STAGES-Projektmanagement Blended Learning Seminar

Umgesetztes Projekt

Ziele

Entwicklung eines Zielgruppen-orientierten Blended Learning-Konzepts auf Grundlage aktueller neurodidaktischer Erkenntnisse.

Kurzzusammenfassung

Die Projektmanagementlehrveranstaltung des STAGES Lektor/innen-Team ermöglicht Student/innen auf Grundlage aktueller neurodidaktischer Erkenntnisse ein nachhaltiges Lernerlebnis. Die Lehrveranstaltung folgt einer Blended Learning-Architektur und besteht aus zwei Phasen („Offstage“, „Onstage“).

 

Während der „Offstage-Phase“ werden Grundlagen gänzlich mittels eLearning vermittelt. In 18 Kapiteln steuern Student/innen die Geschicke des Schauspielensembles Minerva. Zu Beginn erhält das Minerva-Ensemble den Projektauftrag, eine Fabrikhalle in ein Theater umzubauen. Darüber hinaus soll es die Uraufführung des mysteriösen altägyptischen Theaterstücks „Bau der verschollenen Pyramide“ vorbereiten und vermarkten.

 

Um das Projekt erfolgreich zu bewältigen, finden Student/innen pro Kapitel fünf Lernelemente vor (d.h. (1) interaktive Theorieblöcke, (2) 3D-animierte Dialoge, (3) Übungen, (4) Auszüge aus einem Diskussionsabend mit fünf international tätigen Projektmanager/innen, (5) Quiz). Pech nur, das auf dem altägyptischen Theaterstück scheinbar ein Fluch lastet!

 

Die darauffolgende „Onstage-Phase“ besteht aus einem Präsenzworkshop, bei dem Student/innen das Theaterstück („Bau der verschollenen Pyramide“) „aufführen“. Im Altägypten werden sie vom Pharao beauftragt, den Bau einer Pyramide zu planen, zu steuern und abzuschließen. Der Fokus dieser Phase liegt auf der praktischen Anwendung der erlernten Theorie und der Input unserer Lektor/innen ist ausschließlich Feedback-bezogen.

Nähere Beschreibung

Die Blended Learning-Lehrveranstaltung „Projektmanagement“ des STAGES Lektor/innen-Teams ermöglicht Student/innen auf Grundlage aktueller neurodidaktischer Erkenntnisse ein nachhaltiges Lernerlebnis.

 

I. Ausgangspunkt

 

Den Ausgangspunkt für die Lehrveranstaltung bildete ein Gespräch unter Lektor/innen im März 2016. Inhaltlich ging es um den chronischen Zeitmangel, über den sich Student/innen regelmäßig beschwerten, wenn es um Projektarbeiten, Hausaufgaben, Prüfungsvorbereitung oder die Dauer von Lehrveranstaltungen ging. Ein anwesender Lektor kommentierte diesen Zeitmangel skeptisch. Er habe noch nie gehört, dass sich Student/innen darüber beschwert hätten, dass etwa „ein spannender Film zu lange dauerte“ oder „eine mitreißende Fernsehserie zu viele Folgen hätte“.

 

Die Anmerkung des Kollegen war ironisch gemeint. Dennoch löste sie bei den nunmehrigen „STAGES-Lektoren“ Gerhard Fenkart-Fröschl und Peter Gralek einen Denkprozess zu einer Frage aus:

 

„Was wäre, wenn man den Gesamtinhalt einer Lehrveranstaltung mittels einer fortlaufenden, interaktiven Geschichte vermitteln würde?“

Der Inhalt der Geschichte müsste natürlich aufs Engste mit dem Lernstoff verflochten sein. Regelmäßige Cliffhanger durften nur aufgelöst werden, nachdem Student/innen die zugrundeliegende Theorie eines Lernkapitels beherrschten und erfolgreich anwendeten. Unter diesen beiden Prämissen – so meinten Fenkart-Fröschl und Gralek – sollte es aber möglich sein, einen nachhaltigeren Lerneffekt zu ermöglichen als mittels traditionelleren Lehrmethoden. Sie beschlossen, ihr Konzept anhand der Lehrveranstaltung „Projektmanagement“ auszuprobieren.

