Notfallmedizin für alle

Würdigung der Jury

Angesichts der Reduktion der Wochenarbeitszeit der ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und des gleichzeitigen Anstiegs der Studierendenzahlen sah man die Notwendigkeit, den Studienplan der Humanmedizin im Blick auf die notfallmedizinische Ausbildung umzustrukturieren. Es galt sowohl die bisherige Qualität dieses Teils des Medizinstudiums als auch die Arbeitsplatzzufriedenheit der ärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Das neu entwickelte Konzept beruht auf drei Säulen: (a) gleichmäßige Verteilung der Lehrveranstaltungen zur Unfallmedizin über das gesamte Curriculum des Medizinstudiums samt Integration in parallele Lehrveranstaltungen; (b) konsequente Virtualisierung der Lehrveranstaltungen; (c) Betreuung der praktischen Übungen durch speziell geschulte Studienassistenten und deren Supervision durch erfahrene Ärztinnen und Ärzte. Beeindruckend ist die punktgenaue Integration der Inhalte der Notfallmedizin in das Curriculum sowie die Hinzunahme neuer Lehrformate, was zu einer klaren, stetig anwachsenden notfallmedizinischen Kompetenz der Studierenden vom Studienbeginn an führt. Kompetenzorientierung und Studierendenzentrierung sind sehr gut umgesetzt ebenso das Konzept einer forschungsgeleiteten Lehre. Bei der Gestaltung des Lehrplanes werden didaktische Expertinnen und Experten konsultiert. Die Lehrenden selbst investieren viel in die Lehre und die notwendige Hintergrundsarbeit. Ausdrücklich zu würdigen ist auch der Umstand, dass die eigenen Lehrerfahrungen Gegenstand von Publikationen und Kongressbeiträgen sind. Ein umfangreiches und in jeder Hinsicht überzeugendes Projekt, das zur Auszeichnung vorgeschlagen wird.

Auszug aus dem Gutachten von
Univ.-Prof.in Dr.in Mechthild Dreyer
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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Umgesetztes Projekt

Ziele

Nur ein kleiner Teil der Studierenden der Humanmedizin entscheidet sich nach dem Studienabschluss für eine Laufbahn im Nahbereich der Notfallmedizin. Nichtsdestotrotz ist es nahezu allen Studierenden und Lehrenden unmittelbar bewusst, dass notfallmedizinische Kenntnisse und Fertigkeiten für Ärztinnen und Ärzte von elementarer Bedeutung sind. Wer möchte in Notfallsituationen etwa nicht adäquat reagieren können? Umgekehrt: Wer würde als Leidtragender eines medizinischen Notfalls nicht rasch und kompetent behandelt werden wollen? Notfallmedizin für alle – so lautete das erklärte Ziel für dieses Projekt.

Dem übergeordneten Ziel, allen Studierenden eine in Umfang, Detailgrad und Nachhaltigkeit adäquate Ausbildung im Bereich der Notfallmedizin bieten zu können, standen allerdings die Realitäten steigender Studierendenzahlen und sinkender Lehrendenverfügbarkeit gegenüber. Die Implikationen des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes (KA-AZG) 2015 sowie die hohe Mobilität von Ärztinnen und Ärzten schränkten die zeitlichen Möglichkeiten der Studierendenbetreuung durch Notfallmedizinerinnen und Notfallmediziner ein, erhöhten zeitgleich jedoch österreichweit den Bedarf an Absolventinnen und Absolventen der Humanmedizin.


Notfallmedizinische Lehre bedarf aber – vielleicht noch mehr als andere medizinische Teilbereiche – unmittelbarer Vermittlung theoretischen Wissens und praktischer Anwendung erlernter Fertigkeiten. Nur so kann gewährleistet werden, dass die gesammelten theoretischen Kenntnisse und erarbeiteten manuellen Fertigkeiten auch in Stresssituationen, wie sie die Behandlung von Notfallpatientinnen und -patienten zweifelsohne darstellen, sinnvoll zum Einsatz gebracht werden können.

