ENERGY|BASE International, Spezialisierung "Gebäude-Energie-Design"

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Der Bachelorstudiengang "Urbane Erneuerbare Energietechnologien" bietet im 4. und 5. Semester in Kleingruppen betreute Lehrveranstaltungen als "Spezialisierung" an. Die Zielsetzungen sind hierbei eine intensive Projektbearbeitung in Teams, eine praxisbezogene Anwendung der erworbenen Grundlagenkenntnisse sowie insbesondere auch die Durchführung von sehr gut betreuten Bachelorarbeiten ("kleine" Bachelorarbeit im 4. Semester, "grosse" Bachelorarbeit im fünften Semester). Die Teambearbeitung und die wöchentliche Struktur eignen sich sehr gut für die praxisgerechte Behandlung des Themas Energie-Komfort-Technik von größeren Gebäuden in der Art einer Bauprojektentwicklung ("Planungsjourfixe"). Diese Arbeitsweise resultiert aus dem Know How des Lehrenden, Christoph Muss, der fast 10 Jahre in Vorarlberg bei einer Planungsfirma für technische Gebäudeausrüstung gearbeitet und in diesem Rahmen an einer Reihe national und international renommierter Energie-Architekturprojekte mitgewirkt hat. Das entsprechend entstandene Netzwerk an Planerinnen und Planern sowie an ausführenden Firmen wird auch speziell für diese Lehrveranstaltung für Consulting, Projektbesichtigungen und professionellen Input genutzt. Die ersten Lehrveranstaltungen der Spezialisierung "Gebäude-Energie-Design" fanden zu Dienstleistungs- und Laborgebäuden in Wien statt, in Folge wurde ein gewonnener Energie-/Architekturwettbewerb eines "Teaching and Trainingcenters" in Marrakesch, Marokko weiterbearbeitet und schlußendlich erfolgten (teils unterschiedlich motivierte) Anfragen aus China, der Mongolei und Äthiopien und entsprechende Projektbearbeitungen, Lehraustausch, Praktika, betreute Bachelor- und Masterarbeiten und Forschungsarbeiten in diesen Ländern.

 

Aufgrund einer bereits länger gegebenen Zusammenarbeit der FH Technikum Wien mit der CTGU und der MUST war für Kooperationsprojekte eine kleineres Förderungsbudget aus Mitteln des Eurasia Pacific Uninets EPU vorhanden, es wurden entsprechende Projekte gesucht. Andererseits steht mit dem Unterrichtsgebäude des Lehrgangs, dem ENERGYbase in Wien Floridsdorf ein international herzeigbares Energie-Vorzeigeprojekt zur Verfügung, welches auch intensiv für Lehre und Projektarbeit genutzt wird. Im Rahmen von regelmäßig durchgeführten Projektführungen und anderen Kontakten zu Partneruniversitäten ergaben sich sehr oft Anfragen nach einer Realisierung eines entsprechenden Gebäudes im Partnerland. Eine strukturierte Bearbeitung dieser Anfragen inklusive Einbindung und entsprechendem Komittment des Partners im Bereich Bauqualität, Energie, Komfort und entsprechenden Lehrinhalten war schwierig. Und "last but definitely not least" ist das Engagement unserer Studentinnen und Studenten zu nennen, die speziell für die Auslandsprojekte und entsprechende Einsätze mit hoher Motivation, persönlichem und auch finanziellen Einsatz zur Lehrveranstaltungsentwícklung und -durchführung beigetragen haben. Die eingereichte Lehrveranstaltung ENERGY|BASE International kombiniert diese Ausgangsfaktoren und schafft damit einen internationalen Kontext mit einen konkreten praxisbezogenen Projekt in Antwort auf die Kooperationsanfragen speziell im Bereich energieeffizientes Bauen und diesbezügliche Lehrinhalte. Darüber hinaus ist natürlich als Motivation besonders auch der allgemeine globale Kontext zu Energie-/Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung, Luftverschmutzung, Entwicklung speziell in Schwellenländern, entsprechende Chancen, Bauqualität, Komfort im Unterricht und am Arbeitsplatz, Personalmotivation in Auslandsfirmensitzen ... zu nennen (vergleiche hierzu auch beigefügte links). In der Zusammenarbeit spannend ist die Übertragung und Kompromissfindung zwischen energieeffizienten Bauweisen in Österreich und den Möglichkeiten im Partnerland.

