Forschendes Lehren auf Master-Ebene: Vom Labortisch zur Publikation

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Um die AbsolventInnen eines naturwissenschaftlichen bzw. biomedizinischen Masterstudiums bestmöglich auf die kompetitiven Herausforderungen im modernen Wissenschafts- und Forschungsbetrieb vorzubereiten, bedarf es nicht nur der frühzeitigen Förderung von Kreativität, des Trainings von spezialisierten Methoden und Techniken und der Vermittlung von theoretischen Wissen auch hohem Niveau, sondern nicht zuletzt auch der gezielten Förderung der Eigenaktivität der Studierenden, einer frühen Selbstständigkeit und der Vermittlung von übergeordneten „Skills“, die dann die AbsolventInnen befähigen, im Wissenschaftsbetrieb ihre Ergebnisse zu kommunizieren/publizieren bzw. finanzielle Ressourcen für ihre Forschungsideen auf dem Antragsweg zu lukrieren.

Beschreibung

In traditionellen Übungen und Praktika werden Methoden erlernt und immanent der Erfolg der Beherrschung dieser Methoden überprüft und die Versuchsabläufe in Protokollen dokumentiert. Dies stellt in Grundstudien eine adäquate Form der Fertigkeitsvermittlung bzw. Überprüfung dar, wird aber in weiterführenden Masterstudien kaum der notwendigen Steigerung der Anforderungen an die Studierenden gerecht. Aus diesem Grund beginnen wir in den praktischen Lehrveranstaltungen des Masterstudiums Molekulare Medizin mit dem Pilotvorhaben, die über einen längeren Zeitraum laufenden Praktika im Sinne eines kleinen, geschlossenen Forschungsprojektes zu konzipieren, bei denen sich für die Studierenden nach der experimentellen Laborphase eine Phase der Präsentation und Publikation der Ergebnisse anschließt. Diese Präsentation beinhaltet nicht nur einen wissenschaftlichen Vortrag und die Präsentation der Ergebnisse mittels Poster, wie auf Fachtagungen üblich, sondern schließt ab:

 

• mit dem Verfassen einer „echten“ Publikation,

• deren Einreichung bei einem fiktiven internationalen Journal,

• dem sich anschließenden fachlichen Reviewprozess,

• der Antwort eines ebenso fiktiven Editors

• und der anschließenden Erstellung einer „revised version“.

Forschendes Lernen auf Bachelor- und Master-Ebene

„Vom Labortisch zur Publikation: Ein Projekt zur Vorbereitung auf die wissenschaftliche Eigenständigkeit“ (Univ.Prof. Dr. Lukas Huber, Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. David Teis)

 

 

Präambel

 

An der Medizinischen Universität Innsbruck wurde 2011 ein Bachelorstudium für Molekulare Medizin implementiert, das 2014 durch ein aufbauendes Masterstudium ergänzt wurde. In beiden Studien wurde von vornherein ein besonderes Augenmerk auf die praktische Ausbildung im Sinne einer „Berufsfähigkeit“ der AbsolventInnen im biomedizinischen Bereich sowie auf eine professionelle Vorbereitung für eine weiterführende wissenschaftliche Karriere gerichtet.

 

Um die AbsolventInnen eines naturwissenschaftlichen bzw. biomedizinischen Masterstudiums bestmöglich auf die kompetitiven Herausforderungen im modernen Wissenschafts- und Forschungsbetrieb vorzubereiten, bedarf es nicht nur der frühzeitigen Förderung von Kreativität, des Trainings von spezialisierten Methoden und Techniken und der Vermittlung von theoretischen Wissen auch hohem Niveau, sondern nicht zuletzt auch der gezielten Förderung der Eigenaktivität der Studierenden, einer frühen Selbstständigkeit und der Vermittlung von übergeordneten „Skills“, die dann die AbsolventInnen befähigen, im Wissenschaftsbetrieb ihre Ergebnisse zu kommunizieren/publizieren bzw. finanzielle Ressourcen für ihre Forschungsideen auf dem Antragsweg zu lukrieren.

 

In traditionellen Übungen und Praktika werden Methoden erlernt und immanent der Erfolg der Beherrschung dieser Methoden überprüft und die Versuchsabläufe in Protokollen dokumentiert. Dies stellt in Grundstudien eine adäquate Form der Fertigkeitsvermittlung bzw. Überprüfung dar, wird aber in weiterführenden Masterstudien kaum der notwendigen Steigerung der Anforderungen an die Studierenden gerecht. Aus diesem Grund beginnen wir in den praktischen Lehrveranstaltungen des Masterstudiums Molekulare Medizin mit dem Pilotvorhaben, die über einen längeren Zeitraum laufenden Praktika im Sinne eines kleinen, geschlossenen Forschungsprojektes zu konzipieren, bei denen sich für die Studierenden nach der experimentellen Laborphase eine Phase der Präsentation und Publikation der Ergebnisse anschließt. Diese Präsentation beinhaltet nicht nur einen wissenschaftlichen Vortrag und die Präsentation der Ergebnisse mittels Poster, wie auf Fachtagungen üblich, sondern schließt ab:

 

• mit dem Verfassen einer „echten“ Publikation,

• deren Einreichung bei einem fiktiven internationalen Journal,

• dem sich anschließenden fachlichen Reviewprozess,

• der Antwort eines ebenso fiktiven Editors

• und der anschließenden Erstellung einer „revised version“.

