Lehrkonzept „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Ich verfolge in machen meiner vertiefenden Bachelor- und Master Wahlmodul Lehrveranstaltungen (LVA) ein Konzept das ich mit „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ bezeichnen möchte. Es geht dabei darum, Studierende in Regellehrveranstaltungen an die Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen heranzuführen und sie anzuleiten bzw. gemeinsam mit ihnen die Ergebnisse in entsprechenden wissenschaftlichen Medien zu publizieren und zu präsentieren.

Beschreibung

Ich verfolge in machen meiner vertiefenden Bachelor- und Master Wahlmodul Lehrveranstaltungen (LVA) ein Konzept das ich mit „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ bezeichnen möchte. Es geht dabei darum, Studierende in Regellehrveranstaltungen an die Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen heranzuführen und sie anzuleiten bzw. gemeinsam mit ihnen die Ergebnisse in entsprechenden wissenschaftlichen Medien zu publizieren und zu präsentieren. Dabei ist es mir wichtig, den Studierenden Wahlmöglichkeiten und damit Freiräume für die Entfaltung ihrer Interessen und Schwerpunkte zu schaffen. In verschiedenen LVAs auf Bachelor- oder Masterniveau wird dabei in Projektteams, begleitet durch den LVA Leiter in regelmäßigen Besprechungen, an forschungsrelevanten Themen gearbeitet.

Werden Ergebnisse erzielt, die für eine Publikation geeignet sind, wird in einem gemeinsamen Vorhaben ein Manuskript erstellt und üblicherweise bei einer thematisch passenden Tagung (oder Zeitschrift) eingereicht. Die erhaltenen Gutachten werden im Anschluss gemeinsam diskutiert und im positiven Fall eine Manuskriptüberarbeitung erstellt.

Im Fall einer Annahme des Manuskripts bei einer Tagung wird je nach zur Verfügung stehenden Mitteln den Studierenden auch ermöglicht, selbst die Präsentation vorzunehmen.

Lehre ist für mich ein integraler Bestandteil meiner forschenden Tätigkeit an der Universität. Wesentliches Moment meines Lehrkonzeptes „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ ist die Einbeziehung von Studierenden in aktuelle Forschungsthemen/Forschungsprojekte.

Auf diese Art wird den Studierenden neben der Vermittlung von forschungsrelevanten Inhalten auch ein Einblick in die Funktionsweise des Wissenschaftsbetriebs inklusive Manuskripterstellung, Review Prozess und tw. Ergebnispräsentation ermöglicht. Typischerweise liegt der entsprechende Tätigkeitsschwerpunkt in Übungs- bzw. Proseminarteilen von Lehrveranstaltungen (Phase 0 – Phase 1, siehe unten), in manchen (erfolgreichen) Fällen werden zusätzlich Leistungen erbracht (Phase 2 – Phase 3, siehe unten), die eine Teilkomponente zum Abschluss der entsprechenden Vorlesung darstellen können oder es werden mehrere, thematisch sich ergänzende LVAs über zwei Semester in so einem Vorhaben integriert um die weiterführenden Phasen durchführen zu können.

 

Die Durchführung eines solchen Vorhabens findet in mehreren Phasen statt, die auch durch unterschiedliche Lehr/Lernziele bzw. Learning Outcomes geprägt sind:

 

Phase 0: Recherche durch den LVA-Leiter nach wissenschaftlich relevanten Themen, die (i) zur Thematik der LVA passen und die (ii) von Studierenden im Einklang mit ihren Vorkenntnissen und dem vorgesehenen ECTS Aufwand voraussichtlich erfolgreich bearbeitbar sind.

 

Phase 1: Themenauswahl und Gruppenbildung sowie Bearbeitung der gewählten Thematik in Kleingruppen (meist bis zu 4 Studierende pro Gruppe). Abschlussleistung für alle Studierenden ist eine gemeinsame Präsentation der erarbeiteten Ergebnisse am Semesterende.

Learning Outcomes: Studierende gewinnen Einblicke in forschungsrelevante Fragen und werden im Umgang mit wissenschaftlicher Literatur geschult – sie sind imstande eine exakte Abgrenzung von der zu bearbeitenden Thematik zur vorhandenen Literatur zu ziehen. Studierende können verschiedene (Software) Tools zielgerichtet einsetzen um die gewählte Thematik zu bearbeiten und sind weiters im Stande eigene Softwarekomponenten ergänzend zu entwickeln und einzusetzen. Schließlich können die Studierenden umfangreiche experimentelle Untersuchungen durchführen und können abschätzen, welche wesentlichen Eckpunkte eine (experimentelle) wissenschaftliche Studie erfüllen muss, um statistisch signifikante Ergebnisse produzieren zu können.

