Seminar "Global Networking"

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Studierende aus Europa und den USA diskutieren Themen der globalen Nachhaltigkeit unter Einsatz von Videokonferenzen und Chatrooms.

Die Lehrveranstaltung Global Networking wird an der BOKU seit 2003 als Seminar im Sommersemester angeboten. Es handelt sich dabei um eine videokonferenz-basierte, fallstudien-orientierte Lehrveranstaltung zum Thema globale Nachhaltigkeit in der Agrar- und Lebensmittel-Wertschöpfungskette, die in Kooperation mit sieben anderen Universitäten (4 US amerikanischen und 4 europäischen)

abgehalten wird.

Beschreibung

Rahmenbedingungen:

Die Lehrveranstaltung Global Networking wird an der BOKU seit 2003 als Seminar angeboten. Es handelt sich dabei um eine videokonferenzbasierte, fallstudienorientierte Lehrveranstaltung zum Thema globale Nachhaltigkeit in der Agrar- und Lebensmittel-Wertschöpfungskette, die in Kooperation mit sieben anderen Universitäten abgehalten wird.

Die Universität für Bodenkultur Wien ist die einzige Universität in Österreich, die diese Lehrveranstaltung anbietet.

Das Besondere an diesem globalen Klassenzimmer ist, dass nicht die Professoren während der Videokonferenzen vortragen, sondern die Studierenden Lösungsvorschläge präsentieren und diese untereinander diskutieren. Dabei werden unterschiedliche Sichtweisen zum Thema Klimawandel, Gentechnik oder Hungerbekämpfung offensichtlich.

Die Unterrichtssprache ist Englisch.

Seit 2003 haben 188 BOKU Studierende an der LV teilgenommen. Die LV wird sowohl von österreichischen als auch internationalen Studierenden besucht.

Ziel:

Die grundlegende Annahme der LV ist, dass die globalen Herausforderungen der Nachhaltigkeit eine Form der Lehre verlangen, die interdisziplinäre, interkulturelle und innovative Elemente miteinander verbindet.

Studierende auf Masterniveau werden befähigt, komplexe Entscheidungsprobleme im Bereich der natürlichen Ressourcen und Life Sciences unter Anwendung systemischen Denkens zu analysieren und in einem internationalen Kontext ihre Position zu vertreten und zu argumentieren.

Lehrveranstaltung: Global Networking

Studierende aus Europa und den USA diskutieren Themen der globalen Nachhaltigkeit unter Einsatz von Videokonferenzen und Chatrooms.

 

Rahmenbedingungen

Die Lehrveranstaltung Global Networking (LV.Nummer: 735322) wird an der BOKU seit 2003 als Seminar im Umfang von 4 Wochenstunden im Sommersemester angeboten. Es handelt sich dabei um eine videokonferenz-basierte, fallstudien-orientierte Lehrveranstaltung zum Thema globale Nachhaltigkeit in der Agrar- und Lebensmittel-Wertschöpfungskette, die in Kooperation mit sieben anderen Universitäten (4 US amerikanischen und 4 europäischen Universitäten abgehalten wird.

 

Die amerikanischen Partneruniversitäten:

1. University of Georgia

2. Florida Agriculture and Mechanics

3. Virginia Tech

4. University of Texas, Auburn

 

Die europäischen Partner sind neben BOKU:

1. University of LaSalle Beauvais

2. University of Toulouse (ENFA)

3. University of Udine

 

Die Universität für Bodenkultur Wien ist die einzige Universität in Österreich, die diese Lehrveranstaltung anbietet.

Das Besondere an diesem globalen Klassenzimmer ist, dass nicht die Professoren während der Videokonferenzen vortragen, sondern die Studierenden Lösungsvorschläge präsentieren und diese untereinander diskutieren. Dabei werden unterschiedliche Sichtweisen zum Thema Klimawandel, Gentechnik oder Hungerbekämpfung offensichtlich.

 

Die Unterrichtssprache ist Englisch. Die LV ist in folgende Curricula eingebunden: Master 457 Agrar- und Ernährungswirtschaft, Master 416 Natural Resources Management and Ecological Engineering und Master 471 Stoffliche und energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe (NAWARO).

