Gesunder Start ins Studium

Konzept

Ziele

Das Projekt zielt darauf ab, (1) Anforderungen und Ressourcen von erstsemestrigen Ergotherapiestudierenden zu identifizieren, (2) einem partizipativen Ansatz folgend gesundheitsförderliche Maßnahmen für die Studieneingangsphase zu entwickeln sowie (3) die entwickelten Maßnahmen umzusetzen und einer ersten Bewertung zu unterziehen.
Durch diese Initiative werden Studierenden als zukünftige Berufsgruppe im Gesundheitssystem ausgebildet und angeleitet, praxisorientiert und selbstreflektiv an das Thema Gesundheitsförderung heranzugehen.

Bei diesem Projekt versteht sich Gesundheitsförderung nicht nur als eine unmittelbare Investition in die Studierendengesundheit; vielmehr kommt den Studierenden von gesundheitsbezogenen Studiengängen eine bedeutsame Rolle als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Gesundheitswesen zu, da die Sensibilisierung für die eigene Gesundheit eine bedeutsame Grundlage für die Implementierung von Gesundheitsförderung im zukünftigen beruflichen Handeln ist.
Darüber hinaus wird mit dem Projekt „Gesunder Start ins Studium“ ein wichtiger Beitrag zur hochschulischen Gesundheitsförderung an der Fachhochschule Kärnten geleistet.

Beschreibung

Das Thema Studierendengesundheit gilt innerhalb der Gesundheitsförderung und Prävention als ein bisher wenig beachteter Bereich. Studien belegen hingegen einen großen Handlungsbedarf: Ein Viertel der österreichischen Studierenden fühlen sich durch fehlende Studienmotivation, Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten oder auch stressbedingte Beschwerden im Studium beeinträchtigt (BMWF, 2012).

In einer multimethodalen Bedarfsanalyse wurden bei Ergotherapiestudierenden Herausforderungen und Ressourcen im Studienalltag aus Sicht der Betroffenen exploriert. Einerseits wurden anhand einer quantitativen Fragebogenstudie die Wahrnehmung der Studienbedingungen (Gusy & Lohmann, 2011), das studentische Kohärenzgefühl (Brunner et al., 2009) und gesundheitsbezogene Aspekte (z.B. Beschwerden, subjektiver Gesundheitszustand) erhoben. Andererseits wurden im Rahmen einer qualitativ orientierten Methode (Open Space; Siegert, 2007) Zweitsemestrige retrospektiv zur Diskussion über Charakteristika des Studienstarts angeregt.

Als Folge wurde unter studentischer Beteiligung ein Interventionspaket entwickelt, welches in der ersten Studienwoche im Wintersemester 2013/2014 im Zuge der sogenannten „Welcome-Week“ bei den Erstsemestrigen zur Anwendung kam: Peer-Mentoring, Outdoorpädagogische Maßnahmen sowie kognitiv-behaviorale Interventionen sollen Stressoren zu Studienbeginn minimieren und Ressourcen wie den sozialen Zusammenhalt fördern.

Eine begleitende Evaluation überprüft die Zielerreichung. Diese wurde ebenfalls multimethodal angelegt: Neben Selbstevaluation des Projektteams (König, 2007), wird das Interventionspaket mittels quantitativer Vorher-Nachher-Vergleichen sowie basierend auf dem Feedback der TeilnehmerInnen bewertet.

Das Projekt hat eine Laufzeit von Mai 2013 bis März 2014 und zeigt auf, wie durch Initiativen zu Studienbeginn und während des ersten Semesters die Studierenden beim Eintritt in die neue Lebensphase unterstützt werden können.
„Gesunder Start ins Studium“ versteht sich als Pilotprojekt, bei dem die Partizipationsmöglichkeiten für die Studierenden selbst essentiell erscheinen, da dadurch die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse sichergestellt ist (Haas, 2012; Mir, 2013). Durch diesen Zugang werden klassische Verhältnisse zwischen Lehrenden und Studierenden aufgelöst. Die neu definierte Rollenverteilung zwischen Lehrenden und Studierenden kann durchaus als Teil der Umstrukturierungen im Rahmen des Bologna-Prozess angesehen werden: Von den Studierenden wird mehr Autonomie, Selbstorganisation und Verantwortung im Studium erwartet, wobei Lehrende bei Lernprozessen beraten und begleiten (Schneider et al., 2009). Lehrende werden zu Coaches, Studierende werden zu kritischem Denken (Chan, 2013) angeregt – nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für späteres berufliches Handeln zu Gunsten der Gesundheit unserer Gesellschaft.


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2014 nominiert.