 

II. Grundannahmen

 

Das Blended Learning-Konzept der STAGES Lektor/innen stützt sich auf folgenden Annahmen:

 

• Das menschliche Gehirn nimmt Informationen am Umfassendsten und Nachhaltigsten auf, wenn sie in Form einer Geschichte übermittelt werden (Hasson, Uri (2015));

• eLearning-Technologien bilden eine ideale Plattform, um Geschichten zu erzählen, da Student/innen die Erzählgeschwindigkeit selbständig steuern;

• Menschen lernen wesentlich besser, wenn sie selbst tätig sind, als wenn sie passiv zusehen bzw. zuhören (Beck, Herbert (2003))

• Feedback, das als Zweiwegkommunikation angesetzt ist, fördert Lernprozesse eher als Einwegfeedback (Hattie, John & Timperley, Helen (2007))

• Spannungstechniken, die bei Film- und Theaterproduktionen erfolgreich eingesetzt werden, können auch bei Lehrveranstaltungen wirksam angewendet werden, ohne deren Ernsthaftigkeit und Lerntiefe zu beeinträchtigen;

 

III. Aufbau der STAGES Lehrveranstaltung „Projektmanagement“

 

Die Lehrveranstaltung folgt einer Blended Learning-Architektur und besteht aus zwei Phasen („Offstage“, „Onstage“) sowie einer schriftlichen Abschlussprüfung.

 

III.A. PHASE 1 „OFFSTAGE“

Während der „Offstage-Phase“ werden Theoriegrundlagen gänzlich mittels eLearning vermittelt. In 10 Kapiteln (Bachelor-Varinate) bzw. 18 Kapiteln (Master-Variante) steuern Student/innen die Geschicke des Schauspielensembles Minerva.

 

III.A.1. Handlungsstrang

Gleich im ersten Kapitel wird dem Minerva-Ensemble der Mietvertrag für sein bisheriges Theater gekündigt. Kurz darauf bekommt es von geheimnisvollen Auftraggebern eine Projektanfrage. Demzufolge soll das Minerva-Ensemble:

• eine leere Fabrikhalle in ein Theater umbauen;

• die neuzeitliche Uraufführung des Theaterstücks „Bau der verschollenen Pyramide“ vorbereiten. Hierbei handelt es sich um ein Manuskript, das bei einer Ausgrabung in Luxor entdeckt wurde und soeben übersetzt wurde;

• eine Kommunikations-, Marketing- und Sales-Kampagne für die Theatereröffnung vorbereiten und steuern;

Da das Minerva-Ensemble kaum Erfahrung mit dem Projektmanagement hat, beschließen die Protagonisten, ihre diesbezüglichen Kenntnisse zu erweitern. In Einzelkapiteln treffen sie auf ungewöhnliche Experten, die ihnen Wissen vermitteln. Zeitgleich bemerken sie Ungereimtheiten in Hinblick auf das altägyptische Theaterstück. Nach und nach kommen sie einem jahrtausendealten Komplott auf die Spur, der ihrem Projekt zusätzliche Dringlichkeit verleiht.

 

III.A.2. Lernarchitektur

Jedes der eLearning-Kapitel enthält folgende Lernarchitektur:

 

(1) Theorieblock mit interaktiven Detaillierungsebenen: Student/innen finden am Bildschirm zunächst die ‚Detaillierungsebene 1‘ vor. Sie sehen diverse Kästchen mit Fragen zum Hauptthema des Kapitels. Durch Anklicken der Fragen erhalten sie die Antworten;

Jedes Kapitel enthält bis zu fünf ‚Detailierungsebenen‘. Während Detailierungsebene 1 nur oberflächliche Informationen zum Kapitelthema bietet, vertiefen sich die Informationen mit jeder zusätzlich gewählten Detaillierungsebene.

 

Die Detaillierungsebenen sind folgendermaßen strukturiert:

 

Fragen der Detaillierungsebene 1:

• Was ist (z.B. eine Projektorganisation)?

• Warum verwendet man sie?

• Was sind ihre Vorteile?

• Was sind ihre Nachteile bzw. Limits?

 

Fragen der Detaillierungsebene 2:

• Welche Varianten (z.B. der Projektorganisation) gibt es?

• Welche Vor- und Nachteile sind mit jeder dieser Varianten verbunden?

 

Fragen der Detaillierungsebene 3:

• Wie sehen (drei-fünf) Beispiele aus der Praxis (z.B. zu Projektorganisationen) aus?

 

Fragen der Detaillierungsebene 4:

• Welche Vorgangsweise eignet sich (z.B. zum Aufbau einer Projektorganisation)?

• Welche Techniken/Tools helfen mir in diesem Zusammenhang?

 

Fragen der Detaillierungsebene 5:

• Wie sieht eine zusammenfassende Fragen-Checkliste zur erfolgreichen (z.B. Erstellung einer Projektorganisation) aus?