 

Seit 2003 haben 188 BOKU Studierende an der LV teilgenommen. Die LV wird sowohl von österreichischen als auch internationalen Studierenden besucht. Die Herkunftsländer reichen von europäischen Ländern wie Frankreich, Tschechische Republik, Ungarn, Deutschland, Schweden, Finnland, Kroatien, zu US amerikanischen Studierenden und

Studierenden aus Afrika (Uganda, Zimbabwe).

 

Die Lehrveranstaltung ist dezidierter Teil der Internationalisierungsstrategie der BOKU und wird im Bereich „Internationalization at home” eingesetzt. Dabei geht es darum jenen Studierenden, die keine Auslandserfahrung während ihres Studiums machen können, internationale, fremdsprachen-basierte und interkulturelle Erfahrung zu ermöglichen.

 

Ziel

Die grundlegende Annahme der LV ist, dass die globalen Herausforderungen der Nachhaltigkeit, eine Form der Lehre verlangen, die interdisziplinäre, interkulturelle und innovative Elemente miteinander verbindet.

 

Das Ziel der LV ist Studierenden auf Masterniveau dahingehend zu unterrichten, dass sie die Fähigkeit erlangen komplexe Entscheidungsprobleme im Bereich der natürlichen Ressourcen und Life Sciences unter Anwendung systemischen Denkens zu analysieren und in einem internationalen Kontext ihre Position zu vertreten und zu argumentieren.

 

Learning Outcomes: Verständnis der Zusammenhänge globaler Nachhaltigkeit. Fähigkeit den Einfluss der Agrarpolitik, der globalen Märkte, des Konsumentenverhaltens und technologischer Innovationen auf Bereiche wie Adipositas, biologische Landwirtschaft, und Gentechnik zu verstehen und darauf aufbauend eigene Positionen zu wählen und zu argumentieren.

 

Für die Inhalte der LV wurden eigene Fallstudien entwickelt. Drei der vier verwendeten Fallstudien wurden eigens von Rainer Haas für die LV entwickelt:

• Haas, R. und Traar, V. (2014): Obesity and Global Food Culture. 15 pages.

• Haas, R., Pöchtrager, S. und Knoll, V. (2009): Genetic Modified Organism (GMO) in the Food Supply Chain in Europe and USA. 28 pages.

• Vogl, Chr., Haas, R. und Kummer, S. (2005): Organic Farming in Austria: Idealism vs. Market Realism in the Organic Farming Movement. 15 pages.

• Miller, D. (2008): Genetically Engineered Foods. Biofortification of Staple Food Crops – A Sustainable Solution to Micronutrient Malnutrition? (Golden Rice Case Study). 14 pages.

 

Die Themen der Fallstudien wurden so gewählt, dass die Wertschöpfungskette von der Landwirtschaft bis zum Endkonsumenten abgedeckt wird, um die Zusammenhänge z.B. zwischen Adipositas und bestimmten gesellschaftlichen Veränderungen aber auch Formen der Landwirtschaft zu verdeutlichen. Die Fallstudien zum Biolandbau und der Gentechnik dienen als Ausgangsbasis um Maßnahmen der Hungerbekämpfung und Antworten auf den Klimawandel in einem globalen Klassenraum zu diskutieren.

 

Organisatorische Umsetzung

Da die LV in Kooperation mit europäischen (Universität Toulouse, Universität La Salle, Universität Udine) und amerikanischen Universitäten (Univ. of Georgia, Univ. of Florida A&M, Virgina Tech, University of Austin Texas) über Videokonferenzen und Internet-Chat Rooms abgehalten wird, ist eine Abstimmung des Terminplans mit allen Partnern, jeweils im Wintersemester notwendig.

Die Kernherausforderung liegt in der Festlegung der gemeinsamen Videokonferenztermine und der Chat-Room-Sessions für die Studierenden. Dies geschieht jeweils im Herbst vor dem Sommersemester in zwei bis drei Skypekonferenzen.