 

Vor der exemplarischen Präsentation dieses Ansatzes bedarf es einer kurzen Beschreibung des Studienablaufes des Masterstudiums Molekulare Medizin.

Das 4-semestrige Studium ist von Semester 1-3 in Module von jeweils 15 ECTS-Credits gegliedert, wobei Pflicht- und Wahlmodule zu absolvieren sind. Pro Semester sind 2 Module zu bewältigen. Der Aufbau der Module ist für alle ident: Theoretische Kenntnisse durch Vorlesungen (4 ECTS), Praktikum (9 ECTS) und Journal Club (2 ECTS). Die Dauer eines Moduls beträgt 6-8 Wochen.

Die Pflichtmodule orientieren sich streng an den Forschungsschwerpunkten der Universität, wie diese im Entwicklungsplan festgelegt sind:

 

• Oncoscience,

• Neuroscience,

• Infektion und Immunität

 

4 Wahlmodule stehen derzeit zur Auswahl:

 

• Genetik-Epigenetik-Genomik

• Bioinformatik-Strukturbiologie

• Molekulare Diagnostik

• Molekulare Zellbiologie von Erkrankungen

 

Unser Pilotprojekt wurde innerhalb des Moduls Molekulare Zellbiologie von Erkrankungen durchgeführt. Verantwortlich waren Univ.-Prof. Dr. Lukas Huber und Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. David Teis).

 

Am Beginn des Moduls steht die Vorstellung von PatientInnen der Kinderklinik der Medizinischen Universität Innsbruck mit genetischen Erkrankungen, die den intrazellulären Protein- und Vesikeltransport und die Biogenese von Organellen betreffen. Die ausgewählten Erkrankungen umfassen Zystische Fibrose, Tuberöse Sklerose und Arthrogryposis-Renal dysfunction-Cholestasis Syndrom (ARC-Syndrom). In den begleitenden Vorlesungen und Seminaren werden die Hintergründe und die Klinik der Erkrankungen besprochen, sowie der zellbiologische Hintergrund des jeweiligen Phänotyps. Die dafür verantwortlichen Mutationen werden in genetischen Systemen nachgestellt und im Zellbiologiepraktikum analysiert. Im Praktikum werden humane Zellen hergestellt, die die Mutationen der Erkrankungen widerspiegeln. Auch wird im Modellorganismus Hefe eine Erkrankungsmutante eingebracht. Die Zellen und Hefestämme werden dann ausführlich auf Defekte in der Signaltransduktion und im intrazellulären Proteintransport analysiert. Darüberhinaus werden auch Medikamente in der Zellkultur verwendet, die in der Klinik eingesetzt werden, um die Auswirkungen der genetischen Defekte behandeln zu können.

 

Die Studierenden haben anschließend drei Aufgaben zu bewältigen, die in ihrer späteren wissenschaftlichen Tätigkeit die Kernaufgaben ihres wissenschaftlichen Alltags sein werden:

 

• Über die Ergebnisse einer Erkrankung wird ein Vortrag mit Diskussion gehalten, wie es bei einem Progress-Report in der zukünftigen Arbeitsgruppe oder bei einem wissenschaftlichen Kongress üblich ist.

• Die Ergebnisse der nächsten Erkrankung werden in Form eines Posters vorgestellt. Wie bei einem wissenschaftlichen Kongress gibt es eine Poster-Begehung der ProfessorInnen und Studierenden mit einer 5-minütigen Präsentation der Ergebnisse durch die verantwortlichen Studierenden mit anschließender Diskussionsrunde.

• Über die Ergebnisse der dritten Erkrankung wird eine wissenschaftliche Publikation geschrieben, die dann beim virtuellen „Journal of Molecular Medicine Innsbruck –JMMI“ zur Veröffentlichung eingereicht wird.

 

Speziell bei der dritten Form (Publikation) lernen die Studierenden

 

• praxisnahe das Schreiben einer wissenschaftlichen Publikation,

• aber auch das Verfassen eines „Cover Letters“ an den Editor für die Einreichung,

• den Review-Vorgang kennen,

• falls aufgrund der Kommentare der Reviewer erforderlich, eine „revised version“ zur Neueinreichung schreiben.

 

Die Studierenden lernen im Rahmen dieses Moduls nicht nur die Präsentation und Publikation von wissenschaftlichen Ergebnissen, sondern sie lernen von ihren ProfessorInnen auch, wie man taktisch-strategisch bei der Publikation vorgehen muss, da es bei der Publikation vor allem in international reputierten Fachjournalen auch auf das „Marketing“ ankommt. Durch die Implementierung dieses Lernformats in möglichst viele Module des Masterstudiums sollen die Studierenden letztlich auch eine gewisse Routine beim Verfassen von wissenschaftlichen Publikationen erlangen.

Positionierung des Lehrangebots

Master-Studium Molekulare Medizin, 3.Semester

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 in der Kategorie Forschendes Lernen und Erschließung der Künste auf BA- und MA-Ebene nominiert.