Es erschien also notwendig, den geplanten Ausbau der notfallmedizinischen Lehre so zu gestalten, dass die klinische Tätigkeit der lehrenden Ärztinnen und Ärzte – die Versorgung von Patientinnen und Patienten – wie auch die Auslastung und Arbeitsplatzzufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte keine Einbußen hinnehmen mussten. Innovative Lehrmodelle bei steigenden Studierendenzahlen waren gefordert, um einen Anstieg der Gruppengrößen zu vermeiden und den für die Notfallmedizin so wichtigen Kleingruppenunterricht weiterhin durchführen zu können.

Kurzzusammenfassung

Ziel der Curriculumsentwicklung an der Med Uni Graz war es stets, vom ersten Berufstag an relevante Fertigkeiten zu forcieren. Die Notfallmedizin wurde insbesondere in den Vordergrund gerückt; innovative Lehrkonzepte sollten Anwendung finden, um den Wissens- und Fertigkeitsstand aller Studierenden nachhaltig zu steigern.

Aufgrund der Reduktion der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von Ärztinnen und Ärzten um 20% sowie der Steigerung der Studierendenzahl an der Med Uni Graz um 33% im Jahre 2015 wurden Wege gesucht, um gleichzeitig dem gesteigerten Anspruch an die notfallmedizinische Lehre Rechnung zu tragen und eine Überlastung der lehrenden Ärztinnen und Ärzte zu vermeiden.

Durch ein auf drei Säulen beruhendes Konzept konnten alle Ziele der Erweiterung des Lehrangebots erfüllt werden. Die erste Säule basierte auf der gleichmäßigen Distribution der Lehrveranstaltungen über das Curriculum sowie eine nahtlose Integration in die parallelen Lehrveranstaltungen, um Synergien maximal nutzen zu können. Die zweite Säule war die konsequente Virtualisierung von Vorlesungen, Seminaren und auch Übungen. Die dritte Säule beruhte auf dem Einsatz exzellent ausgebildeter Studienassistenten zur Betreuung praktischer Übungen unter der Supervision durch erfahrene Ärztinnen und Ärzte.

Dadurch konnte ein innovatives notfallmedizinisches Lehrangebot von 4,5 ECTS gestaltet werden. Zeitgleich konnte direkter Lehraufwand für Ärztinnen und Ärzte von 740 akademischen Stunden pro Jahr vermieden werden.

Nähere Beschreibung

EINLEITUNG & KURZE RÜCKSCHAU

Im Rahmen der fortwährenden Evaluierung und Verbesserung des Studienplans des Diplomstudiums Humanmedizin (O202) an der Medizinischen Universität Graz wurden umfangreiche strukturelle Maßnahmen, beginnend im Jahr 2015, gesetzt. Diese sollten Kontinuität und Nachhaltigkeit der Wissensvermittlung aller Fächer steigern, um Zufriedenheit und Leistungsbereitschaft sowohl der Studierenden als auch der Lehrenden zu maximieren. Diese Veränderungen betrafen alle beteiligten Fächer und überspannten das gesamte Studium, vom ersten bis zum sechsten Studienjahr. Die bewährte Modulstruktur des Curriculums blieb erhalten, wurde aber optimiert. Übergeordnetes Ziel der Studienplangestaltung war nach wie vor die „Day One Competence“ der zukünftigen Absolventinnen und Absolventen – die Sicherstellung der Kompetenz in elementaren Bereichen medizinischen Wissens und Könnens. Der Notfallmedizin wurde im Rahmen dessen besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Es wurde beschlossen, die notfallmedizinische Grundausbildung aller Studierenden unter einheitliche Leitung und Koordination zusammenzuführen und in ihrem Umfang zu erweitern. Schon in den vorangegangenen Versionen des Studienplans wurden notfallmedizinische Lehreinheiten – sowohl theoretischer als auch praktischer Natur – etabliert und erfolgreich umgesetzt. Diese waren aber in erster Linie in die bestehende Modulstruktur eingegliedert, sodass die interdisziplinäre Notfallmedizin zu einem Fach unter vielen wurde. Dem integrativen Charakter der Notfallmedizin wurde damit nicht ausreichend Rechnung getragen.

Parallel zu dieser Beschlussfassung wurde jedoch – wie in der Ausgangslage geschildert - die Verfügbarkeit der lehrenden Ärztinnen und Ärzte reduziert, während die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in den ersten beiden Studienjahren stieg. In enger Zusammenarbeit suchten Lehrende der fachlich zuständigen Univ. Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Expertinnen und Experten der Abteilung Studienorganisation und Lernen mit Medien im Rahmen des vorgestellten Projektes Wege, um die gesteckten Ziele erreichen zu können, ohne die Zahl der Studierenden im Kleingruppenunterricht drastisch zu erhöhen bzw. auf Frontalunterricht zurückfallen zu müssen.