 

Phase 2 (optional, nur wenn Ergebnisse aus Phase 1 für eine ev. Publikation geeignet sind): Erstellung eines Manuskripts, das die Ergebnisse aus Phase 1 dokumentiert, unter Einhaltung der gelernten typischen Struktur von wissenschaftlichen Manuskripten und unter Verwendung der korrekten Formatvorlagen für das Zielmedium (Voraussetzung: Studierende haben die LVA „Wissenschaftliches Arbeiten und Präsentation“ abgeschlossen, die typischerweise als Pflicht-LVA im 4. Semester des Bachelorstudiums absolviert wird). Dies geschieht im Wechselspiel mit mir, der Korrekturen vorschlägt und im Bedarfsfall einige Abschnitte beisteuert (z.B. Einleitung und state-of-the-art Beschreibungen). Im Durchschnitt sind ca. 30 - 50% der Ergebnisse aus Phase 1 grundsätzlich für Phase 2 geeignet, da eine Weiterführung jedoch ausschließlich durch entsprechende freiwillige Entscheidung der Studierenden geschieht (es gibt natürlich immer den „klassischen“ Weg, oben beschriebene Vorlesungsteile oder weiterführende Proseminare zu absolvieren), liegen die tatsächlichen „Weiterführungsquoten“ bei 20 – 30%.

Learning Outcomes: Die Studierenden sind in der Lage, eigene experimentelle Ergebnisse knapp und prägnant darzustellen und insbesondere auch den Fortschritt gegenüber dem Stand der Forschung herauszuarbeiten. Die Studierenden werden mit tatsächlichen Formatvorlagen aus dem Wissenschaftsbetrieb vertraut und lernen es, sich auf die für eine Publikation wesentlichen Aspekte zu konzentrieren. Die Studierenden lernen auch die Bedeutung einer guten sprachlichen Darstellung inklusive der Erstellung von aussagekräftigen Graphiken zu verstehen und können ein kompetitives wissenschaftliches Manuskript erstellen.

 

Phase 3 (optional, wenn das in Phase 2 erstellte Manuskript zur Publikation grundsätzlich geeignet ist): Einreichung des Manuskripts zur Publikation bei einer Zeitschrift oder einer Tagung und Durchlaufen des Begutachtungsprozesses, inklusive der Diskussion von erhaltenen Gutachten und der Erstellung von Manuskriptüberarbeitungen zur erneuten Einreichung. Diese Phase wird von 10 – 20% der begonnenen Projekte erreicht.

Learning Outcomes: Die Studierenden sind in der Lage aktuelle online Einreichungsplattformen zu bedienen und sind mit den für den Einreichungsvorgang notwendigen Daten (z.B. conflict domains, Angabe von Schlagworten) vertraut. Zentrale Kompetenz ist das Verstehen und Interpretieren von GutachterInnnenkommentaren und die Erstellung eines entsprechend überarbeiteten Manuskripts. In diesem Zusammenhang ist es wesentlich, das Unterscheiden von konstruktiven, berechtigten Gutachtervorschlägen (mit der entsprechenden Einarbeitung in das Manuskript) von unberechtigten Kritikpunkten zu erlernen. Insgesamt sind die Studierenden in der Lage, einen Begutachtungsprozess inklusive der Erstellung von Manuskriptüberarbeitungen und Gutachterkommentar-Beantwortungen durchzuführen.

 

Phase 4 (optional, wenn das in Phase 3 erstellte Manuskript zur Präsentation auf einer Tagung angenommen wurde): Erstellung der Präsentationsunterlagen (Folien oder Poster) und im Falle der Verfügbarkeit ausreichender finanzieller Mittel Präsentation auf der Tagung durch Studierende. Da das Durchlaufen dieser Phase stark von der Mittelverfügbarkeit und dem persönlichen Engagement der Studierenden abhängt, kann ich hier keinen zuverlässigen Prozentsatz der Phasenerreichung angeben.

Learning Outcomes: Studierende können von ihnen erarbeitete Inhalte auf einer wissenschaftlichen Tagung vorstellen und sind in der Lage, selbstständig die notwendigen Präsentationsunterlagen unter Einhaltung der entsprechenden Vorgaben der Tagungsleitung zu erstellen. Studierende gewinnen Erfahrung in der Diskussion und Verteidigung ihrer geleisteten Arbeit und werden mit dem Ablauf und der Struktur einer wissenschaftlichen Tagung vertraut. Weiters haben sie die Möglichkeit persönlichen Kontakt mit FachwissenschaftlerInnen auf dem Gebiet der Tagung zu pflegen.