• Welche weiterführende Literatur empfehlen die STAGES-Lektor/innen ?

 

Für welche Tiefe der Detaillierungsebenen sich Student/innen entscheiden, liegt ausschließlich bei ihnen selbst. Sie müssen aber zu Ende des Kapitels in der Lage sein, den Abschlussquiz mit mindestens 80% der möglichen Punkte zu meistern;

 

(2) 3D-animierte Dialoge: im Gespräch erörtert das Minerva-Ensembles Hintergrundinformationen, die zur Lösung der Hauptübung des Kapitels nützlich sind;

 

(3) Übungen: Jedes Kapitel enthält eine Hauptübung, die in Zusammenhang mit dem Gesamtprojekt des Minerva-Ensembles steht. Die Übung ist mit Hilfe der Theorieblöcke und 3D-animierten Dialoge zu lösen. Bei fehlerhaften Lösungen werden den Student/innen ihre Fehler angezeigt und die richtige Lösung begründet.

 

Konkret beinhalten die 18 Kapitel folgende Übungen:

• Prüfung, ob es sich um ein ‚echtes‘ Projekt handelt;

• Festlegung von SMART-Zielen;

• Prüfung des Business Case;

• Grobplanung;

• Präzise Vereinbarungen mit den Projektauftraggeber/-innen;

• Aufbau der Projektorganisation;

• Sinnvolle Teambesetzung;

• Erstellung eines Kommunikations- und Dokumentationsplans;

• Erstellung eines Projektstrukturplans;

• Erstellung eines Meilensteinplans;

• Erstellung eines Netzplans;

• Erstellung eines Ressourcenplans;

• Erstellung eines Kostenplans und Budgets;

• Aufbau des Projektcontrollings;

• Teamentwicklung;

• Fortlaufende Projektcontrollingmaßnahmen;

• Konfliktmanagement;

• Änderung- und Krisenmanagement;

• Projektabschlussmaßnahmen;

 

(4) Videoauszüge aus einem Diskussionsabend mit fünf international tätigen Projektmanager/-innen: Jedes Kapitel enthält einen 8-10-minütigen Videoausschnitt eines Diskussionsabends, bei dem Projektmanager/-innen (auf einer Theaterbühne) ihre persönlichen Erfahrungen und Tipps zum Themenschwerpunkt des Kapitels teilen;

Anmerkung: Dieses Element gibt es in unserem Prototypen noch nicht. Es wird erst dann produziert, wenn wir ausreichende Nachfrage von FHs/Unis für unsere Lehrveranstaltung feststellen;

 

(5) Zusammenfassender Kapitel-Quiz: Bevor Student/innen für das Folgekapitel freigeschalten werden, müssen sie eine abschließende Prüfung mit mindestens 80% der möglichen Punkte meistern. Hierbei beantworten sie einerseits Multiple Choice-Fragen und führen andererseits die zentrale Übung des Kapitels nochmals aus;

 

III.A.3. Zusätzliches

Aufgrund der Programmierkenntnisse der STAGES-Lektor/innen , läuft der Prototyp vorerst nur auf einem Windows-basierenden PC einwandfrei. Bei ausreichender Nachfrage seitens FHs/Unis ist gedacht, einen Programmierer zwecks ‚Responsive Design‘ zu beauftragen. Damit soll die eLearning-Plattform auf allen digitalen Endgeräten (z.B. Smartphone) laufen.

 

Zu diesem Zeitpunkt soll jedem Kapitel auch eine „Speed Stages“-Option beigefügt werden, die es Student/innen, die unter Zeitdruck stehen, ermöglicht, auf einem Smartphone ausschließlich ‚lernrelevante‘ Inhalte (d.h. ohne Gesamtgeschichte) mitzuverfolgen.

 

 

III.B. PHASE 2 „ONSTAGE“

Nach erfolgreich abgeschlossener „Offstage Phase“ nehmen Student/innen nun an einem eintägigen (Bachelor-Variante) bzw. zweitägigen (Master-Variante) Präsenzworkshop teil. Der Fokus dieser Phase liegt ausschließlich auf der praktischen Anwendung der zuvor erlernten Theorie. Der Input unserer Lektor/innen ist rein Feedback-bezogen.

 

III.B.1 Handlungsstrang

Student/innen nehmen an der „Aufführung“ des Theaterstücks „Bau der verschollenen Pyramide“ Teil. Dabei nehmen sie kollektiv die Rolle eines altägyptischen Wesirs ein, der vom Pharao beauftragt wird, den Bau einer Pyramide zu planen, zu steuern und erfolgreich abzuschließen.

