Interkulturelles Praktikum

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Übergeordnetes Ziel bei allen Aktivitäten inner- und außerhalb der Lehrveranstaltung war die Entwicklung der Selbst- und Sozialkompetenzen der Studierenden, im Speziellen Empathiefähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit. Eine entsprechende Sensibilisierung (Wahrnehmungsschulung und bewusster Perspektivenwechsel, z. B. das Herausarbeiten von Handlungsalternativen und Bewusstseinsbildung im Hinblick auf Stereotype und Vorurteile) und die Entwicklung von Fertigkeiten für die interkulturelle Kommunikation (Strategientraining, sprachliche Sensibilisierung) waren zentrale Lernziele, die durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis erreicht werden sollten. Ein weiteres übergeordnetes Ziel der Lehrveranstaltung war die Ausbildung eines differenzierten Kulturverständnisses, das sich nicht in der Kontrastierung von „Eigenem“ und „Fremdem“ erschöpft und sich nicht auf Pauschalisierungen und Rückschlüsse von Einzelbeobachtungen stützt. Vielmehr sollte ein differenzierter Zugang entwickelt werden, dem ein offener und dynamischer Kulturbegriff zu Grunde liegt und Kultur als einen von mehreren Faktoren in der Interaktion versteht. Zu diesem Zweck wurden in der LV auch verschiedene Kulturmodelle und Modelle kulturellen Lernens behandelt, kritisch analysiert und diskutiert. In Kulturtagebüchern sowie einer abschließenden Arbeit sollten die Studierenden ihren Lernprozess festhalten und reflektieren. Auf diese Weise sollten sie befähigt werden, auch in Zukunft Lernprozesse zu planen und zu steuern.

Der Einsatz vielfältiger Lern- und Lehrmethoden inner- und außerhalb der Lehrveranstaltung unterstützte die Studierenden bei der Entwicklung dieser Kompetenzen.

Beschreibung

Vermittlung von Grundlagen und Konzepten kulturbezogenen Lernens:

In der Lehrveranstaltung wurden Theorien und Modelle kulturbezogenen Lernens behandelt, die die Studierenden durch vielfältige Aufgabenstellungen, verbunden mit praktischen Beispielen, mit eigenen Erfahrungen verknüpfen sollten. Dabei setzten wir auf eine Progression von eher traditionellen zu komplexeren interaktiven Aufgabenformaten. An alle Aufgaben wurden Reflexions- und Diskussionsphasen angeschlossen.

 

Arbeit in multikulturellen Kleingruppen:

Einen zweiten Schwerpunkt der LV bildete die Arbeit in multikulturellen Gruppen. In Dreiergruppen, bestehend aus einem/einer Studierenden mit Deutsch als Erstsprache und zwei Studierenden mit anderen Erstsprachen, arbeiteten die Studierenden über ein Semester hinweg zusammen. In diesen Gruppen sollten die Studierenden mindestens fünf gemeinsame Treffen bzw. Aktivitäten organisieren. Außerdem bearbeiteten die einzelnen Gruppen jeweils ein Projektthema, das zu Semesterende präsentiert wurde. Die Einteilung der Gruppen erfolgte im Hinblick auf Erstsprachen und sprachliche Niveaus. Vorteile, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Konfliktpotential und unterschiedliche Wahrnehmungen in der Arbeit in interkulturellen Teams wurden so für die Studierenden direkt erfahrbar. In begleitenden Kulturtagebüchern sowie in einer abschließenden Reflexion dokumentierten und präsentierten die Studierenden ihre Erfahrungen und ihren Lernprozess.

Unsere Lehrveranstaltungen zeichnen sich durch einen bewussten und reflektierten Umgang mit Heterogenität aus. Wir legen besonderen Wert auf:

• größtmögliche Aktivierung der Studierenden und vielfältige, kollaborative Lernformen;

• die Ausbildung von Selbstkompetenzen, insbesondere der reflexiven Kompetenz und des autonomen Lernens;

• die Anwendung theoretischer Konzepte in der Praxis, die Verknüpfung fachlicher Inhalte mit persönlichen Erfahrungen und dem Vorwissen der Studierenden und somit die Ausbildung von praxisnahen Fertigkeiten;

• kontinuierliche Begleitung der Studierenden;

• ein transparentes Beurteilungssystem.

 

Den Umgang mit heterogenen Gruppen mit unterschiedlichen Voraussetzungen (z. B. sprachlichen wie kulturellen, verschiedenen Lernstilen und -traditionen) sehen wir als Chance und Bereicherung, um, eingebettet in ein entsprechendes didaktisches Umfeld, besonders nachhaltige Lernergebnisse zu erzielen. Ein gutes Beispiel für die Umsetzung dieser Lehrparadigmen ist unserer Meinung nach die Lehrveranstaltung „Interkulturelles Praktikum“.

