Förderung von virtueller Mobilität

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Ziel der FHWien der WKW ist es, Studierenden eine Möglichkeit zu bieten, internationale Kompetenzen zu entwickeln und zu vertiefen. Internationalization@home zählt, neben einer Vielzahl anderer Maßnahmen, zu den Internationalisierungsmaßnahmen der FHWien der WKW. Daher wurde die Lehrveranstaltung „Communication Case Study“ so konzipiert, dass eine Zusammenarbeit zwischen der FHWien der WKW und der Hogeschool van Amsterdam möglich war. Studierende der beiden Hochschulen arbeiteten an einem länderübergreifenden Projekt, um internationale Erfahrung zu sammeln, interkulturelle Kompetenzen zu fördern und andere Arbeitsweisen kennenzulernen. Das primäre Ziel der Lehrveranstaltung war es, den Studierenden einen interkulturellen Lernanlass zu bieten, um an einem gemeinsamen Kommunikationskonzept zu arbeiten. Auch Selbststeuerung und Selbstmotivation spielten dabei eine große Rolle.

Beschreibung

Die Lehrveranstaltung ist als internationales Online-Projekt konzipiert, in welchem die Studierenden der FHWien der WKW gemeinsam mit den Studierenden der Hogeschool van Amsterdam in gemischten Teams an einem Projekt arbeiten. Die Studierenden erarbeiten in länderübergreifenden, virtuellen Gruppen ein internationales Marketingkonzept mit Fokus auf digitale Kommunikationskanäle für ein österreichisches Unternehmen. Die Teams wählen Produkte aus, welche in Österreich vertrieben werden und planen einen fiktiven Export in die Niederlande.

 

Die Studierenden arbeiteten via verschiedener digitaler Kommunikationskanäle wie zum Beispiel Facebook, WhatsApp, Skype, etc. an den Aufgabenstellungen und erstellten zwei gemeinsame Präsentationen. Kontinuierliche Abstimmung der Lehrenden sowie regelmäßiges Feedback auf den Arbeitsfortschritt der Studierenden, führten zu sehr guten Ergebnissen. Die länderübergreifende Zusammenarbeit führte zu einem hohen Ausmaß selbstgesteuerten Lernens. Positive Lernerfahrungen ergeben sich für Studierende und Lehrende. Die Vorteile liegen vor allem in den erworbenen Erfahrungen mit internationalen, virtuellen Teams, onlinebasierten Kommunikationskanälen, Erweiterung des eigenen Horizonts, Kennenlernen anderer Kulturen und Sichtweisen und fachlichen Austausch. Eine Fortsetzung sowie Erweiterung der Kooperation im Folgejahr wurde bereits fixiert.

Internationalization@home

Um der steigenden Relevanz internationaler und interkultureller Kompetenzen zu begegnen, setzt die FHWien der WKW neben Studierenden- und Lehrendenmobilität auch verstärkt auf Maßnahmen zur Internationalisierung der Curricula. Internationalization@home ist ein Ansatz, um Internationalisierung im eigenen Land zu fördern. Jene Studierende, die zum Beispiel aus finanziellen oder beruflichen Gründen kein Auslandssemester absolvieren können haben die Möglichkeit, Internationalisierung an ihrer eigenen Hochschule zu erfahren. Neben internationalen Studierenden, die als Incomings eine internationale Perspektive in die Lehrveranstaltungen einbringen, sollen auch andere Maßnahmen getroffen werden, die sich auf den Lehr- und Lernprozess beziehen.

 

Planung und Organisation

Die Lehrveranstaltung „Communication Case Study“ ist im Bachelor-Studiengang Kommunikationswirtschaft im zweiten Semester verankert und ist Teil des Moduls „Business Communication“. Ziel der Lehrveranstaltung ist, dass die Studierenden in englischer Sprache an einer kommunikationswissenschaftlich relevanten, praxisorientierten Case Study arbeiten und die Ergebnisse präsentieren. Anhand eines Leitfadens ist ein Projektplan zu erstellen sowie die Vorgehensweise zur Lösungsfindung zu definieren.

