Situation. Jährlich besuchen alle Studierenden des dritten Studienjahres (= ca. 680 Studierende) die Lehrveranstaltung „Kinderreanimation“. In dieser wird zuvor selbstständig erlerntes Wissen zum Thema Kinderreanimation in Kleingruppen durch praktische Übungen gefestigt. Bisher wurde die Qualität der Reanimation subjektiv durch einen Lehrenden beurteilt und entsprechend gelehrt. Bisherige Studien haben gezeigt, dass diese Methode oftmals schlechte Ergebnisse erzielt und dass die Performance durch visuelles oder verbales Feedback durch ein „Feedback Device“ gesteigert werden kann. Die meisten Studien haben jedoch nur eine geringe Teilnehmer/innen-zahl oder beziehen sich auf die Reanimation am Erwachsenen.

Um die Kinderreanimationsseminare noch effektiver zu gestalten, wurde dieses Jahr im Rahmen der Lehrveranstaltung eine Studie durchgeführt, welche die Effizienz verschiedener Feedback Methoden verglichen hat. Durch die Ergebnisse der Studie soll die Lehre im Bereich Kinderreanimation optimiert und somit die Qualität der Reanimation verbessert werden, was im späteren Berufsleben lebensrettend sein kann.

Methodik:

Ziel der Studie war es, unterschiedliche Feedback Methoden während einer pädiatrischen kardiopulmonalen Reanimation und deren Effekt auf die Qualität der Reanimation zu untersuchen. Die Studie wurde im pädiatrischen Simulationszentrum an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien durchgeführt. Die Studie inkludierte Studierende des dritten Studienjahres der Medizinischen Universität Wien. Um die Vorerfahrungen herausfiltern zu können, wurde ein Fragebogen vor Beginn des Trainings ausgeteilt. Der Prä-Fragebogen diente der Evaluierung der Vorerfahrung sowie Körpermaße, inkl. Größe, Gewicht und Alter. Gefragt wurde nach Tätigkeiten, in denen man bereits mit Kinderreanimation in Kontakt gekommen ist, der Anzahl und dem Zeitraum seit dem letzten Erwachsenenreanimationstraining, dem letzten Kinderreanimationstraining und Simulationstrainings sowie eine eventuelle Vorerfahrung mit einem Reanimations-Feedback-Device.

Die Studierenden wurden vor Beginn der Studie in zwei Gruppen randomisiert. Die Hälfte der Studierenden hat mit einer QCPR Resusci Anne (Laerdal Medical GmbH, Stavanger, Norway), die einen Jugendlichen im Alter von 16 Jahren repräsentieren sollte, gearbeitet während die andere Hälfte mit einem QCPR Baby (Laerdal Medical GmbH, Stavanger, Norway), das einen Säugling im Alter von einem Jahr repräsentiert hat, trainiert hat. Alle Studierenden wurden unabhängig von der Simulationspuppe in folgende drei Studiengruppen randomisiert:

1. TF=Tutor feedback: Die Gruppe erhielt subjektives Feedback von einem studentischen Tutor ohne technische Unterstützung. In dieser Form wurde das Praktikum bisher immer unterrichtet.

2. DF = device Feedback: Die Gruppe erhielt objektives visuelles Feedback von dem Feedback Device ohne Unterstützung durch eine/n Tutor/in („self teaching“).

3. TDF =Tutor und device feedback: Die Gruppe erhielt Feedback von einem/einer studentischen Tutor/in, der mithilfe eines Feedback Devices objektive Feedback über die Effektivität der Reanimation erhalten hat.

Die Lehrveranstaltung wurde im Zeitraum vom 9.1.17 bis 3.2.17 durchgeführt und pro Wochentag fanden zwei Kurseinheiten hintereinander statt mit jeweils zwei Kursen parallel. Dadurch konnten täglich 40-44 Studierende teilnehmen und so in der kurzen Zeitspanne die große Teilnehmer/innenzahl unterrichtet und studiert werden. Je zwei Kleingruppen (also insgesamt 20-22 Personen) wurden gemeinsam durch das Study Team vor dem Kurs über die Studie informiert und gebeten, einen Prä-Fragebogen sowie eine Einverständniserklärung auszufüllen. Jede Gruppe hatte einen studentischen Tutor, der das Reanimationstraining gemeinsam mit einem Kinderarzt geleitet hat. Die studentischen Tutoren wurden vorab für die Durchführung der Trainings entsprechend der aktuell gültigen Reanimationsleitlinien geschult. Zusammen mit der Abteilung für klinische Statistik der Medizinischen Universität Wien wurde eine Randomisierung der Tutoren durchgeführt, um einen möglichen Bias durch einen Lerneffekt zu verringern.

Durch ein Feedback Device wurde die Qualität gemessen, was den objektiven Vergleich der verschiedenen Feedback Methoden ermöglichte.