Da die amerikanischen Universitäten bereits Anfang Jänner ihr Spring Semester beginnen und Ende April beenden, findet die erste Videokonferenz für BOKU Studierende bereits im Wintersemester statt. Das verlangt einige Flexibilität von den Studierenden und rechtzeitige Bekanntmachung, hat aber in den vergangenen 12 Jahren immer gut funktioniert. In der ersten Videokonferenz stellen die Studierenden jeweils sich selbst und ihre Heimuni vor. Die weiteren Videokonferenzen dienen der Diskussion der jeweiligen Fallstudien. Während des Semesters finden alle 3 bis 4 Wochen Videokonferenzen zu den folgenden Themen statt:

• Obesity and global food culture

• A global perspective on organic farming

• Public perception and regulation of genetic modified organism in Europe and USA

 

Während der ersten LV Einheit wird das Konzept der LV vorgestellt, und die Studierenden erhalten einen Syllabus (verfügbar in BOKU Online), den Zeitplan und ein „Student Task Sheet“, in welchem exakt jede Aufgabe mit genauem Zeitpunkt (Abgabe der Essays, Chat Sessions, Präsentationen, ...) definiert ist. Der Syllabus beschreibt den Inhalt, das didaktische Konzept, gibt Richtlinien und Umfänge für die Reflective Essays und das Final Essay an und informiert die Studierenden über die Gewichtung der einzelnen Tätigkeiten in Bezug auf die Gesamtnote (siehe Tabelle 2).

 

Jeder Studierende wird einem Team zugeteilt, dass für eine bestimmte Videokonferenz eine Präsentation zu erarbeiten hat. Nach jeder Videokonferenz hat jeder Studierender ein Reflective Essay (max. 3 Seiten) zu schreiben in welchem er seinen Lernprozess in Bezug auf das Thema reflektieren soll. Was war seine Meinung zu dem Thema vor Start des Lernzyklus (siehe Didaktisches Konzept), was hat er gelernt, was war überraschend, welche Erfahrungen hat er/sie während der Videokonferenz und der Chat Sessions gemacht? Als LV Leiter rege ich an die Essays auch in Richtung These, Antithese und Synthese zu schreiben. Eine Woche nach Abgabe der Reflective Essays werden diese an die Studierenden mit Feedback zu Schreibstil und Argumentation zurückgegeben und gemeinsam im Hörsaal diskutiert. Die Note zu den Reflective Essays erfährt jeder Studierender laufend während des Semesters, d.h. über diese Noten haben die Studierenden während des Semesters bereits eine Orientierung zu deren Lernfortschritt.

 

Didaktische Umsetzung

Das didaktische Konzept orientiert sich an zwei Lernparadigmen. Dem Flipped Classroom und dem Triple Helix Konzept. In herkömmlichen Vorlesungen kommt der Studierende in den Hörsaal und nimmt dort Informationen auf. Beim Paradigma des Flipped Classroom wird dem Studierenden einführende Information gegeben und Hilfestellung für eigenständige Desk Research. Wenn er dann in den Hörsaal kommt, sollte er mit dem Thema vertraut sein und fähig sein dieses mit dem LV Leiter und den anderen Studierenden von verschiedenen Blickwinkeln aus zu diskutieren (siehe Abbildung 3). Der Lernzyklus des Global Networkings wird für jede Fallstudie neu durchlaufen und dauert in der Regel 3 bis 4 Wochen. In Phase 1 gibt der LV Leiter eine einleitende Präsentation zum Thema und die Studierenden erhalten die Aufgabe sich mit der Fallstudie vertraut zu machen. Im Falle der „Obesity und Food Culture“ Fallstudie skizziert der LV Leiter Zusammenhänge zwischen Agrarpolitik und Fettleibigkeit und globalem Hunger. In Phase 2 beginnt der Studierende mit selbst- geleitetem Studium und verwendet dabei Unterlagen und wissenschaftliche Artikel die in BOKU-Learn bereit stehen. In Phase 3 treffen sich die Studierenden aller Partner- Universitäten und diskutieren in moderierten Online Chats zu vorgegebenen Leitfragen das Thema erneut. In Phase 4 findet die Videokonferenz statt. Virginia Tech übernimmt die Konferenzschaltung und bringt mittels Regieraum die jeweils sprechende Uni in den Vordergrund des Bildschirms. Die Videokonferenz ist komplett den Studierenden gewidmet. Diese präsentieren verschiede Standpunkte des Themas, z.B. BOKU: „Present a model for drivers behind the increasing obesity in developed countries based on a literature review”. Nach allen Präsentationen wird frei diskutiert. Die Aufgabe der LV Leiter liegt in der Moderation. In Phase 5 schreibt jeder Studierender sein Reflective Essay, dieses wird diskutiert und dann beginnt mit der nächsten Fallstudie der Zyklus von Neuem.

