Forschen - Vermitteln - Abbilden

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

In den Lern- und Bildungsprozessen von Schülerinnen und Schülern sollten laut Curriculum für Lehramtsstudien neben dem Lernort Schule auch sogenannte außerschulische Lernorte miteinbezogen werden. Für den Biologieunterricht ist beispielsweise das Naturkundemuseum als ein solcher Lernort geradezu prädestiniert. Im Frühjahr 2013 wurde das neue Naturkundemuseum des Universalmuseum Joanneum Graz eröffnet, im Wintersemester 2012/13 bot ich die Lehrveranstaltung „Forschen-Vermitteln-Abbilden“ für Studierende des Lehramtsstudiums Biologie und Umweltkunde zum ersten Mal an, nachdem ich auch das Konzept dazu erarbeitete. Das gegenseitige Kennenlernen der Institutionen Universität-Museum-Schule und die Förderung einer interinstitutionellen Zusammenarbeit stehen im Vordergrund dieser Lehrveranstaltung. Das über zwei Semester konzipierte Seminar soll Studierende auf ihre zukünftige berufliche Tätigkeit als Lehrkräfte vorbereiten. Dazu zählt der Aufbau von fundiertem (fach)didaktischen Wissen sowie der Ausbau der Methodenkompetenz, also der Einsatz unterschiedlicher Medien für die Vermittlung von Wissen sowie zur Planung und Gestaltung von Unterricht und Lernumgebungen für Projektunterricht, Lernen an Stationen, Arbeiten im Freiland, Freiarbeit oder außerschulische Lernstandorte. Zentrales Ziel der Lehrveranstaltung ist außerdem, dass Studierende lernen, ihre Vermittlungskonzepte einer ganzheitlichen Evaluation zu unterziehen und kritisch zu reflektieren. Details zu den Zielen findet man in der umfassenden Beschreibung der Lehrveranstaltung.

Beschreibung

Beim Seminar „Forschen-Vermitteln-Abbilden“ handelt es sich um eine zweiteilige Lehrveranstaltung, deren erster Teil im Wintersemester, der zweite Teil im Sommersemester stattfindet. Die Zielgruppe stellen Studierende des Lehramtsstudiums Biologie und Umweltkunde dar. In Kooperation mit unterschiedlichen Abteilungen des Universalmuseum Joanneum Graz, im Speziellen mit dem Naturkundemuseum und dem Studienzentrum Naturkunde, wird es den Studierenden ermöglicht, das Naturkundemuseum von innen heraus kennen zu lernen. Im ersten Teil wird das Museum als Institution mit seinen Aufgaben und Möglichkeiten dargestellt und präsentiert. Zudem erarbeiten Studierende zu bestehenden Dauer- und Sonderausstellungen zielgruppen- und schwerpunktorientierte Vermittlungskonzepte wie auch Arbeitsmaterialien. Der zweite Teil des Seminars setzt sich die praxisbezogene Erprobung und Evaluierung der entwickelten Vermittlungskonzepte und Materialien hinsichtlich ihrer Eignung für die museale Anwendbarkeit sowie deren Wirksamkeit auf Besucherinnen und Besucher zum Ziel. Dadurch wird es den Studierenden möglich, ihren Vorbereitungsaufwand, die Durchführbarkeit und den Effekt ihrer Planungen und Entwürfe zu evaluieren und optimieren. Das Museum soll als lebendiger außerschulischer Lernort kennengelernt und Möglichkeiten für dessen Einbindung in den lehrplankonformen schulischen Unterricht aufgezeigt werden.

Im Frühjahr 2013 eröffnete das neue Naturkundemuseum im Universalmuseum Joanneum Graz, was sogleich als Gelegenheit genutzt wurde, um Studierenden des Lehramtsstudiums Biologie und Umweltkunde diesen fabelhaften außerschulischen Lernort mit all seinen Möglichkeiten näher zu bringen. Hierfür konzipierte ich ab dem Wintersemester 2012/13 das zweiteilige Seminar „Forschen-Vermitteln-Abbilden“, welches seitdem in enger Kooperation mit dem Universalmuseum Joanneum, im Speziellen mit dem Naturkundemuseum und dem Studienzentrum Naturkunde, realisiert wird.

Dabei kommt ein interaktiver Lehr- und Lernmethodenmix zum Einsatz: Diskussionsrunden mit Studienkolleginnen und -kollegen sowie mit dem Lehrenden und Expertinnen und Experten des Universalmuseum Joanneum unterstützen die LV-Teilnehmenden in der Erarbeitung und Verwirklichung musealer Vermittlungskonzepte. Diese Konzepte werden einer Evaluierung unterzogen, wobei Evaluierung als Prozess im Kreislauf verstanden wird (front-end, formative und summative Evaluierung).

 

Im ersten Teil des Seminars, im Wintersemester, wird zunächst die Institution Universalmuseum Joanneum mit all ihren Standorten und Abteilungen vorgestellt. Die musealen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens, Erforschens und Vermittelns werden anhand von Lehrausgängen in das Studienzentrum Naturkunde und in das Naturkundemuseum erklärt und den Studierenden erfahrbar gemacht. Neben dem Vertrautwerden mit musealer Arbeit ist das Aufzeigen von Möglichkeiten, aber auch von Grenzen des Museums als Lehr- und Lernort von zentralem Interesse.