Das Ergebnis dieser Konsensfindung war ein Projekt, das auf drei Säulen aufgebaut war. Für sich allein genommen bedeutet jede dieser Säulen bereits eine Qualitätssteigerung durch innovative Lehrmethoden sowie gleichzeitig durch Reduktion des Lehraufwandes. In Summe aber konnten mit diesem Konzept die scheinbar konträren Zielsetzungen – Maximierung von Qualität und Umfang der notfallmedizinischen Lehre bei zeitgleicher Reduktion der Arbeitsbelastung der Lehrenden und Steigerung der Studierendenzahl – erreicht werden. Diese „3 Säulen“ werden im Folgenden detailliert dargestellt.

 

1. SÄULE: DISTRIBUTION & INTEGRATION IM CURRICULUM

Die Studienkommission Humanmedizin der Medizinischen Universität Graz entschied, der notfallmedizinischen Lehre in den ersten fünf Studienjahren insgesamt 4,5 ECTS zu widmen. Davon nicht betroffen waren die notfallmedizinischen Ausbildungsinhalte im Rahmen der fachspezifischen Ausbildung in Anästhesiologie und Intensivmedizin (Pflichtmodul „Anästhesie und die Versorgung Schwerkranker“) sowie die bereits etablierte, praktische Ausbildung im Rahmen des Klinisch-Praktischen Jahres („Praktische Notfallmedizin“).

Auf Wunsch der Lehrenden wurde die notfallmedizinische Lehre nicht in Modulform, also geblockt, umgesetzt. Stattdessen wurden semesterüberspannende Lehrveranstaltungen – sogenannte „Tracks“ – geschaffen, welche parallel zu den Modulen anderer Fachdisziplinen veranstaltet wurden. Daraus ergaben sich wesentliche Vorteile für Lehrende wie auch Studierende. Einerseits konnten die notfallmedizinischen Tracks dadurch so gestaltet werden, dass auf Inhalte, die bereits in den modularen Lehrveranstaltungen bearbeitet wurden, zurückgegriffen werden konnte. Den Studierenden wurde damit die Chance gegeben, dieses Wissen im notfallmedizinischen Kontext praxisorientiert anzuwenden. Zum anderen wurde die Intensität des Lehraufwands so deutlich reduziert - die Notwendigkeit, eine große Anzahl von Studierenden in kurzen Zeiträumen zu unterrichten, wurde so vermieden.

Schon im ersten Studienjahr wurden mit dem „Pflichttrack Erste Hilfe“ (1,5 ECTS) notfallmedizinische Akzente gesetzt, um allen Studierenden die Wichtigkeit medizinischer Kompetenz in Notfallsituationen zu vermitteln und basale Fertigkeiten, wie der Ersteinschätzung von Schwerkranken und –verletzten sowie deren Erstbehandlung, zu vermitteln. Dabei konnten Lehrende und Studierende bereits auf umfangreiches Wissen aus den parallelen Modulen über Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers zurückgreifen. Daher konnte der organisatorische Fokus daraufgelegt werden, den Anteil an praktischen Übungen möglichst hoch zu halten.

Im zweiten Studienjahr wurde mit dem „Pflichttrack Notfallmedizin I“ (1 ECTS) eine Lehrveranstaltung etabliert, welche die scheinbar komplizierte, ärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Atem-Kreislauf-Stillstand in den Fokus rückte. Dieser Track wurde im Sommersemester positioniert, um die Parallelbelastung mit anderen Lehrveranstaltungen des Projekts zu reduzieren. Die notwendigen Kenntnisse zur medikamentösen Behandlung konnten zu einem Gutteil im Rahmen der gleichzeitig stattfindenden pharmakologischen und pathophysiologischen Ausbildung der Studierenden vermittelt werden. Auch in diesem Pflichttrack lag das Hauptaugenmerk deshalb auf praktischen Übungen an qualitativ hochwertigen Simulatoren.

