Labordiagnostik V - Übüngen aus Parasitologie

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

„Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ Konfuzius beschreibt zeitlos treffend den hohen Lerneffekt einer selbst durchgeführten Übung für Studierende, der durch keine andere Lehrform so gut erreicht werden kann. Neben den klinischen skills werden daher auch Fertigkeiten im Labor trainiert. Ein Teil dieser praktischen nicht-klinischen Ausbildung für VeterinärmedizinerInnen ist der Kurs „“Übungen aus Parasitologie“, in dem die wichtigsten veterinärparasitologischen Untersuchungstechniken vorgestellt und von den Studierenden selbst durchgeführt werden.

Beschreibung

Die Lehrveranstaltung ist Teil des seit 2014 bestehenden Curriculums Veterinärmedizin an der Vetmeduni Vienna und wird im 5. Semester angeboten. Sie besteht aus 28 Lehreinheiten praktischer Übungen, in denen die wichtigsten parasitologischen Untersuchungstechniken vorgestellt und von den Studierenden durchgeführt werden und die wichtigsten Parasiten der Haustiere, deren Diagnose und Differenzierung gezeigt und geübt werden. Am Ende des Kurse sind die Studierenden imstande, selbständig parasitologische Standarduntersuchungen durchzuführen und korrekt zu befinden, die Befunde zu interpretieren und in Fachsprache zu formulieren sowie in den Kontext einfacher klinischer Fälle zu setzen. Die Übungsvorbereitung erfolgt mittels begleitendem Skriptum und unter Verwendung von Online-Tools, wie Lehrvideos, Selbsttests und „Memory“-Tests. Das Prüfungsformat der Übungen ist ein kumulativer Test, in dem sowohl diagnostische Fähigkeiten wie auch theoretisches Hintergrundwissen mit verschiedenen Formaten geprüft werden.

1. Ziele und Konzepte der Lehrveranstaltung „Labordiagnostik V – Übungen aus Parasitologie“


1a. Ziele

„Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.“ Konfuzius beschreibt zeitlos treffend den hohen Lerneffekt einer selbst durchgeführten Übung für Studierende, der durch keine andere Lehrform so gut erreicht werden kann. Neben den klinischen skills werden daher auch Fertigkeiten im Labor trainiert. Ein Teil dieser praktischen nicht-klinischen Ausbildung für VeterinärmedizinerInnen ist der Kurs „“Übungen aus Parasitologie“, in dem die wichtigsten veterinärparasitologischen Untersuchungstechniken vorgestellt und von den Studierenden selbst durchgeführt werden.

Die Lernziele (learning outcomes) der gesamten Übung, bei der neben der Parasitologie auch die Infektionsdiagnostik behandelt wird, sind wie folgt definiert:

• Die Studierenden sind in der Lage, in einem Labor hygienisch zu arbeiten.

• Die Studierenden sind in der Lage, Proben […] dem jeweiligen Erreger angepasst in ein geeignetes Medium zu entnehmen, korrekt zu lagern, zu verpacken und zu versenden.

• Die Studierenden sind in der Lage, Probenmaterial korrekt aufzuarbeiten und Untersuchungen zum Nachweis, zur Differenzierung und Charakterisierung von Parasiten […] aufzuzählen und an ausgewählten Beispielen durchzuführen.

• Die Studierenden sind in der Lage, immunologische Testsysteme für parasitologische […] Fragestellungen durchzuführen und die Ergebnisse zu interpretieren bzw. zu analysieren.

• Die Studierenden sind in der Lage, Wert und Grenzen diagnostischer Testsysteme zu interpretieren.

Mit diesen Lernzielen stehen die Übungen aus Parasitologie sozusagen am diagnostischen „Scheideweg“ zwischen der Vermittlung der naturwissenschaftlichen Grundlagen und der Hinführung an diagnostische Fragestellungen aus der Klinik zur Vermittlung praxisrelevanter Ersttagskompetenzen (first day skills). Die Vermittlung der Fertigkeit, diagnostische Tests selbst durchzuführen und zu interpretieren, ist ein Teil des Ausbildungsziels in diesem Kurs. Darüber hinaus lernen die Studierenden auch, sich mit Fachvokabular zu verständigen, einen Befund zu erstellen und technisch zu interpretieren.

1b. Konzepte

Die Übungen aus Parasitologie wurden in früheren Curricula bereits durchgeführt. Die Studierenden üben dabei verschiedene Untersuchungs- und Diagnostiktechniken und lernen die Erkennung und Unterscheidung verschiedener relevanter Parasiten der Haustiere in verschiedenen Substraten. Konkret wird ihnen Material in unterschiedlichen Stadien der Probenvorbereitung zur Verfügung gestellt, das sie selbst aufbereiten und untersuchen. Zur Vorbereitung auf die jeweiligen Inhalte steht, ganz traditionell, ein gedrucktes Skriptum zur Verfügung, das von den Studierenden um eigene Zeichnungen und Texte ergänzt wird. Darüber hinaus stehen auf der Online-Lernplattform „Vetucation®“ der Vetmeduni verschiedene E-learning-Tools zur Verfügung. Zum einen sind das Filme, die die Untersuchungstechniken, die die Studierenden selbst durchführen sollen, zeigen und erklären; zum anderen ein Selbsttest (Multiple-Choice-Format) zur Wissensüberprüfung. Ergänzend kommt im Sommersemester ein Selbsttest mit Bildern im „Memory“-Format dazu.