Informationen zum Handlungsverlauf erhalten Student/innen durch stündliche Videoeinblendungen. Bei ausreichender Nachfrage seitens FHs/Unis sollen die stündlichen Filmsequenzen mit echten Schauspielern des Wiener Bronski & Grünberg Theaters gedreht werden.

 

Im Verlauf des Workshops lösen Student/innen in Kleingruppen acht (Bachelor-Variante) bzw. 16 (Master-Variante) Aufgaben und beobachten auf der Leinwand die fortlaufende Entstehung einer Pyramide. Zeitgleich lösen sie den bereits in der „Offstage Phase“ angesprochenen jahrtausendealten Konflikt.

 

III.B.2 Lernarchitektur

Zu Beginn des Workshops werden Student/innen in Kleingruppen eingeteilt. Je nach Gesamtstudent/innenanzahl bestehen diese Gruppen aus drei bis maximal fünf Student/innen . Sie bekommen die Rolle des Wesirs zugewiesen, während Lektor/innen die Rolle eines altägyptischen Orakels einnehmen.

 

Jedes Team erhält vier (Bachelor-Variante) bzw. acht (Master-Variante) Kupferdeben (d.h. altägyptisches Zahlungsmittel). Nun beginnt das „Theaterstück“ mit einer einleitenden Filmsequenz.

 

Jede Lernstunde besteht aus folgenden Elementen:

(1) Video mit Handlungsfortlauf und Aufgabenstellung: Ein vier- bis sechsminütiger Kurzfilm vermittelt den Fortlauf des Theaterstücks „Bau der verschollenen Pyramide“. Hierbei erhalten die Student/innen eine weitere Aufgabenstellung;

(2) Handouts: Student/innen erhalten schriftliche Handouts mit weiteren Projektdetails, die zur Lösung der Aufgabenstellung beitragen;

(3) Teamarbeit: Nun erarbeiten Student/innen in ihren Kleingruppen die Lösung der jeweiligen Aufgabenstellung. Bei Unsicherheiten könne sie per Smartphone auf die Theorie der „Offstage Phase“ zurückgreifen;

(4) Konsultation des Orakels: Kommt ein Team bei der Aufgabenstellung nicht weiter, dann kann es das altägyptische Orakel (d.h. LektorIn) konsultieren. Allerdings kostet jeder Besuch beim Orakel einen Kupferdeben;

(5) Präsentation der Musterlösung: Das Orakel (d.h. LektorIn) präsentiert die Musterlösung zur jeweiligen Aufgabenstellung. Student/innen teams werden angeregt, diese mit ihren eigenen Ergebnissen abzugleichen;

(6) Diskussion/Feedback: In diesem Block werden abweichende Lösungen der Studententeams näher erörtert. Auch können (ohne Abgage von Kupferdeben) Zusatzfragen an das Orakel gestellt werden;

 

III.C. SCHRIFTLICHE ABSCHLUSSPRÜFUNG

Den Abschluss der Lehrveranstaltung bildet eine 90-minütige (Bachelor-Variante) bzw. 120-minütige (Master-Variante) schriftliche Abschlussprüfung etwa sieben Tage nach der „Phase Onstage“.

 

IV. Erstauswertung an FH Wien (Institut für Kommunikation-, Marketing und Sales)

 

Um das Zielgruppeninteresse an dem Seminarkonzept zu untersuchen, ermöglichte es uns das Institut für Kommunikation, Market und Sales der FH Wien, einen Erstentwurf des eLearning-Tools im Rahmen der Kommunikationswirtschaft- Bachelorlehrveranstaltung „Projektmanagement“ auszuprobieren. Anschließend evaluierten 97 Student/innen anhand eines anonymen Fragebogens den Erstentwurf.

 

Die Ergebnisse sind in zweierlei Hinsicht vielversprechend. Erstens erreichten die Student/innen bei den (nicht e-Learning basierenden) Abschlussaufgaben um durchschnittlich 18% höhere Punkte als bei anderen ‚traditionelleren‘ Projektmanagement-LVs der STAGES-Lektor/innen .

Zweitens gaben 57% der Student/innen , die bereits Erfahrung mit anderen eLearning-Technologien hatten (d.h. 80 Student/innen ), in der anonymen Befragung an, dass ihnen der Erstentwurf der STAGES-Lektor/innen „besser gefiel“ als andere eLearning Tools.

Nun wird überlegt, das eLearning-Tool weiterzuentwickeln und auch die „Onstage Phase“ einzubauen.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor/Master/1.Semester

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.