 

Ablauf des Seminars:

Das Seminar begann mit der erste Einheit „Training“, in der jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin sowohl einmal eine Thoraxkompression als auch eine Beutelventilation absolvierte. Evaluiert wurde die Qualität der Thoraxkompression während einer zweiminütigen Reanimation.

Jede Simulationspuppe war mit Sensoren ausgestattet, die Infos direkt an das Feedback Device weitergegeben hat. Das Gerät zeichnete einen Gesamt-Kompressionswert (%), die korrekte Kompressionsrate (%), die durchschnittliche no-flow-Zeit, die Kompressionen mit richtiger Handposition (%), die Anzahl der Kompressionen, die durchschnittliche Kompressionstiefe (mm), die Kompressionen mit voller Entlastung (%), die Kompressionen mit ausreichender Tiefe (%), die durchschnittliche Frequenz (/min) sowie Kompressionen in adäquater Frequenz (%) auf. Abweichungen von den Reanimationsleitlinien haben zu einer Reduktion des jeweiligen Werts geführt.

Nach dem Training kam es zu einer zweiten Einheit „Assessment“. Hier mussten die Teilnehmer/innen erneut eine zweiminütige Reanimation durchführen, jedoch ohne irgendein Feedback zu erhalten. Durch diese Aufzeichnung konnte der Lernerfolg durch die Lehrveranstaltung in den unterschiedlichen Feedback Gruppen verglichen werden. Am Ende mussten die Studierenden einen Post-Fragebogen auszufüllen. Der Post-Fragebogen diente primär der Erhebung der persönlichen Einschätzung der Studierenden über die Qualität der durchgeführten Reanimation. Gefragt wurde nach dem geschätzten prozentualen Anteil der korrekten Thoraxkompressionen, dem Anteil der Kompressionen mit einer Frequenz im idealen Bereich (100-120/min), der idealen Kompressionstiefe, sowie einer kompletten Entlastung. Außerdem wurden die Studierenden gefragt, ob sie die Benutzung eines Feedback Devices auch bei einer realen Reanimation als sinnvoll erachten würden. Abhängig von der Studiengruppe war die Frage nach Ablenkung durch das Feedback Device oder durch den Tutor/die Tutorin sowie nach der Einschätzung der Unterstützung durch das Device oder den Tutor zu beantworten. Mit der Frage, ob die Studierenden die durchgeführten Kompressionen gezählt haben, sollte zusätzlich die Konzentration oder auch die Ablenkung durch die jeweilige Rückmeldungsart erhoben werden.

Auch die studentischen Tutoren/innen wurden gebeten, nach der Studie einen Fragebogen auszufüllen, um deren Einschätzung miteinfließen zu lassen.

Nach jeder Einheit wurden die Daten, die im Feedback Device gespeichert wurden, in den Session Viewer (Laerdal Medical Gmbh, Stavanger, Norway) exportiert. Alle erhobenen Daten inklusive der Fragebögen werden momentan statistisch ausgewertet.

 

Ziele der Studie:

Primäres Outcome:

- Gesamtscore der Reanimationsqualität in jeder Studiengruppe

 

Sekundäres Outcome:

- Unterschiede in der Kompressionsrate, Kompressionstiefe, Entlastung, sowie Handposition in jeder Gruppe

- Einfluss durch Gewicht und Körpergröße (sowie Body Mass Index) sowie die Temperatur im Raum auf die Qualität der Reanimation

- Vergleich der subjektiven Einschätzung der Reanimationsqualität mit den objektiv gemessenen Daten

- Unterschiede zwischen den Reanimationspuppen in Bezug auf die Qualität der Reanimation

 

Hypothesen:

Wir nehmen an, dass ein Training mithilfe eines Feedback Device effektiver sein wird in Bezug auf die Reanimationsqualität als die herkömmliche Methode, in der Studierende durch einen Lehrenden subjektives Feedback erhalten. Zusätzlich vermuten wir, dass die Kombination aus Feedback Device und Tutor effektiver sein wird als eine reine Nutzung des Feedback Device ohne verbale Unterstützung.

Wir haben mit der Analyse der ersten Daten begonnen, die genauen Berechnungen sind noch ausständig. Es zeigt sich aber schon jetzt ein signifikanter Unterschied in der Qualität der Reanimation zwischen den Reanimationspuppen (Baby/Jugendlicher) sowie zwischen den einzelnen Gruppen. Die Qualität scheint beim Baby deutlich besser zu sein als beim Jugendlichen und die Lehre mit Feedback Device signifikant besser als ohne Feedback Device (dementsprechend rein subjektive Einschätzung der Qualität und entsprechende Lehre).

Positionierung des Lehrangebots

3. Studienjahr / 2. Studienabschnitt / Humanmedizin

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.