Generation Innovation across Europe

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Die Zukunft Europas liegt in den Händen der nächsten Generation. Aber werden jene, die heute jung sind (ca. 20-26 Jahre) tatsächlich in der Lage sein, die Herausforderungen der Europäischen Integration anzugehen und eine eigene europäische Identität entwickeln? Die politischen Stakeholder verbinden große Hoffnungen mit dieser Idee. Aber was wissen wir wirklich über die Lebenslagen junger Europäer/innen? Im Rahmen des vorgelegten partizipativen Lehrforschungsprojekts wollen wir diese Frage systematisch und empirisch beantworten, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Entscheidungsträger/innen auf verschiedensten Niveaus (europäisch, national, regional, lokal ...) abzuleiten.

Beschreibung

Jugend beforscht Jugend! Das Ziel des Lehrforschungsprojekts „Generation Innovation across Europe“ ist es junge Menschen dabei anzuleiten ihre eigene Generation wissenschaftlich zu untersuchen. Mit welchen Situationen und Fragen sind Jugendliche in Europa heute konfrontiert? Was sind ihre Vorstellungen, Wünsche, Träume und Probleme? In dem hochschulübergreifenden, innovativ-partizipativen Projekt haben Studierende öffentlicher und privater Universitäten (Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, Palacky Universität Olomouc, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Ukrainische Katholische Universität Lemberg) die Möglichkeit gemeinschaftlich eine fundierte Datenbasis für politische Entscheidungsträger/innen zu erarbeiten. Neben den inhaltlichen Erkenntnissen wird durch das Projekt auch unmittelbar die soziale Kohäsion in Europa gefördert. Die Teilnahme am Projekt ermöglicht es den beteiligten Jungforscher/inne/n das soziale Leben in verschiedenen Teilen Europas zu erfahren und persönliche Beziehungen zu Kolleg/inn/en aus anderen europäischen Städten aufzubauen.

 

Eine hochkarätige Jury bestehend aus Franz Fischler, Irmgard Griss, Wolfgang Petritsch, Franz Karl Prüller, Heide Schmidt und Johannes Voggenhuber hat das Projekt mit dem Call4Europe-Preis 2016 ausgezeichnet.

Ziel dieses partizipativen Projekts ist es, die Jugend an die Forschung heranzuführen. Was liegt näher, als Jugendliche sich selbst beforschen zu lassen? Dies verspricht auch in inhaltlicher Hinsicht Innovatives: Es lässt sich zeigen, dass ein großer Teil der entwicklungspsychologischen Einsichten über das Jugendalter nichts anderes ist als das Resultat eines fortgesetzten Monologs von wissenschaftlich gebildeten Erwachsenen über die Jugend. Nicht dass das schlecht oder gar grundsätzlich falsch ist: es ist allerdings ergänzungsbedürftig. Ergänzt, vielleicht auch berichtigt kann das so erzeugte wissenschaftliche Bild von den Wünschen und Zielen junger Menschen dadurch werden, dass man junge Menschen eben dazu ermächtigt, sich selbst zu beforschen: dass es also den jungen Menschen selbst überlassen bleibt, sich Fragen zu stellen, die für sie in ihrem gegenwärtigen Lebenskontext relevant sind – anstatt jener Fragen, die wie auch immer an der Zukunft interessierte Erwachsene an sie stellen würden.

 

In methodischer Hinsicht brauchen in diesem Projekt keine neuen, noch unerforschten Wege gesucht und ausprobiert werden. Mit der Tradition der „partizipativen Sozialforschung“ steht ein Zugang zur sozialen Realität offen, mit dem die traditionelle Unterscheidung von ForscherInnen und Beforschten aufgehoben wird. Es geht dabei darum, Erkenntnisprozesse zu initiieren, in denen die Mitglieder einer für die Forschung interessanten sozialen Gruppe nicht einfach als Auskunftspersonen, sondern als gleichberechtigte Forschungspartner zu Wort kommen können.

 

Ein weiterer Aspekt ist in diesem Zusammenhang wichtig: Partizipative Forschung ist ein Bestandteil qualitativer Forschungsstrategien. In der Methodologie qualitativer Forschung hat man die bisherige Beschränkung auf die transkribierte Rede mittlerweile längst aufgebrochen und sich auch der Herstellung und Interpretation von Bild- und Videomaterial zugewandt. Über von Jugendlichen produzierte Fotos und Videos lassen sich – und das buchstäblich – Einblicke in deren Lebenswelt gewinnen.

 

Initiiert wurde das gegenständliche Projekt von der Fakultät für Psychologie an der Sigmund Freud Privatuniversität. Schon bei der Finanzierung sind neue Wege beschritten worden: Über die Crowd Funding-Plattform Respekt.net kam eine Grundfinanzierung (€ 16 500,-) zustande, die dann über die Zuerkennung des Call4Europe-Preis 2016 um € 20 000,- aufgestockt wurde (Jury: Franz Fischler, Irmgard Griss, Wolfgang Petritsch, Franz Karl Prüller, Heide Schmidt und Johannes Voggenhuber). An dem Projekt nehmen derzeit vier Europäische Universitäten teil: Neben der Sigmund Freud Privatuniversität die Palacky Universität Olomouc, die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Ukrainische Katholische Universität Lemberg. An jedem Projektstandort ist eine projektfinanzierte Stelle für einen Jungforscher bzw. eine Jungforscherin eingerichtet, der bzw. die die Durchführung der Jugendbefragungen initiieren soll. Diese Forschungsgruppe wird von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Fakultät für Psychologie an der Sigmund Freud Privatuniversität in mehreren Workshops in die Handhabung relevanter empirischer Forschungsmethoden (Interviews, Gruppendiskussionen, Fotografien und Videos als Datenmaterial) und in Methoden der öffentlichen Präsentation ihrer Forschungsergebnisse eingeführt. In jeder einzelnen Stadt werden die derart vorbereiteten JungforscherInnen die (Selbst-)Befragungen von jungen Menschen weiter und weiter ausdehnen.

 

Am 22. April 2016 wird das Projekt auf besondere Weise der Öffentlichkeit vorgestellt, nämlich im Rahmen der „Langen Nacht der Forschung“ des bmwfw, bmvit und bmbf. In konsequenter Weiterführung des partizipativen Projektansatzes wird dabei die breite Öffentlichkeit in den Forschungsprozess mit eingebunden! Interessierte Jugendliche können mit Tonaufnahmegeräten Interviews mit Gleichaltrigen führen, mit ihnen über das eigene Leben sprechen und die Ergebnisse unmittelbar vor Ort mit den forschungserfahrenen Projektstudierenden diskutieren.

 

Link: www.langenachtderforschung.at/index.php

Positionierung des Lehrangebots

Das Angebot ist an Bachelor- und Masterstudierende unterschiedlicher Disziplinen gerichtet, die an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien bzw. an den Partneruniversitäten in Lemberg (Ukraine), Magdeburg (Deutschland) oder Olomouc (Tschechien) studieren.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.