Lecture Recital Seminar künstlerische Masterarbeiten

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Alternative zur traditionellen Masterarbeit, persönlichkeitsorientierte, kreativitätsfördernde Lehrveranstaltung, Gesprächskonzert mit Performance als künstlerische Masterarbeit; personalisiertes Lernen; zukunftsweisende Wirkung, Anregung zu neuen musikalischen Bühnenformaten; Bereicherung

der Konzertwelt um eine neue schöpferische Form musikalisch-sprachlicher performativer Darbietung, die sowohl für die Ausführenden als auch für die Zuhörer erzieherischen Wert hat.

Beschreibung

„Lecture Recital“ als künstlerische Masterarbeit ist eine neu entwickelte Methode zur Präsentation von musikalischen Werken, Forschung und

Erkenntnis. Studierende mit Begabungen eher im szenischen, aktionsorientierten, schöpferischen Gestalten erhalten im Lecture Recital eine tragfähige Plattform, ihre künstlerischen Talente und Kompetenzen vor Publikum zu zeigen. Musik, Text und Performace werden als szenischer Prozess verknüpft und gestaltet nach der Methode des Sprechens und Spielens, das zwischen Kunst und Wissenschaft angesiedelt ist. Lecture Recital Seminar

vermittelt künstlerisches Know-how auf der Bühne im Dazwischen von Sprecher, Spieler, Akteur und Zuhörer. Die Seminarvorbereitung ermöglicht integrative, komplexe Lernerfahrungen, fördert gegenseitige Feedbacks, welche Reflexionsprozesse beim Einzelnen in Gang setzen. Sie verbindet Sprechen, Darstellen und Spielen in bestimmter, mehr oder weniger formalisierter Weise – demonstrativ, exemplarisch, illustrativ, experimentell, assoziativ. Wie verhalten sich Musik, Text und Performance zueinander? Wie verändert sich das Gespielte, wenn die Erklärung folgt, oder vorausgeschickt wird? Welche Variations- und Forschungsoptionen liegen nahe? Diese Fragen geben dem Lecture Recital eine szenische Dimension,

die rhetorischer, darstellerischer Bühnenkompetenzen bedarf, die hier vermittelt und geübt wird. Die Präsentation wird zum Teil des Forschungsprozesses. Es entsteht Wissen, das jeder am eigenen Körper fühlt.

Wie kann forschend-künstlerische Lehre akademische, künstlerische und kulturelle Grenzen erweitern? Wie kann künstlerische Performance zur

Teilnahme an kulturellen Aufgaben anregen? Wie können fachlich-künstlerische Qualifikationen Übergänge zu übergreifender Kulturarbeit ermöglichen? Das sind die grundlegenden Fragen, die diese neue Methode des Spielens und Sprechens, das auf ein neues Format verweist, zwischen Kunst und Wissenschaft ansiedelt: das Format der Vortragsperformance. Diese Methode ist auf den Kontext von Hochschulen und Universitäten zugeschnitten, um den Studierenden eine Alternative zu den bisher üblichen Masterarbeiten zu bieten. Das Lecture Recital ist in gewisser Weise die Essenz aus Analyse und Gestaltung. Es sensibilisiert dafür, dass in der Präsentation von Wissen immer schon „Performance“ und heterogenes Wissen steckt – vergleichbar mit wissenschaftlichen Vorträgen, Referaten, Seminaren, die die reine Wissensvermittlung aktions- und erlebniszentriert überschreiten. Die Präsentation von Wissen ist heute nicht mehr nur Sache von Lehrenden, sondern beginnt schon im Studium, so dass die Fähigkeit, Wissen mehrperspektivisch und eigenschöpferisch zu vermitteln, in Zeiten lebenslangen Lernens schon früh und grundlegend vermittelt wird. Wie geschieht das? Nicht durch Einflößung von oben nach unten, sondern durch Austausch und personalisiertes Lernen ("jedem was er braucht, und nicht allen das Gleiche") – das Prinzip forschenden Lernens.Forschendes Lernen produziert gleichberechtigte Lerngemeinschaft, die auf Austausch basiert und sich in der wechselseitigen Präsentation des Erforschten entwickelt. Wissen ist nicht nur das, was sich in die Form sprachlich-schriftlich niederschlägt, sondern auch das, was sich musikalisch-akustisch, bewegungs- und aktionsorientiert ausdrückt im Prozess der Erarbeitung und Präsentation, die ineinander greifen. Ein Lecture Recital ist also nicht nur das Ergebnis einer Präsentation, sondern seine Erarbeitung ist Teil eines Forschungsprozesses. Lecture Recital begreift die Präsentation als Forschungsprozess und nicht nur als Darstellung von Ergebnissen. Sie wird zur Schleife: im Austausch zwischen Präsentation und Studierenden wird sie zur Forschung. Alle Ausdrucksmittel gelten als gleichberechtigt. Welche Beziehung sie zueinander eingehen wird mit jedem Studierenden neu erkundet. Damit ist das Lecture Recital Seminar zugleich eine Schulung des Hörens, des Sehens, des Feedback-Gebens und des komplexen Lernens.

Positionierung des Lehrangebots

Masterstudium, künstlerische Masterarbeit

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.