Im dritten Studienjahr wurde der „Pflichttrack Notfallmedizin II“ (2 ECTS) etabliert, welcher die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Beschwerden anhand notfallmedizinischer Leitsymptome in den Mittelpunkt rückte. Eine Vertiefung der eigentlichen Krankheitslehre war nicht weiter notwendig, da dieser Track gleichzeitig mit den Modulen der Inneren Medizin und Chirurgie veranstaltet wurde. Somit konnte auch dieser Track vorwiegenden mit praxisbezogenen Seminaren und Übungen am Simulator ausgestaltet werden.

Zusammen mit der Wahlmöglichkeit eines speziellen Studienmoduls aus Notfallmedizin im vierten Studienjahr, dem im fünften Studienjahr verorteten „Pflichtmodul Anästhesie und die Versorgung Schwerkranker“ und der „Praktischen Notfallmedizin“ im Rahmen des Klinisch-Praktischen Jahres konnte damit in jedem Studienjahr des Curriculums Humanmedizin notfallmedizinische Lehre integriert werden.

 

2. SÄULE: VIRTUALISIERUNG VON SEMINAREN & ÜBUNGEN

Auch wenn die Notwendigkeit der Vermittlung theoretischer Inhalte durch die punktgenaue Integration der notfallmedizinischen Lehrveranstaltungen in das Curriculum minimiert werden konnte, mussten spezifische, notfallmedizinische Aspekte freilich weiterhin behandelt werden. Gleichzeitig sollte der Fokus der Lehre ausdrücklich auf praktischen Übungen liegen, um die spätere Kompetenz in der Behandlung realer Patientinnen und Patienten gewährleisten zu können.

Um jedoch den Lehrumfang zu erweitern, ohne die Gruppengröße für den praktischen Unterricht von derzeit 12 Studierenden steigern zu müssen, wurden Möglichkeiten evaluiert, Lehrveranstaltungen virtuell abzuhalten. Dabei wurde der Charakter der Inhalte geprüft, um für jede einzelne zu virtualisierende Lehrveranstaltung die geeignete Methodik zu finden. Auf diese Weise konnten nicht nur Lehrveranstaltungen mit Vorlesungs- oder Seminarcharakter virtualisiert werden, sondern sogar praktische Übungen.

Im „Pflichttrack Erste Hilfe“ wurden Vorlesungen zur Einschätzung von Notfallpatientinnen und -patienten vollständig als audiovisuelle Online-Präsentationen abgehalten. Darüber hinaus jedoch wurden Übungen in basalen Maßnahmen aus Erster Hilfe durch die Anwendung nichtlinearer Fallpräsentationen virtualisiert. Im Rahmen dieser sahen Studierende online Kurzfilme, die typische Notfallsituationen schilderten. Auf Basis dieser mussten sie Entscheidungen treffen – die gewählten Maßnahmen wurden wiederum durch Kurzfilme dargestellt. Die Produktion dieser Filme erfolgte durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medizinischen Universität Graz selbst, für die inhaltliche Gestaltung und die Darstellung waren Lehrende der Univ. Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin zuständig. So konnte – bei minimiertem ökonomischem Aufwand – die Identifikation der Studierenden mit den Gezeigten maximiert werden. Dieses innovative Lehrformat ermöglichte es Studierenden, reale, notfallmedizinisch relevante Situationen zu erleben und diese in einer geschützten Umgebung zu bearbeiten. Eine derartige Umsetzung wäre im Präsenzunterricht nicht möglich, da der Aufbau jeder einzelnen Situation mehrere Darsteller sowie verschiedenste Requisiten erfordern würde. Diese wären für insgesamt 40 notwendige Kleingruppen nicht extra aufzubringen gewesen.

Im „Pflichttrack Notfallmedizin II“ wurden Seminare zur klinischen und apparativen Überwachung von Patientinnen und Patienten als audiovisuelle Präsentationen online abgehalten. Die Präsenzlehre konnte somit auf die praktische Übung am Simulator konzentriert werden. Für den „Pflichttrack Notfallmedizin II“ wurde darüber hinaus ein eigenes Wiki (Online-Lexikon) geschaffen, in welchem die theoretischen Inhalte sowohl in üblicher, linearer Art und Weise erlernt werden können als auch alternativ - dem Wesen eines Wikis entsprechend - die Möglichkeit bestand, auf Informationen zur Wiederholung punktgenau zugreifen zu können. Auch Sprünge zwischen inhaltlich verknüpften Teilen, die aber nicht linear aufeinander folgten, waren somit möglich. Auch damit konnte neuerlich der Fokus in der Präsenzlehre auf praktische Übungen gelegt werden.