 

In der Lehrveranstaltung „Interkulturelles Praktikum“ waren im Wintersemester 2012/13 35 Studierende aus insgesamt 17 verschiedenen Nationen vertreten. Die LV verfolgte einen kulturreflexiven Ansatz, in dessen Mittelpunkt die interkulturelle Kompetenz als Schlüsselkompetenz steht. Übergeordnetes Ziel bei allen Aktivitäten inner- und außerhalb der Lehrveranstaltung war die Entwicklung der Selbst- und Sozialkompetenzen der Studierenden, im Speziellen Empathiefähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit. Eine entsprechende Sensibilisierung (Wahrnehmungsschulung und bewusster Perspektivenwechsel, z. B. das Herausarbeiten von Handlungsalternativen und Bewusstseinsbildung im Hinblick auf Stereotype und Vorurteile) und die Entwicklung von Fertigkeiten für die interkulturelle Kommunikation (Strategientraining, sprachliche Sensibilisierung) waren zentrale Lernziele, die durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis erreicht werden sollten. Ein weiteres übergeordnetes Ziel der Lehrveranstaltung war die Ausbildung eines differenzierten Kulturverständnisses, das sich nicht in der Kontrastierung von „Eigenem“ und „Fremdem“ erschöpft und sich nicht auf Pauschalisierungen und Rückschlüsse von Einzelbeobachtungen stützt. Vielmehr sollte ein differenzierter Zugang entwickelt werden, dem ein offener und dynamischer Kulturbegriff zu Grunde liegt und Kultur als einen von mehreren Faktoren in der Interaktion versteht. Zu diesem Zweck wurden in der LV auch verschiedene Kulturmodelle und Modelle kulturellen Lernens behandelt, kritisch analysiert und diskutiert. In Kulturtagebüchern sowie einer abschließenden Arbeit sollten die Studierenden ihren Lernprozess festhalten und reflektieren. Auf diese Weise sollten sie befähigt werden, auch in Zukunft Lernprozesse zu planen und zu steuern.

Der Einsatz vielfältiger Lern- und Lehrmethoden inner- und außerhalb der Lehrveranstaltung unterstützte die Studierenden bei der Entwicklung dieser Kompetenzen. Dazu wurden folgende Aufgabenformen eingesetzt:

• Analyse von Texten;

• angeleitete Diskussionen im Plenum;

• Diskussionen in Kleingruppen zu ausgewählten Themen;

• Fallstudien und Critical incidents;

• interaktive Aufgaben;

• angeleitete Rollenspiele und Simulationen, um Perspektivenwechsel und Strategien für die interkulturelle Kommunikation praktisch zu erproben;

• anschließende Reflexionsphasen anhand von vorgegebenen Leitfragen, in denen die diversen Methoden und Modelle interkulturellen Lernens diskutiert und kritisch analysiert wurden.

Aufgabenformen außerhalb der LV:

• Blogbeiträge auf der Lernplattform;

• Diskussionsforen auf der Lernplattform zur Vor- und Nachbereitung der LV-Inhalte;

• Aktivitäten in der Kleingruppe;

• gemeinsame Aktivitäten mit allen LV-Teilnehmer/inne/n;

• Reflexion über Aktivitäten in den Kulturtagebüchern (anhand von vorgegebenen Leitfragen);

• Projektbericht (anhand von vorgegebenen Leitfragen): Wiederaufnahme dieser Reflexion mit dem Ziel des Erwerbs einer kritischen Distanz und neuer Perspektiven durch nochmaliges Lesen der eigenen Kulturtagebücher.

 

Heterogenität war ein durchgängiges Merkmal der Lehrveranstaltung, und zwar auf mehreren Ebenen:

Die sprachlichen Kompetenzen der Studierenden, die Deutsch nicht als Erstsprache hatten, reichten von Niveau A2+ bis C1 (nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen). Weitere Herausforderungen stellten die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und Lerntraditionen dar (u. a. sehr divergierende Ansprüche an akademische Diskursmuster wie Ablauf einer LV, Rolle der LV-Leitung, Gestaltung und Konzeption einer Präsentation).

Diesen vielfältigen Herausforderungen begegneten wir zunächst mit einer gezielten Vorbereitung der Studierenden in getrennten Vorbesprechungen. Die Studierenden mit Deutsch als Erstsprache wurden dabei auf ihre spezielle Rolle als Vermittler/innen (sprachlich wie kulturell) vorbereitet. Sie sollten die Rolle eines Gruppensprechers/einer Gruppensprecherin übernehmen, gleichzeitig aber für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit sorgen. Bei nicht selbst bewältigbaren Konflikten in der Gruppe standen wir als Ansprechpartnerinnen für alle Teilnehmer/innen zur Verfügung. Die Studierenden, die Deutsch nicht als Erstsprache hatten, bereiteten wir in der Vorbesprechung insbesondere auf die Aufgaben und auf die Aufgabenformate der LV vor und machten auf Möglichkeiten im Falle von sprachlichen Problemen aufmerksam.