Dem Triple Helix Konzept wird Rechnung getragen, indem jedes Jahr externe Stakeholder auf die BOKU zu ausgewählten Videokonferenzen eingeladen werden. Ralph Liebing von der Organic Retail Association oder Quintin Gray vom Foreign Agricultural Service (FAS) of the United States Department of Agriculture sind Beispiele wie externe Stakeholder einbezogen wurden und die Aktualität und Bedeutung des Themas für BOKU Studierende unterstreichen. 2013 wurde der Verein KB5 Globale Dörfer in die Organic Farming Videokonferenz eingebunden und Biobauern konnten mit den Studierenden diskutieren. Alleine das Thema Gentechnik eignet sich hervorragend um kontroversielle Meinungen vor allem zwischen US und EU Studierenden zu diskutieren.

 

Ergebnis

TeilnehmerInnen des Global Networkings finden sich heute in Politik und Verwaltung und in internationalen Unternehmen.

Das Global Networking ist eine der herausforderndsten LVs, die ich je gehalten habe. Als Vortragender lerne ich dabei nie aus, die Komplexität der Themen (Gentechnik, Obesity, Biolandbau) verlangt für mich als Agrarökonomen, die Beschäftigung mit BOKU relevanten Themen wie Pflanzenzucht oder Lebensmitteltechnologie. Natürlich stößt man dabei an seine Grenzen, weshalb ich gerne Gastvortragende einlade. Bisher waren die KollegInnen Joseph Glößl, Margit Laimer, Christian Vogl oder Michael Hauser so hilfreich mit Ihrer Expertise auszuhelfen. Die größte und zugleich befriedigendste Herausforderung ist für mich Studierende so weit zu bringen, dass sie ihr bisher an der BOKU erlerntes Wissen verknüpfen und simple dichotome Lösungsansätze wie richtig/falsch ablegen. Wichtig ist mir auch dass sie Denkfallen erkennen wie „Korrelation statt Kausalität“ und polemische Argumentationsketten mithilfe von Fakten und Plausibilitätsüberlegungen als solche aufdecken lernen.

 

Reflexion

Neuland betritt die LV durch die Verwendung verschiedenster Technologien, nicht zum Zwecke, dass Professoren darüber Wissen vermitteln, sondern damit Studierende aus aller Welt sich in einem virtuellen globalen Klassenzimmer begegnen können, um Fragestellungen zu diskutieren, die deren gemeinsame Zukunft betreffen.

Nicht immer werden die Lernziele im gewünschten Umfang erreicht. Die Themen verlangen von den Studierenden ein breites Basiswissen aber auch die Bereitschaft und Fähigkeit richtungsweisende wissenschaftliche Artikel zu den einzelnen Themen zu finden und sich in einer gewissen Tiefe damit auseinanderzusetzen. Ebenso ist die Notwendigkeit eigene Standpunkte auf Englisch zu argumentieren für manche Studierende eine Herausforderung. Auf jeden Fall wird das interkulturelle Verständnis und die interkulturelle Kompetenz verbessert, weil die gemeinsamen Videokonferenzen sehr schnell kulturelle Unterschiede in der Sichtweise bestimmter Sachverhalte offenlegen.

In der Vergangenheit war die technische Ausstattung der BOKU ein Problem. Seit 2013 verfügt die BOKU aber über eine moderne und zeitgemäße Videokonferenzanlage. Eine Herausforderung ist dass die BOKU Studierenden mir das Feedback gegeben haben, dass sie das Gefühl haben, dass manche Professoren der Partnerunis weniger Anforderungen von deren Studierenden verlangen. Für die Zukunft sollte hier eine bessere Abstimmung zwischen allen LV-Leitern erfolgen.

Positionierung des Lehrangebots

Master

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.