Beschreibung

Aufbauend auf dem im Bachelorstudium „Urbane Erneuerbare Energietechnologien“ vermittelten Grundlagenwissen zu energieeffizientem Bauen, Bauphysik und technischer Gebäudeausrüstung erfolgt in dieser Lehrveranstaltung die Konzipierung und Untersuchung der Umsetzungsmöglichkeit für ein großvolumiges energie- und komforteffizientes Bauprojekt im Partnerland. Die Durchführung findet in intensiv betreuten Kleingruppen in Kooperation mit einer Partneruniversität statt, bisher in China, der Mongolei und Äthiopien. Jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin der Kleingruppe bearbeitet ein Fachgebiet der Bau- und Energieplanung, fehlende Kompetenzen werden durch die Partneruniversität und durch hinzugezogene Beratung aus der Planungs- und Baubranche ergänzt. Über das in der Lehrveranstaltung vermittelte technische Wissen hinaus sind vor allem die anhand der Aufgabenstellung erlernten sozialen und interkulturellen Fertigkeiten für die Studierenden zu nennen. Diese reichen von der Fähigkeit zur Teamarbeit über die Perspektivenänderung im Partnerland bis hin zu Abstimmung internationaler Präsentationen, Workshops und Projektentwicklungen unter oftmals ganz anderen als gewohnten Randbedingungen. Eine systematische Fortführung der Lehrveranstaltung findet über studiumsintegrierte Auslandspraktika zu 14 Wochen sowie Masterarbeiten im Masterstudiengang statt. Das Konzept ENERGY|BASE International ist als Best Practice Beispiel in die internationale Strategie der FH Technikum Wien integriert.

1 Allgemeiner Kontext

 

ENERGY|BASE International ist ein in Lehrveranstaltungen integriertes Projekt mit dem Ziel, wissenschaftlich begleitet und als Lehre genutzt energieeffiziente, komfortable und kostengünstige großvolumige Bauprojekte zu entwickeln und das entsprechende Know How speziell in Schwellenländern zu vermitteln. Diese Vermittlung von Energie- und Komforteffizienz im Bau bei Schwellenländern hat zum einen eine globale Bedeutung, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass in China in den letzten Jahren etwa 30 bis 40% des weltweiten Bauvolumens errichtet wurde, und das bei deutlich niederigerer Energieeffizienz und Gebäudelebensdauer wie bei uns. Die mangelnde Energieeffizenz führt teilweise auch zu Umweltbelastungen, welche die Bevölkerung viel unmittelbarer trifft wie der Energieverbrauch - vergleiche regelmässig auftretende Smogsituationen in den Städten Chinas oder die Luftverschmutzung in Ulanbator (bis zu -40°C!) aufgrund der üblichen Beheizung der Jurtensiedlungen. Zum anderen ergibt sich eine direkte Betroffenheit bei Gebäuden, in denen unterrichtet und gelebt wird, sowohl betreffend Bauqualität als auch betreffend Lehr- und Lernkomfort: Wärme, Behaglichkeit, Licht, Feuchte, Luftzug, Lärm von innen und von aussen. Der Komfort von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten und auch die Umweltsituation ist auch ein wesentliches Kriterium für Angestellte westliche Firmen - oft ist es schwierig, längerfristig Personal zu finden, weil diese Bedingungen unzureichend sind. Dieser Kontext, ergänzt um die Möglichkeit einer internationalen Zusammenarbeit und eines Auslandsaufenthaltes, führen zu einer hohen Motivation von Studierenden, Lehrenden und gesamtem einbezogenen Team an der FH Technikum Wien und an den Partnerhochschulen, sodass sich über die aktuell gegebene Laufzeit von mittlerweile 6 Jahren eine hohe Qualität der Ergebnisse über zahlreiche Bachelor- und Masterarbeiten, die Involvierung in Bauprojekte (aktuell eine Einreichung inn China und ein Bauforschungsprojekt in der Mongolei) und die Entwicklung gemeinsamer Unterrichtstätigkeiten ergbit (Integration in das Master - Curriculum von "Building Science" in Addis Ababa).