Um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, neben dem fachlich-inhaltlichen Kompetenzerwerb auch interkulturelle Kompetenzen zu sammeln, wurde die Lehrveranstaltung als COIL-Projekt (Collaborative Online International Learning) konzipiert, wobei der Fokus nicht ausschließlich auf e-learning liegt, sondern vielmehr in der kollaborativen, internationalen Zusammenarbeit. Studierende haben dabei die Möglichkeit die Chancen und Risiken von internationalen Teams nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu erfahren und sammeln wertvolle Erkenntnisse für ihre spätere berufliche Praxis. Virtuelle Teams fördern neben der Selbststeuerung und Selbstmotivation vor allem auch die Medienkompetenz. Die Hogeschool van Amsterdam ist bereits Partner der FHWien der WKW, verfügt über große Erfahrung im Bereich internationalization@home und eignete sich daher ausgezeichnet für dieses Projekt. Der bereits bestehende persönliche Kontakt zu einer niederländischen Lektorin, welcher im Rahmen einer Teilnahme an einer International Week an der Hogeschool van Amsterdam entstanden ist, war Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung des Projekts. Ziel des Projekts war, eine gemeinsame Lehrveranstaltung mit dem Titel „VICP – Virtual International Communication Project – how to prepare internationalization?“ zu schaffen, die trotz unterschiedlicher Schwerpunkte in beiden Ländern gemeinsam abgehalten wird. Eine ausreichende und intensive Vorbereitung seitens der Lehrenden war notwendig, um gute Rahmenbedingungen für die Studierenden zu schaffen. Das Thema des Projekts sowie die detaillierten Arbeitsaufträge wurden vorab zwischen den Lehrenden besprochen und festgelegt. Ein gemeinsames Manual wurde als Basis für alle Studierenden konzipiert und zur Verfügung gestellt. Dieses enthielt neben der Beschreibung der Lehrveranstaltung sowie des Kompetenzerwerbs die Arbeitsaufträge sowie die Beurteilungskriterien und -matrix. Eine Kommunikationsplattform, auf die alle Studierenden Zugriff haben, ist essentiell um relevante Informationen und Unterlagen zu teilen. Die Verwendung des Lernmanagementsystems der FHWien der WKW Moodle eignete sich gut und ein Zugriff für die niederländischen Studierenden wurde ermöglicht. Eine Abstimmung der Lehrveranstaltungstermine war für die finale Planung und Durchführung notwendig, um die parallele Gruppenarbeit zu gewährleisten.

Das Thema der Lehrveranstaltung an der FHWien der WKW war Internationales Marketing, während die Studierenden an der Hogeschool van Amsterdam eine Lehrveranstaltung zum Thema Interkulturelle Kommunikation besuchten. Im Manual wurden für beide Themenbereiche Kompetenzen definiert, welche die Studierenden nach Absolvierung der Lehrveranstaltung erworben haben. Diese Interdisziplinarität führte zu spannenden Ergebnissen und förderte das selbstgesteuerte Lernen der Studierenden.

Die Hauptaufgabe während der Lehrveranstaltung war, dass die Studierenden in länderübergreifenden Teams (jeweils vier Studierende aus Österreich und drei Studierende aus den Niederlanden) am Thema „Internationales Marketing“ arbeiten und eine Empfehlung für eine Markteinführung in die Niederlande abgeben. Die Studierenden arbeiteten an vier Aufgaben – der Durchführung von Interviews mit den Studierenden des jeweils anderen Landes (Kennenlernen und erste Kontaktaufnahme), der Erstellung von zwei kollaborativ erstellten Präsentationen sowie der Verfassung eines Learning Diaries. Die Vorgabe, drei Interviews mit den fremden Teammitgliedern zu führen, half die Selbstmotivation und das selbstgesteuerte Lernen zu initiieren. Der erste Präsentationsauftrag umfasste die Einigung auf und Festlegung des Produkts, eine Marktanalyse der Länder sowie die Feststellung von Kommunikationsunterschieden in Österreich und den Niederlanden. Im zweiten Arbeitsauftrag sollten konkrete Maßnahmen sowie erste Ideen zur Umsetzung in den digitalen Kommunikationskanälen erfolgen. Ebenfalls die Kunden- und Kundinnenansprache unter Einbeziehung der kulturellen Unterschiede wurde erarbeitet. Um das Projekt sowie die Zusammenarbeit zu reflektieren, war es den Lehrenden wichtig, dass die Studierenden ein Learning Diary verfassen, das heißt die wichtigsten Erkenntnisse und Learnings aus der interkulturellen Zusammenarbeit schriftlich zu dokumentieren. Da die beiden Lehrveranstaltungen unterschiedliche ECTS-Punkte aufwiesen, war für die österreichischen Studierenden eine zusätzliche Präsentation vorgesehen.