Entsprechend dem Untertitel des ersten Teils der Lehrveranstaltung – „Erarbeitung zielgruppen- und schwerpunktorientierter Vermittlungskonzepte und Materialien für das Naturkundemuseum im Universalmuseum Joanneum“ – werden für bestehende und geplante Teilbereiche der Dauer- und Sonderausstellungen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Expertinnen und Experten des Universalmuseum Joanneum zielgruppen- (z. B. Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I) und schwerpunktorientierte (z. B. Neobiota) Vermittlungskonzepte und Materialien erarbeitet. Ziel ist es, ein verschriftlichtes Konzept in Form eines „Drehbuches“ zu erarbeiten. Dieses soll sowohl Lernziele, den Ablauf, die tatsächliche Vermittlung (möglichst genauer Wortlaut) wie auch die Protokollierung des benötigen Zeitaufwandes für die konzeptionelle Arbeit und mögliche materielle und finanzielle Aufwendungen berücksichtigen. Die Erarbeitung erfolgt in Zweiergruppen der Studierenden.

Die Auswahl der Schwerpunkte erfolgt in Übereinstimmung mit der Leiterin/dem Leiter der Naturvermittlung des Naturkundemuseums. Meist richten sie sich nach den Themen der aktuellen Sonderausstellung. Das Methodenspektrum der musealen Vermittlung erstreckt sich über sprachliches Vermitteln (Führung) bis hin zu Vermittlungen durch gegenständliche Tätigkeiten, die alle Formen umfasst, die BesucherInnen aus der passiven Rolle des Zuhörens herausholt. Häufig kommen Kombinationen von kurzen Führungen (theoretischer Input zum Thema) mit anschließendem moderierten Training (handlungsorientiertes Erreichen definierter Ziele mit Hilfestellung eines Vermittlers/einer Vermittlerin) zur Anwendung.

 

Bereits in der Erarbeitung der Konzepte kommt der Prozess der Evaluierung zu tragen. In der sogenannten Front-End-Evaluierung werden Interessen, Einstellungen und mögliches Vorwissen der Zielgruppen, meist Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen, berücksichtigt. In den Diskussionsrunden mit Kolleginnen und Kollegen bzw. dem Lehrenden, aber auch durch zusätzliche Besuche im Naturkundemuseum (Studierende erhalten während der Lehrveranstaltung freien Eintritt) wird der Prototyp des Konzeptes immer wieder in Frage gestellt, überarbeitet und verbessert (formative Evaluierung). Um letztendlich auch die summative Evaluierung zur gewährleisten, müssen die Studierenden ihr Vermittlungskonzept bzw. strukturierte Teile des Konzeptes mit Zielen versehen; dies ist besonders während der Konzeptionierung leicht möglich, da die Auswahl und Formulierung einzelner Vermittlungsschritte automatisch mit einer Idee, einer Erwartungshaltung, einem Ziel in Verbindung gebracht wird.

Ziel des ersten Teils des Seminars ist es, Kenntnisse, welche die Studierenden im Zuge des Lehramtsstudiums Biologie und Umweltkunde erworben haben, mit musealen Ansprüchen der Naturvermittlung zu verknüpfen, sie zielgruppen- bzw. schwerpunktorientiert aufzubereiten und konzeptionell zu verschriftlichen. Zeitliche, materielle und finanzielle Aufwendungen sollen optimiert werden. Interdisziplinarität, aber besonders auch Transdisziplinarität (Universität- Museum-Schule) werden gefördert.

 

Der zweite Teil des Seminars trägt den Untertitel „Vermittlung und Evaluierung eigener Konzepte und Materialien im Naturkundemuseum des Universalmuseum Joanneum“. Studierende erstellen darin ein zu ihrem Vermittlungskonzept passendes Evaluierungskonzept. Dabei geht es um die strukturelle Untergliederung ihrer Vermittlung in hinterfragbare Ziele mit der Ausformulierung entsprechend vieler, möglichst exakt beantwortbarer Fragen bezüglich der Zielerreichung. Mit Hilfe dieser Fragen evaluieren sich die Mitglieder jeder Zweiergruppe während der Vermittlung gegenseitig.

Ziel dieses Teiles des Seminars ist die praxisbezogene Erprobung und summative Evaluierung der eigenen Vermittlungskonzepte und Materialien für die jeweiligen Zielgruppen bzw. Schwerpunkte (Themen) hinsichtlich ihrer Eignung für die museale Anwendbarkeit sowie deren Wirksamkeit auf die Zielgruppen. Die Studierenden erhalten direkt Feedback auf ihre Konzepte und Materialien und können damit Vorbereitungsaufwand, Durchführbarkeit und Effekt ihrer Planungen und Entwürfe optimieren.

Durch die Verschriftlichung der Vermittlungs- und Evaluierungskonzepte sind die Arbeiten der Studierenden für ihre Kolleginnen und Kollegen nachvollziehbar bzw. relativ leicht für den eigenen Gebrauch zu adaptieren. Daher werden alle Konzepte am Ende der Lehrveranstaltung an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitergegeben.

Positionierung des Lehrangebots

Unterrichtsfach Biologie und Umweltkunde

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.