Da die Lehrveranstaltung eingebettet sein soll in die organbasierten Lehrveranstaltungen wird ein Teil der Lehrveranstaltung darauf verwendet, mithilfe so genannter Fallvignetten (klinischen Szenarien) verschiedene parasitäre Erkrankungen der Haustiere diagnostisch aufzuarbeiten und einen Befund zu formulieren und im Kontext des klinischen Falls zu interpretieren. Dieser Teil der Lehrveranstaltung nennt sich „vom Patienten zur Diagnose“ und wird mithilfe plakativer Patienten mit Parasitenbefall „auf dem Papier“ geübt.

Um die erfolgreiche Teilnahme an der Lehrveranstaltung zu prüfen, findet ein kumulativer Test statt, der verschiedene Formate einschließt:

- Multiple Choice-Fragen zur Überprüfung von Faktenwissen

- Praktische Anwendung diagnostischer Fertigkeiten I: Herstellung und Befundung eines Untersuchungspräparats

- Praktische Anwendung diagnostischer Fertigkeiten II: Befundung von Frisch- und Fertigpräparaten verschiedener Parasiten der Haustiere (mikroskopische Fertigkeiten und Fähigkeit zur Erstellung eines schriftlichen Befundes)

- Klinische Diagnostik in Form von Fallvignetten, so genannte Key-Feature-Fragensätze, die sich auf einen parasitologischen Befund beziehen, eingebettet in einen klinischen Fall (Fallbeschreibung – Vorschläge zum diagnostischen Vorgehen – Befunderhebung und Befundinterpretation)

2. Einbettung der Lehrveranstaltung in das Gesamtkonzept des Curriculums U14 für Veterinärmedizin der Vetmeduni Vienna

Die Übungen aus Parasitologie finden im 5. Semester statt und sind zeitlich und inhaltlich eng mit den Lehrveranstaltungen zu den Erkrankungen der unterschiedlichen Organsysteme im 5.-7. Semester verknüpft, in denen die Diagnose verschiedenster Infektionskrankheiten der Haustiere ein zentrales Thema darstellt. Die Aufarbeitung von Fallvignetten wird in den folgenden Semestern um Beiträge zu Therapie und Prophylaxe erweitert, die Fälle werden auch komplexer und differentialdiagnostisch anspruchsvoller. Unabhängig davon, wie intensiv die spezielle parasitologische Diagnostik in der weiteren Ausbildung von den Studierenden selbst eingesetzt wird, soll die Übung im 5. Semester die Fertigkeiten zur selbständigen Durchführung der wichtigsten Techniken vermitteln, vor allem aber soll die Fähigkeit trainiert werden, Befunde zu verschriftlichen, zu interpretieren und in Zusammenhang mit Fragestellungen im Rahmen tierärztlicher Tätigkeiten in der kurativen Praxis, als Amtstierärztin/Amtstierarzt oder in der Lebensmittelindustrie zu bringen.

 

4. Motivation für die Verknüpfung von traditionellem Kleingruppenunterricht mit Elearning

Die Verknüpfung einer traditionellen Lehrform, des Kleingruppenunterrichts mit praktischen Übungen, mit Vorbereitungs- und Selbstüberprüfungselementen in Form von Elearning auf der Plattform der Vetmeduni ermöglicht es, den Studierenden einerseits optimale Bedingungen für selbstgesteuertes Lernen für die Vorbereitung der Übungen und die Selbstüberprüfung der Lernerfolgs zu bieten, indem sie die Zeiträume und den Aufwand für die Elearning-Elemente selbst wählen können; damit bleibt während der Übungen ausreichend Zeit für praktisches Üben und den Dialog mit den Lehrenden. Da die Übungen in Kleingruppen organisiert sind, können Studierende und Lehrende die Inhalte gemeinsam nachbereiten, ohne dass auf die inhaltliche Vorbereitung während der Anwesenheitszeit noch Zeit aufgewandt werden muss. Den unterschiedlichen Bedürfnissen der Studierenden bezüglich technischer oder fachlicher Unterstützung werden durch ineinander greifende Formen der Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten Rechnung getragen. Die Überprüfung der Lernerfolgs kann nicht nur auf formale sondern auch auf informelle Weise stattfinden, z.B. durch Feedbackvermittlung der Lehrenden, Diskussionen in Kleingruppen oder, sofern der Zeitplan dies erlaubt, durch Aufbereitung von Fragestellungen der Studierenden. Die Möglichkeit des akademischen Unterrichts in Form von „Show-and-Tell“-Veranstaltungen, zu denen Studierende und Lehrende Material und Fragestellungen beitragen, unterstützt das problemorientierte Lernen an dem sich das Curriculum der Veterinärmedizin orientiert, ohne die Vermittlung des notwendigen Faktenwissens zu vernachlässigen. Die Motivation, „reale“ Fragestellungen zu bearbeiten, ist bereits bei Studierenden im 2. Abschnitt des Studiums sehr ausgeprägt, und die Übungen aus Parasitologie tragen diesem Umstand Rechnung. Es entsteht ein weniger hierarchisch geprägtes Arbeitsklima, das es den Studierenden erleichtert, Fragen zu stellen, und auch Fragen zu beantworten, Vorstellungen und Vermutungen zu äußern. Bekennende Neugierde, gepaart mit dem Selbstbewusstsein, eigene Problemlösungskapazitäten zu besitzen, sind „hidden skills“, die mit der Kombination verschiedener Lernformate gut unterstützt werden können.

Positionierung des Lehrangebots

Semester 5 / 2. Studienabschnitt

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.