Insgesamt konnten durch diese Maßnahmen Vorlesungen, Seminare und Übungen im Umfang von 200 akademischen Einheiten pro Jahr virtualisiert werden. Diese Lehrveranstaltung konnten von Studierenden zum gewünschten Zeitpunkt absolviert und beliebig oft wiederholt werden, sodass zeitliche Flexibilität und didaktische Nachhaltigkeit optimiert wurden. Gleichzeitig hätte dieses Ausmaß ansonsten von – nunmehr in wesentlich geringerem Maße verfügbaren – Ärztinnen und Ärzten der Medizinischen Universität Graz in Präsenzlehre abgearbeitet werden müssen.

 

3. SÄULE: PEER-TEACHING & SUPERVISION

Der Fokus auf die praktische Ausbildung in Kleingruppen ermöglichte effektive Lernbedingungen für Studierende, bedeutete aber trotz gleichmäßiger Verteilung der Lehrveranstaltungen über das akademische Jahr und umfangreicher Virtualisierungsmaßnahmen dennoch großen Aufwand hinsichtlich der Betreuung während laufender Übungseinheiten. Daher wurde die unmittelbare Betreuung der Studierenden – im Sinne von „Peer Teaching“ - in die Hand studierender Tutorinnen und Tutoren gelegt. Dabei wurden alle Vorteile des neu errichteten medizinischen Simulationszentrums am LKH Univ. Klinikum Graz genutzt. Diese umfassen – neben exzellenten Trainingsbedingungen und realitätsnahen Simulatoren – auch die Möglichkeit, mehrere Kleingruppen parallel Übungen absolvieren zu lassen. Die langjährige Kooperation der Medizinischen Universität Graz mit dem Rettungsdienst der Stadt Graz ermöglichte es zudem auf Studierende mit exzellenter Ausbildung und umfangreicher Einsatzerfahrung im Notfallrettungsdienst (Notfallsanitäter mit besonderer Notfallkompetenz Beatmung und Intubation) als Studienassistenten zurückgreifen zu können. Auch für diese Studienassistentinnen und -assistenten bedeuteten die Möglichkeit des „Lernens durch Lehren“ zusätzliche Lern- und Motivationseffekte.

Die Durchführung der Übungen aus Erster Hilfe im „Pflichttrack Erste Hilfe“ wurde vollständig an Studienassistentinnen und Studienassistenten überantwortet, woraus eine Reduktion des Lehraufwands von 200 Einheiten pro Jahr resultierte. In den Pflichttracks „Notfallmedizin I“ und „Notfallmedizin II“ wurden stets parallele Übungen für vier von Studienassistenten betreute Kleingruppen abgehalten. Mittels Supervision durch einen Arzt oder eine Ärztin der Univ. Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin pro vier Studierendengruppen konnte die akademische Wertigkeit aufrechterhalten werden. Dadurch konnte der Lehraufwand für Ärztinnen und Ärzte jährlich um 340 Einheiten reduziert werden.

 

FAZIT DES PROJEKTS

Durch die konsequente Umsetzung aller Maßnahmen des 3-Säulen-Konzepts konnten alle Ziele des Projekts „Notfallmedizin für alle“ erreicht werden. Es existiert nunmehr ein das gesamte Curriculum umfassendes Lehrkonzept für Notfallmedizin, das allen Studierenden der Medizinischen Universität Graz – trotz einer Steigerung von 33% - zugutekommt. Gleichzeitig konnte jedoch ein Mehraufwand von insgesamt 740 akademischen Einheiten durch Virtualisierung oder Peer Teaching vermieden werden. Durch diese innovativen Lehrmodelle konnten auch bei hohen Studierendenzahlen große Gruppengrößen vermieden und Exzellenz in der Lehre gewährleistet werden.

Positionierung des Lehrangebots

Diplomstudium Humanmedizin - 1., 3. und 4. Semester - 1. und 2. Studienabschnitt

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2017 in der Kategorie Innovative Lehrmodelle bei hohen Studierendenzahlen und großen Gruppengrößen nominiert.