 

Durchführung und Ablauf

Eine Vorab-Information an die Studierenden legte das Ziel und den Zweck der Lehrveranstaltung dar. Die erste Einheit erfolgte in beiden Ländern gleichzeitig, um einen zeitgleichen Kick-off abzuhalten und sich bereits frühzeitig kennenzulernen. Nach Besprechung der Rahmenbedingungen führten die Lehrenden eine Skype-Konferenz durch, welche die Möglichkeit bot, sich innerhalb der Teams auch erstmals zu sehen. Die Teams wurden vorab gebildet und einander während der Videokonferenz vorgestellt. Eine von den Lektorinnen erstellte Facebookgruppe ermöglichte den Studierenden neben dem Projekt auch private Kontakte zu knüpfen und sich kennenzulernen.

In mehreren Lehreinheiten mit unterschiedlichen Lehr- und Lernformaten, wie zum Beispiel Lehrendeninput, Partnerarbeiten und Coachings, erhielten die Studierenden inhaltlichen Input der jeweiligen Lektorin, um sich mit dem Thema vertraut zu machen. Eine aktive Einbindung der Studierenden erfolgte bereits während der Lehreinheiten und verschiedenste Methoden (unter anderem Pro-Contra-Diskussionen, Schätzfragen, Audience-Response-Quizzes, Think-Pair-Share, Kopfstandsfragen) kamen zum Einsatz. Wie vorhin angemerkt, behandelte die österreichische Lektorin das Thema „Internationales Marketing“, die niederländische Lektorin „Interkulturelle Kommunikation“. Diese interdisziplinäre Verflechtung bedeutet einen Mehrwert sowohl für Studierende als auch für Lehrende. Um den jeweils anderen Studierenden die beiden Themen näher zu bringen, hielten die Lektorinnen mittels Adobe Connect Online Lehreinheiten ab. Die österreichischen Studierenden erhielten eine Fernlehreinheit zum Thema Interkulturelle Kommunikation in den Niederlanden, die niederländischen Studierenden folgten einer Lehreinheit via Adobe Connect zum Thema internationales Marketing. Das erworbene Wissen konnten die Studierenden in der gemeinsamen Teamarbeit sofort situationsbezogen anwenden. Die Förderung des Wissens- bzw. Informationsaustauschs stand im Vordergrund. Die Studierenden kommunizierten unter anderem via Skype, WhatsApp und Facebook, um die erste Präsentation anzufertigen und wurden dabei von den Lektorinnen gecoacht. Kollaboratives Arbeiten und internationale Vernetzung führten zu einer Erweiterung der Perspektiven und erhöhter Kommunikationsnotwendigkeit. Selbstgesteuertes Lernen, das durch die Aufgabenstellung, das große Interesse am Thema und die Möglichkeit mit internationalen Studierenden zusammenzuarbeiten angeregt wurde, sowie die praxisnahe Anwendung des gelernten Wissens standen im Fokus der Lehrveranstaltung. Die Grenzen von onlinebasierter Kommunikation führten teilweise zu Frustration seitens der Studierenden. Fehlende Abstimmung hinsichtlich Projektplanung, Feiertagen oder Erwartungen an Noten innerhalb der Teams gaben einen direkten Lernanlass und kulturelle Unterschiede wurden sichtbar. Regelmäßige Reflexionen mit den Lektorinnen förderten den Lern- und Arbeitsfortschritt und Missverständnisse wurden reduziert.