 

Ich habe diese Art der LVA-Abhaltung ursprünglich im Zuge meiner Tätigkeit am Technikum Kärnten konzipiert, wobei ein gesamter Jahrgang (ca. 20 Studierende) an einer Thematik gemeinsam arbeitete und es mehrmals ermöglicht (=finanziert) wurde, mit allen beteiligten Studierenden die entsprechende Tagung zur Präsentation der entstandenen Arbeiten zu besuchen. An der Universität Salzburg bin ich dazu übergegangen, mehrere unterschiedliche Themen in Kleingruppen zu bearbeiten, da es auch im Erfolgsfall keine Möglichkeit der Finanzierung eines Tagungsbesuchs für eine größere Gruppe von Studierenden gibt.

 

Das Konzept „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ steht mit den in der Ausschreibung des Ars Docendi Preises 2016 benannten Kriterien in folgendem Zusammenhang:

 

Innovative Hochschuldidaktik: Ich bin über weite Strecken des Vorhabens Mitglied der Gruppe und bringe natürlich fachliches Wissen und Erfahrung im Publikationsprozess ein. Ein gemeinsames Entwickeln der Projekte von Lehrperson und Studierenden ist eines der Grundprinzipien des verfolgten Lehrkonzepts. Selbststudium von fachlich naher Literatur und Anwendung / Selbstentwicklung von Softwaretools durch die Studierenden ist bestimmendes Lehrkonzept in Phase 1 und nicht zuletzt durch die Gruppensituation in den Phasen 1 – 3 wird auch massiv zu Eigenorganisation und Eigenverantwortung angeregt. Dies ist auch ein wesentliches Kriterium für die Erreichung der Phasen 2 – 4, die durch „Studieren mit Minimalaufwand“ kaum erreicht werden können, hier ist Engagement und Eigeninitiative erforderlich. Fachübergreifende Kompetenzen werden insofern gefördert, als es einerseits um rein fachlich-wissenschaftliche Fragestellungen, andererseits um wissenschafts-systematisch methodische Kenntnisse und Fertigkeiten geht. Im fachlich-wissenschaftlichen Bereich kommt es oft zu Interdisziplinarität (z.B. Multimedia Technologie – Medienformate und Sicherheitstechnik – Biometrie), ist aber nicht notwendigerweise Bestandteil des Konzepts.

 

Von Forschung bzw. durch Entwicklung und Erschließung der Künste geleitete Lehre: Die von den Studierenden bearbeiteten Themen entstehen aus diversen FWF, FFG und EU Forschungsprojekten des LVA Leiters und damit haben die Studierenden offensichtlichen Kontakt mit den Themen dieser Forschungsprojekte. Nicht selten sind auch erfolgreich absolvierte Projekte aus dem Konzept „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ Nuclei für anschließende Masterarbeiten und Dissertationen, wenn die Zusammenarbeit gut gelingt. Da das Konzept „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ im Bereich von Wahl- und Modulveranstaltungen der Regelstudien durchgeführt wird, ist die Abstimmung auf andere LVAs im entsprechenden Modul selbstverständlich.

 

Studierendenzentrierung: Der dialogische Austausch zwischen den Studierenden und mir aber auch zwischen Studierenden ist ein zentraler Aspekt des Konzepts, da die Themen als gemeinsames Gruppenprojekt bearbeitet werden. Im Diskussionsprozess über die Durchführung des Projekts sind wertvolle Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden zu erwarten, da es nicht nur um die Abarbeitung eines Arbeitsauftrags geht, sondern es soll der Fortschritt gegenüber dem Stand der Technik gezeigt werden, und es gibt hier natürlich viele verschiedene Wege dies zu tun. Die Diskussion darüber wie dies erreicht werden kann und die entsprechende Umsetzung unterstützt offensichtlich auch selbstorganisiertes und selbststeuerndes Lernen. Die Weiterführung von in Phase 1 abgeschlossenen Projekten in die Phasen 2 – 4 hängt ausschließlich vom entsprechenden Interesse und der Motivation der Studierenden ab. Durch die gruppenorientierte Abhaltung der LVA mit Gruppen-definierbaren Besprechungsterminen ist die Teilnahme von berufstätigen Studierenden einfach zu realisieren. Auch innerhalb der Gruppen können sehr gut leistungsabhängige Arbeitsaufgaben definiert werden um auch heterogene Lerngruppen gut einbinden zu können.

 

Kompetenzorientierung: Das Konzept „Forschendes Lernen im wissenschaftlichen Publikationszyklus“ ist an sich ergebnisorientiert und weist für die unterschiedlichen Phasen auch explizit verschiedene Learning Outcomes auf. Jede Phase für sich ist kompetenzorientiert und die jeweiligen Ziele und zu erwerbenden Kompetenzen sind für die Studierenden transparent.

Positionierung des Lehrangebots

Bachlor und Master

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 in der Kategorie Forschendes Lernen und Erschließung der Künste auf BA- und MA-Ebene nominiert.