 

2 Lehrveranstaltungskonzeption

 

Die Kernlehrveranstaltung "Spezialisierung Gebäude-Energie-Design, ENERGY|BASE International" findet im 5. Semester Bachelorstudium statt und ist als wöchentliche dreistündige integrierte Lehrveranstaltung konzipiert. Die aktuell etwa 75 Studierenden des Semesters entscheiden sich für eine von 6 bis 8 Gruppen, zwei dieser Gruppen finden mit diesem Thema statt, eine in China und eine in der Mongolei. Zusätzlich zur wöchentlichen Lehrveranstaltung sind 5 Stundcen Individualbetreuung pro Studentin/pro Student vorgesehen. Eine analoge, zum 5. Semester hinführende Lehrveranstaltung findet im 4. Semester statt, hier geht es eher um kleinere Bauprojekte, vorwiegend mit Österreichbezug, allerdings oftmals auch Kleinprojekte zum Beispiel Plusenergiehäuser, in anderen Klimaten (meist abhängig von der Herkunft der Studierenden, bisher und aktuell unter anderem in Finnland, Iran, Ungarn, China, Dänemark, ...). Diese Spezialisierungs- Lehrveranstaltungen sind mit einer klaren Vorgabe betreffend Abgabeterminen strukturiert, es ist nach etwa 2 Wochen der Titel und eine Kurzfassung des Vorhabens, nach etwa 6 Wochen eine erste Version der Arbeit inklusive Inhaltsverzeichnis, Ansätze zu Schlüsselkapiteln, Literaturverzeichnis, ... und nach etwa 3 Monaten eine zweite Version der Arbeit ("75% Fertigstellung") abzugeben. Semesterübergreifend finden im 4. Semester Präsentationen der Arbeiten in deutscher Sprache und im 5. Semester Präsentationen in englisch statt. Diese werden auch genutzt, um externe Lektoren und Projektbeteiligte zu involvieren, zum Beispiel fanden die Präsentationen im Dezember 2016 im Rahmen der "international week" statt, mit Gastprofessorinnen und -professoren aus Frankreich, China und der Mongolei. aufbauend auf den Abschluß der Spezialisierungen und der Bachelorarbeiten ist im 6. Semester ein 14 wöchiges Berufspraktikum zu absolvieren, für welches viele beteiligte Studierende direkt die Partneruniversität wählen. Insgesamt ergab sich so im Bachelorstudiengang Urbane Erneuerbare Energietechnologien über alle Semester und Studierdenden gesehen eine Quote von über 30%, welche im Laufe ihres Studiums zumindestens einmal länger im Ausland waren.

 

3 Historische Entwicklung

 

Die Lehrveranstaltung startete 2010/11 mit einem Projekt in Marokko, welches von dem Vorarlberger Architektenduo Nägele Waibel zusammen mit Christoph Muss als Energieplaner im Wettbewerb gewonnen wurde. Hierzu fand eine Exkursion nach Vorarlberg statt, um dort mit Architekten, Lehmbauerin und Bauphysiker die FH Ergebnisse zu diskutieren. 2011/12 fand dann die erste Zusammenarbeit mit der CTGU in Yichang statt, inklusive eines einwöchigen Workshops vorort mit den beteiligten Studierenden. Dies wurde 2012/13 fortgesetzt und, auch über Anregung der österreichischen Botschaft und des OSTA in Peking dann 2013/14 in Ulanbator an der MUST. Anfang 2014 fand eine Lehranfrage des EiABC Addis Ababa an Christoph Muss statt, welche in einer Mitkonzeption des Building Science Curriculums sowie eines viermaligen Lehraufenthaltes von je 2 Wochen an der dortigen Universität mündete. In diesem Rahmen fand die ENERGY|BASE International Spezialisierung zu einem Projekt in Addis Ababa statt, auch dort wurde unter Beteiligung der österreichischen Studierenden ein Workshop mit der Architektur- und Building Science Masterklasse am EiABC abgehalten. Aktuell ist ein Universitätsprojekt in China eingereicht und es befinden sich 5 Studierende auf Praktikum in Yichang, um speziell die Umsetzbarkeit zusammen mit der CTGU zu untersuchen.

Positionierung des Lehrangebots

5. Semester Bachelor, verknüpft mit der Bachelorarbeit, dzt. 2 Gruppen zu je ca 8 Studierenden aus ca. 75. Vorangehende Spezialisierungen auch im 4. Semester, Angebot nachfolgende vertiefende systemische Bearbeitungen in Masterarbeiten und LV thermische Simulation Master.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 nominiert.