Konkrete Vorgaben zur Erstellung der Präsentationen sowie eine Wochenplanung waren Basis für eine übersichtliche Orientierung für die Studierenden. Nach Abgabe der ersten Präsentation stellte ein Zwischenfeedback der Lektorinnen den Ausgangspunkt für die Erstellung der zweiten Präsentation sowie Empfehlung dar. Die erste Präsentation behandelte eine Marktanalyse des gewählten Produkts, eine Mitbewerberanalyse in Österreich und den Niederlanden sowie SWOT- und PESTEL-Analyse. Für die zweite Präsentation wurde der Fokus auf die Markteinführungsstrategie und Positionierung sowie die Entwicklung erster digitaler Kommunikationsmaßnahmen gelegt. Der Schwerpunkt digitale Kommunikation begründete sich auf dem Studiengang der niederländischen Studierenden – Digital Marketing. Ein Vergleich der Kulturdimensionen nach Hofstede (Österreich/Niederlande) war der Ausganspunkt für Empfehlungen des Kommunikationsstils. In diesem Bereich war ein reger Austausch der Studierenden notwendig. In einer Abschlussrunde präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse.

 

Outcome

Eine Betrachtung der Ergebnisse und Learnings erfolgt aus den drei Perspektiven – Studierende, Lehrende, Institutionen.

Die Studierenden waren begeistert über die Möglichkeit, mit internationalen Studierenden zusammenzuarbeiten. Interkulturelle Sensibilisierung sowie die Möglichkeit andere Perspektiven zu sehen stand im Vordergrund der Zusammenarbeit. Auch die Erfahrung, in virtuellen Teams zu arbeiten, wurde sehr positiv aufgenommen. Eine Reflexion bzw. Lösung wahrgenommener Schwierigkeiten konnte konkret und situationsbezogen bearbeitet werden. Im Rahmen des Learning Diaries haben die Studierenden die Probleme von virtuellen Teams reflektiert, wie zum Beispiel eingeschränkte Kommunikation und Verständnisprobleme bei der Verwendung von Onlinetools, Heterogenität innerhalb der Arbeitsgruppe, oder auch Probleme bei der Erreichbarkeit. Es wurden jedoch auch die positiven Aspekte internationaler Zusammenarbeit gelobt: Kennenlernen neuer Kulturen und Sichtweisen, neue fachliche Ansätze, Notwendigkeit von effizientem Zeitmanagement, Interesse am Austausch, Verbesserung der Englischkenntnisse, Umgang mit onlinebasierten Kommunikationsmitteln. Einige Studierende konnten eine zunehmende Verbesserung ihres Zeit- und Projektmanagements feststellen. Auch eine Verbesserung der Medienkompetenz war erkennbar. Zwei Studierende verbrachten das folgende Semester als Auslandssemester in den Niederlanden. Es konnten während des Projekts bereits erste Kontakte mit Studierenden aus Utrecht geknüpft werden und so ein Start erleichtert werden.

Auch die Lektorinnen haben neue Erkenntnisse in der Planung und Durchführung von COIL-Projekten gewonnen. Eine Stärkung des interkulturellen Verständnisses sowie Professionalisierung in der Lehre resultieren aus dieser Zusammenarbeit. Neue bzw. andere didaktische Methoden erweiterten den Blickwinkel der Lektorinnen. Eine Präsentation vor anderen Kollegen und Kolleginnen erfolgte an den jeweiligen Hochschulen, um Informationen und Ergebnisse zu zeigen und zu teilen.

Auf institutioneller Seite wurde die Partnerschaft der beiden Hochschulen gestärkt sowie ein Beitrag zu internationalization@home geleistet. Die Präsentation des Projekts führte zu sehr positiven Reaktionen seitens der Hochschulen, sodass eine Erweiterung auf alle drei Kohorten im Folgejahr geplant wurde. Das Feedback und der Wunsch der Studierenden nach einem ersten Kennenlernen bzw. eines Study Trips vor Ort, wird im Folgejahr durchgeführt. Um den Workload auf Basis der ECTS gleichmäßig zu verteilen, erfolgt eine Adaption der Arbeitsaufträge.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor Kommunikationswirtschaft, 2. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.