Vor diesem Hintergrund differenzierten wir auch die Aufgabenstellungen: Muttersprachliche Studierende nahmen nicht nur die Rolle von Vermittler/inne/n ein, sondern sie mussten am Ende der LV auch einen längeren und komplexeren Projektbericht mit abschließender Reflexion verfassen. Bei den nichtmuttersprachlichen Studierenden wurden die Berichte und Beiträge nicht auf sprachliche Korrektheit hin bewertet, vielmehr wurde das jeweilige sprachliche Niveau auch bei der Beurteilung (im Hinblick auf die konzeptuelle Ausgestaltung des Textes – Textaufbau, Textkohärenz, Wahl des sprachlichen Ausdrucks) berücksichtigt.

(Interkulturelle) Kommunikation und sprachliche Herausforderungen waren ein durchgehendes Thema der LV. In den ersten Einheiten sensibilisierten wir die Studierenden für sprachliche Probleme und thematisierten mögliche Kommunikationsstrategien. Ausgangspunkt dafür waren ausgewählte Textbeispiele mit anschließender Diskussion möglicher Schwierigkeiten auf verschiedenen sprachlichen und nichtsprachlichen Ebenen. Anhand von eigenen Erfahrungen sollte eine Sensibilisierung auch für die weitere Zusammenarbeit u. a. in den Kleingruppen erreicht werden. Um den nichtmuttersprachlichen Studierenden das Verständnis zu erleichtern, bemühten wir uns um eine klar strukturierte, einfach gehaltene und multimodale Gestaltung des Inputs – basierend auf langjähriger Praxiserfahrung und wissenschaftlicher Forschung der LV-Leiterinnen zu diesem Thema.

Um die LV-Anforderungen transparent zu gestalten, wählten wir ein ausdifferenziertes Notensystem mit Punkten für die jeweiligen Beiträge (Treffen in den Gruppen, Diskussionsbeiträge auf der Lernplattform, Mitarbeit, Kulturtagebücher, Präsentation, Abschlussarbeit). Den Studierenden wurden Informationen mit Kriterien und Leitfragen für die einzelnen Aufgabenstellungen in Form von Handouts zur Verfügung gestellt.

Die kontinuierliche Begleitung der Studierenden und regelmäßiges Feedback sollten sicherstellen, dass die Lernziele erreicht werden konnten. Die Studierenden erhielten regelmäßig Rückmeldung zu den Kulturtagebüchern, besonders ausführlich nach dem ersten Eintrag. Stärken und Verbesserungspotenzial wurden aufgezeigt. Feedback gaben wir bei Bedarf auch zu einzelnen Diskussionsbeiträgen. Rückmeldungen in Form ausführlicher Kommentare erhielten die Studierenden außerdem zu ihren Abschlussarbeiten. Die Bewertungen sämtlicher Beiträge (Gruppenaktivitäten, Kulturtagebücher, Diskussionsforen) wurden zeitnah auf der Lernplattform veröffentlicht, sodass die Studierenden ihren Leistungsstand einsehen und Rücksprache mit uns halten konnten.

Ein besonderes Anliegen war uns die Begleitung der Projektarbeit während des gesamten Semesters: Um unterschiedliche Erwartungshorizonte der Beteiligten abzugleichen und den Fokus auf Lernprozesse zu legen, gaben wir für die Projektplanung einen straffen Zeitplan vor (zeitnahe Bekanntgabe des Themas, ausführliche Vorbesprechung nach der ersten Planungsphase mit Entwicklung von Strategien für unterschiedliche Herangehensweisen, kontinuierliche Arbeit am Projekt und Rückmeldungen über den Planungsfortschritt, bei Bedarf Einzelgespräche). Die Vorgaben für die Präsentation des Projekts beschränkten sich auf eine differenzierte Darstellung des gewählten Themas und die aktive Einbeziehung der anderen Studierenden. Die Form der Schlusspräsentation konnten die einzelnen Gruppen frei wählen. Auf diese Weise konnten die Studierenden auch nichtsprachliche Kompetenzen einbringen. Die Prozessorientierung der Gruppenarbeit sollte in Kulturtagebüchern und in der abschließenden Reflexion abgebildet werden.

Positionierung des Lehrangebots

Lehramtsstudium 2. Abschnitt, Bachelorstudium

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 in der Kategorie Lehre unter besonderer Berücksichtigung unterschiedlicher Bildungsbiografien und/oder unterschiedlicher Vorkenntnisse nominiert.